Von „sotte“ und „sotte“

Am Freitag und Samstag hieß es für die Frau Hilde ja Extraschicht schieben. Nämlich der Holland-Austausch wollte vorbereitet sein.

Das hieß im einzelnen: Vierunddreißig Neuntklässler hatten sich schon vor Wochen zu Gruppen zusammengefunden, um gemeinsam verschiedene Projekte zu bearbeiten. An diesem Wochenende sollten diese fertiggestellt werden. Zu den Projekten gehörte, dass eine Gruppe für alle kochte; eine andere führte in Hildehausen-City Interviews durch und zeichnete diese auf, um sie anschließend zu bearbeiten. Eine Gruppe machte eine Fotosession und erstellte damit eine Powerpoint-Präsentation. Undsoweiterundsofort.

Die Frau Hilde und Kollegin C. waren mittendrin und wuselten wild in der Gegend rum, motivierten hier, ermahnten da, verteilten große Teile des Budgets an die Küchengruppe, nahmen Schüler G. den Fußball weg, mit dem er die Einrichtung der Ganztagesschule zerlegen wollte, beruhigten Schüler L., der zu seinem Entsetzen gemerkt hatte, dass sein Austauschpartner eine -in war (als er ihr Foto im Gesichtsbuch sah, wich das Entsetzen übrigens schlagartig tiefster innerer Liebesverzückung) und waren pädagogisch sinnvoll unterwegs, sozusagen.

Irgendwie klappte es dann auch, dass neun Kindlein für den Rest ein Dreigängemenü gezaubert haben (griechischer Salat, ein eurasisches Gemüsereis-lecker-Irgendwas und Crêpes mit Vanilleis und heißen lauwarmen Waldfrüchten).

So schaut das übrigens aus, wenn man für eine ganze Legion einkauft:

 

Lecker Gemüse vom Markt

Lecker Gemüse vom Markt

Lecker Zutaten

Lecker Zutaten

Solchermaßen gesättigt begab sich die Truppe rollend neu motiviert an den Rest des Arbeitstages und man konnte dann auch pünktlich Schluss machen.

Und nun kommen wir zum Postingtitel (*): Es gibt zwei Arten von Schülern. Die einen putzen das weg, was sie verwüstet haben, räumen ihre Plätze auf und hinterlassen einen generell als sauber zu bezeichnenden Arbeitsplatz. Und dann gibt es halt noch die „Sotten“. Denen muss man ständig sagen, dass sie ihr Zeug wegräumen sollen. Die machen von allein keinen Strich (wie, Tische decken? Nie gemacht …), bequemen sich dann nach der dritten oder vierten Aufforderung mal, den Dreck vom Tisch auf den Boden zu wischen und definieren ihren Arbeitsplatz dann als aufgeräumt. Die paar Eddingkleckse, klebrigen Mittagessensreste, benutzten Tempos und leeren Flaschen, die noch herumliegen – ja mei, eine der doofen Lehrerinnen wird’s schon wegputzen.

Was die doofen Lehrerinnen nach Ende der Veranstaltung dann auch machten. Eine Dreiviertelstunde lang.

Danach folgte eine ziemlich angesäuerte Mail an die faulen Säcke aufräumunwilligen Schüler.

Die Frau Hilde fragt sich, ob die das daheim nicht beigebracht bekommen. Es ist ja eine Sache, dass man vielleicht mal den einen oder anderen Dreck nicht sieht. Eine ganz andere ist es, wenn man eine klare Arbeitsanweisung bekommt („Wischt bitte ALLE Tische ab; hier drüben hat es Eimer mit warmem Wasser und Lappen!“) und dann lustlos und bummelstreikartig irgendwo ein bisschen anfängt und nach dem ersten feuchten Klacks auf den Tisch selbigwelchen in ansonsten verschmutztem Zustand belässt und sich lieber den essenziellen Dingen des Lebens („Ey, guck mal, meiner hat Facebook!“ – „Krass, guck mal die Fotos von dem an!“) zuwendet.

Kurz: Um kurz vor sechs (um vier war der Spaß beendet gewesen) fiel die Frau Hilde dann zur Wohnungstür herein und beschloss, sich die nächsten zwölf Stunden nur noch zu bewegen, um Kaffee nachzugießen …

Heute hatten die lieben Fußballmädels ein Turnier und … Ach … breiten wir den Mantel des Schweigens darüber. Würde man die Tabelle mit dem Endstand auf den Kopf stellen, hätten sie eigentlich sogar ziemlich sehr gut abgeschnitten. Aber warnich.

Dafür hat die Frau Hilde zur Feier des Tages heute Morgen dezent sämtliche Wecker überhört und kam auf den allerallerallerallerletzten Drücker am Treffpunkt an. Immerhin haben sie auf die Frau Hilde gewartet, dass fand diese echt nett! 😉

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und kümmert sich jetzt mal um die wesentlichen Dinge des Lebens (Wäsche waschen, Küchenchaos beseitigen, Unterricht vorbereiten).

(*) Selbigwelcher ist nämlich Schwäbisch und heißt „von solchen und solchen“.

 

Edit: Übrigens ist der Frau Hilde vorhin wieder ein „Was“ rausgerutscht. Da derselbe Fauxpas aber auch einer Fußballerin passiert ist, haben die beiden beschlossen, den Mantel des Schweigens darüber zu breiten und dem Rest einfach nichts zu verraten. 😉

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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10 Antworten zu Von „sotte“ und „sotte“

  1. Corinna schreibt:

    Mal wieder ein Beispiel dafür, dass Du Dich total für Deine Schüler ins Zeug legst. Das sind so Sachen, an die man sich auch Jahre nach der Schule noch erinnert.

  2. fraubutterbrot schreibt:

    WOW! Ich stimme Corinna voll und ganz zu.
    Und das ist NICHT geschleimt!

    • frauhilde schreibt:

      Danke, das ist ganz arg lieb von euch beiden! *gerührt bin*

      Frau Butterbrot, immer wenn ich Ihren Namen lese, überkommt mich so ein latentes Appetitgefühl. 😀

      • fraubutterbrot schreibt:

        Versuchungen sollte man nachgehen, Frau Hilde!
        Und: Auch wenn man mich ab der 3. Klasse duzen muss, gilt das nicht für Frau Hildes 😉

        • frauhilde schreibt:

          Neeeeiiiin!! Weil wegen ich führe doch gerade einen einsamen Kampf gegen ein paar böse Kalorientierchen! 😉

          Duzen? *kicher*
          Janein, das war vorhin mehr der … öhm … stilistisch-ästhetischen Brillanz wegen. *hüstel*

  3. Ach Frau Hilde, ich glaube „Kinder“ sind wirklich manchmal so, also faul und sie wissen schon 🙂 Und leider gibts unbelehrbare 😉

    Aber sie machen das wirklich toll 🙂

    • frauhilde schreibt:

      *trotzig mit Fuß aufstampf* Ich will aber nicht, dass die unbelehrbar sind, Menno. 😉
      Kollegin C. und ich werden jedenfalls unser Bestes geben, damit das nicht nochmal so wird!

  4. snoopylife schreibt:

    „ob die das zuhause nicht beigebracht bekommen?“ glaube ja. Die beschriebenen Zustände kenne ich aus meiner Schulzeit nicht (schon etwas länger her.) Wir hatten Tischdienst und Tafeldienst etc. und da musste jeder mal. Punkt. Was ist mit den Kindern los? Oder eher mit den Eltern? Aber wenn es am Elternhaus, also an der Erziehung liegt, dann kann man es, kleiner Trost, in einem bestimmten Alter sicher noch hinkriegen 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Tafeldienst gibt es heute noch; Tischdienst in der Ganztagesschule auch.
      (Die Sechserpuschels prügeln sich noch heute fast drum, wer die Tafel putzen darf. *g*)

      Allerdings ist die Klientel an meiner Schule eher dem gut situierten Bürgertum zuzuordnen (Dorf halt); da gibt es sicher viele Schüler, denen daheim alles nachgetragen wird.
      Wir arbeiten jedenfalls dran, dass das beim Austausch mit dem Aufräumverhalten besser wird. 😉

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