Schnellchen XXIII

Am Freitag nimmt der Kollege, der die anderen vier Praktikanten betreut, die Frau Hilde zur Seite.

„Sag mal“, will er wissen, „sind deine auch so faul? Meine haben absolut keine Lust darauf, ihre Pflichtstunden zu halten.“

Die Frau Hilde guckt erstaunt.

„Wie viele Pflichtstunden müssen die denn halten?“

„Zwei“, sagt der Kollege.

Die Frau Hilde schluckt.

„Wie ZWEI? NUR zwei??“

Der Kollege nickt.

„Ja, zwei. Und meinen ist das schon zu viel. Wie ist das bei deinen?“

„Öhm“, macht die Frau Hilde. „Anders?“

Nämlich echt. Weil also, die WOLLEN Stunden halten. Und gestalten auf eigenen Wunsch die ganze nächste Woche, bis auf den Grundkurs 11. Will heißen, die Frau Hilde muss nur drei Stunden vorbereiten.

Alle anderen Deutschstunden übernehmen die Praktikanten. Und zwar freiwillig. Also, das wirkliche „Freiwillig“, nicht das „ich hab das Gefühl, ich sollte, weil schließlich bewertet die mich“-Freiwillig.

Die wollten sogar zu den Chaoten mit. Und als die Frau Hilde sagte, das sei kein Problem, sie könnten da gern am Donnerstag hospitieren – da kamen zwei an und fragten mit original wirksamem Dackelblick, ob sie denn vielleicht eventuell möglicherweise die Stunden selbst halten dürften.

Also, da hat die Frau Hilde wirklich einen Glücksgriff getan.

Nett sind sie, recht gute Stunden halten sie – und unterrichten tun sie auch wollen. Ist das nicht primafein?

Und auf die Chaoten-Doppelstunde, also, da freut sich die Frau Hilde aber mal ganz fürchterbar doll! Und vielleicht gibt es danach auch wieder nette Sachen  zu verbloggen.

Der eine Praktikant hat noch ganz schüchtern gefragt, ob die da auch so GROSS seien, die Chaoten. Weil ihm sei das noch nie so aufgefallen, aber irgendwie seien die Schüler hier alle so arg groß. (Er selbst dürfte so Mitte einssiebzig sein, schätzt die Frau Hilde; er hat gesagt, wo er herkommt – ein Dörflein im Saarland – sei man halt nicht so groß. Hm.)

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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20 Antworten zu Schnellchen XXIII

  1. michael schreibt:

    Hmm, eigentlich sind mir die faulen Hunde lieber.

    Wer die Arbeit kennt und danach rennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.

    sagt jedenfalls der Volksmund.

  2. diewiderspenstige schreibt:

    Ich glaube, bei uns rennen auch nur die Faulen rum, mehr als mal die Hausaufgabenbesprechung leiten haben die bis jetzt nicht gemacht… o.O

    Aber vielleicht hast du ja auch soooo einen positiven, motivierenden Einfluss auf die?! 😀

    Liebe Grüße
    die Widerspenstieg (die noch die letzte Ferienwoche genießt 😉 )

    • frauhilde schreibt:

      Ich bin mir nicht sicher, ob die faul oder nur völlig verunsichert sind. Also, meine sind das manchmal. Der arme Bub hat heute, nachdem er bei den Achtern mit dem Stoff nicht durchkam, so gezittert, dass sämtliche Mutterinstinkte in mir im Quadrat gehüpft sind! 😉

      Genieß die letzte Woche – ist ja netterweise auch noch mal gutes Wetter!! 🙂

  3. ullli23 schreibt:

    Womit hast Du sie zur Freiwilligkeit erpresst? Und kommt der kleine Praktkant von einem Dorf, das hinter sieben Bergen liegt?

  4. Eponine schreibt:

    Ui, da hast echt nen Glücksgriff gemacht!
    Ich find sie irgendwie niedlich, deine Praktikanten. Und sie wirken so jung! Auch wenn ich selber nur ein bissl älter bin wie die… wie lang hast du Praktikanten eigentlich? Ein Semester lang?

    • frauhilde schreibt:

      Nein, das Praktikum dauert nur drei Wochen. Nächste Woche bin ich nicht da, da „übernimmt“ sie Kollege G. wieder. Aber da sind sie gut aufgehoben.

      Und ja, die sind wirklich noch sehr jung. Oder anders gesagt: Chaot W., der bereits die zweite Ehrenrunde dreht, ist fast genau so alt. 😉

  5. Seemädel schreibt:

    Bei uns wollten eigentlich auch alle unterrichten. Im Praxissemester waren zumindest zu meiner Zeit offiziell mind. 100 Stunden Hospitation und 30 Stunden Unterricht vorgesehen. Bei meinem Betreuungslehrer durften wir auch das Verhältnis in gewissen Grenzen ändern, Hauptsache, es kamen 130 Stunden raus und 30 waren selbst unterrichtet. Während seine Kollegin das ganz genau nahm und eine Mitpraktikantin, die schon x Schulpraktika hatte (Bundeslandwechsel, Anerkennungsprobleme etc) musste ihre 100 Stunden brav absitzen… ich glaube, wir haben aber eigentlich alle mehr als 30 Stunden unterrichtet. Aber die andere Betreuungslehrerin war eh etwas seltsam, da durfte man auch nicht mehr als ein paar Stunden beim selben Lehrer machen. Und wenn es nicht mehr Ethik- bzw. Italienischlehrer als 2-3 Leutchen gibt, dann muss man halt stattdessen Reli bzw. Französisch machen, weil das ist ja fast das gleiche und der Lehrerwechsel so wichtig… (klar ist es sinnvoll, verschiedene Lehrer kennenzulernen – wenn es denn mehr als 3 im eigenen Fach gibt)

    • frauhilde schreibt:

      Fuu, das ist aber ganz schön Haarspalterei bei der Mitpraktikantin. Aber da sind die ja meist knallhart …

      Diese Praktikanten (Bachelor) müssen insgesamt nur zwei Stunden halten in den drei Wochen. Meinen reicht das aber nicht, was ich gut finde und auch als positiv im Bericht vermerken werde. Die haben Lust und wollen auch verschiedene Dinge ausprobieren.

      • Seemädel schreibt:

        Vor allem ist es halt echt spannend, wenn Betreuungslehrer 1 es so handhabt (alle Naturwissenschaftler hatten Glück) und Nr. 2 anders. Die Dame erzählte uns auch, dass wir auf gar keinen Fall mit einer Klasse allein sein dürfen. Komisch nur, dass an der Pinnwand ein Schreiben der GEW hing, wo es darum ging, dass man Praktikanten nicht als unbezahlte Vertretungskräfte missbrauchen darf und sie nur allein mit einer Klasse sein dürfen, wenn sie es wirklich freiwillig tun.
        Nachfrage bei der Schulleitung ergab dann „wer hat Ihnen denn diesen Blödsinn erzählt [dass Sie nicht mal eine Stunde mit einer Klasse allein sein dürfen]?!?“ Soviel dazu. Nach Klärung der Fragen „machen Sie das wirklich freiwillig“ und „wo sitzt der nächste für mich ansprechbare Lehrer“ war es keine Frage mehr, dass ich mit mir bekannten Klassen auch ein paar Stunden allein machen durfte…

        Ich glaube, inzwischen hat BaWü auch recht früh ein Orientierungspraktikum, aber meines Wissens nur 2 Wochen und ausdrücklich nur Hospitation.

        Aber toll, dass die Praktikanten so viel ausprobieren wollen und nicht zum Rumsitzen verdonnert sind. Klar lernt man auch beim Hospitieren, aber eine _Orientierung_ bekommt man dadurch wohl kaum…

        • frauhilde schreibt:

          Das nervt in der Tat; wobei das im Ref dann ja auch so ist. Fachleiter 1 möchte es bitte genau SO haben, Fachleiter 2 bitte genau so NICHT. Und man eiert dann irgendwie zwischendrin rum (ich hab’s leider nur in Geschichte hinbekommen; in Deutsch weiß ich bis heute nicht, was der eigentlich von mir wollte …).

          So ganz blick ich das mit den Praktika in diesem Bachelor-Master-Wirrwarr ohnehin noch nicht. Früher mussten ein Orientierendes und ein Vertiefendes Praktikum absolviert werden. Jetzt haben wir VP sowohl aus dem Bachelor- (die hab ich) als auch dem Masterstudiengang (die hat der G.) da. Muss man vermutlich nicht verstehen.

          Ich freue mich auf jeden Fall sehr darüber, dass sie ausprobieren wollen. Dürfen sie bei mir auch. Wenn eine Stunde mal völlig in die Hose geht, geht sie halt in die Hose. Dann wird reflektiert, was man ändern könnte, und dann sind sie um eine Erfahrung reicher. So ist es mir lieber, als würden sie nur rumsitzen und hospitieren. Es ist halt doch noch mal ein Unterschied, ob man hinten sitzt oder vorne steht … 😉

          • Seemädel schreibt:

            Oh stimmt, die Fachleiter hatte ich total verdrängt – bin ja raus aus dem Betrieb 😉 Und meine Studienfreundinnen sind jetzt auch fertig :-).
            Ich habe die neue PO fürs Gym-Lehramt auch nur am Rande mitbekommen. Auf jeden Fall hat bislang BaWü kein BA-MA-System, sondern lediglich ein modularisiertes Staatsexamen (wobei die Examensprüfung an sich noch ganze 10 ECTS pro Fach ausmacht, wenn ich richtig informiert bin). Finde das Prinzip aber gar nicht so schlecht, zumindest besser als Schnellschüsse, die dann wie in SH dazu führen, dass man einen BA of Ed. hat, mit dem weder wirklich arbeiten noch einen Fach-MA machen kann. Nur dummerweise sind die MA of Ed.-Plätze wieder zulassungsbeschränkt…

            Aber ich glaub, du bist eine gute Betreuungslehrerin 😉 Da hatte ich auch ein paar, die klasse waren.

  6. Corinna schreibt:

    Du machst das genau richtig. Warum solltest Du motivierte Leute ausbremsen? Das werden sie bestimmt später noch oft genug erleben.

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