Blood, sweat and tears…

Vom 20. August 2011

…oder mit anderen Worten: Ein Tag im Leben der Frau Hilde.
Oder mit noch anderen Worten: Frau Hilde goes Ikea.

Aber fangen wir doch einfach von vorne an.
Vor drei Wochen ist die Mitbewohnerin der Frau Hilde ausgezogen, weil sie in Mainz eine Stelle bekommen hat. Die Frau Hilde bekam ja bekanntlich ein Jahr Verlängerung in ihrem alten Verein. Und da die Mitbewohnerin von der Frau Hilde die meisten Möbel in der Wohnung besaß (Küchen- und Wohnzimmermöbel und noch ein bisschen Kruscht im Flur), ist die besagte Wohnung nach dem Auszug sehr leer gewesen. Und die Frau Hilde ist immer wie ein Erbschen in der Schachtel darin herumgekullert.
Fand die Frau Hilde ein bisschen doof. Ist ja auch blöd: da hatte die Frau Hilde eine ganz große Wohnung für sich alleine, aber keine Möbel darin.
Und deshalb hat die Frau Hilde beschlossen, dass das jetzt aber anders werden muss.

Sie hat sich aufgeschrieben, was sie braucht, hat überschlagen, was das kosten würde, ist zur Bank und hat den Kontostand abgefragt.
Hat dann ein bisschen geweint und die Liste wurde erheblich kleiner.
Und dann noch ein bisschen kleiner.
Und noch ein bisschen.
Aber dann…!

Die beste Freundin von der Frau Hilde hat ein sehr großes Auto.
Und so haben die Frau Hilde und ihre beste Freundin vereinbart, dass sie heute mal „bei Ikea“ gehen wollen. Und so erlesene Dinge kaufen wie: einen Fernsehtisch (der dazu gehörende Fernseher stand bei der Mutter von der Frau Hilde und wollte auch noch abgeholt werden). Einen PC-Tisch. Ein Regal. Ein Anbauteil für ein bestehendes Regal. Gefühlte trölfzig Kleinkramsachen wie Abtropfdings (der Frau Hilde fällt das richtige Wort einfach nicht ein!) für das Geschirr, etwas Küchenkram, ein paar Abfalleimer (für Bio-, Rest- und Papiermüll. Man trennt ja), einen Brotkasten und derlei Sachen. Eigentlich hätte die Frau Hilde noch einen Couchtisch und einen Esstisch nebst diversen Stühlen gebraucht. Und ein Sofa. Aber die ersten beiden Dinge bekam sie von der besten Freundin heute geschenkt (man dankt!), da die noch bei der besten Freundin rumstanden und nicht mehr gebraucht wurden. Und letzteres liegt im Moment – man lese oben nach, was nach der Kontostandsabfrage passiert ist – nicht im Budget der Frau Hilde.

Nun gut.
Heute Morgen sind die Frau Hilde und ihre beste Freundin also gen Ikea in [Hauptstadt der Kurpfalz] aufgebrochen.

Nachdem sich die beste Freundin der Frau Hilde nur um etwa zwei Stunden verspätet hat.

Und beide ja noch den Couch- und den Esstisch zwei Stockwerke nach oben schleppen mussten.
Und es natürlich heute über 30 Grad gehabt hat.
Die Frau Hilde und ihre beste Freundin haben gestaunt, wie viel so kleine Menschen schwitzen können!

Aber zurück zu Ikea: Die Frau Hilde ist top vorbereitet gewesen, denn sie hatte nicht nur eine Liste mit Dingen, die sie so gebraucht hat, nein, sie hat sogar schon die Artikelnummern rausgeschrieben gehabt. Es konnte also losgehen.
Hier sieht man, wie toll die Frau Hilde vorbereitet war (das farbig Markierte hat sie danach gemacht; grün bedeutet, dass sie es bekommen hat, rot, dass sie es nicht bekommen hat. Ist eigentlich ganz einfach zu verstehen):

Ach so.
Man sollte da noch was erwähnen.
Es war Samstag.
Samstags gehen alle Bewohner Baden-Württembergs und von Rheinland-Pfalz in genau DIESEN Ikea. Ist klar, oder? Gibt ja sonst keine…

Nun, nachdem sie die Spezies „Kurpfälzer und Konsorten“ knapp zweieinhalb Stunden quasi unter Laborbedingungen beobachten hat dürfen, stellt sich Frau Hilde folgende Fragen:
1. Wieso gibt es Smalland nur für den „kleinen Tschastin“ und die „kleine Schantalle“? Sollte man da nicht viel mehr die genervten Väter und/oder Mütter des „kleinen Tschastin“ und der „kleinen Schantalle“ hinschicken? Ist doch viel erholsamer, so im Bällchenbad rumzutoben. Und die Bratzen können inzwischen den Einkauf erledigen. So kleine Kinderhände können ja nicht nur ganz prima Teppiche knüpfen, sondern auch das letzte Boasjö-Set aus der hintersten Ecke im untersten Regal rausfriemeln.
2. Wieso sind erwachsene Menschen nicht in der Lage, einen Einkaufswagen auf geradem Weg von A nach B zu schieben? Stattdessen spielen sie Schumi und starten ein ums andre Mal gewagte Überholmanöver oder ziehen ganz unmotiviert plötzlich nach links oder nach rechts. Was wiederum zu Vollbremsungen der hinter ihnen fahrenden (bzw. geschoben werdenden) Wagen führt. Und schon hat man einen Stau. Kennt man ja. Von der A6 und der A8 und…
3. Wieso müssen genau diese Menschen ihre Einkaufswagen in die schmalste Zwischengasse quetschen, nur damit sie den Schnellkochtopf Dillköt nicht zwei Meter schleppen müssen, sondern direkt in den Wagen werfen (wahlweise schlagen sie damit unschuldige Menschen um sich herum k.o.; es soll zwischen dem Klobürsten- und dem Klopapierhalter-Regal schon zu tumultartigen Szenen gekommen sein deswegen!).
4. Wieso muss man, wenn man nur zwei, drei Dinge braucht, durch den ganzen großen Ausstellungsteil latschen, in dem es genau keine Abkürzungen gibt? Und wiesowiesowieso merkt man am Ende des ganzen großen Ausstellungsteils, dass man vergessen hat, die Regalnummer für Ivar aufzuschreiben, aber Ivars gibt’s natürlich fast am Anfang des ganzen großen Ausstellungsteils??
5. Wieso sind die wichtigsten Dinge in den Regalen so weit oben, dass man ein gewagtes Auf-den-Einkaufswagen-kletter-Manöver starten muss, um sie zu erreichen?
6. Wieso ist man immer genau der einzige Mensch in der kilometerlangen Schlange, der die einzige Ware im kilometergroßen Ikea erwischt hat, bei der der Strichcode fehlt? Was dazu führt, dass die gestresste Kassiererin fünf Telefonate führen muss („der Eimer mit der schwarzen Umrandung, hast du den Code? (…) Nein? (…) Beim [Name einer Bescheid wissenden Person im Markt] nachfragen? (…) Ja, dann ruf ich da an…“).
7. UND WELCHER *!(„&§=&#?* (zensiert) HAT DER FRAU HILDE DIE LETZTEN FUSSTEILE FÜR GORM VOR DER NASE WEGGESCHNAPPT??

Gut, irgendwann waren die Frau Hilde und ihre beste Freundin dann wieder draußen. Gefühlte zwei Kilo (weggeschwitzt) leichter.
Nach einem Schlenker, um den Fernseher abzuholen, der sich als monströses 60-cm-Röhrengerät entpuppte (Kommentar der Mama von der Frau Hilde: „Na, viel Spaß, wenn ihr den ins Dachgeschoss schleppen müsst!“ – Kommentar der besten Freundin von der Frau Hilde und von der Frau Hilde selbst: *STERB*), kamen die beiden Zwei dann endlich wieder in Hildehausen an.
Und dann ging die Schlepperei wieder los. Die Frau Hilde und ihre beste Freundin haben wirklich jeden Passanten (es waren nur zwei) charmant und bezirzend angelächelt, in der Hoffnung, es gäbe in Hildehausen noch wahre Gentlemen. War aber nicht so. Die Passanten haben sich vermutlich eher gefragt, warum die zwei Weiber so dämlich daher grinsen.
Und so haben die zwei armen kleinen Frauen nun also Stück um Stück nach oben gehievt.
Die beste Freundin von der Frau Hilde ist dann nach Hause gefahren. Und die Frau Hilde war fürs Erste bedient. Und transpirierte freundlich vor sich hin.

Vor einer Stunde packte die Frau Hilde dann aber der Ehrgeiz und sie hat mal eben den „Lack Beistelltisch mit Rollen, Birkenachbildung“ montiert.
Und ist jetzt mächtig stolz auf sich.

Und geht jetzt völlig erschlagen ins Bett. Natürlich nicht, um zu schlafen – das ist ausgeschlossen, denn nebenan ist Polterabend.
Und außerdem ist es immer noch zu heiß.

Bo-bo-borowski. Schwitzt die Hilde und kreucht ins Heia. Yehaa. Frau Hilde vs. Ikea 1:0!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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