Geronimoooo! Oder: HdT

Zunächst einmal: Die liebe 8f hat es geschafft, ohne Hausverbot aus der Jugendherberge zu kommen. Allerdings haben nachts ein paar der Kindlein noch versucht (man vermutet erfolgreich), aus dem Fenster und aufs Dach zu klettern. Worin hier der Lustgewinn besteht, vermag die Frau Hilde nicht zu sagen. Zumindest führte das Ereignis zu diversen Direktoratsverweisen.

Zur Hilde des Tages: Also, wenn die Frau Hilde das Rosinantebikel parken möchte, nämlich im Keller, dann muss sie in den Hof fahren. Der liegt tiefer als der Hauseingang und man fährt da an der Seite des Hildehauses kurz steil runter, dann um die Kurve, und dann steht man vorm Kellereingang.

Manchmal Meistens kommt beim Runterfahren ein bisschen das Kind in der Frau hervor, nämlich Hildehausen ist so gut wie platt wie eine Flunder. Und da macht ein wenig Bergrunterfahren ganz schön Laune.

Ganz besonders viel Laune macht es, wenn das Wetter schön ist (wie heute), die Vöglein zwitschern und man (= die Frau Hilde) um halb fünf von der Schule kommt und irgendwie ganz fürchterbar unausgelastet ist, so körperlich. Mit einem gedachten Kampfschrei (irgendwas zwischen „Ye-haa“ und „Geronimoooo“) stürzte sich die Frau Hilde begeistert den Weg in den Hof runter, bog mit quietschenden Reifen (dies nun nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern weil beim Rosinantebikel alles quietscht. Immer) um die Kurve – und fuhr direkt auf zwei mitten im Hof geparkte Autos zu. Die so standen, dass an ein Vorbeikommen nicht zu denken war. Geistesgegenwärtig riss die Frau Hilde den Lenker nach links – und eierte auf die Grünfläche (als leidgeprüfte Inlinerin weiß man halt, wie man Notbremsungen macht …). Nun mag das für Mountainbikes eine ganz prima Idee sein, für so ein kleines Rosinantebikel ist das eine ganz und gar nicht prima Idee.

Das Vorderrad verhakte sich irgendwie (keine Ahnung; es geschah zu schnell), und bevor die Frau Hilde „Hoppla“ denken konnte, war sie auch schon abgesessen. Auf die schmerzlose, aber recht demütigende Art.

Nun blieb als letzte Hoffnung, dass den Ausritt niemand mitbekommen hat. Aber das Schicksal ist ja ein Arschloch Blödmann, und so:

„Na, wolln se Gänseblümsche pflügge?“, fragte die Unterderfrauhildewohn-Nachbarin schadenfroh vom Balkon herunter.

Die Frau Hilde verzog das Gesicht, rappelte sich hoch und befreite sich selbst und das Rosinantebikel von Gras- und Dreckbröckchen. Dann hinkte sie in den Keller und entschwand im Dunkeln.

 

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde. Und von der Faust-Stunde berichtet sie erst nach der Donnerstagsstunde. Heute fielen nämlich große Teile der Stunde aus, wegen weil die Frau Hilde dienstlich unterwegs sein musste.

 

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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20 Antworten zu Geronimoooo! Oder: HdT

  1. bayernpauline schreibt:

    Also, das Rosinantebikel ist noch in Ordnung, aber die Frau Hilde hinkt! Gute Besserung wünscht die Pauline 😀

  2. Corinna schreibt:

    Schade, dass einem in so einem Moment seltenst die passende Replik einfällt. 😦

    Zum Thema „Jugendliche auf Hausdächern“ kann ich aus eigener Erfahrung beitragen, dass es eindeutig der Reiz des Verbotenen gepaart mit einem Höhenrausch ist, der einen zu so etwas treibt. 😉

  3. A. P. Glonn schreibt:

    Yup, ich gebe Corinna Recht: Es gibt nichts Cooleres, als im Dunkeln irgendwo rumzuklettern und zu wissen, dass man jeden Moment abstürzen kann. Hört sich zynisch an, ist aber absolut ernst gemeint, ich spreche ebenfalls aus Erfahrung. (Fürchte nur, ich war schon älter als jemand aus der 8f!) Wie geht’s jetzt der lädierten frauhilde? Sei bloß vorsichtig mit deinen Knochen, im Gegensatz zur Rosinante kannst du die nicht mal eben so austauschen. 😉 (Siehe Herr Glonn, der wird demnächst am Meniskus operiert!) Weißt du was? Sei doch mal ein bisschen kindisch und beschmier den Briefkasten der Obenuntenweißnichtmehrwonachbarin einfach mit Fahrradöl. Damit sie auch was von deinem Unfall hat außer Spott und Hohn … 😀

    • frauhilde schreibt:

      Ja, aber mit 13, 14 tut man doch so was noch nicht. Und schon gar nicht (*grummel*), wenn man kollektives Allesverbot bekommen hat. Menno.

      Au weh, aus aktuellem Kaputt-Anlass oder generelles Knie-Aua?

      Isch ‚abe gar kein Fahrradöl. Und wenn ich welches habe, muss das zuerst das Rosinantebikel bekommen, denn das dürstet schon ganz arg danach. 😉

      • A. P. Glonn schreibt:

        Ein aktueller Kaputt-Anlass durch generelles Knieüberstrapazieren durch generell zu viel Arbeit würde ich das definieren.

        Oh, gerade bei einem kollektiven Allesverbot tut man alles, um cool zu sein. *facepalm* Ich kann gar nicht sagen, WIE blöd wir in der 8. Klasse waren, um uns gegenseitig zu übertreffen. -.- Das Beste ist, irgendwann habe ich angefangen, davon meinen Kids im Training zu erzählen und dass die ja nicht so blöd sein sollen wie ich – weißt du, was das Ergebnis war? Man konnte regelrecht sehen, wie es ihnen arbeitete: Ja, ja, erzähl du nur … Und Recht haben sie. Müssen ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse machen/sammeln, um hinterher ebenfalls davon profitieren zu können (oder wie in meinem Fall eben nicht). 😀

        • frauhilde schreibt:

          Das klingt aber gar nicht schön. :/

          Ja, Verbote sind generell eine Garantie, es genau deshalb doch zu machen. Eine Kollegin schlug mal vor, wir sollten einfach alles zwingend erlauben, was sie eigentlich nicht dürfen, und die positiven Sachen verbieten („Ihr dürft das Kapitel im Buch NICHT weiterlesen; wehe, wer das tut!!“).
          Eigene Erfahrungen zu machen halte ich für ungemein wichtig. Um das auf die Fahrt zu beziehen: Erst wenn sie mal einen Tag lang dem Porzellangott gehuldigt haben, weil sie alles durcheinander getrunken haben, wissen sie, dass man sinnigerweise bei einer Sorte Alkohol bleiben sollte. Aber das ist eben auch noch im Rahmen des (meist) nicht Lebensgefährlichen. Harte Drogen oder im Dunkeln auf hohe Dächer steigen – da sehe ich die Sache doch ein wenig anders.

  4. Rana schreibt:

    Ich liebe es auch bergab ein bisschen Tempo zu machen. Aber man soll es nicht. In meinem Alter droht dnn Oberschenkelhalsbruch und da erholt man sich gar nicht mehr von… Pass gut auf, die Radsaison ist noch lang! LG von Rana

    • frauhilde schreibt:

      Völligste Zustimmung (außer das mit dem Oberschenkelhals; geh bitte, du bist doch net alt!).
      Aber wie ich schon schrieb, das ist ein Idiotenabfährtchen von vielleicht 10, 12 Metern, da passiert einem nichts. 😉

  5. Anne schreibt:

    “Na, wolln se Gänseblümsche pflügge?”
    „Nee, ich kontrolliere, ob Sie die vorgeschriebene Wimbledon-Rasenlänge von 8mm einhalten. Ist ein bisschen zu lang, finden Sie nicht?“

  6. michael schreibt:

    > bog mit quietschenden Reifen … um die Kurve… .

    Das ist richtige Art, sich in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Hab von einem gelesen, der auf diese Art in den Rollstuhl landete.

    Berg runterrasen und Querstrassen ignorieren funktioniert allerings auch.

    • frauhilde schreibt:

      So. Und jetzt nochmal gaaaanz langsam lesen, was da steht: Die Reifen quietschten nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern weil sie immer quietschen. 😉
      So schnell kann ich gar nicht fahren.

      • michael schreibt:

        > … stürzte sich die Frau Hilde begeistert den Weg in den Hof runter …

        Im Schnecken tempo ??

        • frauhilde schreibt:

          Ich schätze, mehr als 10 km/h waren es nicht. Der Weg runter in den Hof ist vielleicht zehn Meter lang. So schnell komme ich nicht auf Touren. 😉
          (Wenn ich dran denke, mach ich die Tage mal ein Bildchen, dann siehst du, dass mein Indianerschrei ein sehr kurzer war)

  7. Patty schreibt:

    Wären die Dachkletterer in diesem Moment um die Ecke gekommen, hätten sie sich auch gefragt: „Worin hier der Lustgewinn besteht, vermag die 8 fnicht zu sagen.“

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