Von nächtlichen Aktivitäten und Chaoten

Irgendwie kein Schnellchen, aber zu wenig für einen eigenen Blogbeitrag. Deshalb hier die gesammelten wirren Gedanken der Frau Hilde. Bitte keinen Zusammenhang oder gar eine Logik suchen. Gibbet nicht.

Wenn man nachmittags um fünf unbedingt noch mit Kollegin C. Kaffeetrinken gehen muss, obwohl man weiß, dass man auf Koffein „leicht“ empfindlich reagiert, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn man nachts um kurz vor eins glockenwach im Wohnzimmer steht und … Aber seht selbst:

Bilanz einer mitternächtlichen Bügelsession

Bilanz einer mitternächtlichen Bügelsession

Das Gute daran ist, dass das Sofa im Wohnzimmer jetzt wieder benutzbar ist, denn dort hatte die Frau Hilde die ungebügelten Geschirrtücher gelagert (ganz weit hinten, damit man so tun kann, als würde man sie nicht sehen).

Uwe saß fassungslos daneben. Als er wieder sprechen konnte, sagte er ein paar sehr unschöne Dinge über motivierte Hildes und dass er jetzt Schweinehund International kontaktieren würde.

Das arme Beast hatte sich kaum wieder gefasst, da war Donnerstag und die Frau Hilde verschleppte es nach der Schule ins Fitti. Völlig überrumpelt saß Uwe dort in der Ecke und gab leise klagende Laute von sich (die die Frau Hilde ohnehin nicht hörte, nämlich sie hatte die Musik auf Anschlag).

Die Schule war heute nett und nichtssagend. Die Puschels waren weitgehend puschelig und beschäftigten sich eifrig mit dem „Krabat“. Die Achter waren … anwesend. Und die Chaoten waren … Au wei. Sie waren mal wieder in ziemlich guter Form.

Und ausgerechnet heute saß eine Referendarin mit im Unterricht, weil sie sich überlegt hatte, bei den Chaoten Lehrprobe zu machen.

Ein paar Highlights der Stunde (es waren so viele, die Frau Hilde konnte sich leider nicht alle merken!):

Anfang der Stunde. Schüler H. kommt rein, geht schnurstracks auf Schüler J. zu und beginnt sich an ihm zu reiben (also, jetzt nicht SO reiben!).

Schüler J.: „Sag mal, geht’s noch??“

Schüler H.: „Ich hab mich in der Pause auf die Bank gesetzt. Das „Frisch gestrichen“-Schild hab ich leider nicht gesehen. Und jetzt wollte ich dir was abgeben.“

Schüler J.: „Na, toll. Du bist da ganz nass.“

Schüler A. (wieder nur die Hälfte mitbekommen): „Was, der H. hat sich nassgemacht? Alda, bist du net stubenrein??“

Die Armbanduhr von Schüler S. ist anscheinend kaputt. Und weil es verboten ist, während der Stunde aufs Handy zu schielen, brachte sich S. seinen Wecker (!) mit in die Schule. Genau dieses Ding von der schwedischen Möbelmarke.

Schüler B., der neben S. sitzt, schaute sich den Wecker an und fand’s lustig.

Man machte im Unterricht weiter (versuchte es zumindest), als … Genau. Schlag zwölf fing das Ding an zu rappeln und zu scheppern.

Großes Gegacker bei den Chaoten. Die Frau Hilde, leicht verstimmt, weil in schönster Überleitung empfindlich gestört, verdonnerte S. dazu, einen Teil des Faust-Monologs am Anfang („Habe nun, ach! Philosophie“ usw.) auswendig zu lernen (auf diese Idee hatte sie übrigens die Referendarin gebracht).

S. fing lauthals an zu jammern, er sei das nicht gewesen, das müsse B. gewesen sein, immer sei das so, das sei so gemein, weil er immer dafür bestraft würde, dass die anderen an seinen Sachen rumfriemeln würden (Kommentar Schüler M.: „Was gibst du sie auch her, du Dappschädel?“).

Schüler B. wiederum war sich keinerlei Schuld bewusst, sondern fiel in S.‘ Gejammer mit ein.

Mitten in deren Rumlamentieren sah die Frau Hilde, dass Schüler H. Schülerin F. gerade mit einer Schere in den Haaren rumfuhrwerkte.

Sie wurde kurz laut und H. sagte, er habe F. keineswegs die Haare abschneiden wollen, sondern nur den Spliss rausschneiden (Kommentar Schüler M.: „Und schon ist das Niveau wieder da, wo’s hingehört!“).

Schüler K. öffnete das Fenster, weil heiß, woraufhin ein Windstoß Schüler M.s gesammeltes Unterrichtsmaterial durch den Raum blies (Kommentar Schüler M.: „K., du Dappschädel!“).

Schülerin F. fiel plötzlich ein, dass sie ganz unbedingt wissen musste, wie alt Faust war (immerhin war man wieder beim Thema).

Schüler A. hatte die gesamte Hausaufgabe (Vergleich „Prolog im Himmel“ mit „Hiob“) aus dem Internet abgeschrieben, behauptete aber steif und fest, Begriffe wie „Gelehrtentragödie“ seien seinem Hirn entsprungen (Kommentar Schüler M.: „Dappschädel!“).

Immerhin gab es gegen Ende eine sehr spannende Diskussion über die Figur des Mephistopheles bzw. Satan bzw. Teufel bzw. Lucifer; Gemeinsamkeiten und Unterschiede; das zugrunde liegende Gottesbild usw.

Wenigstens!

So. Und als die Frau Hilde nach dem Fitti nach Hause kam und eine Maschine Wäsche eingeworfen hatte (man hörte Uwe nur noch wimmern), war da was in der Post, nämlich das da:

Lesestoff!

Lesestoff!

Nämlich, das war von der giftigen Blonden.

Dankeschön, liebe S.!! Das war ganz prima, war das!

Die Frau Hilde freut sich ganz fürchterbar doll! (Sie musste es nur gleich weglegen, sonst wäre sie nicht dazu gekommen, Unterricht vorzubereiten.)

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und geht Wäsche aufhängen (Uwe? Uwe?? Geht’s dir nicht gut?).

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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26 Antworten zu Von nächtlichen Aktivitäten und Chaoten

  1. giftigeblonde schreibt:

    Ahh, es ist angekommen!
    Hat eh nur von Freitag vergangener Woche bis heute gedauert!
    Viel Spaß beim Lesen, und ja wenn du es mal anfängst, ist es schwer es aus der Hand zu legen.

    Zu deiner Zusammenfassung: Sehr erheiternd!

  2. fraukrokodil schreibt:

    Ich muss mal unbedingt den Begriff „Dappschädel“ in meinen Wortschatz integrieren. 😀

  3. Corinna schreibt:

    Der arme Uwe! Wenn er will, kann er mal zu meinem Schweinehund Kontakt aufnehmen. Vielleicht gründen sie dann eine Selbsthilfegruppe. 😉

    • frauhilde schreibt:

      Uwe lässt ausrichten, dass er darüber nachdenkt. Er möchte im Moment die Hoffnung noch nicht aufgeben. Aber wenn ich am Samstag auch ins Fitti gehe UND danach beide Klassenarbeiten korrigiere, DANN wird er auf der Stelle Kontakt zu deinem aufnehmen!

  4. giftigeblonde schreibt:

    Ja das soll er mal machen, meiner wäre aber auch zu kontaktieren, ich nehme ihn nicht!! mit in den Urlaub!
    Der soll daheim bleiben und auf die Katern und ddie Mädels aufpassen.

    Ich hab ja meinen persönlichen Antreiber mit;–)

  5. diewiderspenstige schreibt:

    falls du Uwe endgültig den Rest geben möchtest; hier liegt auch noch ein Stapel Wäsche auf dem Sofa, der darauf wartet, gebügelt zu werden 😀

    Und was deine Chaoten angeht – sie sind mir irgendwie seeeehr sympathisch 😀

    • frauhilde schreibt:

      Hatten wir das nicht schon? Und wolltest du nicht eigentlich herkommen und hier putzen? *pfeif*

      Ich mag sie ja auch. Ungefähr wie man einen ganz hässlichen Hundewelpen mag, einfach weil er so hässlich ist.
      Nee, Quatsch, ich mag sie wirklich. Auch wenn sie meine Nerven sehr strapazieren. 😉

      • diewiderspenstige schreibt:

        „Ungefähr wie man einen ganz hässlichen Hundewelpen mag, einfach weil er so hässlich ist.“
        Manchmal will ich gar nicht wissen, was unsere Lehrer so denken 😀
        Ach ja, stimmt, die Putzaktion… AAAABER: Wolltest du nicht eigentlich meine Mathehausaufgaben machen? 😉

  6. Stefan K. schreibt:

    Warum bügelst Du Geschirrtücher??

    An Uwes Stelle würd ich mich dafür nicht zuständig fühlen 😀

  7. Stefan K. schreibt:

    Zu dem Wecker kann ich auch noch eine Geschichte aus meinen Schulzeiten beisteuern:

    „Damals“ (TM), als man noch keine Handys hatte, trug ich zudem keine Armbanduhr. Also hatte ich tatsächlich für eine Klausur o.ä. meine beiden Wecker im Rucksack (fragt mich heute bitte nicht, warum beide…) Der eine war genau so ein mechanischer Rappelwecker, wie der Deines Schülers S. …

    Ein Mitschüler hatte die gesehen und hat in der Pause sich an beiden Weckern zu schaffen gemacht… in der kommenden Stunde klingelten beide, so im Abstand von 5 Minuten :-O

    Peinlich für mich und ein großer Lacher für die andern 😉

    Tja, das war auch in der 12. Klasse… aber ich fand uns eigentlich keine Chaoten… 😉

  8. A. P. Glonn schreibt:

    Weil ich gerade sehe, dass du eine Büchersendung bekommen hast, frauhilde, wollte ich gänzlich schamlos nachfragen, ob du mal vom Weltbüchertag und „Blogger verschenken Lesefreude“ erzählen möchtest? Die ein oder andere Information dazu findet sich (ganz zufällig!) auch auf meinem Blog … *pfeift unauffällig und klopft an ihre Kopfhörer, um zu überprüfen, um die frauhilde schon zuhause angekommen ist*

    • frauhilde schreibt:

      „Erzählen“ ist vielleicht der falsche Ausdruck – panisch dran erinnern, weil vergessen trifft es besser. 😉
      Aber ist erledigt und auch ein dezenter Hinweis auf deinen Blog findet sich.

  9. ullli23 schreibt:

    Zu Krabat: „Handwerkertragödie“ (Quelle: Mein Gehirn)

  10. christaschule2010 schreibt:

    Armer Uwe!!! Kraul, kraul! Soo ein schweres (Schweine-)Hundeleben!!!

    PS. Ich liebe das Buch!

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