Vom Eisessen

Ups, da hat die Frau Hilde doch damals, also als noch Schule war, noch vom finalen Eisessen mit den Chaoten und den Puschels erzählen wollen … Hat sie aber vor lauter lauter irgendwie dann doch vergessen. Ja, also, dann eben jetzt.

Nämlich das war so: Die Frau Hilde hatte den Puschels schon vor ganz langer Zeit ein Eis versprochen, weil damals war eine der Puschelinen beim Vorlesewettbewerb ganz doll weit gekommen. Und mit den Großen wollte sie als Überraschung und als Dank in der letzten Doppelstunde Eis essen gehen. Und da dachte sie sich, das könnte man ja kombinieren. Nun kann man schlecht mit achtundvierzig Schülern mal eben in die Stadt eiern. Also beschlossen die Frau Hilde und Lieblingskollegin O., dass man doch während der Französischstunde der Puschels (parallel dazu hat die Frau Hilde ihre Chaoten) Eis mitbringen könnte. Das traf sich insofern gut, als die Frau Hilde die Stunde vorher Freistunde hatte.

Nur kauf mal mit einem Rosinante-Bikel so viel Eis. Also, das Kaufen wär gegangen, aber der Transport … Au weia.

Also jedenfalls mailte die Frau Hilde drei der Chaoten an (Herrn Chaot M., Chaot H. und Chaotin F.) und bat um Transporthilfe. Die ihr auch prompt gewährt wurde.

Und so begab es sich, dass am Donnerstag vor den Ferien Herr Chaot M. mit dem Auto vor die Schule fuhr und H. und F. und die Frau Hilde es sich darin gemütlich machten und man tuckerte von dannen Richtung Supermarkt.

Die Fahrt war sehr … hm, interessant. H. und F. versorgten die Frau Hilde mit dem neuesten Zwölfertratsch; nämlich H. hat Interesse an einer aus der Elf, weiß aber nicht, wie er das nun und überhaupt und aber gestern war die auch schon bei der einen Party und vielleicht heute und man wird dann ja sehen. In der Zwischenzeit rief F.s Bruder an und F. textete ihn in einem unglaublichen Tempo auf Portugiesisch zu. M. verfuhr sich zwei Mal, bekam dann spontan schlechte Laune, weil er unbedingt eine Kippe brauchte, aber die hatte er nicht und überhaupt.

Irgendwann kam man am Supermarkt an und die Chaoten fielen wie die Heuschrecken übers Eisfach her. Es sah nur minimal peinlich aus, wie drei Chaoten mit insgesamt elf Eispackungen (acht Mal so Hörnchenzeug und für die Chauffeure und Transporteure gab’s noch drei Becher) an der Kasse standen. M. versuchte, eine Packung Zigaretten dazuzuschmuggeln, das fiel dann aber doch auf und er zahlte sie schließlich selbst.

Man verstaute alles im Auto und begab sich zurück zum Schülerparkplatz (die mit dem Auto kommenden Schüler parken immer verbotenerweise irgendwo in der Pampa, so zehn Gehminuten von der Schule weg). M. konnte endlich eine rauchen und man schleppte das Eis zurück an die Schule und ins Puschels-Klassenzimmer.

Als die große Pause zu Ende war, stürmten die Puschels ihr Zimmer, stockten einen Moment, als sie die Chaoten sahen, und trappelten dann verunsichert an ihre Plätze („Frau Hilde, machen die SCHON wieder Unterricht?“ – „Nein, heute haben wir eine Überraschung für euch.“ – „Gehen wir Fußball spielen?“ – „Nein, wartet mal ab.“). Chaot H. hatte übrigens auch an seine zwei Kuchen gedacht und platzierte diese auf dem Pult.

Ein paar Minuten später trafen dann auch die restlichen Chaoten ein und setzten sich zusammen mit den Puschels auf die Tische. Die Frau Hilde dankte den Großen noch einmal für die Stunden, die Puschels klatschten artig Beifall, dann begann die heiße Schlacht am kalten Büffet das Eisverteilen.

Das Ganze wurde unterbrochen von einem klitzegrößeren Brüller der Frau Hilde, weil sich die Puschels wie die Tierchen um die Eisschachteln kloppten.

Dann war für einen gesegneten Moment Ruhe.

Die Puschels und die Chaoten nuckelten an ihren Eishörnchen, tratschten ein bisschen und die Puschels quakten, sie wollten jetzt bitte aber Spiele mit den Chaoten spielen.

Mäßige Begeisterung bei letzteren.

Puschel K. nahm sich das dritte Eis.

„Wird dir nicht schlecht?“, wunderte sich die Frau Hilde.

„Nö“, sagte Puschel K.

Lieblingskollegin O. fragte die Puschels, was sie denn spielen wollten. Und – völlig überraschend, weil ja noch niiiiieeeee dagewesen – entschieden diese sich für Menschenmemory. Juhu. Die Chaoten fanden’s doof, taten dann aber doch mit. Immer ein Chaot und ein Puschel traten gegeneinander an.

Die Puschels siegten überlegen.

Puschel K. schnappte sich das vierte Eis. O. und die Frau Hilde tauschten einen amüsierten Blick.

„Spielen wir Fußball?“, piepste Puschel B.

„Och nee“, sagte die Frau Hilde. „Wir können doch jetzt in den letzten fünf Minuten nicht mehr runter auf den Platz gehen.“

„Aber in der sechsten Stunde doch!“, krähte Puschel H.

Lieblingskollegin O. schüttelte den Kopf.

„Da habt ihr Erdkunde, meine Lieben“, erinnerte sie die Puschels. Denen was das recht egal, man könne doch die Frau M. fragen, ob die auch mit runterginge. Und sie wollten doch unbedingt gegen die Chaoten spielen und denen mal zeigen, wie das mit dem Fußballspielen so funktioniert.

Es klingelte.

Lieblingskollegin O. verabschiedete sich.

Puschel K. griff nach dem fünften Eis.

„Ist das jetzt dein Ernst?“, fragte die Frau Hilde fassungslos.

Puschel K. nickte und futterte drauflos.

Kollegin M. betrat den Raum.

Die Frau Hilde entschuldigte sich und sagte, sie würde den Raum gleich in Ordnung bringen und mitsamt den Chaoten gehen (Protestgeschrei der Puschels). Kollegin M. meinte, sie störe das nicht; sie hätte zwar ein Spiel mitgebracht, weil wegen letzte Erdkundestunde und so, aber man könne auch einfach gemütlich so weitermachen.

Mehrheitlich (die Puschels) wurde nun also beschlossen, nach unten zu gehen. Puschel L. nahm seinen Fußball mit, und dann hieß es Puschels gegen Chaoten. Wobei drei Chaotinnen das Ganze lieber von außen betrachteten und Chaot K. schnell ein Aua am Knie vorschob.

Das Spiel war ein Bild für Götter: Mehr oder weniger dreißig kleine Puschels gegen zwölf Chaoten (zwei waren an diesem Tag abgängig).

Nach drei Minuten rutschte Chaot S. in Puschel M.

Es gab ein paar Tränchen und einen blauen Fleck (wurde am nächsten Tag stolz präsentiert) bei M.

Die Puschelinen, mehrheitlich in der Mädchenfußball-AG, wollten auch mitspielen, aber mit Ballerinas spielt es sich nicht so toll. Also standen sie einfach mitten auf dem Spielfeld im Weg rum und tratschten.

Die drei Chaotinnen und Kollegin M. und die Frau Hilde standen am Spielfeldrand und kommentierten.

DFH: Wieso habt ihr denn ausgerechnet den M. ins Tor gestellt, der spielt doch eigentlich ganz gut?

Chaotin F.: Ich glaub, der hat nen Kater heut und mag nicht rennen.

DFH: Ach so. Argument.

Chaotin B.: Er ist ja ein bisschen klein für einen Torwart.

DFH: *g* F., du kannst ihm ja deine Killer-High-Heels leihen (Anm. d.Fr.H.: Chaotin F. hat schwarze Nieten-High-Heels, für die sie eigentlich einen Waffenschein bräuchte. Sie kann damit zwar nicht laufen, aber sie ist zwölf Zentimeter größer!).

F.: Au ja. Wollen wir?

DFH: Du willst dem jetzt nicht ernsthaft deine Schuhe andrehen?!

F.: Öhm. Doch?

Man dackelte also übers Spielfeld zu Chaot M.

F.: M., zieh mal die an! (Hält M. ihre High Heels unter die Nase)

M.: *?!*

Weil er ein braver Bub ist, zog M. die Teile nun also an.

M.: Und? *stolzier*

F.: *QUIEK*

DFH: Du meine Güte, jetzt hab ich einen Hörsturz! F., was hast du denn?

F.: Frau Hilde, sehen Sie das? Der kann in den Dingern LAUFEN. Und wissen Sie, was das Schlimmste ist? Der kann darin BESSER laufen als ICH!!

M. (etwas verlegen): Ja, manchmal ziehe ich die Schuhe von meiner Freundin an und …

F. (guckt befremdet): Und ihre Klamotten auch?

M.: *lufthol*

DFH: Nein, aus, pfui, ich will es NICHT wissen, okay? Too. Much. Information. Danke.

M., F.: *g*

 Irgendwann dann klingelte es und Puschels und Chaoten zogen von dannen; Puschel M. etwas langsamer. Puschel K. („Frau Hilde, ich glaub, mir ist jetzt ein bisschen schlecht!“) auch.

 Ja. So war das.

Krönender Abschluss einer sehr lustigen Unterrichtsreihe.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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24 Antworten zu Vom Eisessen

  1. Corinna schreibt:

    Habe sehr gelacht. So ist das also, wenn alle auf die Sommerferien warten. 😉

    • frauhilde schreibt:

      Eigentlich ist es noch viel schlimmer, aber die Puschels sind noch recht brav gewesen und den Chaoten war eh alles egal. 😉 Aber die Achter und die Zehner … weia … :/

  2. A. P. Glonn schreibt:

    Wir hatten einen Chemielehrer (!), der am letzten (!) Tag immer noch eine Kurzarbeit (!) (Ich glaube, hier in Wessiland heißt das Test? So ein Dingens über 20 min.) hat schreiben lassen. Komischerweise konnte den niemand leiden. Echt komisch, oder? 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Ja, also das wundert mich jetzt schon! Dabei beugte er nur eventuell aufkommender Vor-Ferien-Langeweile vor. Tssss …

      Bei uns ginge das übrigens nicht bzw. es wäre sinnlos, nach Notenschluss noch HÜs zu schreiben. Kann man zwar machen, aber der Aufwand, die Noten ggf. noch zu ändern und das überhaupt noch zu korridingsen, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.

  3. trina59 schreibt:

    Ich sehe sie vor meinem inneren Auge, die Puschels und Chaoten – es muss ein Bild für die Götter gewesen sein!

  4. Ich lache Tränen..ziehst du auch die Klamotten deiner Freundin an 😀

  5. fraukrokodil schreibt:

    Ahahahahahahah- das mit den Schuhen!!!!! Hätt ich echt gerne gesehen!

  6. Judith schreibt:

    Hab sehr geschmunzelt… und bin manchmal ein klitzekleines bißchen traurig, dass ich damals in eine „neue“ Schule gekommen bin und somit nur die Position der Chaoten kennengelernt hab… trotzdem – schöne Zeit war das, ich erinner mich gerne zurück 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Wahrscheinlich liegt’s an der Sonne (hab vorhin ein bisschen zu viel abbekommen), aber wie meinst du das mit neue Schule? Musstest du die Schule wechseln?

      • Judith schreibt:

        Neee, die Schule wurde damals erst gegründet. Waren süße 75 Fünftklässler und 5 Lehrer. Dann kam jedes Jahr einfach die nächsthöhere Klasse dazu – mehr Lehrer, neues Gebäude usw… War schon aber auch cool, so mit ner Schule zu wachsen, die Erfahrung machen ja nicht so viele… Ich glaub wir „Ersten“ (okok, ich hab nicht als erstes mit Abitur gemacht, auch wenn ich als erstes mit eingeschult worden bin ;)) haben dadurch einfach ein „besonderes“ Verhältnis zu unserer Schule…

  7. Theni schreibt:

    Ich find´s immer wieder erstaunlich, wie gut sich die kleinen mit den großen verstehen 😀 Bei uns an der Schule wäre es nie im Leben denkbar, die 11er mit den Unterstuflern was machen zu lassen. Klar, es gibt in jeder Klasse ein paar Paten für die Kleinen, aber zwei komplette Klassen… Das geht leider nicht. Deswegen ist es irgendwie schon schön, dass es bei dir so gut funktioniert.
    (Und mit dem Eis: Wir gehen seit 1 1/2 Wochen jeden Tag Eisessen, pilgern 5 Minuten zur Eisdiele gegenüber, aber dass die Lehrer das Eis mitbringen, das wär schon gut 😀 dann würden wir es vielleicht auch mal wieder essen… *hust*)

    lg, Theni

    • frauhilde schreibt:

      Liebe Theni,
      ich hatte auch ein bisschen Sorge, dass das nicht gut geht. Als Großer ist man ja über den Kleinkram so was von erhaben. In der 11. hätte ich das auch nicht gemacht, da waren die Chaoten noch unausstehliche Nervbratzen. Aber jetzt so mit 18, 19 geht’s. 😉

      Wie, ihr esst das Eis nicht? *wirr*

      • Theni schreibt:

        Oh. Die Chaoten sind 12er? (ist das insgesamt dann sowas wie G9, oder? Bei uns sind nämlich grad die ältesten die 11er, aber ich blick da grad irgendwie nimmer durch…)
        Wir essen dass Eis nicht mehr, weil wir seit fast zwei Wochen jeden Tag zur Eisdiele gehn, um nicht drinnen im Unterricht sein zu müssen. Außerdem ist es zu warm für Eis und nur so draußen sitzen, das ist auch okey. 😀 Nur wissen die Lehrer halt nicht, wie oft wir zur Eisdiele gehen… Und wundern sich jedes Mal.

        • frauhilde schreibt:

          Ja, das sind Zwölfer. In Rheinland-Pfalz gibt es weder G8, noch G9, sondern G 8 1/2, d.h. die machen nach 13/1 Abi (schriftlich im Januar, mündlich Anfang März). Die Chaoten haben also noch ein halbes Jahr vor sich.

          Hehe, das ist natürlich verständlich. Schlagt doch mal was anderes vor, Freibad oder so. 😉

          • Theni schreibt:

            na ja, Freibad geht nicht in einer dreiviertel Stunde, aber Stadtpark mit Fluss, das geht… (Waren wir auch schon. Aber ohne Lehrer, aus Solidarität zu den Hauptschülern, die da immer Saufen.) Aber ich wette so mancher würde sogar mit ins Freibad, wenns nur nah genug wäre… *grins*

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