Sweat, baby, sweat…

Also, zum Thema Sportlichkeit hält sich die Frau Hilde meist dezent zurück. Nämlich, sie hat wirklich, wirklich viele Talente, zum Beispiel kann sie hervorragend Chaos stiften, in Fettnäpfchen trampeln, gegen Türen laufen und sich mit Kreide verschmieren. Aber Bewegung im Allgemeinen und auch im Besonderen gehört nicht in der Frau Hilde ihr Talentrepertoire.

Nun ergab es sich aber, dass die Frau Hilde in ihrer Jugend (zwischen Wiener Kongress und Vormärz) Fußball gespielt hat und diese Leidenschaft nie ganz abgeebbt ist. Und deshalb haben die Frau Sabi (die spielt übrigens heute noch) und die Frau Hilde Anfang des Schuljahres eine Mädchenfußball-AG gegründet.

Und weil man da ja auch ein bisschen oder ein bisschen mehr mit den kleinen puscheligen Kindlein arbeiten muss, haben sich die Frau Sabi und die Frau Hilde zu einer zweitägigen „Fußball für Lehrer“-Fortbildung angemeldet.
 Klingt komisch, ist aber so.

Jedenfalls, am Mittwoch mitten in der Nacht morgens um halb acht juckelten die beiden los; es ging nach [größere Stadt im Norden von RLP].

Und sie kamen auch nur zehn Minuten zu spät an, weil die Frau Hilde unbedingt noch eine rauchen musste sie eine Dreiviertelstunde im Stau standen.

Ja, und dann ging es los. Die Frau Hilde war bereits zu Beginn der Veranstaltung ein klitzegrößeres bisschen eingeschüchtert, nämlich da waren außer ihr und der Frau Sabi, die aber sehr sportlich ist, NUR Sportlehrer. Und nach einem Blick auf den Plan, auf dem zu lesen war, dass es viele, viele, viele Praxiseinheiten geben würde, schluckte die Frau Hilde schwer und versuchte, sich möglichst unsichtbar zu machen.

Wer die Ausmaße der Frau Hilde kennt, weiß, dass das mit dem Unsichtbarmachen nicht klappen konnte.

Und so schlich die Frau Hilde eine halbe Stunde später hinter der begeistert vorausstürmenden Sportlehrermeute hinterher und blässelte vor sich hin.

In der Sporthalle selbst liefen sich alle warm, auch die Frau Hilde. Und ja, dann begann das eigentliche Schulen. Alle machten brav und motiviert die Übungen mit; die Frau Hilde auch, nur dass sich die Frau Hilde mit der Grazie (und dem Tempo) eines gestrandeten Walfischs bewegte, wohingegen die Damen und Herren Sportlehrer alles mit lässiger Eleganz bewältigten.

Der Walfisch Die Frau Hilde schielte gefühlt jede halbe Stunde auf die Uhr und stellte jede halbe Stunde fest, dass erst drei Minuten vergangen waren.

Nach weiteren Praxiseinheiten am Nachmittag fiel die Frau Hilde um 19 Uhr ins Bett, erinnerte sich zu ihrem Glück daran, Schmerztabletten eingepackt zu haben, pfiff sich eine ein, und hörte für die nächsten zwölf Stunden auf, sich zu bewegen.

Apropos bewegen: Der Wahnsinn Spaß ging ja über zwei Tage. Am Donnerstag kroch die Frau Hilde dann mehr oder weniger auf allen Vieren zur Halle; überbot die Grazie vom Vortag noch (ihr fällt jetzt bloß nix ein, was noch uneleganter aussieht als ein Walfisch auf dem Trockenen) und musste danach noch den schuleigenen Kleinbus von [größere Stadt im Norden von RLP] nach Hildehausen (ca. 200 km Entfernung) mitsamt der neben ihr sitzenden Frau Sabi befördern.

Seid ihr schon mal einen Kleinbus gefahren mit einem Muskelkater, der nicht von diesem Stern ist??

Die Frau Hilde möchte dieses Erlebnis wirklich so schnell nicht wiederholen. Und das tat sie auch pausenlos einige Male der Frau Sabi kund. Diese wiederum grinste nur wissend und teilte der Frau Hilde dann mit, ihr selbst tue eigentlich nichts weh.

Pf. Dinge, die die Frau Hilde nicht wissen wollte.

Dass dann auf dem Weg nach Hause noch die bereits beschriebene Hilde des Tages passierte, war dann das Sahnehäubchen.

Heute (Montag), wo die Frau Hilde das postet, geht der Schmerz übrigens langsam zurück, und die Frau Hilde hat nicht mehr das Gefühl, jemand würde permanent mit einem kleinen Hämmerchen auf Knie und Oberschenkel schlagen…

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und geht ins Wohnzimmer. Ein bisschen selbst bemitleiden.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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4 Antworten zu Sweat, baby, sweat…

  1. Corinna schreibt:

    *lol* … Sport nur bei Rückenschmerzen und dann auch nur solange, bis sie wieder abgeebbt sind. Mehr macht der innere Schweinehund nicht mit.

    Uneleganter als ein Walfisch… mhm, mal sehen… ein Elefant beim Ballett? Ein Walross in der Wüste? Einen Pinguin in Zwangsjacke stelle ich mir auch sehr lustig vor. Kurz: Da ist noch Potenzial. Sport frei!

    • frauhilde schreibt:

      Ein Pinguin in Zwangsjacke kann wenigstens noch mit den Füßchen strampeln. *grummel*
      Aber das Walross in der Wüste klingt fein. Das kann ich dann bei der nächsten Fortbildung verbraten. Obwohl – da schwebe ich dann sicher elfengleich durch die Sporthalle. *hüstel* 😀

      Übrigens sagte mir neulich jemand, man solle den inneren Schweinehund nicht bekämpfen, sondern mitnehmen. Kannst du ja mal ausprobieren (und bitte Bericht erstatten; meiner ist ja auch so ein böses Tierchen!).

  2. Jürgen schreibt:

    Ja, Lady Hilda, bin eben über Sie gestolpert.
    Bo- bo- borowski???
    Aber die dritte Person gefällt mir. Kritische Distanz.

    • frauhilde schreibt:

      Guten Tag, Herr Hauptschulblues (bei uns im Bundesland sind selbigwelche übrigens von der Bildfläche verschwunden. Man nennt das hier jetzt „Realschule plus“ und von dem Geld, das für diesen Schwachsinn ausgegeben wurde, hätte man die eine oder andere dringend nötige Lehrkraft einstellen können… Aber ich komme vom Thema ab…),

      dankeschön für den Kommentar!
      Das Bo-bo-borowski hat sich mal aus einer nur situationskomischen Bemerkung einer Freundin in Bezug auf Tim B., der von Werder auszog, um sein Glück (Geld?) bei den Bayern zu versuchen, ergeben. 😉

      PS: Du, Herr Hauptschulblues, ich wollte bei dir kommentieren.
      Aber ich bin da wohl ein bissele zu doof für…

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