Von Hotels und so. Oder: Frankreich II.

Voranmerkung/ -warnung: In diesem und im nächsten Eintrag wird gnadenlos pauschalisiert, verallgemeinert und es werden Dinge gesagt, die man vielleicht als makaber oder so bezeichnen würde. Das ist ironisch gemeint!

Sonntagnachmittag.

Fünf nullbockige total motivierte Lehrkräfte packen sich in ein großes, großes Auto und treten nullbockig total motiviert den Weg in die Ardennen an.

Man eiert so durch das Saarland (erster Ort nach der Grenze: Einöd. Kommentar Kollegin B: „Kein Wunder. Wir sind ja auch im Saarland …“), durch Luxemburg (kleine Rast weil wegen man muss schnell nach dem Wetter schauen. Es ist noch da. Weiter geht’s), Belgien und zum Schluss dann nach Frankreich rein. Vier Staaten in vier Stunden, das hat doch was.

Vorne fahren Kollegin B. und Kollege W. abwechselnd. Auf der Rückbank befinden sich Kollege M., Kollegin C. („Kannste ma nich so die Kurven fahren? Mir’s schläächt!“) und die Frau Hilde. Die drei hinten benehmen sich natürlich vorbildlich:
„Guck mal, da kann man draufdrücken!“

*FLAPP*

„Oh. Doch nicht.“

 

„Bee-heee? Kann ich den Tisch an den Sitzen ausklappen?“

„Ja, aber sei vorsichtig, da k- …“

*KRRRK*

*seufz* „… -ann das Scharnier brechen.“

„Oh.“

 

„Bee-heee? Laaaangweilig!! Tun wir was singen?“

„Bee-heee? Die C. hat mir mein Wasser weggenommen.“

„Bee-heee? Wie lang nooooch?“

 

(B. als kampferprobte Doppelmutter beschäftigt die Brut auf dem Rücksitz.)

 

Man muss zur Ehrenrettung der drei Rückbänkler sagen, dass es wirklich ein bisschen langweilig ist. Nämlich in Belgien, da gibt es nur Kühe. Wirklich. Hundert Autobahnkilometer lang nur Kühe.

Und dann in Frankreich, da gibt es … Hm. Nix.

 

Man verfährt sich noch ein bisschen, weil die Navi-Uschi wohl ein bisschen genervt war, und dann ist man am Hotel. Das liegt direkt am Ufer der Möse (verflixt!) Meuse.

Irgendwie haben die französischen Kollegen aber dann doch ein anderes Hotel gebucht, das wiederum aber nur fünfzig Meter weiter gelegen ist. Auch am Ufer der … also, des Flusses da.

 

Die Lehrerschaft checkt ein, inzwischen ist es übrigens halb zehn abends, und beschließt dann, noch rascheben ein Gläschen Wein trinken zu gehen.

Doof nur, dass das Städtchen ein Dörfchen ist, in dem nichts mehr offen hat.

Nur eine etwas fragwürdig aussehende Spelunke.

Egal. Rein.

 

In der Spelunke ist es dann aber doch ganz nett.

Nach einem weiteren Glas Wein (für die Nachwelt: Die Frau Hilde trank ein Wasser!) beschließt man, ins Bett zu gehen, denn am Montag soll es recht früh losgehen.

 

Die Zimmer … Ja, nun … Wie soll man die beschreiben? Sie sind … niedlich, irgendwie. Und mitten ins Zimmer hat man dann ein Bad eingebaut, das heißt, man hat einfach den Boden im Zimmer erhöht, das Ganze innen mit Plastik verkleidet und eine Kloschüssel und eine Vertiefung mit Duschvorhang reingebastelt.

Die Frau Hilde mutmaßt düster, dass sie am Montag vermutlich eine Überschwemmung anrichten wird.

 

Montagmorgen, halb sieben.

Der Frau-Hilde-Wecker beschließt, einfach mal NICHT zu klingeln. Öfter mal was Neues.

Er hat aber insofern Pech, als sich die Frau Hilde bei nächtlichen Umdrehversuchen mit diesen komischen Decken so eingewickelt hat, dass Tod durch Strangulation droht, und deshalb von selbst aufwacht.

Im Bad passiert dann das Befürchtete. Boden, Klo, mehr Boden und Teile des Zimmers haben regen Anteil an der Frau Hilde ihren Duschversuchen. Zudem ist der Duschkopf in die (Plastik-)Decke eingelassen. Beim Versuch, ihn ein wenig mehr in Richtung Wand zu drehen, reißt die Frau Hilde fast die Decke aus der Verankerung. Peinliche Sache wäre das gewesen!

(Unten erfährt sie übrigens, dass es den anderen nicht besser ging.)

 

Nach dem Frühstück (wieso, wieso, wieso sind eigentlich die Franzosen alle so dünn, obwohl ihr Frühstück und all das irgendwie nur aus Zucker und Fett zu bestehen scheint? Wie fies ist das denn bitte?) fragt die Frau Hilde höflich in lausigem passablem Französisch, ob sie wohl ihre Sojamilch bis zum nächsten Tag in den Kühlschrank in der Küche stellen darf.

Die Angestellte wird erst rot, dann blass – und dann ergießt sich ein französischer Redeschwall über die Frau Hilde, dem diese ungefähr entnehmen kann, dass die Zimmer nur für eine Nacht gebucht wurden und dass man da auch nichts machen kann, nämlich das Hotel ist ausgebucht und das ist jetzt ganz doof und überhaupt.

 

Leise Panik breitet sich unter dem Lehrkörper aus.

M.s Vorschlag („Lasst uns in der Möse schlafen!“) wird laut quakend abgelehnt.

 

Kurze Zeit später naht aber Rettung: Die französischen Lehrer kommen vorbei, hören sich das Problem an, werden auch rot und blass und wuseln dann in verschiedene Richtungen davon.

Zur Panik unter dem Lehrkörper gesellt sich ganz leichte Verwirrung.

 

Kollege W. und die Frau Hilde gehen nach dem Wetter schauen.

(Es ist immer noch da.)

 

Zwanzig Minuten später zieht die Karawane in Person von zwei niederländischen und fünf deutschen Lehrern, schwer bepackt, begleitet von zwei ganz schnell auf sie einredenden Franzosen, weiter, und zwar in das Hotel, in das man eigentlich gestern schon wollte, aber da hatte das ja nicht geklappt und alles sowas.

 

Dort angekommen, kann man natürlich noch nicht in die Zimmer; es ist ja erst halb neun morgens.

Netterweise darf man aber das Gepäck schon mal abstellen.

 

Und dann geht es endlich „uff Arbeit“ an die Schule, die nicht weit entfernt ist (M.: „Wir müssen nur einmal über die Möse!“ – Kollegin C.: „M., langsam isses aber nicht mehr witzig.“ – M.: „Und wenn wir in die Möse fallen?“ – C.: *Laute der Resignation*).

 

Und wie es dort weitergeht, das erzählt die Frau Hilde entweder später oder morgen.

Nämlich, jetzt wird für die Chaoten gebacken!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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29 Antworten zu Von Hotels und so. Oder: Frankreich II.

  1. fraukrokodil schreibt:

    Bin ein wenig verärgert über den Kommentar von Kollegin B….
    Habt ihr in Luxemburg wenigstens billig Zigaretten, Kaffee, Alkohol und Benzin gekauft?

  2. Bibliotheks-Wesen schreibt:

    Liebe Frau Hilde,

    Da sag noch einer internationale Zusammenarbeit sei dröge …

    Sie backen? Für die Chaoten?! Welche Ihrer eigenen Regeln haben Sie denn verletzt, dass die Chaoten einen Kuchen verdient haben? 😉

    mit grinsendem Gruß,
    Das Bibliotheks-Wesen

    • frauhilde schreibt:

      Hallo Bibliotheks-Wesen,

      ich habe gegen Schüler H. gewettet: Er behauptete, er könne eine Doppelstunde lang die Klappe halten und KEINEN Schwachsinn rausbabbeln; diese Wette musste ich – siegessicher – natürlich annehmen. Und was soll ich sagen? Der Bratzen hat gewonnen! Aber zur Strafe bekommt er rosa (!) Prinzessin-Lilifee-Muffins, muhaha!!

      • Bibliotheks-Wesen schreibt:

        Hähä! Leider geht beim anonymisieren eines Fotos der Gesichtsausdruck des Schülers H. verloren … sonst hätte ich ja zu gerne ein Bild von der Übergabe der Lillifee-Muffins an den „Chef-Chaoten“ 😉
        Eine Doppelstunde Ruhe wäre mir wohl auch rosa Muffins wert 😉

        • frauhilde schreibt:

          Ich bin mir gar nicht so sicher, ob er die zuerst bekommt und nicht Schülerin F. sich kreischend darauf stürzt (ich muss allerdings gestehen, dass sie ziemlich missraten sind; ich lass künftig die Finger von diesem Fertigbackmischungszeug!).
          Und dass die Doppelstunde ruhiger wird, wenn es Muffins gibt, das müssen wir erst noch sehen (ich hab da so meine Zweifel …). 😉

  3. Frau Streng schreibt:

    Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten!
    Herzliche Grüße von einer immer noch lachenden Frau Streng

  4. Corinna schreibt:

    Spannend. Wo werden wohl die Duschen im nächsten Hotel angebracht sein? Direkt über dem Bett, das vor dem Duschen mit einer Plane abgedeckt werden muss? 😉

  5. Anne schreibt:

    Is noch weiheit? Schmussmal!

    • frauhilde schreibt:

      GENAU so war das, Anne, GENAU so! 😀

      • Anne schreibt:

        Ich WUSSTE es 🙂 (bin auch kampferprobte Doppelmutter)
        Lilifeemuffins sind super, serviert auf Hello Kitty Servietten?
        (Die Chaoten haben ganz schön Glück mit ihrer Lehrerin)

        • frauhilde schreibt:

          Oh, Hello-Kitty-Servietten, das ist ja eine tolle Idee! Schülerin F. wird kreischen … 😉
          Ich dachte mir, dass dir das bekannt vorkommt, so als Mama. Inzwischen ist es aber nicht mehr so, oder?

          (Na ja, Wettschulden sind Ehrenschulden. Oder so. *g*)

  6. diewiderspenstige schreibt:

    wie die Kindergartenkinder 😀

  7. Kitty schreibt:

    Haha, sehr cool 😀 *flüster* …Möse… hihihihihi… 😉

  8. Judith schreibt:

    Oh ja, die Meuse bringt immer komische Gedanken ins Hirn… 😀

    Dann habt ihr ja eine richtige Weltreise hinter Euch, ich dachte, ihr hüpft mal eben ins Elsaß rüber…

    • frauhilde schreibt:

      Der Ort liegt in den Ardennen, ziemlich von Belgien umgeben, also eher nördlich. Mal eben ins Elsass wäre schick gewesen (obwohl, da wäre die Schulleitung womöglich noch auf die Idee gekommen, dass wir da nur nachmittags arbeiten und vormittags Unterricht machen … Bäh, nee! *g*).

  9. giftigeblonde schreibt:

    Herrrlich!
    Bitte um den Namen des Hotels, nicht das man da mal zufällig reinfällt…

  10. Eponine schreibt:

    Das legt man iwie nie ab, das „ist es noch weiiiiheiiiit???“, oder?! *lach*
    Und wennd as Wetter noch da war – war denn dann wenigstens auch die Sonne da…?

    • frauhilde schreibt:

      Ja! *strahl*
      Nur in den Ardennen, da hat sie sich ein bisschen versteckt. Aber es hat immerhin nicht geregnet und wir haben auch gar nicht gefroren diesmal! 🙂

  11. Das Küken schreibt:

    Liebe Frau Hilde,

    ich les hin und wieder (durch das Frl. Sonnenschein) in Ihrem Blog und ich muss zugeben, ihre Frankreich-Tour klingt ja sehr sehr genial! Ich musste echt sehr lachen, als ich die Geschichten an der Möse (räusper, Verzeihung Meuse ;)) gelesen habe!
    Vor allem:
    „Guck mal, da kann man draufdrücken!“

    *FLAPP*

    „Oh. Doch nicht.“

    hat mich sehr zum lachen gebracht, gerade weil das genau Küken-Frl. Sonnenschein-Stoff ist
    also wirklich, klingt sehr genial!

    GLG das Küken

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