Von Nachwuchslehrern

Im Moment bereiten die Chaoten ja eine Unterrichtsreihe („Krabat“) für die Puschels vor. Und zu diesem Zweck gehen jede Woche Briefe hin und her. Die Puschel schreiben, was sie am „Krabat“ toll fanden; die Chaoten fragen, was die Puschels denn so interessieren könnte, und so weiter.

Zwei Puschelinen hat dabei wohl Amors Pfeil getroffen (Anm. d. Fr.H.: Wäh, die sind elf und die Chaoten achtzehn!!).

Jedenfalls bekam Schüler M. gestern folgenden Brief:

„Hi M., füll das mal aus!

Ein Mädchen, dass du süß findest:

Körbchengröße (Anm. d. Fr.H.: !!!!!!!!):

Hast du eine Freundin?“

Zu M.s Glück hat er gestern gefehlt. Der Bub ist doch so nett, der hätte ja den Glauben an die Menschheit verloren.

Das andere amorisierte Puschelchen ist L.

Die wollte heute von der Frau Hilde wissen,

– ob Schüler H. eine Freundin hat,

– ob die Frau Hilde weiß, was Schüler H.s Lieblingsfarbe/ -musik/ -haarfarbe bei Mädchen ist und

– ob der immer so süß ist (letzteres begleitet von einem größeren Kicheranfall).

Die Frau Hilde geriet schwer ins Grübeln, ob das mit der fächerübergreifenden Unterrichtsreihe wirklich eine so prima Idee war.

Gestern haben die Chaoten an den ersten Stunden gebastelt, die sie bei den Puschels halten werden. Größtes Problem: Disziplin.

Vorschlag Schüler S.: „Ajo, wir gehn da rein, begrüßen – und dann kommt der Strafenkatalog.“

Schüler K.: „Frau Hilde, was dürfen wir alles mit denen machen?“

Die Frau Hilde: „Nichts Unpädagogisches oder Überzogenes!“

Schüler H.: „Ist An-den-Füßen-aus-dem-Fenster-Halten unpädagogisch?“

Frau Hilde: *g* „Ein bisschen.“

Schüler K.: „Dürfen wir die ein Gedicht lernen lassen?“

Schüler H.: „Nee, viel besser, die lernen den ganzen Faust-Monolog auswendig!!“

Frau Hilde: „Wenn du so weitermachst, kannst du ihnen den gleich vorsagen!“

Schüler H.: *quak*

Frau Hilde: „H., als du letzte Woche Geburtstag hattest, hast du dich bei mir hoch und heilig für alles Dummgeschwätz der letzten Jahre entschuldigt, erinnerst du dich?“

Schüler H.: (schmollt)

Schülerin F.: „Müssen die uns dann eigentlich siezen?“

Frau Hilde: „Die Entscheidung überlasse ich euch. Ich persönlich fände es übertrieben, weil ihr euch gegenseitig ja schon kennt.“

Schülerin F.: „Nein, das ist voll cool! Die müssen dann Frau F. zu mir sagen!!“ (wirft die Haare nach hinten und holt ihre Hello-Kitty-Bürste hervor)

Frau Hilde: „F., bei aller Liebe, aber wenn du das bei denen machst, kannst du dir das mit dem Siezen abschminken, die nehmen dich dann nicht mehr ernst.“

Schülerin F.: (schmollt auch)

Schüler B.: „Frau Hilde, sind Sie da bei den Sechsern eigentlich eine Respektsperson?“

Frau Hilde: „Du meinst, im Gegensatz zu hier? Jupp!“

Schüler B.: „Ja, nein, ich meine nur … also, wenn die dann so … gemein zu uns sind, also tun Sie uns dann helfen?“

Schüler K.: „Alter, hast du SCHISS vor SECHSTKLÄSSLERN??“

Schüler B.: „NEIN, natürlich n … Ein bisschen.“

(Gegacker. Dann wird es still.)

Schüler W.: „Ganz ehrlich? Ich hab auch Angst.“

Rest des Kurses: *Laute der Zustimmung*

Hach, je. Jetzt muss die Frau Hilde den armen großen Chaoten die Angst vor den kleinen puschligen Sechstklässlern nehmen …

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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25 Antworten zu Von Nachwuchslehrern

  1. diewiderspenstige schreibt:

    ganz ehrlich, ich kann deine großen Chaoten verstehen; ich bin immer heilfroh, wenn ich lebendig durch den Sechsergang gekommen bin!
    😀

  2. fraukrokodil schreibt:

    Ja, es könnte ja passieren, dass die Puschels die Chaoten an den Füßen aus dem Fenster halten…( Fände ich- ganz unpädagogisch- witzig!)

  3. claudiaberlin7 schreibt:

    öhm…
    muaaaaaaaaaaaaahaaaaaaaaaaaaaaaaaaa….
    sorry, ich hab echt versucht, es zu unterdrücken! *ernstguck*
    also… *hust*… (Sommergrippe, wirklich!!!)
    bitte berichte vom Puschel-Angst_Unterricht 🙂

  4. michael schreibt:

    Noch schlimmer. Die Puschels könnten die Chaoten nicht ernstnehmen und lachen und herumalbern und so weiter .. .

  5. Theni schreibt:

    Das ist einfach zu gut. 😀
    ( „Alter, hast du Schiss vor Sechstklässlern?!“ –> 6er sind gemeingefährlich ^^ Und in einer großen Menge möchte ich denen eigentlich nicht begegnen…) Aber das Projekt, die Großen Unterricht machen zu lassen, find ich gut, ist mal was anderes/neues/besonderes und bestimmt eine interessante Erfahrung… 🙂

  6. Patty schreibt:

    Sehr cooles Projekt. Sehr normale Reaktion, glaub ich 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Ich fand’s halt sehr putzig, dass sie auf einmal so schissern, die achsomutigen Helden.
      Aber die Puschels können schon recht rabiat sein (siehe „der Hässliche“; so nennen die den armen Schüler J. von den Chaoten, und der weiß gar nicht, wie ihm geschieht), wenn sie wollen.
      Ich denk dennoch, dass sie lieb und brav und süß und niedlich und puschelig sein werden.

      • Patty schreibt:

        Jaja, so sans … Ja total, das ist nicht ohne, sich als Teenie mit einer Horde Kiddies zu arbeiten. Aber beide Seiten werden unglaublich davon profitieren. So oder so. Ach, ich bin gespannt auf den Bericht 🙂

  7. Corinna schreibt:

    Ich wäre an deren Stelle auch total aufgeregt gewesen. Aber warte mal ab, wie groß ihrer Klappe hinterher sein wird. 😉

  8. fraubutterbrot schreibt:

    Aaaaw, wie nett!
    Ich finde die Idee auch total stark! Das ist ja quasi „Miteinander und voneinander lernen“ par excellence! Ich bin zutiefst beeindruckt, Frau H.!
    Hach, da wünsch ich mir (fast) auch so Chaoten, mit denen man sowas machen (lassen) kann!
    Bin gespannt auf die Fortsetzung!

    • frauhilde schreibt:

      Die kommt, allerdings erst übernächste Woche; in der kommenden Woche sind die Zwölfer auf Kursfahrt. Leider. Ich werd sie schon irgendwie vermissen; andererseits habe ich donnerstags jetzt nach der vierten Stunde aus. Hm …

  9. Eponine schreibt:

    Gnihihi, das liest sich wirklich toll.
    V.a. dass deine Chaoten dann Angst bekommen haben. Jaja, unterrichten is halt doch ned so einfach^^

    • frauhilde schreibt:

      Ich bin so gespannt, wie das dann in der Praxis aussieht!
      Für mich wird es ja ein bisschen wie im Zoo sein. Ich sitz hinten und schaue mir an, wie dreißig Puschelschlangen fünf Chaotenkaninchen fixieren. 😀

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