Von neuen physikalischen Einheiten und wieder mal Wetten

Heute bei den Chaoten.

Beim Eintreten sagt die Frau Hilde zur sie begleitenden Referendarin: „Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis der erste Chaot fragt, ob wir rausk-„

Schüler B.: „Frau Hildeeee? Gehn wir raaaa-haaaaus?“

Frau Hilde: *seufz*

Schülerin F. bepinselt zuerst sich selbst und dann Schüler H. mit rosa Lippenstift. Schüler H. darf aber nichts sagen, weil er beim Betreten des Kursraums bereits gekräht hat, dass er gegen die Frau Hilde wetten würde: Er würde heute nichts Dummes von sich geben, dafür bekäme er an seinem Geburstag einen Kuchen von der Frau Hilde. Diese stimmte siegessicher zu; es ist in anderthalb Jahren noch nie vorgekommen, dass H. nichts Sinnbefreites gesagt hat.

Aber H. hält tapfer durch, selbst als ihn Schüler B. mit Mandeln bewirft, übt er sich in vornehmer Zurückhaltung.

Man ist also voll dabei, Mephisto zu charakterisieren, als Schülerin F. plötzlich hickst. Das tut sie ab und zu, aber immer nur einmal.

Schüler W. dreht sich um: „Boah, F., nicht schon wieder!“

Frau Hilde: „W., beruhig dich. Sie hat doch nur einmal gehickst.“

Schüler W.: „Ja. HIER. ICH hab auch noch Englisch mit ihr, DA sollten Sie sie mal hören!“

Schüler J.: „Die Qualität des Unterrichts bemisst sich anscheinend nach Anzahl der F.-Hickse.“

Frau Hilde: „Okay, das heißt, mein Unterricht ist Mist, ja? Bei mir macht sie das ja immer nur einmal.“

Schülerin B.: „Nee, ich glaub, das ist anders. Anzahl der Hickse durch Anzahl der Minuten, das macht dann die Qualitätszahl.“

(Man unterhält sich eine Weile über F.s Hicksen und was es über den Unterricht aussagt. F. poliert in der Zwischenzeit ihren rosa Lippenstift mithilfe ihres rosa Taschenspiegels auf. Es klingelt. Schüler M. fallen alle seine Cards aus dem Geldbeutel; beim Aufheben entdecken Teile des Kurses alte Fotos von M. und fallen quietschend darüber her. Die Frau Hilde darf auch mal gucken und kann sich gerade noch beherrschen: Ungeachtet seines fragwürdigen Wortschatzes („Dappschädel“) war M. ein ganz, ganz niedliches Bübchen. Schüler S. erzählt währenddessen von seinen Zweitnamen.

Die angeregte Unterhaltung wird unterbrochen von Schüler K. und Schüler B., die sich irgendwie gegenseitig umzubringen versuchen.)

Frau Hilde: „K., lass deine Finger vom B.!“

K.: (murmelt etwas Unverständliches; es hat irgendwas mit Gretchens Schwangerschaft und eher weniger mit seinem Angriff auf B. zu tun)

Schüler M.: „Hä? Du bist schwanger??“

Schüler A.: „Wer hat sich DES denn angetan?“

Schüler B.: „Ich bin NICHT schwanger. (klopft sich auf den Bauch) Das ist hart erarbeitet!“

Schüler K. (legt den Arm um Schüler B.): „Schatz, keine Angst, ich pass gut auf dich auf!“ (kassiert eine Kopfnuss von Schüler B.)

Schüler H. platzt fast, weil er so gerne etwas Dummes sagen würde, es aber nicht darf, weil wegen der Wette.

Man diskutiert eine Weile über die Kursarbeit; die Frau Hilde ist der Meinung, man sollte dreistündig schreiben (der Lehrer entscheidet vorher, ob er doppel- oder dreistündig schreibt), der Kurs teilt diese Meinung eher nicht.

Die Frau Hilde: „Dann jammert ihr nur wieder rum, weil ihr nicht fertig werdet; außerdem hab ich keine Lust, diesmal so viel wegen der Rechtschreibung abzuziehen. Bei drei Stunden hättet ihr mehr Zeit, im Duden zu blättern.“

Schüler B.: „Ich brauch die Zeit eher, um im Faust zu blättern.“

Frau Hilde (zuckersüß): „B., mein Schatzibärli, wie wäre es denn, wenn du den Faust VOR der Kursarbeit lesen würdest, hmmmm?“

Schüler B.: „Och, Frau Hilde, MUSS das sein? Ich könnte doch auch einfach die Erläuterungen und …“

Frau Hilde: „B., die verstehst du doch wieder nicht.“

Schüler B.: „Mist, stimmt. (tiefes Seufzen) Und wieder einmal opfere ich meine Lebenszeit im Dienste der Literatur.“

Gegen Ende der Doppelstunde versuchten sich die Chaoten noch daran, ein Wort zu (er)finden; die Frau Hilde wollte gerne das Wort „Skeptizismus“ im Zusammenhang mit Faust hören. Es kamen folgende Vorschläge:

– Skeptismus (Schüler W.)

– Skeptizität (Schülerin A.)

– Skepse (Schüler M.)

– Skepsmus (Schüler K.)

Kreativ, aber … nun ja.

Und die Wette?

Nun ja.

Die Frau Hilde schaut dann mal nach Kuchenrezepten.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und wuselt von dannen. Heia machen.

 

 

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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34 Antworten zu Von neuen physikalischen Einheiten und wieder mal Wetten

  1. praktikon schreibt:

    bei kuchen hört der Spaß bei Schülern auf, glaub mir 😉 Für die Kuchenliste unserer Klasse sind schon Haare geflogen und Kratzer verteilt worden.

    • diewiderspenstige schreibt:

      oh ja, bei Kuchen ist Schluss mit lustig! Einige durften dieses Jahr schon so oft backen, dass manch einer statt „Der Vorleser“ (behandeln wir gerade in Deutsch) auch schon mal ein „Der Bäcker“ erwähnte… 😀

      Ach Hildi, ich find´s goldig, dass du für den ´nen Kuchen backst 🙂 Macht dich noch lieblingslehrerinwürdiger als eh schon 😀

      • frauhilde schreibt:

        Wenn ich das mit dem Backen ganz konsequent machen würde, dürfte mir Schüler H. bis ins Jahr 2072 jeden Monat einen Kuchen backen. 😀

        Hm, ich hoffe ja, der schmeckt ihnen.

    • frauhilde schreibt:

      *schluck* Na, das sind ja Aussichten …
      Aber wieso werft ihr mit Haaren herum?

  2. michael schreibt:

    > „Anzahl der Hickse durch Anzahl der Minuten, das macht dann die Qualitätszahl.”

    Schülerin B. meint sicher ‚Anzahl der Minuten‘ durch ‚Anzahl der Hickse‘ . 45 Qualitätspunkte machen ja einen besseren Eindruck als 0.022222222 Qualitätspunkte.

  3. Corinna schreibt:

    Nette Wette, aber pass auf, dass Du nicht irgendwann für alle bäckst. 😉

  4. sunshinemuffin schreibt:

    Ich LIEBE Schülerin F.! Man kommt sich teilweise sooo blöd vor, wenn man immer nur einmal hicksen muss und komisch angeguckt wird.

  5. meineschreibblockadeundich schreibt:

    Ach, Frau Hilde! *seufz* *lachtränenausdenaugenwisch*

    Ich wünsche dir ein herrliches (erholsames!) Wochenende
    Herzlichst
    Marie

  6. fraukrokodil schreibt:

    Ich würde ja mit Freuden Kuchen backen, wenn manche meiner Teilnehmer dafür den ganzen Tag nichts dummes sagen dürften…

  7. Rana schreibt:

    Grinnnns!!!! Und liebe Grüße von Rana (die Mädchen in meiner Klasse haben sich heute die Handinnenflächen mit Klebestift beschmiert und so versucht eine „Mädchenkette“ zu bilden. Ich habe ihnen Sekundenkleber empfohlen:-) )

    • frauhilde schreibt:

      *lach*
      Hat’s denn geklappt mit der Mädchenkette?
      Bei Sekundenkleber wäre ich vorsichtig; weniger wegen des Resultats als vielmehr wegen der Geräusche, die die Mädchen dann von sich geben – akute Hörsturzgefahr! 😉

  8. Anne schreibt:

    „Und wieder einmal opfere ich meine Lebenszeit im Dienste der Literatur“ Sie sind so süß, Deine Chaoten 😀
    Hast Du den hier gebacken? http://www.essen-und-trinken.de/rezept/246468/teufelskuchen.html
    Melde mich übrigens von den Probentagen aus DkdFHh-Gegend zurück, habe wild in Deine Richtung gewunken und mehr Schlaf bekommen als erwartet. AG-ler fahren halt freiwillig zum Schaffen (!) fort. Immer wieder schön zu sehen, wie das eine Gruppe zusammen schweißt.

    • frauhilde schreibt:

      Oh, schön, dass du heil wieder da bist!
      Waren deine Kindlein auch brav?

      Der Teufelskuchen ist eine tolle Idee! Aber ich weiß nicht, ob sie den noch wollen, wenn ihnen der sozusagen in der Kursarbeit schon erschienen ist …
      Im Moment tendiere ich zu Faust-Muffins. Ich weiß nur noch nicht genau, wie die aussehen sollen.

      • Anne schreibt:

        Doch, echt brav, zum Glück. Wäre mir auch sehr unangenehm, wenn die „puschligen“ 5er-Geigen daheim von Orgien der Oberstufen-Blechbläser erzählen müssten…
        Faust-Muffins: „Heiße Magister, heiße Doktor gar“ -> Gesicht mit Smarties, oben schräg ein Aftereight als Doktorhut ankleben, so wie hier:
        http://www.alleszumbacken.de/produktdetails/WN415-4592::muffinfoermchen-smiley-doktorhut-standard-5cm
        (wobei ja eigentlich die Mundwinkel nach unten müssen – „Habe nun, ach…“)
        Mit einem Kurs habe ich mal vor dem Oberstufen-Fußballturnier gewettet: Wenn Ihr den Pokal holt, backe ich. Es gab dann einen Blechkuchen mit grünem Zuckerguss und Legomännchen als Kicker 🙂

        • frauhilde schreibt:

          Ja, das wäre wirklich etwas peinlich, wenn dann die Eltern auf einen zukommen und sagen: „Mein Kind hat erzählt, dass man bei der Frau Anne jeden Abend Wein trinken durfte“ oder so. 😉

          Mist, da steht „nicht mehr lieferbar“. Ich bin, glaube ich, künstlerisch nicht so begabt, dass ich das hinbekomme. Ich denke aber, ein Mephisto-Gesicht oder -Hörner oder so sollte ich schaffen.

          • Anne schreibt:

            Ich meinte nicht die Papierförmchen… Unten sind „Anwendungsbeispiele“, siehst Du das gelbe Muffingesicht mit Schokohut?
            Roter Zuckerguss mit Schoko-Stäbchen als Hörner sieht bestimmt auch gut aus.

            • frauhilde schreibt:

              Ah, jetzt verstehe ich.

              Ich werde mein Möglichstes versuchen und vor dem eigentlichen Tag X ein Probebacken machen (okay, ich schieb’s noch von mir weg, weil das ja erst im Juni ist).

  9. ullli23 schreibt:

    Kuchenrezeptvorschlag: Versunkene Äpfel (200g Mehl, 200g Zucker, 200g Butter, 4 Eier, 2TL Backpulver, 1-2 Päckchen Vanillezucker, Rührteig schön mixen und in Form gießen, 4-5 große Äpfel zerschneiden und auf den Teig legen, ca. 50 Minuten auf 180°C backen, Puderzucker zum drüber streuen)
    Guter Kuchen!

  10. Hummelchen schreibt:

    Liebe Hilde,
    die Wahrheit ist hart,grausam und ungerecht*so oder so ähnlich* 😉
    Ich fürchte auch die Kunst der Germanistik kann das Hirn ganz gefährlich nah in den Bereich der Kernschmelze katapultieren…
    Auch wenn ich Deutsch eigentlich während meiner Schulzeit gerne gemacht hab,hab ich noch traumatische Erinnerungen an den „Tyrannen“-(…ich sei,gewährt mir die Bitte,in euerm Bund der Dritte…) und den Vorleser.
    Das Buch haben wir so lange durchgekaut,ich hätte es ohne Probleme auf Nepalesisch rückwärts per Flatulenz rezitieren können.

    Wenn wir mal alle ganz ehrlich sind,irgendwann hat doch jeder das ein oder andere Mal sein Oberstübchen während des Unterrichts in unendliche Weiten geschickt…
    😉

    • frauhilde schreibt:

      Danke für diesen Lacher, Hummelchen!! Ich schätze mal, auf Nepalesisch rückwärts per Flatulenz klänge das Buch unglaublich interessant! Und zumindest könnte man dann ganz ehrlich sagen, dass einem das Buch ganz schön stinkt. *hüstel* 😉

      Die Bürgschaft ist übrigens eine meiner Lieblings-Strafarbeiten, muss ich gestehen. (Natürlich nicht die ganze, jedenfalls meistens nicht!)

      • Hummelchen schreibt:

        Naja,diese olfaktorische Erotik die im Vorleser immer wieder erwähnt wird-wie die immer wiederkehrenden Anmerkungen bezüglich der erotisierenden Wirkung ihres Schweißgeruchs auf ihn -war damals wahrhaftig etwas,was ich definitiv nicht lesen oder hören wollte.

        Ich muss mir grad das Hilde-Entchen im Domina-Outfit mit dazugehörendem Equipment vorstellen,die Bürgschaft ist ja schon bissel sardistisch 😉
        Wofür kriegen deine Kampfzwerge die denn aufgebrummt?Hat dir auch schonmal jemand die Kurzversion der Glocke geliefert?“Loch in Erde,Eisen rin,Glocke fertig,bim bim bim…“
        😛

        • frauhilde schreibt:

          Domina-Outfit? Wuu-hu! So sollte ich vielleicht mal in der Schule aufkreuzen. 😀

          Ich finde sie nicht sadistisch. Die Schülers sollen laut Lehrplan ohnehin 1-2 Gedichte pro Halbjahr (!) lernen; das kriegt man in der Praxis natürlich nicht umgesetzt.
          Und die Bürgschaft ist meine finale Strafe, d.h. es wird mehrmals verwarnt UND gesagt, dass als nächstes das große böse B kommt. Und erst DANN verteil ich sie. Dann aber – meiner Meinung nach – mit Recht.

          • Hummelchen schreibt:

            Bisschen Strafe muss ja auch manchmal sein wenn sie sich benehmen wie ein Haufen Eichhörnchen auf LSD,gar keine Frage.Ist bei meinen Chaostheoretikern ja nicht anders.Im Rahmen von kultureller Arbeit oder Gedächtnistraining müssen sie sich bei mir gelegentlich auch mit Gedichten,Balladen oder Liedgut auseinandersetzen.
            Ich mochte den Zauberlehrling gerne,die Bürgschaft kam nie in den Favoritenrang weil mein damaliges Puschelhirn in der sechsten Klasse mit dem Auswendiglernen vom einen Tag auf den anderen etwas überfordert war …
            Und zu dem Outfit,ich bin sicher das du jede Menge Aufmerksamkeit bekommen würdest 😉

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