Von den Anfängen

Da die Frau Hilde gerade in den Kommentaren etwas zu diesem Thema geschrieben hat, reicht sie noch rascheben ein Schnellchen nach.

Als sie seinerzeit auszog, das Studieren zu lernen, da gab es den einen oder anderen Kulturschock.

Sie kommt ja aus einem kleinen schwäbischen Dörfle, in dem noch alles seine Ordnung hat. Und dann ist sie nach [Hauptstadt der Kurpfalz] gezogen.

Erstens redeten die da sehr, sehr seltsam, und die Frau Hilde brauchte eine Weile, bis sie verstand, um was es ging.

Und dann gab es in der Gegend Weinfeste, zu denen man als Student natürlich hingeht.

Die Frau Hilde kannte das ausm Schwobaländle so, dass man ein kleines Probierglas (0,1 l) hat und damit von Stand zu Stand pilgert und ringsum von lecker Weinsorten nascht.

Mit diesem Wissen ging es mitsamt Ex-Herrn-Hilde nach Bad Dürkheim auf den Wurstmarkt. Fröhlich tapperte die Frau Hilde von hier nach da, wobei tappern sehr euphemistisch ausgedrückt ist; sie wurde eher von hier nach da geschoben, gedrängelt und geschubst.

Da sie bis dato noch wenig Erfahrung mit Pfälzer Weinen hatte, dachte sie, sie könne ja mit einem feinen Gewürztraminer anfangen, bestellte und harrte gespannt, was da kommen möge.

Nun, da kam was.

Und WAS da kam: Ein HALBLITERGLAS, randvoll mit Wein. Inzwischen weiß die Frau Hilde, dass man das Ding Dubbeglas nennt. Damals war sie schlicht sprachlos. Da stand nun dieser halbe Liter Wein vor ihr und wollte getrunken werden. Ihr Begleiter wollte ihr leider so gar nicht helfen, da Biertrinker. Also blieb der Frau Hilde nichts übrig, als den Kampf aufzunehmen.

Vom Rest des Abends weiß die Frau Hilde nicht mehr arg viel. Irgendwann hing sie in der Straßenbahn und hoffte nur, dass das Geruckel möglichst bald ein Ende nehmen würde.

Ihre Lust auf Pfälzer Wein war fürs Erste und für die nächsten Jahre dann auch gestillt.

Heute, nach Jahren in der Pfalz, grinst sie darüber, und wenn sie wieder gen alte Heimat auf ein Weinfest geht, entlocken ihr die 0,1-l-Gläschen nur ein müdes Lächeln.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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15 Antworten zu Von den Anfängen

  1. Anne schreibt:

    „Kultuschock“ Schwabendorf -> Hauptstadt der Kurpfalz?
    Pffft, ich habe Westfalen/Ruhrpott -> Schwaben -> Baden überlebt 😉
    Die 0,1-Variante gefällt mir besser, man will doch mehrere Sorten probieren, aber den Pfälzer Wein mag ich lieber.

  2. Corinna schreibt:

    Ich kann mich nur Anne anschließen. Nach einem halben Liter könnte ich auch keine anderen Sorten mehr probieren. Das ist doch schade.

  3. Judith schreibt:

    Also eigentlich funktioniert das ja anders. Eigentlich trinken immer mehrere Leute (meist die gemeinsam unterwegs seiende Gruppe und/oder die Leute, die man unterwegs so trifft und kennt) aus einem Schoppenglas – ich würde sagen, man rechnet so jeweils 2-4 Leute auf ein Glas. Und eigentlich ist da auch kein purer Wein drin sondern ein ordentlicher „Woischorlle“. Mit Wein probieren hat das Ganze auch nichts zu tun, das kann man dann auf den Weinproben, dann auch mit einem schönen Weinglas und mehreren Sorten. Weinfest und Schoppengläser sind eher so eine Art Gesellschaftsspiel würde ich sagen…

    Aber das von Frau Hilde beschriebene passiert JEDEM zugereisten beim ersten Mal. Ich bin ja quasi im Schoppenglas aufgewachsen und kenne das nicht anders (wir haben auch welche nach hier importiert, sonst sind die Weinschorlen immer so schnell leer ;o) – frei nach dem Motto: „Dehäm is wu moin Schorlle is…“ ), aber ich hab ja quasi Migrationshintergrund (aus NRW :D) und meine Eltern haben genau das gleiche ebenfalls erlebt bei ihrem ersten Weinfestbesuch – neben der Überwindung, mit lauter anderen Menschen aus einem Glas zu trinken. Aber man gewöhnt sich dran und findet es irgendwann andersrum komisch 😉

    • frauhilde schreibt:

      Dass man das zu mehreren trinkt, weiß ich jetzt auch. Man lernt halt nie aus. Ich wurde auch bereits tüchtig verlacht von den „Eingeborenen“ hier deswegen. *g*
      Ich finde die Vorstellung nach wie vor seltsam, dass man den Wein zusammen aus einem Glas trinkt. Da bin ich wahrscheinlich doch noch ein bisschen Restschwäbin. 😉 Aber okay, macht man natürlich alles mit, so als Zugewanderte.
      Nun trinke ich ohnehin nicht so viel Wein, insofern passiert mir das nicht zu oft.

      *g* Wahrscheinlich erkennen die „echten“ Pfälzer die Touristen am Wein-auf-Weinfesten-bestell-Verhalten.

      • Judith schreibt:

        Die Erklärung war auch eher für die beiden Vorkommentatorinnen 😉

        • Tina schreibt:

          Also, dazu muss ich kurz auch noch meinen Senf geben:
          Ich als in RLP-Aufgewachsene-und-quasi-Woischorle-als-Muttermilch-Ersatz-gehabt-Habende habe noch nie gehört, dass man aus mit mehreren Personen aus einem Dubbeglas trinkt – auch auf dem guten alten Wurstmarkt nicht. 😉 Dass ein Schoppe 0,5 Liter sind, ist in der Pfalz eben normal, und lustigerweise finden wir es immer sehr unnormal, dass das überall anders eben nicht normal ist. Ich komme durch mein Studium auch ständig mit BaWülern in Kontakt, denen das erst nähergebracht werden musste – eine Kommilitonin ist sogar aus dem fernen Düsseldorf der Kurpfalz zugewandert, die fand die Weinkultur hier ganz besonders befremdlich. Vor allem, da es, wie Judith schon gesagt hat, ja eigentlich hauptsächlich um Weinschorle geht, und nicht um puren Wein… Aber alles in allem doch eine feine Sache, die auch bei den Zugezogenen nach einer gewissen Eingewöhnungsphase großen Anklang findet. 🙂
          (Was man allerdings niemals-nicht tun sollte: Auf einem Weinfest nach dem Bierstand fragen. Tat ein Heidelberger in einem pfälzischen Kaff mal. Niiicht gut. Man fragt ja auch im Biergarten in Bayern nicht nach Wein. ;))

          • frauhilde schreibt:

            Ich nehme an, dass dein erstes Wort entsprechend auch nicht „Mama“ war, sondern „Rieslingschorle“? 😉

            Aber jetzt mal ernsthaft, ihr sauf-, Pardon, trinkt da einen halben Liter Wein bzw. Schorle am Stück?
            Kein Wunder sind die Pfälzer immer so lustig!

            • Tina schreibt:

              Na sicher! 😉 Und das erste, das ich gelernt habe, war natürlich, dass Weißherbst kein Weißwein ist. 😉
              So ist das… Aber hat doch auch was für sich!
              (Der „literarische Frühschoppe“ allerdings, der muss nicht sein…)

  4. Patty schreibt:

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