Vom Abschiednehmen II

Heute vor der Kirche nach dem Jahresabschlussgottesdienst.

Die Frau Hilde steht mit ein paar Kollegen rum und wartet darauf, dass ihre Achter aus der Kirche kommen, um ein Auge darauf haben zu können, dass sich keins der Kindlein „zufällig“ verläuft und statt zurück in die Schule zu gehen ein bisschen in der Stadt verweilt.

Da kommt es von hinten angepuschelt.

„Wir haben da noch was für Sie“, sagt Puscheline B. und drückt der Frau Hilde das hier in die Hand:

puschels2

„Und“, ergänzt Puschel K., „wir finden das voll doof, dass wir Sie nicht mehr haben!“

Hach.

Da muss die Frau Hilde ganz schnell ein bisschen in den Himmel schauen, damit das Pipi in den Augen bleibt.

Später auf dem Schulhof (traditionell wird nach der Kirche gemeinsam auf dem Schulhof gefrühstückt. Jeder bringt etwas mit und man sitzt klassenweise da und futtert; danach gibt es dann in den Klassenräumen Zeugnisse) haben die Puschels mit Lieblingskollegin O. das definitiv größte Frühstücksbüffet mitgebracht. Und weil sie liebe Puschels sind, möchten sie auch unbedingt etwas davon abgeben.

Das Ganze endet damit, dass sie sich die Herren Chaoten H. und J. schnappen und vollstopfen. Beide haben natürlich nichts dagegen, auch wenn sie so tun, als fänden sie das jetzt GANZ schrecklich. Aber sie genießen es sichtlich, inmitten von achtundzwanzig quiekenden Puschels zu stehen, die ihnen abwechselnd Süßes und Herzhaftes in den Mund schieben. Die Mitschülerschaft und die anwesenden Kollegen grinsen sich eins.

Danach wird Chaot J. von den Puschelinen noch quer über den Schulhof gejagt. Er versteckt sich hinter der Frau Hilde und sieht ein bisschen blass aus (Kekse und Karotten mit Dip und Brot und Cola und Kuchen und mehr Kekse und Gurken und Brownies und Kirschen und Muffins sind für den Magen eine sehr gewagte Mischung!).

Die Frau Hilde und Lieblingskollegin O. finden es trotzdem ganz doll niedlich, dass zwischen Chaoten und Puschels ein so gutes Verhältnis besteht.

Später dann, die Zeugnisse sind verteilt, die Achter haben nur ein bisschen gemurrt, weil das ist ja wohl voll gemein, dass der Physiklehrer ihnen und da in Geschichte, also das ist ja wohl, und wieso hat man in Mathe bitte nur eine Vier, wo man doch IMMER die Hausaufgaben und wieso sagt einem die Frau Hilde, dass eine Drei in Verhalten nun wirklich nichts ist, auf das man sich was einbilden soll, und die Kindlein sind in die Ferien entlassen, geht die Kollegenschaft noch gemeinsam essen.

Und dann besorgen Lieblingskollegin O. und die Frau Hilde noch ein Geburstagsgeschenk für Tiffy, selbigwelche morgen feiern wird, weshalb der Abschied von den eingeladenen Kollegen nicht ganz so tränenreich wird.

Und danach begeben sie sich in den Zweitwohnsitz und sinnieren so vor sich hin; intellektuell natürlich sehr hochwertig:

„Sin Ferien“, sagt O.

„Joa“, sagt die Frau Hilde.

Man nimmt einen Schluck.

„Voll komisch, so“, sagt die Frau Hilde.

„Joa“, sagt O.

Beide berichten selbstmitleiderisch, wie ihre Arbeitszimmer im Moment aussehen und dass das ja jetzt wieder mindestens zwei Wochen dauert, bis man das alles archiviert und be-altpapiert hat und so was alles.

Aber dann kommt die Sonne raus und irgendwie doch ein bisschen Ferienstimmung auf.

Als die Frau Hilde gegen halb sechs dann daheim ankommt, spielt sie kurz mit dem Gedanken, Wäsche zu machen und ein wenig fleißig zu sein, verwirft ihn aber gleich wieder, um sich „ein halbes Stündchen“ langzumachen.

Gegen 22 Uhr wacht sie dann wieder auf, flucht ein bisschen und tappert in den Keller, um die Waschmaschine anzuschmeißen.

Deshalb kommt der Blogbeitrag jetzt auch so spät.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und geht mal Wäsche aufhängen.

Übrigens hatte das Rosinante-Bikel wieder ein großes Aua; der Hinterreifen war’s diesmal. Der Bikel-Doktor hat diesmal nur geseufzt, als die Frau Hilde am Mittwoch pitschepatschenass (es hat geschüttet und die Frau Hilde musste schieben und war nur mäßig dafür ausgerüstet) um neun bei ihm aufgetaucht ist. Er hat vorgeschlagen, der Frau Hilde den Zweitschlüssel zur Werkstatt zu überlassen. Das fand die Frau Hilde ein bisschen gemein. Und teuer war’s diesmal auch. Wenn man überlegt, dass das Rosinante-Bikel mal 30 Euro gebraucht gekostet hat, dann kann man es wohl getrost einen wirtschaftlichen Totalschaden nennen. Aber es ist halt das Rosinante-Bikel.

Übernächste Woche lässt die Frau Hilde es dann noch generalüberholen.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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29 Antworten zu Vom Abschiednehmen II

  1. Patty schreibt:

    Und was in der hübschen Box drin war, bleibt der Frau Hilde ihr heiliges Puschel-Geheimnis? Schöne Ferien Frau Lehrerin! Verdient hast es! 🙂

  2. giftigeblonde schreibt:

    Schöne Ferien liebe frauhilde!
    Genieße es und mach dir schöne Tage!

  3. fraukrokodil schreibt:

    Oh, wie süß, die Kleinen.
    Ich wüsste übrigens aus zu gerne, was da in der Box war…

  4. christaschule2010 schreibt:

    Schöne Ferien und viele schöne, sonnige Tage !

  5. Corinna schreibt:

    Genieße die stressfreie Zeit und freue Dich auf die Puschels, die da kommen werden! 😉

  6. Da ich mal ganz stark annehme, dass in der Box kein Sexspielzeug oder ähnlich Verfängliches war, wäre ich durchaus bereit, eine gewisse Neugierde einzuräumen mit dem Ziel, zu erfahren, wie sich der Inhalt gestaltete! ;o))

    Ein schöner Abschieds-Beitrag; so richtig zum Miterleben und -fühlen!

    • frauhilde schreibt:

      Das hast du jetzt aber sehr hübsch ausgedrückt. Nein, Sexspielzeug war es nicht, sondern Weleda-Sachen. Wobei ich natürlich nicht weiß, inwieweit man die zweckentfremden kann … *hüstel* 😀

  7. Anne schreibt:

    „Joa“
    .
    Genau so.
    Eine Mischung aus uff-endlich, och-schade, wie-echtjetzt…
    Und dann noch so puschelig… (die Chaoten hätten vermutlich „wir vermiesen Sie“ geschrieben 😉 )
    Genieß die Zeit, ist viel zu schnell wieder vorbei!

    • frauhilde schreibt:

      Du triffst es auf den Punkt, Anne!

      Heute war ich nochmal an der Schule – und habe mich gewaltig getäuscht, als ich dachte, ich sei da allein: Zehn Kollegen sind rumgewuselt.
      Irgendwie kann man sich doch nicht so schnell lösen … 😉

      • Anne schreibt:

        http://skizzenblog.clausast.de/2013/07/geht-spielen.html 😀
        Schick die 10 morgen zu uns, wir haben noch „normale“ neinichschreibjetztnicht“laber“ Konferenz, die Zeugniskonferenzen erst nächste Woche. Und immer bei schönstem Sonnenschein *heul* Wenn Du also Ferienausflüge planst, frag unseren metereologisch begabten Schulkalender 😉
        Apropos Ausflug: Kletterpark dräuet mir ja auch noch…

        • frauhilde schreibt:

          Muhaha, die Karikatur ist genial!!

          Igitti, Konferenzen. Die sind am Ende des Schuljahrs noch laberiger als sonst, hab ich das Gefühl. Und wie du sagst, ausgerechnet jetzt ist auch noch schönes Wetter …
          Wann geht’s denn in den Kletterpark?

          • Anne schreibt:

            Vorletzter Schultag, da fliegen alle Klassen aus. Wir immerhin mit pädagogischem Hintergedanken 🙂
            Ja, der Herr Skizzenblog ist toll – und auch käuflich, hat mir für einen Kollegenabschied einen seiner Cartoons passend umgearbeitet. Genial.

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