Hilde des Tages, Käsköpp und sowas alles

Ja, die HdT von gestern. Also, eigentlich von vorgestern.

Die Frau Hilde hat ja schon erzählt, dass ihre Puschels eine kleine Aufgabe zu bewältigen haben, wenn sie beim Aufgerufenwerden „ich“ sagen. Die Klasse hat das dann noch um „hä“ und „was“ erweitert, so dass idealerweise alle schön brav „bitte“ oder „wie bitte“ sagen sollten. Das klappt natürlich noch nicht auf Anhieb. Und so erwischte es am Dienstag – tadaa, die Frau Hilde selbst. Die nämlich auf eine Schülerfrage mit einem verwirrten „Was?“ reagierte.

Die Puschels kreischten vor Freude und überschlugen sich dann mit Ideen, was ihre Deutschlehrerin so alles machen könnte (Liebesgedicht an den Nawi-Lehrer, übrigens Kollege P., der Klassenlehrer der Geschichts-Achters; Ballett tanzen [abgelehnt durch besagte Deutschlehrerin; man hat ja einen Rest Selbstachtung, sogar als Lehrer!], einen Tag mit einem „Ich liebe meine 6. Klasse“-Schild um den Hals rumlaufen, usw.). Schließlich kamen sie auf die grandiose Idee, die Frau Hilde solle eine Schulstunde lang Schülerin sein und zwei der Puschels dürften Lehrer spielen.

Die Frau Hilde hat das auf 15 Minuten runtergehandelt und durfte dann gestern auf der Schulbank Platz nehmen. Es war sehr nett. Sie bekam eine Strafarbeit, ein Diktat (mit einer Eins! *stölzl*), schrieb zwei Briefchen, warf einen Papierflieger, schnalzte beim Melden, quatschte mit ihrem Nebensitzer und hatte Spaß. Die beiden „Lehrer“ vorne allerdings weniger, nämlich die haben eine Viertelstunde lang versucht, die restlichen Puschels zum Leisesein zu bringen. Geklappt hat das genau gar nicht.

Nach der Viertelstunde gab es dann vorne am Pult fliegenden Wechsel – und zack war Ruhe und dreißig kleine Puschels wurstelten fleißig mit Synonymen und Wortfeldern herum.

Die Frau Hilde findet das ganz toll, dass sie eine Klasse hat, mit der man das machen kann, ohne auch nur ansatzweise um seine Autorität als Lehrer fürchten zu müssen. Die war, kaum stand die Frau Hilde erneut vorne, wieder hergestellt und keines der Puschels meinte, „überdrehen“ und das Spielchen weiterspielen zu müssen.

Heute war dann langer Tag angesagt. Erst sah die Frau Hilde ihre Dreizehner wieder, von denen es immerhin zehn (von vierzehn) geschafft hatten, nach dem schriftlichen Abi nüchtern zu werden und aus dem Bett zu krabbeln, und damit sich die Großen wieder daran erinnern können, was das Geschichte-Ding eigentlich für ein Fach ist und was man da macht, hat die Frau Hilde ein bisschen Geschichts-Jeopardy mit ihnen gespielt. Themen waren alles, was bisher dran war, und zu jedem Thema gab es zehn Fragen.

Auf der Habenseite steht, dass die Jungs (man spielte Jungs gegen Mädchen, weil’s so schön aufging) alle acht Bundekanzler in der richtigen Reihenfolge mit Namen kannten.

Auf der Blamierseite steht, dass auf die Antwort „aufgeklärter absoluter Monarch in Preußen“ (Themenbereich „Absolutismus“) statt „Friedrich der Große“ die Antwort „Karl der Große“ kam.

Nun ja.

Und es gibt am nächsten Freitag Kuchen, nämlich Schüler S. hatte mal wieder vergessen, dass man im Unterricht nicht Kaugummi kauen darf. Kann man ja aber auch nicht wissen, wenn man die Hausordnung erst seit neun Jahren kennt, ne?

Danach war Klassenleiterstunde und die Deutsch-Achters bekamen Zeugnisse. Die meisten der Achters kamen mit den Ergebnissen recht gut klar; einige waren etwas geknickt (die Frau Hilde hat fünf „Versetzung stark gefährdet“-Fälle in der Klasse). Und zwei rechneten sich gegenseitig vor, was sie jetzt alles als Belohnung bekämen.

Da wurde die Frau Hilde glatt ein wenig neidisch. Was DIE heutzutage für ein stinknormales Halbjahreszeugnis bekommen – un-glaub-lich! Ein iPhone!!

Nachdem die Bande in Ehren entlassen worden war, reihte sich an den Vormittag nahtlos der Elternsprechtag Orientierungsstufe. Von 11.30 bis 13 Uhr war die Frau Hilde vollauf damit beschäftigt, den Eltern der Puschels zu sagen, wie toll die Puschels sind. Was die Eltern freute, außer eine Elterin, die war zickig und wollte zu der Deutsch-Drei im Unfallbericht letztes Jahr uuuunbedingt die Musterlösung. Die die Frau Hilde längst nicht mehr hat, weil nach der Besprechung der Klassenarbeit ins Altpapier gekippt. Nun gut. Schreibt sie halt eine neue.

Als dann der Elternansturm vorbei war, hatten die Frau Hilde und Kollegin C. eine knappe Stunde Zeit, um kurz zur Ruhe zu kommen, und dann begann das zweitägige Kompaktseminar für den Hollandaustausch im Februar bzw. Mai. 34 Neuntklässler und -innen sowie die beiden genannten Damen bereiteten sich bis 17 Uhr brav vor und wuselten arbeitsam in der Gegend herum. Außer Schüler H., der hatte heute Vormittag im Sekretariat angerufen und die Frau Hilde konnte kurz mit ihm reden. Nämlich er ist krank.

Frau Hilde: „Das tut mir aber leid. Was hast du denn?“

Schüler S.: „Ich hab mir die Zehe gebrochen.“

Frau Hilde: „Aua. Wie ist das denn passiert?“

Schüler S.: „Ja, also, ich bin ans Telefon gegangen.“

Frau Hilde: *?*

Schüler S. (kläglich): „Ja, und dann stand da plötzlich ein Tisch. Und ich bin auch FAST dran vorbeigekommen. Ich konnt doch nicht wissen, dass der Tisch auch Beine hat …“

Seufz. Noch einer der Schüler-W.-Spezies.

Und das mit den „Käsköpp“, das stammt vom Hausmeister der Frau-Hilde-Schule, der kurz noch reinschneite („Henn ihr do die Dia uffglosse?“ – „Ähm, nee?“ – „Kochn ihr jetz fir die Käsköpp?“)

Die Frau Hilde ist jetzt jedenfalls erstmal daheim. Eben hat sie ihren neuen Stundenplan im Intranet begutachtet. Nämlich, das war ja so, dass sie die Geschichts-Achters an Kollege D. übergibt. Und aber das hatte der Stundenplanmachmensch ewig nicht berücksichtigt und Kollege D. und die Frau Hilde waren schon ganz durcheinander, nämlich Kollege D. hat zu der einen Zeit (Dienstag 6. Stunde) selbst Unterricht.

Heute wurde es jedenfalls geändert und die Frau Hilde sah zu ihrem nicht geringen Erstaunen und leichtem Ärger, dass sie nun auch die Geschichts-Neuner (mitsamt Schüler H. übrigens) abgibt. Rein von den Stunden her war das klar, nämlich sie hat zu viele, aber immer muss sie ausgerechnet die abgeben, die sie behalten will. Und dann auch noch an Kollege W.

Echt, die Frau Hilde mag ihre Kollegen, aber DER … Nee. Geht gar nicht. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Aber ist ja auch egal. Jetzt hat die Frau Hilde jedenfalls noch die Geschichts-Zehner. Und die gibt sie jetzt auch nicht mehr her. Da kettet sie sich lieber an die fest. So.

Pf. Und ausgerechnet mit den Neunern hatte die Frau Hilde eine feinfeine Stationenarbeit zur Industriellen Revolution angefangen gehabt. Kollege W. wird das sicher sofort verwerfen und seine radikal fortschrittliche Methodik anwenden: Jahreszahlen auswendig lernen, Verfassertexte lesen und schriftlich zusammenfassen.

Und dann wundert man sich, dass die Schüler Geschichte scheiße doof finden …

Ja, ja, die Frau Hilde hört schon auf. Man wird ja noch ein bisschen rummuffeln dürfen … 😉

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und streckt jetzt mal die Beine aus. Morgen geht’s weiter mit dem Kompaktseminar. Von halb neun bis halb fünf. Yee-ha.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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10 Antworten zu Hilde des Tages, Käsköpp und sowas alles

  1. Jürgen schreibt:

    Ich lese Sie sehr gerne.
    Würde auch gern mal zugucken, was aber wegen der Entfernung unrealistisch ist.
    Morgen Seminar? Am Samstag? Und wo bleibt die Erholung?

    • frauhilde schreibt:

      Danke, das ist aber nett. *erröt*

      Sie können ja gedanklich zugucken, Herr Hauptschulblues. 🙂
      Ja, am Samstag. Und Erholung? Awas. Wir arbeiten doch nur halbtags!

  2. giftigeblonde schreibt:

    Ich lese dieses Blog auch sehr gerne, und freue mich dass für mich die Zeit der eigenen Schulpflicht und der meiner Kinder bereits vorbei ist. Wobei mit so einer Lehrerin würd es vielleicht doch Spaß machen;-)

    • frauhilde schreibt:

      Oh. Und gleich noch mal danke. *mehr erröt* Wie lieb.

      Ob es Spaß machen würde, sei dahingestellt. Aber zumindest hätte man jemand, über dessen Pannen man lachen kann … *seufz*

  3. diewiderspenstige schreibt:

    ICH WILL DICH ALS LEHRERIN!!!! *trotzig mit dem Fuß aufstampf*
    Hallo, wo bitte gibt´s denn so etwas Tolles? Wobei, das mit dem Ballett oder dem Schild um den Hals hätte mir auch gefallen, bei dem Ballett-Teil hätte ich dir sogar geholfen… 😉

    Und kannst du mal den Hausmeister-Satz übersetzen? 😀

    • frauhilde schreibt:

      Man sollte gut überlegen, um was man bittet, es könnte einem gewährt werden … 😀

      Übrigens mach ich so Zeugs nur bei den Puschels. Na gut, bei den Chaoten würde ich das vielleicht auch machen.
      Und wenn ich mir den Hals brechen will, weiß ich schönere Methoden als mir meine Füße beim Ballett zu verknoten!!

      Also, er fragte: „Habt ihr da die Tür aufgelassen?“ Und auf unser „Nein“ kam noch ein „Kocht ihr jetzt für die Käsköpfe?“ (= Holländer)
      Unten hatte jemand eine Verbindungstür aufgeschlossen, die der HM gerade abgeschlossen hatte und die übers Wochenende zubleiben muss. Und er hat uns verdächtigt.

  4. Corinna schreibt:

    Ich finde die Idee mit dem 15 Minuten-Tausch gut. Vielleicht sollte sogar jeder Schüler mal Lehrer spielen müssen. 😉

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