Vom Zerstören: Hilde des Tages

Jupp, das war auch mal wieder Zeit.

Die Frau Hilde putzt bekanntlich nicht gerne. Und wenn, dann kann sie es nur mit lauter und aggressiver musikalischer Begleitung (denen da).

Und also jedenfalls, man kennt ja die Sache mit der Kehrwoche vor allem aus dem Schwäbischen, aus dem die Frau Hilde kommt. Das gibt es aber auch in Hildehausen und die doofe Schnüfflerin aufmerksame Nachbarin aus dem Erdgeschoss wacht regelmäßig darüber, ob die Frau Hilde ihren Hof-und-Straße-kehr-Pflichten auch nachkommt (sie wacht auch über ganz andere Dinge, aber das wäre mal einen eigenen Blogeintrag wert).

Die Frau Hilde begab sich also heute nebst Timmäääy (MP3-Player) auf den Hof und fegte mal hier und mal da; hauptsächlich bestand das Kehren daraus, dem vom Sturm in alle Richtungen verwehten frisch aufgeputzten Dreck hinterherzuhecheln und zu fluchen.

Und weil die Musik so schön und so schön laut war und man bei Rammstein auch keineswegs still halten kann, hüpfte die Frau Hilde beim Fegen ein wenig oder auch ein wenig mehr herum und sang laut und falsch kreativmelodiös mit. Am Zaun zum Nachbargrundstück musste sie ziemlich viele Blätter einfangen und fand es lustig, dass dabei gerade folgende Zeilen (*) kamen:

„Ich geh am Gartenzaun entlang,

wieder spür‘ ich diesen Drang:

Ich muss zerstören,

doch es darf nicht mir gehören!“

Die Frau Hilde grölte gerade diese Zeilen mit, als sie im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, herumfuhr – und in das entgeisterte Gesicht des Wachhundes der Nachbarin schaute.

Wo, fragte sich die Frau Hilde, während sie dunkelrot anlief, sind die Mäuselöcher, wenn man sie braucht??

Und stammelte etwas von Musik und MP3.

Die Nachbarin blickte ein wenig sparsam drein und wies die Frau Hilde noch darauf hin, dass diese auch unter den Mülltonnen zu putzen habe, und verschwand darob.

Zurück blieb eine sehr, sehr peinlich berührte Frau Hilde.

(*) Hier nachzuhören

Advertisements

Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
Dieser Beitrag wurde unter Hilde des Tages veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

30 Antworten zu Vom Zerstören: Hilde des Tages

  1. giftigeblonde schreibt:

    Hihi, dieser Nachbarin hat das gebührt!
    Außer im Winter, wenn Schnee fällt und die liebe giftige Blonde samt aller verfügbaren Familienmitglieder den laaaaaaaangen Gehweg vor unserem Zaun vom Schnee befreien muss, bin ich doch sehr froh keine wöchentliche Kehrwoche einhalten zu müssen.
    Ich hasse putzen ebenso wie du 😉

  2. michael schreibt:

    > …peinlich berührte ….

    Wieso peinlich berührt ? Bietern Sie doch Ihrer Nachbarin 10 Euro, wenn diese für sie fegt.

  3. Anne schreibt:

    Erde-tu-dich-auf-Momente… Und als nächstes Lied kam „Feuer frei“? 😉 R. dröhnt gelegentlich aus dem Tochterzimmer, dann brauche ich erst gar nicht zu fragen, wie’s in der Schule war. Nach „Rebellion“ (Van Canto) kann man die Höhle der Löwin meist wieder betreten.
    Ich kenne einen Lehrer, der ist mit Herzblut Leadsänger einer R.-Coverband. Als er neu an die Schule kam, hatten das die Schüler schnell raus und fanden’s natürlich saug***. Sein Chef wurde allerdings auf die Homepage aufmerksam und er ‚durfte‘ antreten zu einem ernsten Gespräch über Vorbildfunktion vs. RumhüpfeninblutverschmiertenShirts… Seitdem ist die Homepage viel langweiliger, die Show sicher nicht 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Tihi. Ich hätte auch noch „Heirate mich“ singen können. 😉

      Find ich eigentlich schade; das sagt ja nichts über seine pädagogischen Fähigkeiten aus. Ich glaub, die Chaoskatze war’s, die mal was geschrieben hat über den Sänger einer Metalband, der sein Ref abgebrochen hat (abbrechen musste), weil irgendwer im RP der Meinung war, wer „pöhse“ Musik macht, der kann kein guter Lehrer sein.

      Bei uns sind das übrigens eher die Schüler; ein paar meiner ehemaligen Zehner hatten so eine Hardcoreband. Klang eigentlich ziemlich gut und die Schulleitung hatte da auch nichts gegen.

      • Anne schreibt:

        Der Stress mit der Schulleitung war nur kurzfristig, war wohl auch Sorge um den guten Ruf der Schule, was sollen bloß die Eltern denken uswusf. Das konnte er ausräumen, er singt weiter (und hat vollen Rückhalt in Kollegium und Schülerschaft). Lediglich die Bilder auf der Band-Homepage sind seitdem sehr klein, damit man keinen erkennt 🙂

  4. Corinna schreibt:

    *hihihi* Solche Momente möchte man am liebsten sofort wieder vergessen. Deine Nachbarin wird Dich jetzt sicherlich noch argwöhnischer überwachen, um auch wirklich den Moment mitzubekommen, an dem Du endlich etwas zerstörst (und sie Dich bei irgendwem verpetzen kann).

    Ich putze auch vorrangig bei lauter Musik. Irgendwie muss man sich ja motivieren. 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Hach, ich sehe, du verstehst mich! Es motiviert und man kann sich so schön abarbeiten dann.
      Gibt’s das in Apulien auch? Also, dass die Nachbarn schauen, dass man auch schön alles sauber kehrt?

  5. A. P. Glonn schreibt:

    So eine Nachbarin hatte ich auch mal. Das war, bevor ich ans Ende der Welt gezogen bin. Ehrlich gesagt, in solchen Fällen kommen mir meine Welpenaugen zugute. Wenn ich die einsetze, schmilzt jeder dahin. Sie hat mir dann immer selbstgezogenes Zeug aus ihrem Garten gebracht. 🙂 Das ging erst zu Bruch, als mein jetziger Mann auftauchte. Der wurde mit Stasi-Special-Gerät argwöhnisch beobachtet und ich bekam keine frischen Kräuter mehr. (Nicht, dass ich die jemals benutzt hätte – hundert Meter hinterm Haus verlief eine der größten Straßen Bayerns. ;))

    • frauhilde schreibt:

      … an deren Seitenrändern jetzt jede Menge exotischer Kräutlein wächst? 😉

      Uh, ja, das Begutachten von Besuch bzw. Partnern gehört bei dieser Spezies zum guten Ton, fürchte ich.

  6. diewiderspenstige schreibt:

    zum Glück kam der Mathe-Putz-Deal nicht zustande – sonst wäre ich womöglich mit deiner schrägen Nachbarin konfrontiert worden. Vor allem,da ich Musik beim Aufräumen stets laut höre 😀 (Hach, gelobt sei ein freistehendes Haus 😀 )

  7. fraukrokodil schreibt:

    Puh, das ist das schöne an Mietwohnungen.
    Die Straße kehrt unser netter Hausmeister. – Moment, macht er das überhaupt?
    Muss ich demnächst mal drauf achten- v.a. ob er auch unter den Mülltonnen sauber macht. 😉

  8. Rana schreibt:

    Bei uns im kahlen Norden liegen die „Gehöfte“ zum Glück oft weit auseinander – da braucht man sich nicht so oft mit der Stasi rumschlagen… außerdem ist es oft so windig, dass man sich das Fegen sparen kann. LG von Rana, die NICHT putzt, sondern irgendwie dauernd kocht (halt eine sehr verfressene Familie hier…)

    • frauhilde schreibt:

      Steht der Wind dann wenigstens so, dass er die Blätter fein säuberlich vom Hof fegt?
      Das ist aber wirklich praktisch mit den weiter auseinander liegenden Gehöften.
      Und kochen ist prima! 🙂

  9. *Lach* … bester Beitrag ever!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s