Von einem typischen Ferientag

Der Wecker klingelt um sieben (ja, die Frau Hilde war SEHR optimistisch gestern Abend …). Er wird mit einem gezielten (na ja) Schlag ins vorläufige Jenseits befördert; die Frau Hilde dreht sich um und pennt weiter.

Um halb acht klingelt der nächste Wecker. Die Frau Hilde hat sich gestern für unheimlich clever gehalten und ihn auf der Fensterbank drappiert, die zu erreichen man einmal quer durchs Zimmer latschen muss.

Die Montags-Frau-Hilde verflucht die Sonntags-Frau-Hilde und tappt zum Wecker.

Wo sie schon mal steht, denkt sie sich, könnte sie doch umgehend wieder ins Bett gehen mal in die Küche gehen. Kaffee machen und schauen, was sich so zum Frühstück finden lässt.

Das In-die-Küche-gehen dauert bis ungefähr um acht. (Hei, es sind mindestens sechs Meter!)

Die Frau Hilde macht sich einen Kaffee und berät dann mit sich selbst, wie sie den Tag angehen soll:

– Wieder ins Bett gehen (dafür: Es; dagegen: Über-Ich)

– Was arbeiten (dafür: Über-Ich; lautes Geschrei seitens des Es)

– Duschen, frühstücken und DANN vielleicht möglicherweise was arbeiten (unter Protest dafür: Über-Ich; resigniert: Es)

Gut, die Vernunft hat gesiegt. Die Frau Hilde schmeißt sich unter die Dusche (vielleicht hätte sie am Vorabend die Heizung im Bad anmachen sollen …) und tappert gegen halb neun halbwegs wach zurück in die Küche.

Der Plan sieht vor, bis neun zu frühstücken bzw. faul zu sein und sich dann an den Schreibtisch zu klemmen und endlich mal was zu arbeiten.

Das mit neun Uhr klappt recht gut. Das mit der Klemmerei weniger, denn der Schreibtisch will erst von trölfzig Tonnen Altpapier befreit werden. Die Frau Hilde tut, was eine Frau tun muss, und geht danach nach dem Wetter schauen.

Es ist noch da. Aber bewölkt. Macht ja aber nichts, so lange es nicht regnet, denkt sich die Frau Hilde; das wiederum wäre doof, denn die Frau Hilde muss am Nachmittag erst in den Zweitwohnsitz, um etwas mit Kollegin K. zu besprechen und eine Unterrichtsreihe mit ihr durchzugehen, und danach hat sie einen Friseurtermin.

Die Frau Hilde hat gerade den Gedanken zu Ende gedacht, da fängt es an zu schütten.

Die Frau Hilde macht sich wieder auf den Weg zum Schreibtisch und fängt an.

Halb eins.

Frustriert schlappt die Frau Hilde in die Küche, schaut sehr intensiv nach dem Wetter (Regen, immer noch) und sucht sich was fürs Mittagessen zusammen. Ist nur noch Spinat und die eine oder andere Vollkornnudel da. Nun gut. Muss.

Immerhin hat sie die Französische-Revolution-Reihe fast komplett noch mal überarbeitet. Nur an den Tafelanschrieben muss noch gefeilt werden.

Ein paar Rom-Stunden für die Achter stehen auch. Na ja, drei, um genau zu sein.

Fehlt nur noch … Die Frau Hilde seufzt. Ganz, ganz viel und zwei Deutschaufsätze …

Gegen drei macht sich die Frau Hilde auf gen Innenstadt. Da es immer noch gießt wie aus Kübeln, packt sie sich in ihr Uralt-Regencape und radelt los.

Da das Uralt-Regencape uralt ist und auch nicht mehr so richtig dicht, kommt sie schön durchfeuchtet am Zweitwohnsitz an. Eine Soja-Latte später ist die Welt aber wieder halbwegs in Ordnung.

Mit K. geht sie die geplante Unterrichtsreihe durch; so richtig zufrieden sind beide nicht damit, aber für den Anfang ist zumindest die eine oder andere Idee da.

Und dann geht die Frau Hilde zum Friseur, mit einem sehr mulmigen Gefühl, denn die letzten paar Friseurbesuche endeten mit einer gepflegten Midlife-Crisis.

Die Friseurin berät sehr kompetent und hat, dem Wetter zum Trotz, ansteckend sonnige Laune. Die Frau Hilde lässt sich zwar nicht auf den ultimativen Vorschlag (raspelkurz) ein, aber immerhin wird ein bisschen weggeschnippelt.

Gegen halb sieben kommt die Frau Hilde aus dem Friseursalon raus und hat zum ersten Mal seit gefühlten Jahren nicht das Gefühl, ihren Kopf in den nächstmöglichen Bach stecken zu müssen.

Zufrieden wuselt sie noch in den Drogeriemarkt ihres Vertrauens, druckt ein paar Kroatienfotos aus und radelt dann nach Hause.

Wo sie sich schnell was zum Abendessen macht, irritiert feststellt, dass sie vor lauter Frisurfreude vergessen hat, für morgen einzukaufen, und jetzt gemütlich am Laptop sitzt und nebenher auf den Fernseher schielt, allerdings mit schlechtem Gewissen, weil sie müsste da noch drei Revolutionsstunden durchgehen. Sonst hinkt sie ihrem FünfjahresViertagesplan hinterher und das wäre gar nicht gut, nämlich wegen weil am Mittwoch fällt das Arbeiten flach, weil wegen da geht die Frau Hilde mit Lieblingskollegin O. in ein großes Möbelhaus schwedischer Abstammung.

Und am Freitag ist sie auf einen Geburstag eingeladen, da muss sie noch ein Geschenk kaufen, was insofern erschwert wird, als die zu Beschenkende gesagt hat, ihr einziger Wunsch sei, dass alle kommen. Hm.

Ja, nun. Dann wird sie sich mal wieder an den Schreibtisch andocken. Nutzt ja nüscht.

 

Das war der Frau Hilde ihr Ferientag. Es tut ihr ein bisschen leid, dass eigentlich nichts so richtig Bloggenswertes passiert, andererseits tut ein wenig Ruhe vor dem Nach-Herbstferien-Sturm auch ganz gut.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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17 Antworten zu Von einem typischen Ferientag

  1. herr_mess schreibt:

    Na zumindest HAST du Ferien. Wir hier in Bayern müssen noch knapp 2 Wochen aushalten. Dafür haben wir aber auch so spät angefangen…

    • frauhilde schreibt:

      Ich weiß das auch durchaus zu schätzen. 😉

      Nur die Idee, möglichst viel Arbeit mit in die Ferien zu nehmen, war eher suboptimal.

      Glückwunsch übrigens, ich glaube, so schnell hat noch nie jemand kommentiert. Da sage noch mal wer, Lateinlehrer seien nicht am Puls der Zeit! 😀

      • diewiderspenstige schreibt:

        Danke Herr Mess, das wollte ich auch grad sagen – Hildi, du jammerst auf seeehr hohem Niveau! Andere mussten nämlich heute beispielsweise ganz eklige Klausuren über Revolutionen schreiben, zwar nicht die franz. sondern die amerik. aaaaber… 😉

        • frauhilde schreibt:

          Lieblingswidi, jetzt liest du dir schön den Text nochmal durch und sagst mir dann, WO genau ich gejammert hab! *Lehrerinnengesicht zieh*
          Hab ich nämlich jawoll gar nicht!! Pöh. Was ich da über die Korrekturen gesagt hab, das war nämlich fei nicht gejammert, das war … hm … gelehrert. Ja.

          Oh, ieh, das mach ich grad mit den Neunern. Ich mag das Thema nicht so gern. Aber danach kommt die Französische, da wird’s dann hübsch blutig und alle wachen wieder auf. Oder so.

  2. Corinna schreibt:

    Ich hoffe, Du schaffst Deinen Viertagesplan! Jedenfalls drücke ich die Daumen.

    Bin erst seit ein paar Stunden aus einer Filiale des von Dir genannten Möbelhauses zurück und warten nun auf meine Küche. *freu* Also viel Spaß am Mittwoch! 🙂

  3. twilight schreibt:

    Da bin ich (Mann) aber froh, dass es nicht ra(s)ppelkurz geworden ist, der Haarschopf der Frau Hilde.

  4. handvolldackel schreibt:

    Klingt wie ein typischer Arbeitstag von Freiberuflern. Abgesehen davon, dass ich nie so früh aufstehe. Und abgesehen davon, dass es ziemlich gemein von mir wäre, meinen Wecker zu hauen. Aber das an-den-Schreibtisch-andocken-müssen kenne ich nur zu gut 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Was macht man da als Freiberufler? Augen zu und durch? Oder laufen dann diverse Übersprungshandlungen ab? (=> Die Fenster müssten aber jetzt doch auch mal … Und wie der Boden aussieht … War ich eigentlich schon Milch holen … Ich sollte mal das Bad putzen …)

      • handvolldackel schreibt:

        So ziemlich „Augen zu und durch“. Es hilft, dass ich eine der schlechtesten Hausfrauen der Welt bin. Ich habe immer einen Plan, was ich an einem Tag erledigen muss und mache regelmäßige Pausen zwischendurch. Wenn ich ab und zu mit einem Wortspiel in der Übersetzung hadere, gehe ich mit dem Hund raus und rufe gegebenenfalls zu Hause an („Kannst du das mal aufschreiben?“). Einkaufen, Wäsche usw. erledige ich in den Pausenzeiten. Und es ist der Arbeit durchaus zuträglich, den Dackel gelegentlich durch die Bude zu jagen.

  5. giftigeblonde schreibt:

    Interessant- ich bin froh das ich nicht die einzige mit chaotischen Tagen bin.

    Aber nichts was ein Kaffee nicht wieder einrenken kann gell?

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