Vom Ferienbeginn

Also, das war nämlich so.

Gestern Vormittag erreichte die Frau Hilde ein Anruf. Nein, sie muss anders anfangen. Der Samstag begann damit, dass die Frau Hilde morgens um sieben aufwachte (Gewohnheit? Senile Bettflucht?), grummelnd in die Küche latschte, dort eine halbe Stunde triefäugig rumsaß und dann wieder ins Bett ging.

Gegen zehn wachte sie ein zweites Mal auf, da fiel ihr dann ein, dass sie eigentlich hatte ins Fitti gehen wollen.

Sie krabbelte erneut aus dem Bett in die Küche, wo sie feststellen musste, dass es sich angeboten hätte, am Freitag noch etwas fürs Frühstück einkaufen zu gehen.

Gut, gab’s also nur Kaffee.

Um elf klingelte das Telefon, es war Lieblingskollegin O., die der Frau Hilde sagte, dass diese um 19 Uhr abgeholt würde wegen weil man wollte ja zu Tiffy fahren.

Zwanzig Minuten später klingelte das Handy, und es war ein ehemaliger Ref-Kollege, den es tief in den Ruhrpott verschlagen hat. Der wiederum war aber heute zu Besuch in Hildehausen und fragte die Frau Hilde, ob man sich nicht auf einen Kaffee treffen wolle. Ja, natürlich wollte die Frau Hilde, verwarf etwaige Fitti-Pläne endgültig und begab sich in Richtung Dusche.

Irgendwie wurde das Treffen dann aber noch mal verschoben, so dass jedenfalls die Frau Hilde um kurz nach vier aufs Rosinante-Bikel stieg und in die Stadt radelte, mitsamt Einkaufstasche, denn das würde sich, so hatte sich die Frau Hilde das ausgerechnet, genau ausgehen mit Kaffee und danach Einkaufen.

Man trank also Kaffee und tauschte Lebensweisheiten aus.

Gegen halb sechs verabschiedete sich der Ref-Kollege, und die Frau Hilde wollte wieder das Rosinante-Bikel besteigen.

Aber das Rosinante-Bikel wollte nicht.

Nämlich, es hatte einen Platten. Diesmal am Vorderreifen.

Die Frau Hilde stöhnte genervt, aber okay, man war ja gut in der Zeit. Es würde dicke reichen, das Bikel zu schieben und einkaufen zu gehen und das Bikel dann nach Hause weiterzuschieben.

Nur das Bikel, das war damit irgendwie nicht einverstanden.

Nach zweihundert Metern merkte die Frau Hilde, dass da etwas ganz und gar nicht so war, wie es sein sollte, nämlich Schlauch und Mantel machten Anstalten, getrennte Wege von der Felge zu gehen. Es machte *Sprwschtsch* oder so ähnlich – und dann hatte sich der Schlauch derart in der Felge verklemmt und der Mantel war so ab, dass gar nichts mehr ging. Und gar nichts meint gar nichts. Man konnte das Bikel nämlich nicht mehr schieben.

Nun ist das Rosinante-Bikel gute alte SCHWERE Wertarbeit. Und aber die Frau Hilde musste es, da es sich ja nicht mehr schieben ließ, tragen. Das ging genau weitere etwa zweihundert Meter gut. Der Frau Hilde ihre Jeans war inzwischen ziemlich mit Schmiere … ähm … eingeschmiert, die Frau Hilde schwitzte, denn es war heiß, und es GING einfach nicht.

Also stellte die Frau Hilde das Rosinante-Bikel in einem Hof ab, wo sie die Bewohner kennt, die wiederum aber nicht da waren, aber sie hoffte einfach drauf, dass da keiner das Bikel klaut, um es am Montag dann zum Bikel-Doktor zu schleppen (na, der wird schauen … man war ja betreffs Reifen erst am Mittwoch dort … *seufz*), und latschte, diesmal wirklich ziemlich schlecht gelaunt, erst zum Supermarkt, dann nach Hause. Wo sie zehn Minuten vor Abholzeit auch eintraf.

Abends dann bei Tiffy pienzte die Frau Hilde ein bisschen rum, dass sie jetzt schon wieder Geld beim Bikel-Doktor lassen müsse, und aber sie habe doch erst, und da kämen bei der Generalüberholung ja noch weitere Kosten und überhaupt.

Woraufhin Kollege M. vorschlug, er könne doch den Reifen wechseln, er müsse nur wissen, ob das ein Schnellspanndingens oder ein anderes Dingens, die Frau Hilde hat die Fachbegriffe leider vergessen, sei. Und ob die Frau Hilde V-Brakes habe.

Die Antwort der Frau Hilde war weit weniger mit Fachbegriffen gespickt und zeigte eigentlich nur auf, dass sie keine Ahnung von nix hat.

Aber gut.

Man vereinbarte, sich am Montag beim Rosinante-Bikel zu treffen, dann würde der M. schauen, was denn gemacht werden müsse und welches Werkzeug man dazu benötige, würde selbiges besorgen und das Ganze dann reparieren.

Heute dann, die Frau Hilde hatte mäßig gut geschlafen, weil schlechte Laune und Sorge ums Rosinante-Bikel, weil ein neues Bikel, das wäre jetzt schon arg teuer, vor allem, weil Brian, der Frau Hilde ihr Handy (ja, noch ein Uralthandy und nix Smartphone!) nach knapp zehn Jahren treuer Dienste inzwischen auch auf dem vorletzten Loch pfeift, da ist also demnächst auch was Neues fällig, und dann noch das Bikel, und die Frau Hilde hatte ja auf eine kleine Badkommode gespart und überhaupt ist das alles ganz arg ziemlich doof und gemein, jedenfalls, um diesen Endlossatz zu einem sinnvollen Ende zu bringen, wachte die Frau Hilde um halb sieben auf und beschloss aus lauter schlechter Laune, joggen zu gehen. Nämlich in Guck- und Spuckweite von der Frau Hilde ihrer Wohnung ist ein großer Sportplatz und da gedachte die Frau Hilde sich ein halbes Stündlein zu tummeln.

Bis sie dann tatsächlich aus dem Haus kam, war es zwanzig vor acht. Aber immerhin.

Dummerweise stellte sich dann heraus, dass besagter Sportplatz hermetisch abgeriegelt war. Also beschloss die Frau Hilde, zum ersten Mal in ihrem Hildehausen-Dasein, einfach an der Straße entlang zu joggen bis in die Weinberge. Was sie dann auch tat. Es war ein bisschen doof, so mit den Ampeln und alles so was, aber immerhin konnte sie fast 15 Minuten durchhalten, dann machte sie kehrt und es ging wieder fast 15 Minuten.

Da war die Frau Hilde aber mächtig stolz auf sich (sie weiß, dass das nicht viel ist, aber gemessen an dem, was sie noch vor sechs Wochen gemacht hat, nämlich eine Minute joggen, eine gehen, ist das ja schon irgendwie besser geworden).

Und duschte dann gemütlich und trank dann ihren Morgenkaffee. Schön war das!

Und dann rief um kurz nach halb zwölf auch noch Lieblingskollegin O. an und sagte, sie käme gleich vorbei mit Kollege H. und man würde dann gemeinsam zu Kollege M. zum Kaffeetrinken gehen.

Dort wiederum erzählte M., er sei morgens schon beim Rosinante-Bikel gewesen (O-Ton: „Also, so was hab ich auch noch nicht gesehen!“) und habe alles geschaut und habe das richtige Werkzeug und man könne da morgen direkt loslegen mit Reifenwechsel und so.

Das hat die Frau Hilde echt gefreut!

So. Und jetzt ist sie wieder daheim. Und hat von Kollegin C. einen Supertipp für Aufräummuffel bekommen: Nämlich C. schreibt sich Lose. Auf denen steht jeweils eine Sache, die erledigt werden muss. Und dann zieht sie aus dem Lostopf und macht das dann. Und die Motivation, sagt C., sei dann viel höher, was bei der Frau Hilde auch angebracht ist, nämlich die hat gar keine. Also, Motivation. Aber, um es schwäbisch auszudrücken, mr sott. Ganz, ganz dringend!

Also wird sie sich jetzt Lose schreiben und dann loslegen. Sie überlegt sich, eine neue Rubrik anzulegen, so mit den aktuellen Aufräumständen und so. Mal schauen. Die Aufräumerei wird sie jedenfalls in den nächsten Tagen noch ausführlich begleiten.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und wünscht euch allen einen wunderbarst sonnigen Sonntag!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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20 Antworten zu Vom Ferienbeginn

  1. Corinna schreibt:

    Das Schwere am Aufräumen ist das Anfangen. Also, wenn Du mit Losen motivierter bist, dann mach‘ das doch einfach. 🙂

    Bei mir helfen in der Regel immer laute Musik und Sonnenschein. Da es hier fast immer sonnig und laute Musik leicht beschaffbar ist, bin ich irgendwie in letzter Zeit viel aufgeräumter geworden. Mal sehen, ob das anhält.

    • frauhilde schreibt:

      Laute, aggressive Musik hilft bei mir auch meist. Sonnenschein empfinde ich als eher demotivierend (man könnte da ja schließlich auch draußen sitzen und so, weißte?).

      Aber wenn du daheim nicht ausgelastet bist, also hier … *unschuldig pfeifend auf Chaos zeig* 😀

  2. Jürgen schreibt:

    Frau Hilde, ich weiß ja nicht, was das Reifenproblem ist, aber: Nur Schwalbe Marathon!
    Auf jeden Fall buone vacanze!

    • frauhilde schreibt:

      Das Reifenproblem war ein Riesenloch im schätzungsweise sechs bis sieben Jahre alten Schlauch.
      Schwalbe hab ich hinten drauf, vorne … öhm … mussich ma gucken.

  3. giftigeblonde schreibt:

    Ein aufregender Bericht,..dieses Bikel ist ja richtig bösartig grr, gut das der Kollege das kostengünstig richten kann.

    Joggen 15!!! Minuten, ich wette mit dir, bleibst du weiter dran schaffst du eine Stunde durchzulaufen, glaubs mir!

    DAs mit den Losen..ja kann funktionieren, wobei ich nie motiviert bin was zu räumen oder putzen, ich hasse das, ich koche lieber.
    Aber bevor ich mir Lose schreibe, mach ich eine Liste:-) und abhaken,..da sieht man wie es weniger wird das man tun muss.

    Aja muss,..dieses Wort gilt hier nicht, müssen tu ich gar nix, und wenns jemanden stört zeige ich ihm den Weg zu den Putzutensilien!

  4. handvolldackel schreibt:

    Liebe Frau Hilde, um deinem Schweinehund mehr Munition zu geben:
    A clean home is a sign of a wasted life.

    • frauhilde schreibt:

      Liebe Cora,
      genau das klebt an meiner Küchentür. 😀
      Aber wenn man sich beim Durchqueren der Wohnung fast Bänderrisse holt, dann … also, dann sollte man irgendwie sozusagen quasi schon …

  5. fraukrokodil schreibt:

    Wie cool, dass das Handy Brian heißt! Warum? Nach dem kleinen Jungen aus ALF?

  6. Kaetchen schreibt:

    Schöne Ferien! (*will auch, will auch, will auch*) die kaetchen-kinder sind auch bald daheim – vorschulzeiten, nur drei wochen… aber anstatt die zwangs-ferien fürs ordnen zu nutzen, werde ich hinterher wieder drei tage die spuren beseitigen…

  7. sunny69a schreibt:

    Manche Dinge braucht man einfach wie ein Loch im Kopp, ruppige und mit tiefter Bösartigkeit ausgestattete Fahrräder gehören definitiv auf diese Liste.
    Ich wünsche schöne Ferien und ein entspanntes Bike 🙂

    Liebe Grüße
    Sandra

  8. Pingback: Coole Blogbeiträge Woche 28Always sunny

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