Von Faultagen, Friseuren und so was alles

Heute wollte die Frau Hilde ja mit Lieblingskollegin O. einen Kaffee im Zweitwohnsitz trinken. Und da dachte sie sich, gehste vorher zum Friseur. Ein bisschen Kopfhautmassage und ein bisschen verwöhnen lassen, das wäre doch was.

Die Friseurin schlug ein paar Frisuren vor; die Frau Hilde war mit nahezu allem einverstanden, sie bat sich allerdings aus, nach dem Fönen nicht auszusehen wie ein dressierter Pudel.

Danach musste die Frau Hilde noch ein wenig warten und vertrieb sich die Zeit mit Lesen. Oder zumindest wollte sie das. Musste dann aber feststellen, dass man „bei Friseurs“ als Frau nur Wartezimmerniveau zu lesen bekommt. Die Frau Hilde hatte die Wahl zwischen zwei Frauen- und einer Männerzeitschrift. Kurz: Zwischen Horoskopen, der neuesten Bauchfrei-Mode, Diätrezepten – und nackten Frauen.

Seufzend gab die Frau Hilde auf, da weder das eine noch das andere irgendwie reizvoll klang. Irgendwann war sie dann also dran, reagierte auf den „Wollen wir die grauen Haare überfärben“-Spruch, der ihr übrigens schon zum Hals raushängt, mit einem gelassenen „Nein, wollen wir nicht“, und harrte der Dinge, die da kommen würden. Eigentlich hatte es geheißen, hinten ein bisschen was weg, ein wenig durchstufen – und gut ist.

Beim Blick auf die am Boden herumliegende Haarpracht hätten bei der Frau Hilde eigentlich die Alarmglocken läuten müssen, aber eingelullt von Wärme und An-den-Haaren-Rumgefriemel ignorierte sie die Warnsignale und dachte sich, wird schon werden.

Und man muss der Friseurin zugute halten, dass die Frau Hilde tatsächlich nach dem Fönen nicht aussah wie ein dressierter Pudel.

Sie sah aus wie ein explodierter Pudel!

Die Frau Hilde gab ein leises Wimmern von sich, das die Friseurin veranlasste zu fragen, ob es denn der Frau Hilde nicht gut ginge.

„Na ja“, stammelte diese, „es ist … kurz. Und es ist … seltsam.“

Die Friseurin versicherte der Frau Hilde, das trage man jetzt so (das sagen die irgendwie immer, egal für welche Frisur man sich entschieden hat, kann das sein?), nebelte die Frau Hilde noch mit irgendeinem Sprayzeug ein, und dann wechselte ein größerer Schein den Besitzer und die Frau Hilde war in (Un)Ehren entlassen.

Solchermaßen aus dem inneren Gleichgewicht gebracht, hastete die Frau Hilde in den Drogeriemarkt ihres Vertrauens und ließ eine stolze Summe dort, um sich mit „Seelentrösterchen“ einzudecken.

Dann schickte sie Lieblingskollegin O. eine Warn-SMS und begab sich zum Zweitwohnsitz.

Lieblingskollegin O. war so rücksichtsvoll, nicht in Gelächter auszubrechen, und zwei Milchkaffee-mit-Sojamilch später war die Frau Hilde soweit, den neuen Look zu akzeptieren, zumindest solange, bis sie zu Hause war und sich die Haare waschen konnte.

Dennoch stellt sich die Frau Hilde die Frage, wieso man beim Verlassen eines Friseurladens immer das Gefühl hat, dass man sich das Ganze auch hätte schenken können.

Heute Abend haben die Frau Hilde und Lieblingskollegin O. dann noch gekocht und dabei gefunden, dass es solche Tage öfter geben müsste: Tage, an denen man vormittags nichts macht, nachmittags Kaffee trinkt, abends gemütlich kocht und dann wieder nichts macht. Schön, das!

(Und nein, mit „wieder nichts“ is’ nix, denn die Frau Hilde wird jetzt mal eben die Geschichte von BRD und DDR schülerkompatibel aufbereiten. Aber vorher wäscht sie sich das ganze Zeugs aus den Haaren, jawoll!)

 Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und entschwindet unter den Wasserhahn. Blubb.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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52 Antworten zu Von Faultagen, Friseuren und so was alles

  1. giftigeblonde schreibt:

    Geht mir auch so, ich hasse es zum Friseur zu gehen, aber hin und wieder muss es sein, seit ich meine Haare nicht mehr soo lange trage.
    Viel lieber geh ich zur Pediküre, genauso entspannend, und man sieht danach am Kopf nicht anders aus;-)

  2. Zyriacus schreibt:

    Hach, wieviel einfacher ist das Leben, wenn man keine Frisur trägt, sondern einfach einen Haarschnitt. 🙂

  3. Corinna schreibt:

    Ja, geht mir ganz genauso! Ich fürchte mich richtig vor Friseuren und dem ewigen Kampf um das „einfach nur ein paar cm gerade abschneiden“. Gerade bei langen Haaren bekommen sie immer glänzende Augen und die wahnwitzigsten Ideen.

    Du hast jedenfalls mein ganzes Mitgefühl! (Und ich werde meinen nächsten Friseurbesuch wohl noch bis zum Sommer hinausschieben. Das war mal wieder eine Warnung.)

    • frauhilde schreibt:

      Ja, ne?
      Offen gestanden weiß ich auch nicht, was an „etwas zurückschneiden und durchstufen“ falsch zu verstehen ist. Watzlawick hätte jedenfalls seine Freude gehabt. 😉

      Lässt du dann einfach bis Sommer wachsen oder schneidest du dir ab und an die Spitzen selbst?

  4. pfiffika schreibt:

    Bei mir steht jedes Geschäft, wo eine Angestellte (ein Angestellter) oder auch die Unternehmerin (der Unternehmer) mir sagt:,, Das trägt man jetzt so.“ auf einer schwarzen Liste.
    Es ist kein Wunder, dass ich dann nur noch online einkaufe, oder?

    • frauhilde schreibt:

      Ich wollt grad sagen – viel Auswahl bleibt da doch am Ende nicht mehr, oder?

      Mir ist es auch lieber, man sagt mir, nee, das Kleid/ der Haarschnitt ist nichts für Sie, als dass man mir weismacht, das trage man jetzt.

      • pfiffika schreibt:

        Stimmt, viel Auswahl bleibt nicht, aber ist das nicht traurig?
        Online-Shops hätten keine Chance, wenn die Läden Angestellte hätten, die richtig beraten würden, bzw. dürften….
        Btw: Damenfachbekleidungsgeschäft:

        Ich:,, Guten Tag, ich hätte gerne einen Gehrock.“
        Verkäuferin geht weg und kommt mit einem Minirock wieder…
        meine Freundin:,, Sie meint einen Long-Blazer.“
        Verkäuferin:,, Nein, so etwas haben wir nicht.“

        Menno.

  5. Patty schreibt:

    Sei dankbar, sie hat dir nicht ins Ohr geschnitten!
    Hauptsache, die Frisur sitzt. Patty, Friseurkind.

    • frauhilde schreibt:

      Nein, das hat sie nicht. Und sie beherrschte ihr Handwerk. Nur dass ich halt nicht das wollte, was sie wollte …

      Hildehausen. Neun Uhr. Die Frisur sitzt. *Haare nach hinten werf* 😉

  6. diewiderspenstige schreibt:

    hihi, was ihr alle habt – ich liiiebe Friseur. Und bedauere es immer, dass ich das dann daheim irgendwie nicht mehr so gut hinbekomme. Haben bestimmt Zaubershampoo da… 😉

    Ich würd ja gern ein Foto von dir mit der neuen Frisur sehen, aber na ja, der Preis der Anonymität und so… 😀

    Ist eigentlich dein „Zeigt-her-eure-Kinderfotos“-Wettbewerb noch aktuell? Ich drücke mich nämlich gerade mehr oder weniger erfolgreich vor´m Interpretationsaufsatz und na ja, ich könnte ja mal suchen gehen… *lalalaaa*

    Wünsch dir noch schöne Ferien + erholsame Herumgammel-Tage!

    • frauhilde schreibt:

      Das Phänomen des Nichtmehrhinbekommens kenne ich auch. Egal, was man macht, man kriegt’s nie mehr genau SO hin.

      Das Kinderfotoding ist noch aktuell. Und du sollst doch in den Ferien ohnehin keinen Interpretationsaufsatz schreiben! 😉

      Dir ebenfalls noch schöne Ferien mit ohne Arbeit.

  7. handvolldackel schreibt:

    Argh, wer kennt das nicht? Ich bin auch schon mal ungewollt karottenrot vom Friseur gekommen, die arme Friseurin hatte wohl Liebeskummer. Ich finde es sehr schwer, den richtigen Friseur zu finden, aber was die Friseure und Friseurinnen auf dem Kopf haben, ist meist schon eine erste Warnung, genau wie die Inneneinrichtung. Wenn mir beides gefällt, gehe ich davon aus, dass mir in dem Laden nichts Schlimmes widerfahren wird.
    Ich bin mir sicher, deine Frisur sitzt immer genau richtig 😉 War das nicht des explodierten Pudels Kern?

    • frauhilde schreibt:

      Ups, karottenrot ist natürlich krass. Was sollte es denn ursprünglich werden?

      Eigentlich passten Friseurinnenfrisur und Inneneinrichtung schon. Aber … keine Ahnung – and then something went terribly wrong … 😉
      Wie jetzt, meinst du, ich hab Mephisto aufm Kopf? Ui!

      • handvolldackel schreibt:

        Vollkommen harmlose Strähnchen … 

        Jupp, beim Friseur sollte man immer aufpassen. Wenn du den vollen Preis bezahlt hast, hast du vermutlich keinen Mephisto auf dem Kopf – der hätte der Friseurin noch die Seele abgeluchst 😉

        • frauhilde schreibt:

          Okay, wenn du nur Strähnchen wolltest und dafür komplett karottenrot wurdest, dann war sie entweder heftig verliebt oder farbenblind. 😉

          Womöglich hat er jetzt meine Seele. Wuaaaah!

  8. Stefan K. schreibt:

    Frau Hilde, wir wollen ein Photo! 😉

    (OK, von hinten würden wir auch akzeptieren, wegen der Anonymität und so…)

  9. fraukrokodil schreibt:

    Beim Friseur habe ich nie Probleme- das macht die Mama Krokodil.
    Allerdings habe ich eine Verkäuferin ernsthaft erzürnt:
    Meine Freundin hat so eine entsetzliche Hose anprobiert ( ums Becken herum weit, am Hintern und ansonsten eng- keine Ahnung wie die heißen)
    Ich: Hm… gefällt mir nicht.“
    Verkäuferin ( schon leicht giftig): „Das hat man jetzt aber!“
    Ich ( lasse mich doch nicht einfach ungefragt angiften): „Sieht aber trotzdem Scheiße aus!“
    Verkäuferin( böse): Man kann aber ja nicht jedes Jahr das Selbe anziehen.“
    Ich: „Kann ICH komischerweise schon!“

    Freundin hat die Hose nicht gekauft- Ha, Ha!

    • giftigeblonde schreibt:

      ggggggg, solche Verkäuferinnen liebe ich ja,..frech einfach.

      FrauHilde, eine schöne Haarfarbe hast du!
      Aber erkennen tut man net viel 😉

      Nochmal wegen Friseur und Frisur, ich hab eine Naturwelle am ganzen Kopf, an Frisuren ist da nicht zu denken, die legen sich hin wie sie wollen, und wenns regnet oder feuchte Luft hat, sehe ich aus wie ein Clobesen, daran kann der beste Friseur nichts ändern.

    • frauhilde schreibt:

      So ’ne Mama Krokodil ist praktisch. *find*

      Wah, Frau Krokodil, so was darfst du doch nicht machen! Dich gegen das Totschlagargument schlechthin zur Wehr setzen, das geht doch nicht. 😉
      (Und ja, man kann jedes Jahr dasselbe anziehen; zumindest wüsste ich nicht, dass T-Shirt und Jeans irgendwann außer Mode gekommen wären.)

  10. Manu schreibt:

    Ach Frau Hilde… die Haare wachsen doch wieder!!

    LG

  11. Rana schreibt:

    Habe mich köstlich amüsiert – über deinen Text … und die Kommentare. Das wird schon wieder (grinnns…) – ich sehe IMMER so aus, als hätte ich mit dem Finger in der Steckdose geschlafen – egal ob ich gerade beim Frisör war oder nicht… ( Trost…???) LG von Rana

  12. A. P. Glonn schreibt:

    Da lobe ich mir doch meine Kurzhaarfrisur. Zum Frisör reingehen, einen Zehner auf den Tisch legen, „wie immer“ sagen, wieder raus. Und mein Frisör hat auch noch hochpolitische Zeitschriften. Ehrlich mal, die muss man immer erst zur Seite werfen, bevor man an die wichtigen Sachen wie „Feindin“ oder „Blöd der Frau“ kommt. Explodierter Pudel … Kann ich mir mit wenigen Haaren nicht so richtig vorstellen. Bestimmt siehst du auch kurzhaarig prima aus – so ein bisschen wie Emma Watson mit Kurzhaarfrisur, oder? 😀 Sojamilch im Kaffee? Im Ernst? Ich meine, ich trinke keinen Kaffee, aber Tee mit Milch. Schmeckt man da nicht einen starken Sojaeigengeschmack heraus? Geschichte von BRD und DDR? Wenn du einen DDR-Zeitzeugen brauchst, stehe ich dir zur Verfügung. 😉

    • frauhilde schreibt:

      Alles in allem ist meine Frisur eher eine Mischung aus Hagrid und dem allseits bekannten Tränkemeister (dies zumindest von der Ungleichlänge her).

      Na ja, ich hab eine Milcheiweißallergie. Und als bekennender Kaffeejunkie (*) war Sojamilch eine sinnvolle Alternative. Man gewöhnt sich an alles und inzwischen würde mir normale Milch gar nicht mehr schmecken. Außerdem ist es irgendwie nett, wenn man in den Zweitwohnsitz kommt und die Bedienung nur noch sagt „groß oder klein?“.

      Zeitzeugen? Du meinst, als du seinerzeit neben Herrn Ulbricht standest? 😉

      (*) Um dich noch mehr zu traumatisieren: Daheim ist es inzwischen koffeinfreier Sojamilchkaffee (sonst Schlafen = nix).
      Als nächstes sollte ich vermutlich mit Golfspielen anfangen …

  13. A. P. Glonn schreibt:

    *hust* Mit dem Herrn Ulbricht kann ich nicht mehr dienen. Der hat sich ein Jahr, bevor ich beschloss, das Licht der Welt zu erblicken, dazu entschlossen, dem Licht der Welt zu entsagen. Aber immerhin war ich stolzer Jung-, nicht mehr ganz so stolzer Thälmannpionier und ziemlich gelangweilter FDJodler … ähm, meine natürlich FDJler. Immerhin, Frau Geschichtsprofessorin, kann ich mit einem historischen Datum aufwarten: An dem Tag, an dem die Mauer fiel, wurde ich 15.

    Ich bin übrigens durch deinen Sojamilchkonsum überhaupt nicht traumatisiert. Ich habe bloß überlegt, ob das schmeckt. Ich habe im Moment eine Ich-bin-jetzt-Vegetarier-Phase und überlege sogar den Schritt zum Veganer. Was mir allerdings unglaublich schwer fallen würde, weil ich bekennender Milch- und Käsejunkie bin. Wenn du jedoch meinst, dass es möglich ist, mit Soja seinen Kaffee zu weißen, könnte ich das ebenso bei Tee versuchen, vermute ich. Ich werde das mal testen (und berichten, wenn’s dich interessiert).

    • frauhilde schreibt:

      Also, der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig am Anfang, weil Sojamilch (ich nehme die grüne von Alpro) leicht süßlich ist. Milch zu ersetzen, geht aber. Bei Käse ist es schwieriger. Es gibt zwar vegane Ersatzprodukte, aber bisher fand ich die nicht so überzeugend, ich verzichte dann halt lieber. Und ein, zwei Mal im Jahr gibt es dann eben doch Hüttenkäse. 😉

      Oh, am Mauerfalltag 15 geworden? Wie war der Tag denn für dich? (Um was zu verraten: fünf Wochen nach Mauerfall bin wiederum ich 15 geworden.)
      Soweit sind wir aber noch gar nicht; im Moment lernen sie Herrn Adenauer und seine Westintegration kennen.

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