Von netten Stunden

Manchmal gibt es so Stunden, die sind einfach irgendwie … nett. Völlig unspektakulär, sondern einfach nur … nett.

Heute Morgen, Doppelstunde Grundkurs Geschichte 11. Die Kindlein kämpfen gegen den Schlaf.

Die Frau Hilde fragt mal so in die Runde, ob die Schüler noch aus der Mittelstufe wissen, wie das war mit den Christen und dem Römischen Reich, da seinerzeit. Erfahrungsgemäß weiß das keiner mehr, weil ist doch schon SOOOO lange her, deshalb hat die Frau Hilde ein liebevoll gestaltetes Arbeitsblatt dabei mit feinen Quellen zur Sicht der Römer auf die Christen, einem wunderbar vorstrukturierten Tafelbild und überhaupt. Sie ist richtig stolz drauf.

Schüler S. meldet sich.

Die Frau Hilde denkt sich, na, nimmste ihn mal dran, ein bisschen was weiß er vielleicht noch.

Und dann …

Ja, und dann legt S. in rhetorisch ausgefeilten Sätzen das komplette Arbeitsblatt der Frau Hilde dar, und zwar dergestalt, dass keine Fragen mehr offen bleiben. Noch nicht mal bei Schusselchen N., der immer so treudoofige Fragen stellt.

Die Frau Hilde lobt ihn natürlich, sagt dann aber gespielt zerknirscht, dass er ihr soeben ihre Stundenplanung zerschossen hat.

Na, meint S., man könne doch zum Spaß (ZUM SPASS!) noch eine Quelle lesen.

Kurze Vom-Glauben-abfall-Phase seitens der Frau Hilde.

Gut, man liest dann wirklich noch eine Quelle (Toleranzedikt Konstantins, falls es irgendwen interessieren sollte) und die Kindlein analysieren brav vor sich hin.

Da man in der 11. nur punktuell Schwerpunkte setzt, geht das Römische Reich in der nächsten Stunde dann auch schon unter.

Mitten in der Diskussion über zwei Historikertexte zu diesem Thema fällt Schusselchen N. was ein.

„Äh, Frau Hilde?“, meldet er sich.

„Ja, N.?“

„Also, wegen der Grenzen des Römischen Reichs. Die waren also auch in der Türkei?“

„Kleinasien“, verbessert die Frau Hilde. „Ein Teil der heutigen Türkei.“

N. denkt nach (man sieht es förmlich rattern).

„Also sprechen alle Türken Latein?“, will er dann wissen.

Gelächter im Kurs.

Kommentar K.: „Kannst ja mal in den Dönerladen gehen und „Salve!“ brüllen. Kommt bestimmt voll gut.“

Kommentar P.: „Die können doch ’n Schild vor den Laden stellen: Habemus Dönerem.“

Advertisements

Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
Dieser Beitrag wurde unter So Zeugs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Von netten Stunden

  1. herr_mess schreibt:

    Das wäre der erste Dönerladen, in den ich regelmäßig gehen würde!

  2. Nobelix schreibt:

    Oh, für den Dönerladen würde ich auch durchaus eine weitere Anreise in Kauf nehmen. Alleine schon für das Schild! 🙂

  3. Stefan K. schreibt:

    Gegenfrage an Schüler N.: „Sprechen alle Rheinland-Pfälzer Latein?“ 😉

    … aber ich wüsste wirklich mal gern, was in seinem Kopf vorging, dass ihn zum einen die Grenzen des Römischen Reichs speziell in der Türkei interessiert, zum anderen die Verknüpfung mit der Sprache… was ist sein Bezug zur Türkei?

    • Na ja, es gibt auch manche, die ganz platt proklamieren: „Der heilige Nikolaus war Türke!“, nur weil Myra, seine Bischofsstadt, in Kleinasien liegt (Lykien). Jedenfalls befinden sich die besichtigenden Touristenmassen auf Grund und Boden der heutigen Türkei, wenn sie in Bussen nach Myra gekarrt werden – daher.

      • frauhilde schreibt:

        Uah, dann will ich nicht wissen, wie die über irgendwelche Menschen denken, die vor trölfzigtausend Jahren im Hl. Röm. Reich tätig waren. Das waren dann bestimmt auch „Deutsche“ …

    • frauhilde schreibt:

      Der Bezug war, dass wir’s von den Grenzen des Römischen Reichs hatten bzw. von dessen größter Ausdehnung, die Kleinasien einschloss.
      Wie man dann davon darauf kommt, ob die Türken Latein sprechen, das bleibt das Geheimnis von N.s Gehirn. 😉

  4. Corinna schreibt:

    *brüll* Das war ja wohl mehr als nur „nett“!

    • frauhilde schreibt:

      Ich hab’s halt mit den Chaoten verglichen. Und da „verlieren“ die Geschichts-Elfer (noch, und das bleibt hoffentlich auch so!), was die „Äktschn“ in der Stunde angeht … 😉

  5. diewiderspenstige schreibt:

    hihihihi „habemus Dönerem“, ich schmeiß mich weg 😀

    Aber mal ganz ehrlich, die unspektakulären, netten Stunden sind doch meistens die besten 😉 Was man von dem Thema Röm. Reich jetzt nicht behaupten kann..

  6. Stefan K. schreibt:

    Gestern hat Dein Dienstherr ja verkündet, dass Ihr als Lehrer/innen in RP Facebook nicht mehr dienstlich nützen dürft.
    (s. z.B. http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/facebook-lehrer-schueler )

    Was hälst Du davon? Wie siehst Du Eure WhatsApp-Gruppe?

    Ich find den taz-Artikel/ -Kommentar ganz gut:
    http://www.taz.de/Verbot-von-Facebook-Freundschaften/!126017/

    Auch wenn ich ein Verbot problematisch finde, finde ich es richtig, kommerzielle soziale Netzwerke nicht für schulisches zu nutzen – das erhöht letztlich doch auch den Druck auf die wenigen bewussten Verweigerer, sich doch noch anzumelden, wenn schon die Lehrer mitmachen…

    Gerade Facebook und WhatsApp sind ja die übelsten Datenmissbraucher, die es so gibt!

    • frauhilde schreibt:

      Das ist schwierig zu beantworten.
      Ich finde das Verbot grundsätzlich auch problematisch; allerdings kann ich es in gewisser Weise nachvollziehen.
      Der Begriff „pädagogische Distanz“ ist für mich halt ziemlich schwammig. Was genau ist das? Es gibt Lehrer, die diese Distanz wahren können und trotzdem Facebook-Kontakte zu ihren Schülern pflegen, und es gibt Lehrer, die haben keine Facebook-Freundschaften mit Schülern, schaffen es aber schon in der Schule nicht, Distanz aufzubauen. Das kommt einfach ganz stark auf die Lehrerpersönlichkeit an.
      Wenn man bei Facebook anfängt, wo hört man dann auf? Bei Kurstreffen? Soll man die dann auch verbieten? Denn dass da KEINE Distanz besteht, ist klar. Da lädt man die Schüler immerhin zu sich selbst ein, zeigt sich also als „Privatmensch“, trinkt möglicherweise mit den Großen auch ein Bier und redet eben auch über Privates.

      Ich habe die Whatsapp-Gruppe heute löschen lassen, weil ich zwar, wie gesagt, das Verbot problematisch finde, es aber akzeptiere.

      Was den „Druck“ angeht: Ich bin nicht bei Facebook und werde das auch weiterhin nicht sein.

  7. giftigeblonde schreibt:

    Klingt nach einem richtig netten Geschichtsstündchen:-)
    Lateinische Dönerläden gibt’s hier auch nicht :-/

  8. Lotta schreibt:

    oh Frau Hilde, darf ich das Passwort zu dem geschützten Artikel erhalten? menavava@web.de
    viele Grüße, Lotta.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s