Von der Motivation

Der fehlenden, um genau zu sein.

Noch fünf Tage, dann geht es wieder los. Grund genug also für kleine Hildes, einen Zahn zuzulegen und endlich mal mit der Vorbereitung der ersten Unterrichtsreihen fertig zu werden.

Aber was ist?

Nichts ist.

Die Frau Hilde kommt und kommt nicht voran. Es will einfach nicht werden.

Gut, die Geschichtsreihen stehen. Aber die wollte die Frau Hilde auch noch mal überarbeiten, ein wenig neu ordnen und das eine oder andere Arbeitsblatt bzw. die eine oder andere Stundenstruktur ändern und auf die neue Klasse zuschneidern.

Hat sie aber nicht.

Weil sie genau gar nichts hat.

Gestern, nach dem Treffen der Ex-Refs, von dem noch berichtet wird, setzte sich die Frau Hilde mies gelaunt an den Schreibtisch und wollte sich um „Die Physiker“ kümmern. Sie macht neue Unterrichtsreihen meist auf die konservative Art, das heißt, erstmal alles handschriftlich, ein Brainstorming, Notizen machen, aus denen dann irgendwann Einzelstunden und am Ende eine (hoffentlich) sinnvolle Reihe.

Nun saß sie also da. Und stierte die Wand an.

Immerhin hatte sie sich schon einen Zettel genommen und „Die Physiker“ darauf geschrieben.

Das war dann aber in den nächsten Stunden auch das einzige, was auf dem Zettel stand. Und ist es bis heute.

Die Physiker. Und ein paar Plühmschn.

Die Physiker. Und ein paar Plühmschn.

Heute ging es dann genau so weiter.

Um halb sechs morgens klingelte der Wecker. Er tat das, weil die Frau Hilde gestern festgestellt hatte, dass sie seit zehn Tagen unentschuldigt das Joggen schwänzt (na ja, erst war es heiß, dann regnete es – und dann kam die Lustlosphase …). Das ging ja nicht.

Die Frau Hilde raunzte ein paar hässliche Wörter, drehte sich um und beschloss, dass es zu kalt zum Joggen war (ja, das weiß man, morgens um halb sechs, vor allem, wenn man im warmen Bettchen liegt …).

Zwei Minuten später klingelte der nächste Wecker (die Frau Hilde hat so diverse, weil sie sonst so gar nicht aufstehen könnte). Nein, nein, nein, nein, dachte die Frau Hilde. Auf keinen Fall steh ich jetzt auf. Es ist kalt, es ist doof, es ist … keine Lust.

Fünf Minuten später quälte sich eine sehr, sehr unleidliche Frau Hilde aus dem Bett, fiel erst ins Bad, dann über ihre Schuhe und dann in die Küche, zog sich an, schnappte sich den Schlüssel und eierte los.

Überraschenderweise ging es ganz primafein heute. Nämlich die Frau Hilde hat da so einen Feldweg entdeckt, den sie entlang joggte.

Nach einer Stunde und elf Minuten (oh, war die Frau Hilde stolz, so lange ist sie noch nie am Stück gejoggt; sie war zwar wieder sehr langsam, aber immerhin) trabte sie wieder auf den Hof und dann hoch. Ihre Oberschenkel vermeldeten für morgen Muskelkater, aber das war ihr egal.

Oben in der Küche hatte sie dann noch einen kleinen Smalltalk mit einer Wespe, die reingeflogen war und partout nicht wieder raus wollte („Pass auf, entweder du gehst freiwillig – oder ich mach dich kaputt!“ Das zog.), dann ging sie duschen.

Um halb eins traf sie sich dann mit einer Kollegin, um fürs nächste Schuljahr die neunte Klasse durchzuplanen. Das ging erstaunlich schnell, wobei die Reihen noch nicht stehen, aber immerhin die Idee, was gemacht wird.

Nun ja, dachte die Frau Hilde, das hat funktioniert. Also könnte ich ja jetzt nach Hause und da noch ein bisschen …

Das „noch ein bisschen“ bedeutete im Endeffekt, dass die Frau Hilde zwei Bücher von hier nach da verräumte, Wäsche wusch, aufhängte, wieder abhängte, hysterisch kreischend völlig souverän ein Monstertier, das im Kissenbezug Quartier bezogen hatte, abschüttelte und ermörderte, und dann am Schreibtisch saß und – genau. Vor sich hinstierte.

Wie soll das nur werden … Übermorgen ist Dienstversammlung, und am Montag gibt’s kein Zurück mehr.

Doof.

Die beiden Bikel hatten übrigens kaum Gelegenheit, ihre frische Liebe zu genießen. Nämlich Lieblingskollegin O.s Bikel ist ein bisschen kaputt gegangen. Und weil die Reparatur bis Freitag dauert, hat sie sich das Hercules ausgeliehen.

Vorher haben sich die beiden Bikels schon ein bisschen angefreundet.

Bikel-Liebe.

Bikel-Liebe.

Wer genau hinschaut, erkennt übrigens die tolle neue Schaltung beim Rosinante-Bikel.

Ja, also gestern.

B. hat mit O. und der Frau Hilde Ref gemacht. Danach hat es sie zurück ins Saarland gezogen, weil sie dort verheiratet ist und ein Häuschen hat.

Irgendwann wurde sie dann schwanger.

Und jetzt ist Mini-B. ein Jahr alt und weil man sich schon ewig nicht mehr gesehen hatte, wollte B. gestern vorbei kommen. Das traf sich insofern gut, als zwei andere Ex-Refs unabhängig davon ebenfalls für gestern ihr Kommen angekündigt hatten.

Um elf wollte B. bei der Frau Hilde aufschlagen, gegen halb eins sollte es Richtung Zweitwohnsitz gehen. Irgendwann dazwischen hatte sich noch O. angesagt.

Die Frau Hilde stand brav so gegen acht auf. Dann erfasste sie aber die bereits hinlänglich geschilderte Lustlosigkeit und sie gammelte bis zehn in der Küche herum.

Irgendwann beschloss sie, duschen zu gehen, aber mit viel Ruhe, schließlich hatte sie noch fast eine Stunde Zeit.

Sie kam gerade aus der Dusche, tropfte vor sich hin – da klingelte es. Fluchend stolperte die Frau Hilde zur Tür – wo B. mitsamt Mini-B. stand. B.s Mann, der Erziehungsurlaub genommen hat, war so froh gewesen über seinen „freien Tag“, dass er Weib und Kind kurzerhand eine halbe Stunde früher aus dem Haus geschmissen hatte. *g*

Nun gut. Während die Frau Hilde sich in Windeseile fertig machte, krabbelte Mini-B. fröhlich durch die Wohnung, riss alles aus den Regalen, was unter 30 Zentimeter Höhe platziert war, kaute zwei Ordner an, knabberte an einer Tupperschüssel rum und hatte augenscheinlich großen Spaß.

Als O. dann noch eingetroffen war, begab man sich in den Zweitwohnsitz und hatte zusammen mit den beiden anderen Ex-Refs einen wunderbaren Nachmittag.

Schön war das, alle mal wiederzusehen. Die beiden anderen sind inzwischen nämlich in Nordrhein-Westfalen bzw. Nord-RLP gelandet. Da trifft man sich ja eher selten.

Ja. Und als die Frau Hilde dann wieder daheim war, ging die Lustlosigkeit in die nächste Phase.

Die bis dato anhält.

Mal schauen, was sich morgen so ergibt.

Die Frau Hilde bittet den wirren Blogeintrag zu entschuldigen; erstens schaut sie mit einem Auge das Länderspiel (au weia …), zweitens … na ja … die fehlende Motivation. Die Frau Hilde ist sogar zu unmotiviert, ins Bett zu gehen. Seufz.

Übrigens, so als Erkenntnis der Woche: Wenn man nachts minutenlang in den dunklen Himmel starrt, der Perseiden wegen, dann sieht man auf jeden Fall Sterne, nur eben nicht die, die man sehen möchte.

Aber eine Sternschnuppe hat die Frau Hilde gesehen. Da hat sie sich ganz schön doll gefreut.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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30 Antworten zu Von der Motivation

  1. giftigeblonde schreibt:

    Erstens guck ich auch das Länderspiel das unsere österreichischen Mannen grad vergeigen an…was soll man da sagen,gsd nur ein Freundschaftsspiel gg.
    Im September kommt ja ihr dran..lol.

    Ansonsten verstehe ich deine Lustlosigkeit, von der bin ich auch befallen, meistens, nein immer,…seufz
    Manches Mal hilft, alle Störfaktoren auszuschalten,..manchmal ja.

    Die Bikel sind nett anzusehen, werden sicher liebe Babys werden ggggggggg.

    Aber morgen geh ich walken, hab miene Freundin engagiert, da kann ich dann keine Lustlosigkeit vorschieben!
    Schönen Abend, meine Liebe!

  2. christa schreibt:

    Und war das Wetter noch da? Bei mir hilft es, mit einem guten Kaffee minutenlang nach dem Wetter zu „suchen“. Es hilft der Inspiration. Nun ja, meistens!

    LG und viiiieeel Inspiration!
    christa

    • frauhilde schreibt:

      Das Wetter war noch da. *gg*
      Aber gebracht hat das leider nichts; ich hab hin und wieder nach dem Wetter geschaut, ab und an eine Tasse Kaffee vernichtet – und vergebens auf einen Geistesblitz gewartet. Seufz. 😉

      Danke für die guten Wünsche und liebe Grüßle zurück!

  3. Corinna schreibt:

    Falls Du einen Einstieg oder Denkanstoß brauchst: Die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft ist immer noch ganz aktuell… vielleicht nicht in Sachen Weltvernichtung, die seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr so en vogue ist, aber zum Beispiel in Sachen „genetisches Design“ … oder weltvernichtungsmäßig vielleicht doch die „Drohnen im Militäreinsatz“, „Computerüberwachung dem Hintergrund des Schutzes vor Terrorismus“ … alle diese tollen Erfindungen, die vorgeblich schützen sollen, aber eben auch gegen den ganz normalen Sterblichen angewandt werden können. Ich glaube, digitale Überwachung ist heute die subtile Weltformel.

    • frauhilde schreibt:

      Die Frage ist der zentrale Aspekt meiner Reihe; da bietet sich auch eine Kursarbeit dazu an.
      Ich hänge eher am Einstieg und wie ich so vorgehen werde.
      Aber wie du sagst, die Frage nach dem, wie weit Wissenschaft gehen darf, kann man ganz wunderbar auch auf aktuelle Diskussionen anwenden.

  4. A. P. Glonn schreibt:

    Zugegeben, das, was ich so in der Regel schreibe, ist nicht so kompliziert wie Unterrichtsreihen etc. Aber mir hilft es, wenn ich einen Wordwar mit jemanden starte. Vielleicht kannst du das ja auch nutzen?
    Ansonsten finde ich es bewunderswert, halb sechs aufzustehen, um zu joggen. Wow. Du bist meine Heldin. Aber das weißt du ohnehin, also höre ich auf zu schleimen.

    • frauhilde schreibt:

      Wie hab ich mir einen Wordwar denn vorzustellen? *dumm frag*

      Na ja, ich laufe teils durch Wohngebiet, bis ich auf dem Feldweg bin; das mag ich nicht später machen, wenn alle schon wach sind. *g* Ein ästhetischer Anblick ist nämlich was anderes … 😉

      • A. P. Glonn schreibt:

        Ein Wordwar läuft folgendermaßen ab: Du suchst dir jemanden, der auch unbedingt was Schriftliches zu erledigen hat (vielleicht Lieblingskollegin?), machst mit ihr/ihm einen Termin per Skype oder einem anderen Chatroom aus, dort trefft ihr euch (ich habe gehört, es soll Leute geben, die machen das NICHT virtuell, aber das ist bestimmt nur ein Gerücht :D), legst eine Zeit fest (bewährt hat sich eine halbe Stunde, denn mehr als 30 Minuten vollste Konzentration wird schwierig, weniger nicht sonderlich ergiebig) und auf den Startschuss hin vergisst du alles, was du jemals über Gliederung und RS etc. gehört hast und schreibst einfach drauflos. Du denkst nicht bewusst nach, du kümmerst dich nicht um das formelle Aussehen, es geht lediglich darum, in der Zeit so viele Wörter wie möglich zu dem Thema zu schreiben – die Lustlosigkeit/Schreibblockade einfach mit brachialer Quantität niederzuringen. Danach vergleicht ihr die Wortanzahl und ja … Wer die meisten Wörter hat, hat gewonnen. (Natürlich zum Thema, 1500 x blubb zu schreiben, zählt nicht.) Danach musst du zwar überarbeiten, bist aber so im Thema drin, dass auch was Vernünftiges rauskommt.

        Wie gesagt, ich weiß nicht, ob sich das tatsächlich auf Unterrichtsvorbereitungen anwenden lässt – vielleicht mit kleinen Abstrichen?

        • frauhilde schreibt:

          Also, wenn das bei Reihenplanungen tatsächlich klappt, werde ich dir einen Schrein errichten und dir huldigen, weil dann alle meine Vorbereitungssorgen auf einen Schlag gelöst sind (O. und ich sind im ICQ meist damit beschäftigt, uns gegenseitig vollzujammern, weil wir ja soooo viel zu tun haben – das ist eine Lehrerkrankheit und sollte nicht allzu ernst genommen werden -, statt wir mal so was Sinnvolles machen wie diesen Wordwar).

  5. Jürgen schreibt:

    Mir geht es schon auch immer so mit der Vorbereitung, laufe aber während der Schulwochen zur Hochform auf, bzw. was ich darunter verstehe.
    Wird schon noch.

    • frauhilde schreibt:

      Machst du den Stundenplan eigentlich alleine oder gibt es da Helfer?

      Ah, ich will seit gestern zu der Fingerabdruck-Sache kommentieren, aber irgendwie lässt mich das doofe Bloggerding nicht. 😦

  6. diewiderspenstige schreibt:

    Ach Hildi, ich liiiebe deine „Wie-ich-heute-Morgen-aufgestanden-bin“-Schilderungen, deine Wortfindungen („ermörderte“) und schöne Plühmschn kannst du auch malen 😉

    Und nach dem ganzen Rumgeschleime hier;
    ICH HAB NOCH GANZE DREI WOCHEN FERIEN!! 😀

    • frauhilde schreibt:

      Ach, sei ruhig. *raunz* 😉
      Dafür hab ich morgen Dienstbesprechung und erfahre dann, was ich noch so bekommen werde (sieht nach Grundkurs Geschichte 11 und Grundkurs Deutsch 11 aus; hätt ich nichts dagegen, ist nur viel Vorbereitung. Aber hei, Freizeit wird überbewertet!).

  7. bambooos schreibt:

    Bis auf das mit dem joggen könntest du mein Zwilling sein. Ich hab mich nämlich nicht aufgerafft. 😉

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