Was die Kleinen können …

… können die Chaoten schon längst.

Das taten sie zumindest am Montag lauthals kund. Nämlich kreativ ihre Eponoten einschätzen. Sie waren der Meinung, dass die Zehner gegen sie blutige Anfänger sind und traten sodann den Beweis an. Hier ein paar Nettigkeiten:

Schüler J.:

Frau Hilde, Frau Hilde, tralala,

ich bin im Unterricht immer da.

Ich mache auch des öfteren mit

und halte meine Stimmbänder nebenher noch fit [Anm. d. Fr.H.: OH JA!!].

Die Materialien habe ich immer dabei,

gemacht haben wir fleißig das Referat zu Drei.

Deswegen konnte ich bestimmt doch punkten.

Auch hab ich im Unterricht noch nie getrunken.

Wenn ich was sag, ist oft was Gutes dabei,

also bekomme ich die Punkte das Dreifache von Drei.

Ich hoff, dass das Gedicht gelang,

es bedankt sich Schüler J. [Anm. d. Fr.H.: An dieser Stelle reimte es sich].“

Schüler W.:

Befriedigend ist ein gutes Wort,

daheim gibt’s sonst ’nen Mord!

Verbessert hab ich mich ja wohl.

Trotzdem lass ichs Reimen (*) – zum allgemeinen Wohl.

(*) Schüler W. beim Schreiben: „Frau Hilde, wie schreibt man „reimen“?“

Frau Hilde (denkt): Verarscht veräppelt der mich jetzt?? (laut) „R-e-i-h-m-e-n.“

Schüler W.: „Okay.“ *krakel*

Schüler M.: „Boah, bist du ein Dappschädel!“

Schüler W. (naiv): „Wieso, ist das nicht richtig?“

Frau Hilde: *g* „Nein, es muss natürlich r-h-e-i-m-e-n heißen.“

Schüler W.: „Okay.“ *krakel*

Schüler M.: (beißt in Tischkante)

Rest des Kurses: *johl*

Schüler B.:

Liebste Frau Hilde [Anm. d. Fr.H.: Für Schleimen gibt’s keine Punkte!], ich war von den Unterrichtsinhalten in diesem Halbjahr, vor allem an der Klassik, verbunden mit dem Referat von B., W. und J., sehr positiv angetan. Das Interesse bewegte mich deshalb stets zu reger Mitarbeit, was sich auch sehr positiv auf die Unterhaltungen mit meinen Nebensitzern, nämlich dem nahezu kompletten Einstellen der Gespräche, bewegte [Anm. d. Fr.H.: LÜGE!]. Ich habe mich auch bei Faust oft beteiligt und oft auch gute Beiträge, die den Unterricht positiv voran brachten, eingebracht. Allgemein denke ich, dass ich im Vergleich zur letzten Eponote besser wurde und schätze mich im guten Bereich zwischen 11 und 12 Punkten ein. Liebste Grüße, Ihr B.

(B. lag übrigens als Einziger komplett daneben, weil er eigentlich die ganze Stunde mit den Nachbarn, vor allem W., schwätzt …)

Schüler S.:

Eine Note in Versen:

Immer Montag und Donnerstag

geht’s mir gut,

denn da habe ich Deutsch und trag keinen Hut.

Doch nun ist es, dass ich mich frag,

welche Eponote ich bekommen mag.

Im Unterricht bin ich stets auf der Hut

und auch gelesen habe ich heut gut.

Mein Buch hab ich immer dabei –

tandaradei!

Mich melden tu ich häufig und gern,

das sieht selbst ein Blinder aus der Fern!

11 Punkte sind ok und berechtigt,

allein für das Gedicht!“


Schüler A. („der wo“ kein Hochdeutsch, sondern nur tiefstes Pfälzisch kann):

Schüler A.: 8 Punkte

– mache meine Hausaufgaben ausführlich [Anm. d. Fr.H.: Jupp. Copy&Paste ausm Internet]

– informiere mich über den Unterricht hinweg (z.T. Internet) [Anm. d. Fr.H.: Jupp. Besonders gerne WÄHREND des Unterrichts …]

– störe den Unterricht nicht!

– bin hilfsbereit

– bemühe mich sehr, Hochdeutsch zu reden!!

Der absolute Knaller war aber (mal wieder) Schüler H.; der hatte am Montag gefehlt, wusste aber, dass er sein Selbsteinschätzungs-Zettelchen noch abgeben musste. Während der Kursarbeit hatte die Frau Hilde ein bisschen Süßkram für die Chaoten mitgebracht, weil das Leben an sich ja schon hart genug ist.

Nach Abgabe schnappte sich Schüler H. den Boden von einer der Süßkrampackungen und schrieb darauf das Folgende:

016

Falls man’s nicht lesen kann, da steht:

+ Fähigkeit deutsche Sätze zu bilden

+ Fachompetenz

+ gute Beiträge

– Dummschwätzer

– verwirrende Beiträge ohne logischen Zusammenhang

– gesprächig.

Hochgottle, isser net … Hach. ❤

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und wirft jetzt mal einen ersten vorsichtigen Blick auf die Kursarbeiten (Schüler W. bei der Abgabe: „Sie werden meine Arbeit total erregend finden!“ Frau Hilde: *?!?!* Schüler W. (wird rot): „Ach nee, ich meine natürlich ANregend!“)

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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24 Antworten zu Was die Kleinen können …

  1. fraukrokodil schreibt:

    Wollen wir mal für W. hoffen, dass Du seine Arbeit nicht doch erregend findest- nämlich Zorn erregend. 😉

    • frauhilde schreibt:

      Ich hab da schon so Befürchtungen … W. ist sich nämlich zu fein gewesen, einen Duden zu benutzen, und ich weiß schon, dass mich das wieder einen Rotstift kosten wird. *seufz*

  2. giftigeblonde schreibt:

    Erregende Hausarbeiten, das gefällt mir ggg

  3. A. P. Glonn schreibt:

    Er hat doch wohl nicht 666 shades of grey geschrieben, oder? 😀

  4. meineschreibblockadeundich schreibt:

    Liebste Frau Hilde, ich war vom Inhalt Ihres Blogs wieder einmal sehr positiv angetan :)!

    Herzlichst
    die Frau S.

  5. diewiderspenstige schreibt:

    *auf dem gefällt-mir-Button herumhüpf*
    Ich will so was auch mal machen!!

    Schüler H. find ich am Besten, wobei ich als Lehrer ja eine VOLLE Süßigkeitenpackung bevorzugen würde 😀

    • frauhilde schreibt:

      Schlag’s deinen Lehrern doch mal vor. 😉

      Die war zu Beginn der Kursarbeit ja auch sehr voll; sie leerte sich dann aber recht schnell, so in den ersten paar Minuten. *g*
      Und Schüler H. in Maßen geht, aber mehr als drei Stunden pro Woche kostet mich wieder ein paar graue Haare …

  6. ClauDia schreibt:

    grins… nee… mehralsgrins… 😀
    sind eigentlich Mäuschen-Hospitanten zugelassen? dann würde ich mich anmelden 🙂

  7. handvolldackel schreibt:

    „Auch habe ich im Unterricht noch nie getrunken“ … bitte?

    • frauhilde schreibt:

      Das bezog sich ausnahmsweise nicht auf Alkohol (das kam ja auch schon vor, so um Fasching rum …). Er meinte damit die Herren M., B. und W., die es nicht schaffen, eine Doppelstunde Deutsch ohne mindestens eine halbe Flasche Wasser und diverse Bäckereiartikel zu überleben. 😉

  8. Eponine schreibt:

    Hallo Frau Hilde!
    Da ich deinem Blog schon seit geraumer Zeit schwarzleserisch folge, dachte ich mir, ich muss dir auch mal was Schriftliches dalassen. Schuld daran ist sowieso und überhaupt nur die Frau A.P., dich auf ihrem Blog verlinkt hat. Hab den deinen sodann erst mal kurz überflogen und mich dann festgelesen. Soll heißen: Ich find die Beiträge über deinen Schulalltag göttlich! *hat keine Übung darin, Kommentare auf Blog-Einträge statt auf Fanfiktions zu schreiben*
    Liebe (und leider regnerische) Grüße,
    Eponine

    • frauhilde schreibt:

      Hallo Eponine,

      dankeschön für deinen Kommentar! 🙂 (Ich find den übrigens ganz primafein!!)
      Ich schick dir ein bisschen Sonne, eben kam sie raus und hustete ein paar der trölfzig Regenwolken weg. 😉

  9. Pingback: Coole Blogbeiträge Woche 19Always sunny

  10. Gänseblümchen schreibt:

    Ich finds köstlich. Hört sich nach einem super Job an und ich denke wer so über seine Schüler schreibt, sieht das auch so. 🙂 Der Kreative mit der Bonbonpappe hat auf alle Fälle mindestens einen Extrapunkt verdient, für seinen Einfallsreichtum und seine Ehlichkeit und überhaupt.

    • frauhilde schreibt:

      Traumberuf, ja. Mit der Einschränkung, dass ich es in Hildehausen (kleines Kaff) nicht mit einer Klientel zu tun habe wie z.B. Frl. Krise.

      Und keine Sorge, H. bekommt ohnehin 14 Punkte, weil er mündlich einfach sehr gut ist. 😉

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