Von doofig-zähen Tagen

Die Chaoten. Wer auch sonst? 

Wobei, es waren nicht nur die Chaoten. Heute war einer der Tage, die … keine Ahnung. Einfach irgendwie zäh, grau und doofig sind. Ein montagiger Dienstag, sozusagen.

Morgens nervten schon die Achter. Waren sie Anfang des Schuljahres noch eine der Klassen, bei denen man aus dem Unterricht kommt, sich verwundert die Augen reibt und denkt, SO kann Unterricht also sein, hat sie inzwischen die Pubertät voll im Griff. Da kann man einen pädagogischen Kunstgriff nach dem anderen probieren – es nutzt nichts, sie nerven einfach.

Von den nicht mit der Frau Hilde sprechenden Deutsch-Elfern hatten zwei Drittel die Hausaufgaben nicht. Und kamen mit der unglaublich kreativen „Ich hab’s nicht verstanden“-Ausrede. Die Frau Hilde teilte ihnen mäßig erbaut mit, dass es sich bei dem zu analysierenden Text um eine Kurzgeschichte handelt, die man normalerweise in der Achten macht. Dann schmiss sie ihren Plan komplett um, weil die Kindlein ach so sehr jammerten, und besprach die Geschichte noch einmal en détail mit ihnen.

Mit ihren Neunern musste ein ernsteres Gespräch geführt werden, weil sich wieder zwei Kollegen massiv über die Klasse beschwert haben.

Danach bikelte die Frau Hilde in die Stadt, um die bestellte Lektüre für die Achter abzuholen – und um unterwegs zu merken, dass sie das Geld in der Schule vergessen hatte. Geld wurde geholt, Lektüre in die Schule geschleppt, und dann musste die Frau Hilde ganz dringend mit einer Kollegin den Zweitwohnsitz aufsuchen und erstmal einen Kaffee trinken.

Mit den Chaoten war man am Nachmittag in einem anderen Raum, da ja drei Nachschreiber und zwei Nachsitzer hinzu kommen sollten.

Die Nachsitzer waren heute beide krank. Honi soit …

Die Frau Hilde hatte den neuen Raum per WhatsApp bekannt gegeben und wettete mit der ebenfalls anwesenden Lieblingskollegin O. (brauchte Chaot E., weil er ihr noch eine Entschuldigung für die Mathestunde letzte Woche schuldet), dass die Hälfte den Raum nicht finden würde.

Die Hälfte fand den Raum nicht.

Anfangs war nur Chaot J. anwesend, danach trudelten H. und Chaotin F. ein. H. hatte zur Anprobe diverse Brillengestelle dabei, und das tat er laut jedem kund. Und dann wurde fleißig auf- und ausprobiert, so lange man auf den Rest wartete.

Der traf tröpfchenweise irgendwann auch ein.

Eigentlich war heute auch echt ein guter Tag, so arbeitstechnisch; es ging voran, die Chaoten arbeiteten brav mit, man war sogar schneller am Ziel, als geplant. Aber trotzdem war’s irgendwie total nervig. Bäd vaibreischns quasi.

H. musste dauernd alles und jedes kommentieren; S. schmollt immer noch und nervte und störte permanent. Und F. bekam zwei ihrer berüchtigten Kreischanfälle; einmal, als Chaot K. einen Hello-Kitty-Energydrink oder was auch immer auspackte. Und einmal völlig unmotiviert mittendrin.

Herr Chaot A. hatte vergessen, dass er Hochdeutsch als erste Fremdsprache hatte, und pfälzerte vor sich hin, dass die Frau Hilde dauernd um Simultanübersetzung bitten musste.

Nur B., der war heute Zucker. Wenigstens einer.

Zwischendrin platzte der Frau Hilde dann kurz die Hutschnur und so gab es eine mehr als deutliche Ansage an S., woraufhin der nun völlig eingeschnappt ist. Er hat Lieblingskollegin O. übrigens gesagt, dass er zu ihr in Mathe ins Mündliche geht (ursprünglich wollte er in Deutsch, aber da hat die Frau Hilde ja inzwischen verkackt alle Sympathien verspielt). O. und die Frau Hilde haben sich köstlich über diese Schmollnummer („Ich hab dich gar nicht mehr lieb und geh jetzt in ’nen anderen Sandkasten!“) amüsiert. Und wenn S. wüsste, dass O. ihn auch so gar nicht im Mündlichen haben will …

L. steckte der Frau Hilde seinen Entschuldigungsbogen zu (nach der Stufenparty letzte Woche war er wohl nicht in der Lage, morgens zum Unterricht zu erscheinen); da er sich an diesem Tag aber nicht krank gemeldet hatte, verweigerte die Frau Hilde ihm die Unterschrift. Jetzt ist nicht nur S. schmollig, sondern auch L.

Kurz: Es war ein Tag zum In-die-Tonne-Kloppen.

Ach ja, ein Elterngespräch in der Mittagspause fand auch noch statt; Helikopter-Mutter.

Morgen ist der letzte Schultag. Die Frau Hilde ist nach dem Tag heute echt nicht traurig darüber.

Und dann warten zwei Deutschaufsätze, zwei Tests und die übliche Unterrichtsvorbereitung auf sie. Aber das macht sie dann so richtig schön gemütlich.

So. Und jetzt beendet sie diesen trübseligen Beitrag. Ist ja nicht auszuhalten.

Morgen wird das besser mit der selbstmitleiderischen Phase, die Frau Hilde verspricht es hoch und heilig!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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15 Antworten zu Von doofig-zähen Tagen

  1. Corinna schreibt:

    Solche Tage gibt’s bei jedem Mal. Gut, dass Du jemanden hast, mit dem Du bei einem Kaffee so richtig Jammern kannst. Meistens wird’s danach schon ein bisschen besser.

  2. käthchen schreibt:

    Ich wusste schon immer, dass dienstage nix taugen… mittwochs ist alles wieder gut!
    liebe grüße!

  3. giftigeblonde schreibt:

    Was ist eine Helikopter Mutter?
    Und beginnen bei euch Herbstferien?
    Gibt’s in Österreich gar nicht,..arme Kinder das.

    Ansonsten, solche Tage können einem echt alles vergällen.
    Hoffe der heutige ist besser, frauhilde

  4. Hummelmädchen schreibt:

    Helikopter-Mutter?! 😄 Was kann man sich denn bitte darunter vorstellen, liebe Frau Hilde?

    • frauhilde schreibt:

      KC hat das ganz schön erklärt, Hummelmädchen.
      Grundsätzlich sind wir Lehrer an allem schuld. Das liebe Kind wird unterschätzt, falsch/ unfair behandelt, man gibt zu viele/ zu wenige Hausaufgaben, man schreibt zu schwere/ zu leichte Arbeiten undsoweiterundsofort.
      Und natürlich erkennt der doofe Lehrer nicht, dass das Kind hochbegabt ist.
      Kinder von Helikoptereltern sind nämlich immer und ausnahmslos hochbegabt.

  5. twilight schreibt:

    Ich lese die Berichte der Frau Hilde immer sehr gerne. Mein Vorurteil, Lehrer haben es ja soooo gut (lange Ferien, halbtags arbeiten, liebe Schüler, …) gerät jetzt aber ganz langsam ins Wanken 😉
    LG Rainer (war natürlich immer ein ganz, ganz braver schüler!)

  6. KC schreibt:

    Helikoptereltern sind die Task-Force unter den Eltern und Sohnemann bzw. Töchterchen, sind der Stern der ihren Namen trägt. Und natürlich muss jedes „Übel“ von ihnen abgewendet werden. Leider sind die bösen Lehrer da mit den Damen und Herren der GSG-Zeugnisnote nicht einer Meinung und finden das liebe Kind gar nicht so wunderprächtig wie die Erzeuger. Und leider sind das auch die, die wegen Noten vor Gericht gehen.

  7. giftigeblonde schreibt:

    Danke KC 🙂
    Wieder was gelernt.
    Aber natürlich kann ich den Ausdruck nicht kennen, bin ja keine Überflieger Mutter 😉

  8. Judith schreibt:

    Das klingt wirklich nach einem solchen Tag, wie man sie nicht braucht! Ich hoffe, Du bist inzwischen ein bißchen in Ferienstimmung…

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