Technik – Segen oder Fluch?

*Geschichtslehrergesicht zieh* Sooo, der Einstieg in dieses Posting erfolgte mittels einer totaaaal innovativen Problemfrage, die so ja auch noch nie da war … *Ironie off*

Nun ja, die Frau Hilde hat ja ein bisschen ein gestörtes gespanntes Verhältnis zur modernen Schultechnik. Bis die Laptops am Anfang der Stunde hochgefahren sind, das Smartboard läuft, man den größten Schüler der Klasse/ des Kurses gebeten hat, auf einen Tisch zu steigen und den an der Decke montierten Beamer anzuschmeißen (wie immer hat irgendein Depp die Batterien der Fernbedienung an sich genommen), sind zehn Minuten vergangen. Dann tut das Internet nicht; das Word-Dokument lässt sich mit der Smartboard-Software nicht öffnen (obwohl der Testlauf daheim perfekt funktioniert hat!), die Kalibrierung will irgendwie auch nicht, und um das Glück perfekt zu machen, hat irgendein Stecker einen Wackelkontakt und das Bild auf dem Smartboard erscheint in dezentem ROSA.

In der Zeit, die man da manchmal benötigt, um alles so hinzubekommen, wie man es gerne möchte, hätte man zehn OHP-Folien aufgelegt, beschriftet, einen Eins-A-Einstieg mit gekonnter Überleitung/ Problematisierung fabriziert, ein Arbeitsblatt ausgeteilt und die lieben Kleinen wären mittendrin in der Erarbeitungsphase. Aber nein, man hängt noch eben fluchend am CD-Player, der ums Verrecken die Musik auf dem USB-Stick nicht abspielen will, versucht dabei, mit den Smartboardstiften etwas zu krakeln (und zwar LESERLICH!) und zwischendrin hat der Beamer einen Totalaussetzer.

Kurz: Die Frau Hilde und die Technik, das sind zwei Freunde nicht. (Schüler H. von den Chaoten vor einem Jahr: „Oh, Frau Hilde, nicht anfassen, sonst kriegen Sie einen Schlag und wir müssen dann lauter so Formulare ausfüllen!“)

Nicht viel besser ist es mit den Whiteboards. Aber die haben einen entscheidenden Vorteil: Man kann sich beim Schreiben nicht mit Kreide einsauen.

Ja. Echt.

Nämlich die Frau Hilde hat auch zu Kreidetafeln ein etwas problematisches Verhältnis. Sie schafft es immer, wirklich immer, sich mit Kreide einzusauen.

Lieblingsübung: Unbewusst Kreidefinger an der Hose abwischen.

Gelächter der Schüler.

Erkenntnis: Das sieht jetzt ganz, ganz doof aus.

Reaktion: Versuch, Kreideschmierer von Hose zu wischen. Mit nach wie vor verschmierten Händen.

Ergebnis: Au weh!

Die ehemaligen Zehner der Frau Hilde haben mal Tabu gespielt. Einer der Begriffe war „Frau Hilde“ und man durfte folgendes nicht sagen: Kreide, verschmiert.

Danke.

Hmpf.

Apropos Kreide und überhaupt: Was die Frau Hilde auch so gar nicht kann, ist, schön zu schreiben an der Tafel. Das liegt daran, dass der Frau Hilde ihre Schrift normalerweise etwas rechtslastig ist (= kippt nach rechts) und die Frau Hilde zu diesem Behufe ihre Blätter und Hefte meist nach links dreht, um besser schreiben zu können.

Jetzt mach das mal mit einer Tafel!

Kurz: Geht nicht.

Also krakelt die Frau Hilde verzweifelt rum, ignoriert jammernde Schüler („Ich kann das nicht leeeeseeeen!“ – „Dann setz dich halt weiter nach vorne.“ – „Ja, nee, ich mein, Ihre Schrift.“ – „Hmpf.“) und schreibt deshalb am liebsten auf Folie. Die kann man schön drehen.

Gut, man wird beim Schreiben ein bisschen blind.

Aber ein bisschen Schwund ist halt immer.

Wieso hat eigentlich noch niemand Tafel erfunden, die man runternehmen, aufs Pult legen und entsprechend dann schön nach links drehen kann, hm?

Fragt sich die Frau Hilde.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde, die sehr froh ist, dass sie beim Bloggen tippen kann. Da kann dann keiner mosern, dass man’s nicht lesen kann (ja, nee, kann man doch, wegen weil die Grammatik und Syntax und das alles, aber wenigstens erkennt man die einzelnen Buchstaben!).

Und weil heute ein laaaanger Tag ist, erst das Übliche (Schüler quälen und all das, ihr wisst schon) und danach noch eine Schulveranstaltung bis etwa 22 Uhr, gibt’s halt einen Frühmorgen-Eintrag.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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13 Antworten zu Technik – Segen oder Fluch?

  1. Corinna schreibt:

    Was war ich immer froh, dass wir in meiner Ex-Firma diese Admins hatten! Jedes Mal, wenn ich den Beamer brauchte, funktionierte irgendetwas nicht. Ich hatte mir schon angewöhnt, eine halbe Stunde vor jeder Versammlung den Computer im entsprechenden Raum hochzufahren und alles auszutesten. In den seltensten Fällen musste ich keinen Admin holen. Aber sie waren auch sehr leicht mit Kuchen zu bestechen.

    Also: Technik ist nur Segen, wenn sie funktioniert. Kannst Du nicht in jeder Klasse einen Technikverantwortlichen ernennen, der verpflichtet ist, diese Sachen für Dich zu übernehmen? 😉

    • frauhilde schreibt:

      Jein. Bei den Großen geht das; die Kleinen kennen sich mit der Technik erstaunlicherweise gar nicht aus (und ich müsste sie stapeln, damit sie an den Beamer an der Decke rankommen ;)).

      Admin haben wir bzw. einen techn. Angestellten. Aber da gehen ja dann auch wieder wertvolle Minuten drauf, bis man den gefunden und einmal durchs Schulhaus gejagt hat …

  2. diewiderspenstige schreibt:

    hihi, wir hatten da mal so einen Lateinlehrer, der hatte immer ein paar nette Kreidehandabdrücke im Schritt und auf seinem Hintern – oder aber im Gesicht 😀

    deine Technikabneigung in der Hinsicht kann ich verstehen, das Zeug funktioniert schließlich niiie, wenn man es braucht 😉

    • frauhilde schreibt:

      Also, im Schritt hatte ich’s noch nie. 😀

      Hmpf. Genau. Vor allem funktioniert die Technik genau dann nie, wenn man die ultimativ perfekte Stunde vorbereitet hat. *grummel*

  3. fraukrokodil schreibt:

    Das Schlimmste, wenn Du einen Schlag bekommst ist, dass die armen Schüler dann Formulare ausfüllen müssen? Nett!

    • frauhilde schreibt:

      Ja, nee, das ist so ein running gag mit denen, weil ich irgendwann, als sie alle in der Pause am Fenster standen, meinte, sie sollen bittedanke nicht rausfallen, sonst müsste ich so’n Haufen Formulare ausfüllen.

  4. Jürgen schreibt:

    Ich bin ein beinharter Verfechter der Tafel. Obwohl ich natürlich Internet und Beamer benutze.
    Aber es geht nichts über ein zu entwickelndes Tafelbild. Und verschmierte Finger, Gesichter und Kleidungsstücke, Verehrteste, gehören doch zu uns.

  5. Stefan K. schreibt:

    Ich bin auch aus Erfahrung skeptisch, was den Einsatz von Computertechnik in der Schule angeht – die Zahl der möglichen Fehlerquellen im Vergleich zu einem OH-Projektor liegt Potenzen höher und ist für den durchschnittlichen Nutzer nicht durchschaubar.

    Insofern lohnt sich meines Erachtens eine Abwägung, in welchen Fällen mit der Computertechnik wirklich ein didaktischer oder pärdagogischer Zugewinn verbunden ist – und wo stabile Low-Tech weiterhin die bessere Wahl bleibt.

    Für Kreideflecken einfach eine kleinen Spiegel und eine kleine Kleiderbürste in die Handtasche, für die Pausen 😉

    • frauhilde schreibt:

      Das mit dem Spiegel und der Kleiderbürste ist eine feine Idee; vielleicht leiht mir F. ja ihre Hello-Kitty-Bürste dafür! 😉

      Und was die Hightech-Nutzung angeht, das sehe ich genau so.

  6. giftigeblonde schreibt:

    Ich mag Technik auch nur, wenn sie tut was ich will.
    Für alle anderen Fälle habe ich einen guten Freund 🙂

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