Geschafft!

Und zwar im doppelten Wortsinn.

Geschafft HAT es die Frau Hilde, sich zusammen mit Kollegin C. vier Tage lang um knapp siebzig Kindlein zu kümmern, hin und wieder zu mahnen, zweimal sehr zu schimpfen, einmal ganz böse rumzuschreien, oft zu lachen, einmal weinende Kollegin C. (cholerischen Anfall von cholerischem Cheffe abbekommen) zu trösten, einmal weinend von Kollegin C. getröstet zu werden (cholerischen Anfall von cholerischem Cheffe abbekommen), siebzig Kindlein beim Harlem Shake zu filmen und nicht vor lauter Lachen die Kamera fallen zu lassen, zweimal weinende Kindlein (Abschied von den Austauschschülern war schwerer als angenommen) zu trösten, einmal volle Breitseite Frust von Kollege M. anzuhören (cholerischen Anfall von cholerischem Cheffe abbekommen), heute Morgen nach Abreise der Austauschkindlein die sehr seltsame, weil angespannte Atmosphäre im Lehrerzimmer zu erleben (nach cholerischen Anfällen von cholerischem Cheffe ist die Stimmung jenseits von Gut und Böse), fassungslos vor den Prüfungsplänen zu stehen (nach cholerischem Anfall hatte Cheffe zugesagt, die Prüfungswünsche der Frau Hilde noch anzunehmen, leider aber falsch eingetragen. Konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden, weshalb die Frau Hilde statt zwei Prüfungen für sechs Prüflinge jetzt vier davon erstellen darf, weil Parallelprüfungen nicht korrekt verzeichnet wurden), angenervte Zehner anzuhören (waren am Dienstag im Kino; ein Film, auf den die Geschichtslehrer vorbereiten sollten, in den alle zehnten Klassen dann gingen – und der sich als völliger Schwachsinn entpuppt hat), vergeblich zu versuchen, hysterisch kichernde Achtklässler zu beruhigen (WIESO bekommt man von dem Wort „Curryloser-Gesichtswurst“ einen Kreischanfall??), die Klassenleiterstunde somit nicht wie geplant durchziehen zu können, sondern behutsam zu versuchen, besagte Achter wieder zu beruhigen (vergeblich, das nur am Rande).

Zu viel Kaffee hat sie auch getrunken diese Woche, die Frau Hilde.

Jetzt setzen langsam die Entzugserscheinungen ein.

Geschafft IST die Frau Hilde wegen weil dem Ganzen da oben. Und weil sie jetzt am Wochenende noch zwei Prüfungen mehr konzidingsen darf. Jubel. Nicht.

Immerhin ist das Fieber weg (hat sich vermutlich vor dem vielen Koffein in der Frau Hilde ihrer Blutbahn so erschrocken, dass es sich sicherheitshalber verzogen hat!).

Aber weil das ein so doofer Tag war heute (es muss wirklich am Wetter liegen; dieser Mangel an Sonnenlicht, der macht, dass alle durchdrehen. Denn Cheffe ist in der Regel zwar tatsächlich ein Choleriker, aber eben auch ein herzensguter und grundgütiger Mensch, und das meint die Frau Hilde ganz wirklich ernst! Aber dieses trübe Gegrau-sel am Himmel, das tut ihm – und eigentlich allen, auch der Frau Hilde – nicht gut. Lieber Petrus, wenn du das liest, könntest du bitte … Auch wenn dein Stuhl gerade leer ist, weil der Ratzinger keinen Bock mehr hat, aber ein bisschen, ein ganz bisschen Sonne, das kannst du doch … *liebschau*), noch schnell (die Frau Hilde merkt gerade, dass es stilistisch nicht so schön ist, ganz doll lange Klammern zu machen, nämlich dann weiß man nach der Klammer eigentlich gar nicht mehr, was vor der Klammer stand und so. Aber irgendwie bietet es sich gerade an und außerdem, in der Frau Hilde ihrem Gehirnchen sieht es gerade ungefähr so strukturiert aus, wie dieser Text hier ist, also, öhm, suboptimal) was Nettes, nämlich Lieblingsschüler (*) S. von den Dreizehnern hat ein für seine Verhältnisse ganz feines schriftliches Abi hingelegt, das hat er der Frau Hilde erzählt, und er hat ihr beim Schleppen der Getränkekisten vom Austausch geholfen (Kollegin C.: „S., kannst du kurz beim Tragen helfen?“ – S.: „Ich muss aber eigentlich … Ach, für die Frau Hilde? Für die Frau Hilde mach ich das!“ – Kollegin C.: „Das ist nett, S., danke.!“ – S.: „Für zehn Punkte im Mündlichen *BETON* mach ich das, Frau Hilde!“) und war überhaupt putzig wie immer. Den S. möchte man sich ausstopfen und ins Regal stellen und jeden Tag ein paar Minuten anmachen, damit er was Lustiges sagt, und dann „Patpat“ machen und wieder zurück ins Regal stellen.

Ergibt das jetzt irgendwie Sinn? Die Frau Hilde fürchtet, nein.

(*) Eigentlich hat lehrer keine Lieblingsschüler. Hm. Nein. Das war jetzt eine Lüge. Anders formuliert: Die Frau Hilde (sie kann jetzt nur für sich sprechen) mag alle ihre Schüler. Wirklich. Manche vielleicht nicht ganz so doll, aber es gibt keinen, bei dem sie sagen würde, den mag ich nicht.

Jedenfalls, und aber manchmal gibt es Schüler, die mag man (= hilde) ein wenig mehr als die anderen. Und damit meint die Frau Hilde in keinster Weise, dass man die notentechnisch bevorzugen würde, sondern manchmal, da sitzt in einer Klasse eine oder einer, die oder den sieht man (oder im Fall von Lieblingsschüler S. HÖRT man) und schließt sie oder ihn ins Herz.

Chaot W. von den Geschichts-Achters ist so ein Fall. Der ist so rührend unbeholfen, gleichzeitig aber ein so Lieber, den mag die Frau Hilde.

Sie mag auch Schüler H. von den Neunern, die sie abgeben musste, besonders gern. Der H. ist ein kleiner, ständig auf Krawällchen gebürsteter Rotzlöffel. Aber er hat Charakter, er schleimt nicht, er kuscht nicht, er ist kein Ja-Sager. Und das wertet ihn in den Augen der Frau Hilde besonders auf. Genau wie Schülerin M. von den Deutsch-Achtern. Das ist eine Zicke, wie sie im Buche steht, aber wenn es um Klassenkameraden geht, da hat M. ein ganz breites Kreuz und stellt sich schützend zwischen Lehrer und ungerecht behandeltem Klassenkameraden. Vielleicht erinnert sich noch wer an Kollege W., zu dem die Frau Hilde – und 80% der Schüler, der Frau Hilde ihre Achter eingeschlossen – ein herzliches Nichtverhältnis pflegt. Der hackt beständig auf Schüler L. von den Achtern rum. Und alle anderen Achter üben sich währenddessen im „ICH hab nix gesehen und gehört!“. Nur nicht Schülerin M., die hat die Chuzpe, zu sagen, wenn sie was nicht in Ordnung findet.

Und last, but not least, eben Schüler S. aus der 13.

S. ist derjenige, für den die Frau Hilde immer einen Pfälzisch-Deutsch-Dolmetscher braucht. Und er ist mit einer ansteckenden „Grundnettigkeit“ ausgestattet. Wenn er lacht, bekommt der ganze Kurs gute Laune. Und wie die Frau Hilde oben bereits geschrieben hat, den S. möchte man sich ins Regal stellen und behalten.

Leider sieht ihn die Frau Hilde nächsten Freitag zum letzten Mal, nämlich da sitzt er bei ihr im Geschichts-Abi.

Die Frau Hilde hofft schwer, dass er ein bisschen was gelernt hat. 😉

Und weil dieser Blogeintrag inzwischen, so glaubt die Frau Hilde, überhaupt keinen Sinn mehr ergibt, es außerdem 20.23 Uhr ist, was ein bisschen doof ist, nämlich eigentlich wollte die Frau Hilde doch Schlaf nachholen und so was alles, und die Frau Hilde gerade nicht mehr weiß, was sie eigentlich noch schreiben wollte, sie weiß nur, dass sie diesen Satz jetzt dann mal beenden sollte, weil er sonst sehr, sehr lange wird, deshalb … Ähm. Tschüss.

 

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde, die diesen Eintrag jetzt nicht mehr auf Rechtschreibdingens hin angucken wird. Heute ist der 1. März, das ist per Lex Hildei der Tag, an dem Deutschlehrer Rechtschreibfehler in Blogeinträgen machen dürfen.

 

Ach so, und was die Frau Hilde EIGENTLICH sagen wollte:

„Ich bin wieder da-ha!“ *wink*

 

Edit: Die Frau Hilde bedankt sich auch ganz arg für die guten Wünsche in den Kommentaren. Das war ganz arg lieb und die Frau Hilde hat sich ganz arg doll gefreut darüber!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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22 Antworten zu Geschafft!

  1. Anne schreibt:

    *wink zurühück* 😀

  2. giftigeblonde schreibt:

    Sie ist wieder da!!!! Hurraa!
    Schön dass ich wieder was lesen kann von dir, ein bissl Heiterkeit kann ich immer brauchen!

  3. Corinna schreibt:

    Ab ins Bett! Du hast es mehr als nötig. Und sonst: Schön, dass Du wieder da bist! 🙂

  4. Sie da Frau Hilde, wissen sie, ich kenne sie ja gar nicht, ist mir aber egal, denn ich mag solche Menschen wie sie mit Herz auf dem rechten Fleck. So musste mal gesagt werden 🙂

  5. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    mir, als der „grammar-nazi“ schlechthin – sind keine fehler aufgefallen. 🙂
    btw: bei dir lese ich gerne mit. du schreibst ganz anders, als so manch‘ andere lehrerin hier bei wordpress. besonders eine bedient sich ständig an den stigmas ausländischer schüler, was meiner meinung nach, im hinblick auf eine gute integration, eher kontraprodukiv ist.
    du hingegen schreibst liebevoll über die schüler und nicht über deren nationalität. gefällt mir sehr gut. 😉
    so, nun höre ich auf zu „schleimen“, nicht dass du mich auch nicht magst. 😀

  6. meineschreibblockadeundich schreibt:

    Liebe Frau Hilde, ich wünsche dir ein erholsames Wochenende (dein Eintrag liest sich, als würdest du das dringend brauchen) – trotz der zwei zusätzlichen Prüfungen!
    Mir ist übrigens ganz warm ums Herz geworden bei dem, was du über deine Lieblingsschüler-die-Lehrer-nicht-haben-dürfen geschrieben hast. Ich glaube, dass Lehrer Zicken mit einem breiten Kreuz zu schätzen wissen, ist keine Selbstverständlichkeit.

    Herzlichst
    Marie

    • frauhilde schreibt:

      Liebe Marie,

      ich gebe zu, dass es mir manchmal schwer fällt. Du als Töchter-Mutter kennst das mit den pubertierenden weiblichen Wesen ja besser als ich.
      Aber bei M. überwiegt einfach die vorhandene Sozialkompetenz, das gleicht die Zickerei wieder aus. 😉

  7. fraukrokodil schreibt:

    Oh je, Du arme Frau Hilde! Deine Woche will man nicht gehabt haben.
    Aber vielleicht als kleine Aufmunterung: Nächste Woche soll es angeblich besseres ( wenn nicht sogar gutes) Wetter geben. In allen Vorschauen sieht man so einen großen gelben Kreis, ich meine mich zu erinnern, dass man ihn „Sonne“ nennt. Und selbst ich als Chefpessimist v.D. glaube fest daran, dass es stimmt.

  8. diewiderspenstige schreibt:

    Als „welcome-back“-Geschenk kriegst du gaaanz viel Sonne von mir, weil wegen Fieber, cholerischem Cheffe und überhaupt… Ein klitzekleines Sonnenstrählchen hätte ich aber auch gerne, wenn wir schon keine Seife auf dem Klo haben… 😀

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