Liebeserklärung

Hach, die Zwölfers.

Weil die Frau Hilde spätestens am ersten Schultag nach den Ferien wieder ganz fürchterbar über die Chaoten schimpfen wird, bekommen sie heute mal eine kleine Liebeserklärung.

Um das alles zu erklären, muss die Frau Hilde ein bisschen ausholen. Also, nämlich bei den Sechsern is das so, dass sie, ruft man sie mit Namen auf, erst einmal verdutzt „ich?“ fragen. Und weil das mit der Zeit ein klitzegrößeres bisschen genervt hat, haben die Frau Hilde und die Sechserpuschels eine Regel eingeführt: Wer beim Aufrufen „ich“ sagt, muss eine kleine Aufgabe bewältigen. Das ging von tanzen über rappen mit dem Nawi-Lehrer bis hin zu singen. Einer der kleinen Puschels musste neulich „Stille Nacht“ vorm Grundkurs Geschichte 13 singen, was er ziemlich doof fand, nämlich in diesem Kurs sitzt sein großer Bruder und der Spott war ihm natürlich sicher.

Vor einer Woche erwischte es ein ganz kleines Puschelmädchen, das bei der Zwölfer-Weihnachtsfeier auch was singen musste. Weil nämlich, also am Donnerstag war ja Weihnachtsfeier, die Frau Hilde und die Chaoten haben lauter Plätzchen und sowas alles mitgebracht, einer der Chaoten hatte eine Kochplatte dabei, für um Punsch (alkoholfrei!) zu machen, und es wurde gewichtelt.

Und jedenfalls, da hat das Puschelmädchen gesungen. Und weil das ein ganz mutiges Puschelmädchen ist, meinte es zu den Chaoten, dass die gefälligst nicht lachen sollen, sondern lieber auch mal zu den Sechsern kommen und dort „Gangnam Style“ performen.

Fanden die Chaoten total lustig.

Bis sie heute von der Frau Hilde tatsächlich zum Klassensaal der Sechser verschleppt wurden. Und ja, sie haben getanzt. Oder eher „getanzt“. Die Sechser fanden’s super, die Frau Hilde auch; was die Chaoten davon hielten, haben sie nicht gesagt, aber zwei haben ein bisschen sparsam geguckt (das Ganze war übrigens freiwillig, nicht dass jetzt jemand denkt, die Frau Hilde würde ihre Schülers zu irgendwas zwingen. Also, das tut sie schon, aber nicht zu SO was!).

Und weil am Freitag wieder eins der Puschelmädchen „ich“ gesagt hat, musste besagtes Puschelmädchen mit einem der Zwölfer Walzer tanzen. Der Zwölfer hat auch gleich gesagt, er macht das, kein Problem.

Womit er wohl nicht gerechnet hatte, war, dass ein Kurskollege die Musik rausgesucht hat. Und was suchte der raus? Klar, ganz klassisch: Das hier.

Es war sehr, sehr niedlich (und das meint die Frau Hilde völlig harmlos!).

Und genau deshalb mag die Frau Hilde ihre Chaoten ja irgendwie trotzdem ganz gern. Sie sind laut, sie sind anstrengend, sie nerven, sie hören nicht zu, sie stören, sie kommen zu spät, sie jammern an einer Tour über das doofe Deutsch, sie müssen jeden Notenpunkt einzeln ausdiskutieren – aber sie schaffen einem auch solche Momente und machen eine Klasse mit kleinen Puschels glücklich.

Und dafür haben sie jetzt diese Liebeserklärung bekommen.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde, die jetzt noch schnelleben Wäsche aufhängt und dann für morgen (Weihnachtsfeier mit der eigenen Klasse, den pubertierenden Achters) packen wird.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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7 Antworten zu Liebeserklärung

  1. Corinna schreibt:

    Oh, ja, es ist höchste Zeit für die jährliche Dosis „Dirty Dancing“! *gleichmaldieDVDrauskram*

    Ich schätze, für Ideen wie „Gangnam Style“ lieben sie Dich. . . . und es kann auch keinesfalls verkehrt sein, wenn sie lernen, wie man Walzer tanzt. Von daher: Weiterhin noch viel Spaß auf Weihnachtsfeiern und mit „ich-Sagern“! 😉

    • frauhilde schreibt:

      „Dirty Dancing“ UND natürlich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“! ❤ (Weiß nicht, ob du auch zu der Generation gehörst, die damit aufgewachsen ist; falls nicht: nachholen, es lohnt sich, schönster Märchenfilm von weltweit!!)

      Ich glaube, besonders geliebt haben sie mich nicht, besonders dann nicht, als ich das Gehopse auf Video aufgenommen hab. 😉
      Morgen ist die letzte Weihnachtsfeier mit den Achtern, danach bin ich a) pleite und b) ferienreif!
      Viel Spaß noch beim Backen!

  2. diewiderspenstige schreibt:

    jetzt werd ich neidisch – da ist der Spaßfaktor bestimmt hoch 😀

    Ich musste bis jetzt nur ein paar Mal Kuchen backen, weil ich Deutsch im Englischunterricht geredet hab… Und so „Strafen“ wie Tanzen, Singen etc gibts nur für Zuspätkommen… 😉

    Ich „durfte“ schon mal mit meinem Physiklehrer Walzer tanzen – davon gibt´s heut noch Videos…

  3. Nochmal bitte für die ganz Langsamen: Wo findet sich in diesem Klassiker (herrje, so jung waren wir auch mal!) der Walzer? Und eigentlich lautete die Aufgabenbeschreibung doch, einen solchen zu tanzen!?

    Sorry für die Haarspalterei, aber wenn schon Sanktion, dann doch bitte auch genau …

    • frauhilde schreibt:

      Oh, sie HABEN Walzer getanzt. Und der Arbeitsauftrag lautete ja nicht, Walzer auf ein Lied mit Walzertakt zu tanzen! Dass das Ganze dann arhythmisch aussah, war eine Unbekannte in der Sanktionengleichung, die ich mangels genaueren Arbeitsauftrags hinnehmen musste. 😉
      Und ja, so jung waren wir auch mal. Damals. Im Hundertjährigen Weltkrieg. Oder so.

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