Das große böse N

Well, here we go again, ol‘ lad…

N wie „NEEEEIIIIN, ist es schon wieder soweit?“

N wie „Nun gut, hilft ja nüscht.“

N wie „Neues Jahr, neues Glück.“

N wie „Na, dann woll’n wir mal würfeln.“

Kurz:

N wie [insert Gruselmusik vom „Weißen Hai“]

NOTENSCHLUSS!“

Das ist ungefähr das Schlimmste, was einem so als Lehrer passieren kann. Von pubertierenden Mädchen, cholerischen Chefs, Klassenfahrten, Wandertagen und arschigen Vizechefs mal abgesehen.

Notenschluss heißt:

1. Verdammt, ich wollte doch noch einen Test schreiben, aber wann zum Geier korrigiere ich den, wenn ich eben noch rasch die Hefte der einen Klasse und die Ordner der anderen Klasse einsammle, und fehlt da nicht noch eine mündliche Note – und wieso hab ich bei XY die Klassenarbeit zwar eingetragen, aber der Computer spuckt eine andere Note aus, als er eigentlich geschrieben hat, und wieso muss die Kollegin jetzt heute einen 10-Stunden-Test schreiben, da kann ich ja dann keine Hausaufgabenüberprüfung mehr – und wo ist eigentlich mein Notenbuch und wieso fehlt bei Klasse YZ eine mündliche Note, und wo zum *zensiert* ist die blöde Datei, in die ich ganz vorbildlich die mündlichen Eindrücke eingetragen hab, um sie irgendwann mal zu sortieren und archivieren, und wieso muss ich jetzt Neustart machen und warum sind alle PCs im Lehrerzimmer von Referendaren besetzt, die keinen Schimmer von Notengebung haben und sich alles Schritt für Schritt erklären lassen, um es dann nur zwölf mal falsch einzugeben und alles wieder zu löschen, und wer hat mir jetzt das Druckerpapier geklaut und kann der blöde zweite Kopierer nicht mal frei werden, damit ich die Notenliste, und hei, wieso kommt bei drei mal Fehltage zählen im Klassenbuch drei mal ein unterschiedliches Ergebnis raus und wollte YX nicht noch eine Entschuldigung – und wer hat ZY eigentlich gesagt, dass er heute früher gehen darf, ist das dann ein unentschuldigter Fehltag, und wieso kann ich die Mitarbeitsnoten meiner Klasse nicht einsehen und wieso hat Schnarchnasenkollege M. immer noch nicht seine Geschichtsnoten eingetragen und WAAAAH!!

Und Notenschluss heißt

2. „Frau Hilde, kann ich noch ein Referat machen?“ – „Zwei Tage vor Notenschluss? Das fällt dir wirklich früh ein.“ – „Ja, aber ich wusste ja nicht, dass ich so schlecht und ich muss aber und wenn der W. mir eine Fünf gibt, brauch ich die Drei zum Ausgleichen und aber meinen Sie, ich schaffe noch eine Zwei?“ – „Na ja, du kennst deine Einzelnoten: Fünf, vier minus, vier, fünf plus.“ – „Aber mit nem guten Referat, da könnte ich die Zwei doch noch…?“

Und Notenschluss heißt

3. „Du, Lieblingskollegin O., ich geb grad die Zwölfernoten ein. Wieso rechnet der jetzt Kursarbeit : Sonstige 1:2, ist das nicht 1:1? (…) Oh, im Grundkurs 1:2? Lustig. Jedes halbe Jahr vergess ich das wieder. Aber sag mal, wieso nimmt der jetzt nur volle Noten und keine Punkte an? Und weshalb tut er so, als seien die Noten Punkte und mein Kurs-Genie hat statt einer Eins plötzlich einen Punkt??“

Und Notenschluss heißt vor allem

4. „So. B. hatte 3 Punkte in der Kursarbeit, seine sonstigen Leistungen sind irgendwo im Minusbereich angesiedelt. Was geb ich ihm? Er hat bereits fünf Kurse unterbelegt von den sieben, die er darf, um noch zum Abi zugelassen zu werden. Und jetzt ist erst 12/1! Wenn ich ihm jetzt die vier Punkte gesamt… Dann… Hm… Aber für fünf Punkte war er einfach zu schlecht. Aber er war ja immer da und immer pünktlich. Andererseits, er hat seine Anwesenheit dazu genutzt, den Kurs vom Arbeiten abzulenken. Hach, Mann. Ob ich ihn anmailen soll und fragen, ob er ein Referat…?“

Ach so, und es heißt auch noch

5. „Aber wieso hab ich nur ne DREI mündlich? Ich hab IMMER meine Hausaufgaben gemacht!“ – „Hast du sie auch vorgelesen bzw. dich zum Vorlesen gemeldet?“ – „Nein, aber ich hab sie IMMER gemacht.“ – „Das ehrt dich, nur kann ich eine gemachte Hausaufgabe erst dann in die Note einfließen lassen, wenn du auch die Bereitschaft zeigst, sie vorzutragen.“ – „Aber der N., der hat ne Zwei. Und der hat das auch NIIIIEEEE gemacht.“ – „Der hat aber sonst aktiv am Unterrichtsgeschehen teilgenommen.“ – „Das ist VOLL gemein!“

Aus den tiefsten Tiefen dieses Elends winkt die Frau Hilde müde empor. Durchhalten. Bis Donnerstag. Dann ist das Grauen der Spuk vorbei.

Die Frau Hilde hat jetzt auch zwei neue graue Haare. Sie hat sie „Noten“ und „Schluss“ genannt.

Und weil das ja nicht reicht, bockt seit vorhin die Gangschaltung vom Rosinante-Bikel. Da geht nur noch der fünfte (von sieben) Gängen. Das ist ein bisschen nicht so schön beim Anfahren.

Und weil das ja alles soooo schröcklich ist, geht die Frau Hilde jetzt mal Heia machen. Ach so, und morgen noch schnell ein Test und aber dann ist aber auch mal Schluss. Notenschluss. Ja.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und nimmt den Würfel mit ins Bett. Mal noch ein bisschen pädagogisch sinnvolle Noten machen, ne?

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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23 Antworten zu Das große böse N

  1. Corinna schreibt:

    Das klingt ja absolut schrecklich. Halte durch! Die nächsten Ferien kommen bestimmt.

  2. diewiderspenstige schreibt:

    oh je oh je, ich überleg mir das glaub noch mal mit dem auf Lehramt studieren 😉

    Für das Auto hätte ich allerdings eine Idee – einfach „Ja, du kriegst 15 Punkte – aber nur, wenn ihr mir sechstellige Beträge auf mein Konto überweist!“ sagen. Schüler haben gute Noten und man kann sich nebenbei gleich ein neues Auto kaufen 😀
    (den Spruch hat ein alter Lehrer von mir immer gebracht…)

    • frauhilde schreibt:

      Auto?
      Das Rosinante-Bikel ist ein Fahrrad, und zwar eins, das ungefähr zurzeit der Entdeckung Amerikas gefertigt wurde! 😉
      (Ich stell mal ein Foto hier ein.)

      Aber das mit der Bestechung ist eine feinfeine Idee. Ich bringe das mal ganz subtil in die Notendiskussionen mit ein. 😀

      Und nein, nicht überlegen – die Welt braucht Lehrer mit deinem Humor!!

      • diewiderspenstige schreibt:

        Schande über mein Haupt, das kommt davon, wenn man im Bus auf dem Smartphone-Display den Post liest, während der Bus über Schlaglöcher hüpft – statt Anfahren Autofahren gelesen… 😀

        hihi, sehr lieb gesagt 🙂 ich freu mich immer mehr auf wuselige Grundschüler 😉

        • frauhilde schreibt:

          Haha, geil!
          Böse Schlaglöcher, das.
          Und es war mehr beim Fahrrad-Anfahren. Das ist als mäßig sportlicher Mensch mit nem hohen Gang drin (also, beim Radl) nicht ganz so einfach. 😉
          Inzwischen tut’s aber übrigens wieder gehen. Dafür macht das rechte Pedal Geräusche/ Bewegungen, die mich sein baldiges Ableben/ Abfallen befürchten lassen.

          Wann geht’s nochmal los?

      • diewiderspenstige schreibt:

        am 28. Januar geht´s los (mein Kommi passt da unten irgendwie nicht mehr hin *mhpf*)

  3. Kaa schreibt:

    Ich wusste doch, dass in manchen Fächern die Noten ausgewürfelt werden 😉

    Leider trau ich mich jetzt gar nicht, hier noch weiter zu schreiben. Hab nämlich in meinem letzten Kommentar zwei Fehler entdeckt, die mir nun furchtbar peinlich sind. Warum fallen die einem erst auf, wenn man den Text schon abgesendet hat? Irgendwie kann ich mich nicht so recht entspannen, denn einer frauhilde mit grandiosen Deutschkenntnissen muss doch jedes vergessene Komma sofort ins Auge springen!

    • frauhilde schreibt:

      Ja, wir haben da so spezielle Würfel: Schüler sympathisch => Notenwürfel nur mit Zweien und Einsen. Schüler AK => Notenwürfel mit Fünfern und Sechsern.
      Ganz primafein, das.

      Und neeeeiiiin, bitte schreib weiter! Ich guck da nämlich nie drauf wegen weil ich vergess das beim Schreibseln ja auch ab und an. Also, dass es da so Regeln und sowas alles gibt. 😉

  4. Theni schreibt:

    Lustig. Ich dachte, dass wenigstens das Halbjahr überall in Deutschland gleich ist. (Wobei, hm. wär auch unlogisch) Bei uns ist noch nix mit Notenschluss, eigentlich schade, wir hätten nämlich gerne Pause von den ganzen Arbeiten und Noten. Noten sind das ganz ganz ganz böse N. 😀
    Und noch eine Frage so am Rand, wegen der Aussage zu den mündlichen Noten: Warum zählt denn nur, wie viel jemand redet/sich beteiligt. Irgendwie unfair, wenn man immer eine 4 reingedrückt bekommt, nur weil man lieber still ist.

    • frauhilde schreibt:

      Wann habt ihr denn?

      Ich kann die Frage nur für mich beantworten: Bei mir zählt auch die Qualität, so dass auch stillere Schüler eine Chance bekommen. Andererseits sind mündliche Noten halt nunmal mündliche Noten und da rechnet sich halt auch die Quantität.

      • Theni schreibt:

        Keine Ahnung, aber bei uns redet keiner (!!!) von Notenschluss. Und keiner hat auch nur annähernd Lust, Referate oder so zu machen.
        Und wegen den mündlichen Noten: Ich kann dein ‚System‘ gut nachvollziehen und find das auch richtig so, aber klang vorher bisschen anders… (Als stille Schülerin bin ich da doch etwas empfindlich, wenn ich in der Hälfte der Fächer mündlich auf 2 stehe und in der anderen Hälfte auf 4. Weil halt einige dann doch nur Quantität benoten.)

        • frauhilde schreibt:

          Nein, das war eher auf die Schüler bezogen, die weder aufpassen noch sich in irgendeiner Weise am Unterricht beteiligen, sondern im Gegenteil nur stören und nerven, am Ende dann aber das Argument bringen, sie hätten doch immer die HA gemacht. Mit so einem Argument um eine bessere mündliche Note zu feilschen, kann ich dann halt einfach nicht logisch nachvollziehen.
          Oder man macht’s wie S. von den Zwölfern und schreibt in der mündl. Selbsteinschätzung: „Ich verdiene 11 Punkte, weil ich immer das Buch dabei hatte!“
          Ja, dann… 😉

  5. teacheridoo schreibt:

    Wie handhabst Du denn diese „Referat auf den letzten Drücker“-Anfragen? Einerseits möchte man ja niemandem irgendwas versauen, andererseits ist es einfach nicht fair denjenigen gegenüber, die sich das ganze Jahr zusammengerissen haben.

    • frauhilde schreibt:

      In der Regel lasse ich das nicht zu. Die Schüler kennen ihre Einzelnoten bzw. können sie jederzeit erfragen. Und ich führe etwa einen Monat vor Notenschluss oft noch Einzelgespräche mit den „kritischen Fällen“.
      Bei den Großen habe ich es bisher einmal gemacht; da hätte ein Punkt weniger die Zulassung zum Abi gefährdet. Der Schüler war an sich nicht schlecht, hatte aber eine 2-Punkte-Kursarbeit hingelegt.
      Aber wie gesagt, grundsätzlich gibt es das nicht, weil ich wie du der Meinung bin, dass ein gutes Referat nicht die schlechte Leistung im Halbjahr ausgleichen kann.

  6. Disaronno schreibt:

    Zu 3.: Das liegt aber auch daran, dass JEDE Fachschaft JEDES Jahr ne andere blöde Idee hat wie das zu rechnen ist. Schlimmer als das Kultus diese Fachschaften!

    • Disaronno schreibt:

      Bin der praktikon, mein ei-Fon mag nur nicht, dass ich das bin :/

      • frauhilde schreibt:

        Wir sind doch nur die Sklaven der KMK!!

        Das mit der Umrechnung lag allerdings am System hier an der Schule; das ist in der 11. besonders verwirrend, weil die Schüler in 11/2 sowohl die üblichen Halbjahrespunkte ins Zeugnis bekommen als auch noch ein separates Jahreszeugnis, in dem die Leistung aber in Noten angegeben wird. Und irgendein Admin hatte das versehentlich so eingestellt, dass es bei den Zwölfern auch so war.
        Gerechnet wird übrigens sowieso nicht (*Lehrergesicht mach* *g*), und bei uns sind die Kriterien für die Notengebung bekannt und unverändert.
        Aber der doofe Computer, der wollte an dem Tag einfach nicht mitspielen. *seufz*

        Edit: Ist dein Ei-Fon schon so schlimm im Matheabistress? Ich schick dir eine Portion Mitleid!

        • praktikon schreibt:

          Matheabi habe ich heute erfolgreich hinter mich gebracht! Das Ziel von einem Punkt könnte mit Glück erreicht werden *hüstel* (Ein Glück will ich NICHTS mathematisches machen… Englisch Lehramt *hüstel*) Mitleid ist gut angekommen und wurde direkt verspeist!

          Wie die elfer kriegen da zwei Zeugnisse? Bei uns wird das simpel gemacht, es stehen Punkte und die Wortnote da (lies: Englisch 10 gut, z.B.) und da hat es noch nie Verwirrungen gegeben.
          (Was anderes ist es wie man auf die Noten kommt. Ich wette wenn ich mein Referendariat anfange, dann ist das errechnen der Jahresfortgangsnote eine formel die alleine schon mindestens ein Mathe-Abi vorraussetzt, so ’ne gebrochenrationale mit e, logarithmus, Wurzel, etc.)

          • frauhilde schreibt:

            Ein Punkt ist super (ich hatte im Mathe-Abi auch nur einen mehr *g*).
            Nimmst du zu Englisch noch ein zweites Fach? Und welches Lehramt? (Also, für welche Schulform?)

            Ja, sie bekommen ihr normales Halbjahreszeugnis und – und das ist für die Versetzung in 12 entscheidend – ein Jahreszeugnis 11. Und da kommt man natürlich manchmal auf andere Noten als im Halbjahreszeugnis.

            Und im Ref wirst du lernen, dass du Noten nicht errechnest, sondern erteilst. Und zwar pädagogisch.
            (Und natürlich wirst du trotzdem rechnen, denn das tun wir alle! *g*)

            • praktikon schreibt:

              Kompliziert bei den Gymnasiasten ist das!

              Ich überlege entweder Deutsch, Geschichte oder Sozialkunde 🙂 Studieren werd ich auf gymnasial, versuche aber an die FOSBOS zu kommen – nur Oberstüfler! Und dann auch noch fast alle freiwillig da!

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