Süße, wohlbekannte Düfte …

Ob Mörike das auch so geschrieben hätte, wenn er Lehrer gewesen wäre?

Es gibt ja Gerüchte, dass einige Lehrer bei „Wetten, dass …?“ teilnehmen könnten, indem sie mit verbundenen Augen ihre Klassen am Geruch erkennen können.

Fünftklässlerräume riechen nicht schlimm. Eher wie eben dreißigplus angestrengt arbeitende Kleinkinder riechen. Ein bisschen dumpf und abgestanden.

Bei Sechst- und Siebtklässlern ist das etwas anders. Die wiederum sind teilweise schon in der Pubertät, haben das mit dem Duschen und dem Benutzen von Deos noch nicht so recht raus. Deshalb ist der erste Gang nach dem Betreten eines Sechser- oder Siebenerraumes der zum Fenster. Aufreißen und TIEF Luft holen. Dann klappt’s auch mit dem Unterricht.

In der achten bis etwa zehnten Klasse wiederum wurde bereits entdeckt, dass man sich ab und zu mit Wasser überrieseln lassen kann und danach irgendwas dahin sprühen, wo’s stinkt ein bisschen riecht. Der Nachteil ist, dass in einer Klasse mit zehn Mädchen zehn verschiedene süßliche Düfte um die Vorherrschaft ringen. Auch hier empfiehlt sich als erster Gang der zum Fenster. Das hilft meist auch gegen die Wand aus Testosteron, gegen die man beim Betreten des Raumes läuft.

Nach dem Sport haben die Schüler übrigens irgendwie nie Zeit zum Duschen und behelfen sich deomäßig nach dem Motto „Viel hilft viel“. Da kann der Lehrer eigentlich nur noch 45 Minuten die Luft anhalten.

Ab und an überkommt die Schüler ein kleiner Lasst-uns-mal-wild-im-Raum-rumsprühen-Anfall. Als kleine Rache empfiehlt sich hier der Verzehr von viel Knoblauch am Vorabend.

In der Oberstufe hat sich das Ganze sehr relativiert. Die Jungs riechen zu 90% nach Boss, die Mädchen nach etwas, das man nicht so genau kennen möchte, das man aber durchaus überleben kann.

Meist hat man dann aber noch jemanden wie Schülerin F. von den Chaoten im Raum sitzen, die auch während der Stunde eifrig Gebrauch von ihrem Deospray macht. Oder man hat die Chaoten wie im letzten Schuljahr nachmittags direkt nach der Mittagspause. Dann mischt sich unter den leckeren Boss- und die gewöhnungsbedürftigen Mädchendüfte noch das zarte Odeur frisch gefutterten Dönertiers, wahlweise Leberwurst oder Fleischkäse, schlimmstenfalls (besonders zu Faschings- und Weihnachtsmarktzeiten) gewürzt mit der frischen Prise einer Gerstenkaltschale oder eines Glühweins.

Das sind dann die Stunden, in denen die Frau Hilde darum fleht, irgendjemand möge den „Duftern“ Pfefferminzbonbons ausgeben. Und in denen sie über Kaugummis großzügig hinwegsieht.

Aber vielleicht sollte man doch mal beim Herrn Lanz anfragen …

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und korridingst die furchtbaren Erörterungen ihrer Achter weiter. Da muss man schon sehr schmerzbefreit sein, um sich das anzutun …

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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26 Antworten zu Süße, wohlbekannte Düfte …

  1. meineschreibblockadeundich schreibt:

    Arme Frau Hilde, arme Lehrer! Wenn ich mir die morgendliche Duftorgie (ein Teenager, eine junge Erwachsene) mit fünfzehn multipliziert denke … bleibt mir glatt die Luft weg.
    Aber jetzt kommt ja die Zeit, wo man das Fenster gern öffnet ;).

    Herzlichst
    Marie

  2. diewiderspenstige schreibt:

    also, ich geh jetzt mal die Schülers verteidigen:

    – es herrscht nur deshalb so stickige abgestandene Arbeitsluft, weil wir immer schuften müssen und ihr Lehrer ja keine offenen Fenster wollt.
    – wir würden schon Duschen gehen, fallen halt 20 Min. Matheunterricht weg (der einzige, der damit ein Problem hat, ist der Lehrer)
    – und – ähh, mir fallen keine Argumente mehr ein 😀

    Nein, du hast schon Recht, teilweise stinkt das echt fürchterlich. Die versch. Fachräume kann man übrigens auch am Geruch erkennen – genauso wie manche Lehrer (ob positiv oder negativ, das sei jetzt mal dahingestellt…)

    Was meine Nase gar nicht mag: korrigierte Arbeiten, die nach Rauch stinken und Kaffeeränder/Weinflecken haben 😀

  3. Rina schreibt:

    Volle Zustimmung in allen Punkten, liebe Hilde!

    Meine Hauptschuljungs in der Neunten haben übrigens erst vor kurzem von der Erfindung des Deodorants erfahren. Da dies explosionsartig geschah, war die Duftwolke kaum auszuhalten. Ich hab mir angewöhnt, mir ab und zu die Duftgemische zeigen zu lassen. Und lobe die guten Düfte. Seit dem ists auch für mich wirklich angenehmer. Man(n) will doch nicht nach jedem Sch… – ähm – Mist riechen, sondern richtig gut. 😉

    • frauhilde schreibt:

      Ah, das ist natürlich clever, sie positiv zu bestärken! Sollte ich auch mal in Erwägung ziehen. („Du, ist das [Marke XY]? Mjamm, das riecht aber toll! Wenn nur alle so riechen würden!“) 🙂

  4. michael schreibt:

    Was schrieb noch mal die Mutter, als die Lehrerin der kleinen Erna einen Zettel mitgab, mit der Bitte, man möge doch darauch achten, daß Erna sich öfter wäscht, da sie riechen würde:

    Meine Tochter ist keine Rose nicht!
    Sie sollen ihr nicht riechen,
    Sie sollen ihr unterrichten!

    Und wo die Mutter recht hat, hat sie recht.

  5. Die Sichtweisen sind da, je nach Position, vermutlich recht unterschiedlich! ;o) Für mich wäre es so oder so die Hölle, weil ich einen sehr feinen Geruchssinn habe. Wenn eine der beiden Damen aus der ersten Etage dieses Hauses ihre „Tütchensuppen“ ins Treppenhaus lüften, statt ihre Küchenfenster zu öffen, könnte ich im Kreis Amok laufen. Denn irgendwann habe ich den Gestank auch in meiner Wohnung. Aber manche Menschen kennen da eben kein Erbarmen …

    • frauhilde schreibt:

      Yammie, das klingt ja auch sehr lecker …
      Aber wie kommt man auf die Idee, ins Treppenhaus statt in der Küche zu lüften? Das geht doch in der Küche viel schneller.

      • Aber aus dem Treppenhaus kommt im Winter nicht so viel Kälte in die Wohnung. Zumindest kann ich es mir anders nicht erklären. Alles andere würde in Richtung geistige Unzurechnungsfähigkeit weisen. Soweit wollen wir ja nicht gehen. Oder? Nein, nein, das wollen wir nicht! ;o)

  6. Hummelchen schreibt:

    Liebe Hilde,auch hier mein Mitgefühl…
    Das Odeur von kleinen Monstern in der Pubertät ist in der Tat kein Erlebnis besonderer Qualität.Das kann schon arg nach Puma-Käfig riechen,wenn sich die elendigen Hormone umstellen.
    Wenn meine Terrorkrümmel zur Höchstform auflaufen,riecht das bei den Duftwasser-Orgien auch irgendwann wie ein Etablisement des halbseidenen Gewerbes mit sieben Stockwerken 😦
    Ich weiß nicht was mir da bei der derzeitigen Witterung lieber ist-erfrieren oder ersticken…Meist spricht der Selbsterhaltungstrieb für Sauerstoff und Fenster auf.

    • frauhilde schreibt:

      Ein Schüler meinte neulich zu mir, als ich die Fenster aufriss: „Es ist noch keiner erstunken, aber schon viele erfroren!“
      Okay, wo er recht hat … Aber wie du sagst, der Selbsterhaltungstrieb bewirkt, dass man lieber zitternd am offenen Fenster steht als leicht blümerant im geschlossenen Raum.

  7. Robin Urban schreibt:

    Oh, das kann ich auch definitiv bestätigen. Ich hatte zwar erst ein paar Tage Praktikum in der Schule, aber als Erwachsene in eine Klasse voller Pubertierender reinzulatschen ist wirklich, als würde man gegen eine Mauer rennen.
    Ich kann mich auch noch genau daran erinnern, wie das bei MIR anfing. Als Kind war nicht unbedingt tägliches Duschen angesagt, man tat es halt, wenn man dreckig war, und selbst wenn Kinder schwitzen riecht das eigentlich irgendwie nach nichts! Doch sobald die Pubertät einsetzt… ich konnte mich wirklich kaum noch selbst riechen.

    Ich bilde mir außerdem ein, dass man regelrecht riechen kann, wie viele Bakterien etc. in Schulen rumfliegen. Klar, wo so viele Menschen aufeinander treffen… so war auch die Lehrerin, die mich immer mit zur Schule nahm, absolut nicht verwundert, als ich schon nach ein paar Tagen Praktikum krank danieder lag. Sie meinte, das wäre für Neulinge völlig normal, weil man an dieses Krankheitserreger-Bombardement einfach noch nicht gewöhnt ist!

    • frauhilde schreibt:

      Eben; Kinder, die noch nicht in der Pubertät sind, riechen nicht. Aber wenn die Hormone mitspielen, dann gute Nacht. Es ist ja auch nicht schlimm, wenn mal eins oder zwei ein bisschen riechen. Aber dreißig, das ist dann schon grenzwertig.

      Das glaub ich dir gern, dass du erstmal flachgelegen hast. Das zieht sich auch noch immer wieder durchs Lehrerdasein. Im Herbst und Winter vor allem: Irgendwer schnieft immer in der Klasse oder niest einen an.
      (Andererseits, besser als in Grundschule und Kindergarten, wo alle naselang jemand mit Läusen kommt *g*)

      Du machst auch Lehramt, ne?

  8. Manu schreibt:

    Meine Kids sind 11 und 14 und manchmal stinken sie echt zum Himmel. Vorallem der Sohn (11) ist da noch völlig schmerzfrei. Die Tochter riecht halt nach dem Sport, aber das ist ja okay. Alleine der Gedanke, ich würde 25 oder mehr solchen Stinkern gegenüber stehen, treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. 😉

    LG

    • frauhilde schreibt:

      Beim Sohn kommt wahrscheinlich irgendwann demnächst die Erkenntnis, dass man total „kuhl“ Deo verwenden kann; ob’s dann wohl ins andere Extrem kippt? 😉

  9. fraukrokodil schreibt:

    Deine Schüler verwenden Deo wenigstens noch halbwegs normal.
    Einer von meinen Granaten hat sich vor kurzem Deo in Mund gesprüht- er wollte wissen, wie das schmeckt.

  10. A. P. Glonn schreibt:

    Ich merke gerade, ich hätte doch Lehrer werden sollen. Zumindest habe ich eine ziemlich schlechte Nase und würde mich daran wohl nur in den absoluten Extremfällen stören. 🙂 Aber gegen so eine Deowand zu laufen, stelle ich mir trotzdem übel vor. Mein herzliches Beileid, Lieblingsfrauhilde! Und btw: Schön, dass du beim Tag des Buches mitmachst!

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