Vom Weckschreck

Dass morgens zeitlich alles passen muss, weil sonst „Drama Baby“ ist, hat die Frau Hilde schon mal geschrieben.

Inzwischen muss sie so zwischen halb sechs und zwanzig vor sechs raus. Morgens klappt das mit der Schnelligkeit nämlich genau überhaupt nicht, weshalb die Frau Hilde sicherheitshalber viel zu früh aufsteht. Außerdem erreicht sie ohne morgendlichen Kaffee den Ist-Zustand „Mensch“ nur selten.

Und jeden Abend hat sie latente Panik, sie könne verschlafen und alles wäre ganz fürchterbar, weil hektisch, und sie käme zu spät in die Schule und überhaupt.

Nun, letzten Donnerstag trat der gefürchtete Tag X dann also ein.

Am Mittwoch hatte sich die Frau Hilde mitsamt dem Parfum ins Bett verkrümelt, um ein bisschen zu arbeiten. Nämlich, das wird sie mit den Deutsch-Elfern als nächstes lesen, hat es aber noch nie gemacht, und deshalb ist einiges an Vorarbeit erforderlich.

Die Frau Hilde hat das Buch vor trölfzig Jahren schon mal gelesen, aber das ist zu lange her, deshalb musste sie eben noch mal ran.

Nun gut, die Frau Hilde lag im Bett und las. Und las. Und las. Und als sie einen Blick auf die Uhr warf, erschrak sie. Nämlich es war kurz vor zwei. Was dann summa summarum so etwa dreieinhalb Stunden Schlaf machen würde.

Nicht gut, dachte sich die Frau Hilde. Nämlich wegen weil dann erkennt man sich morgens im Spiegel wieder nicht und erschrickt sich so arg.

Sie stellte schnell sämtliche real existierenden Wecker um sie herum (vier *hüstel*) und knipste das Licht aus. Und fiel auch prompt in komatösen Tiefschlaf.

Aus dem sie irgendwann dann wieder erwachte. Sogar vor dem Weckerklingeln. Die Frau Hilde war mächtig stolz auf sich, wegen weil nämlich normalerweise bedarf es mindestens zwei der vier Wecker, bis sie sich ansatzweise daran zu erinnern beginnt, dass sie ein Mensch ist.

Sie warf einen Blick auf den Wecker.

6.23 Uhr.

Prima, dachte die Frau Hilde, zwanzig Minuten zu früh. Genug Zeit, um dem Körper, dem Es und diversen anderen zur Frau Hilde gehörenden Teilen klarzumachen, dass man demnächst ans Aufstehen denken könnte.

Sie duselte noch ein wenig vor sich hin; man muss schließlich ausgeruht sein an so einem Donnerstag, nämlich das ist der lange Tag mit erstmal sechs Stunden am Stück und dann noch AGs.

Langsam, langsam schlich sich in der Frau Hilde ihr schlafumnebeltes Gehirnchen ein Gedanke:

6.23 Uhr.

Es ist 6.23 Uhr.

Es ist nicht 5.23 Uhr.

Es ist 6.23 Uhr, ungefähr die Uhrzeit, zu der die Frau Hilde normalerweise geschniegelt, gebügelt und gefertigmacht in der Küche aufschlägt, um sich direkt an die Kaffeetasse anzudocken.

Die Frau Hilde sagte etwas, das wiederzugeben ihr der Anstand verbietet, schmiss sich aus dem Bett und ins Bad und Hektik brach aus.

In dem Gewusel zwischen Bad, Schlafzimmer und Küche warf sie einen Blick auf ihre Wecker und verstand mehrere Dinge:

– Wecker 1: Nicht gestellt.

– Wecker 2: In der Nacht in die Ritze zwischen Bett und Wand gefallen; Batterie rausgepurzelt.

– Wecker 3: Überhört (der spielt ohnehin nur eine leise Melodie).

– Wecker 4: Tot. Irgendwie. Jedenfalls gab er keinen Mucks von sich.

Um es kurz zu machen: Die Frau Hilde schaffte es noch rechtzeitig; mit ohne Kaffee im Magen war ihre Laune dann entsprechend, und das mit vier Stunden Mittelstufe und zwei Stunden Chaoten.

Kopiert hat sie in der einzigen Pause, die nicht für Raumwechsel verbraten wurde.

Und die AG-Unterlagen hat sie daheim vergessen und deswegen spontan Schwellenpädagogik gemacht (man tritt über die Schwelle und überlegt sich, was man machen will …).

Manchmal ist das Leben echt eins der gemeinsten.

 

Edit: Die Frau Hilde entschuldigt sich bei allen Bloggern, bei denen sie normalerweise regelmäßig kommentiert; im Moment sind Kursarbeitswochen, Konferenzen, AG-Sachen, Klassenarbeiten, Tests und ziemlich viel sonstiger Stress.

Am Wochenende sollte es langsam etwas besser werden und das Versäumte wird nachgeholt! 😉

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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27 Antworten zu Vom Weckschreck

  1. giftigeblonde schreibt:

    Ohhh du allerallerärmste frauhilde!
    Wenn ein Tag so beginnt ist er meist zum Vergessen, schrecklich ist sowas 😦

    Es ist ja sowieso unchristlich anständige Menschen vor 8 Uhr aus dem Bett zu werfen, grad in dieser dunklen Zeit.

    Ansonsten kannst du vielleicht dein Smartphone noch zusätzlich als Wecker einsetzen, so mach ich das.

    Und ich hoffe du bist bald weniger gestresst, das kann auch nicht gesund sein,,

    Liebe Grüße!

  2. Rana schreibt:

    Ih, so einen Tag kann man getrost zurückgeben, den braucht man nicht!!! Wünsche dir eine „AllesklapptwieamSchnürchen“ – Woche. LG von Rana

    • frauhilde schreibt:

      Liebe Rana, vielen Dank! So ganz hat das mit der Schnürchenwoche nicht geklappt, um nicht zu sagen, es hat überhaupt nicht geklappt, aber was nicht ist, kann ja noch werden. 😉

  3. Corinna schreibt:

    Oh, je! Gerade noch einmal gut gegangen. Aber es gibt solche Tage, an denen man unverhofft weit über sich hinauswächst und hinterher nicht weiß, wie man das eigentlich geschafft hat. 😉

  4. Jürgen schreibt:

    „Manchmal ist das Leben echt eins der gemeinsten.“
    Wie recht Sie haben.
    Ich komme zur Zeit auch zu nichts. Homepage gehackt, keine Unterstützung der Techniker, bundesweite Großveranstaltung, nein Fortbildung, steht dem Haus bevor und lähmt mich.

  5. Judith schreibt:

    Uuuuaaaaahhhh, Horrorvorstellung. Wobei das ja alles auch gar nichtso meine uhrzeit wäre… das ist wie wenn bei mir VOR der Aufstehzeit der Paketdienst auf dem Hof steht und hupt – und hupt und hupt ( ja, sie haben eine Abstellgenehmigung und ja, sie tauchen hier so gegen 6.23 uhr auf)… dann ist am besten der Tee noch lauwarm… dann gibt’s nicht viel, was den Tag noch retten kann…

  6. christa schreibt:

    Toll geschrieben! Ich mag den Begriff „Schwellenpädagogik“! Mache ich zwar nicht (rotwerd – oder vielleicht doch???) aber der Alltag ist manchmal auch so hektisch!!!

    • frauhilde schreibt:

      Manchmal darf man das machen, find ich. 😉 Mir passiert das ungefähr so alle drei, vier Wochen mal, dass ich nur eine ungefähre Ahnung hab, was ich machen will. Meist in Deutsch, da kann man besser improvisieren. *g*

  7. A. P. Glonn schreibt:

    Wie üblich reingekommen, gelesen, geschmunzelt und (ausnahmsweise) gedacht: Ha, wie gut, dass ich Frühaufsteher bin. Gänzlich ohne Kaffee. Beneide mich, Lieblingsfrauhilde. Egal, wann du mich weckst, ich bin fit und springe aus dem Bett wie ein Stehaufmännchen. 😀

  8. Patty schreibt:

    Aus sozpättyscher Sicht muss Schwellenpädagogik aufgrund ihrer außerordentlichen Niederschwelligkeit höchst toll eingeschätzt werden! Jawohl.

    • frauhilde schreibt:

      Sie sollte allerdings nicht mit der niedrigen Reizschwelle der Lehrkraft korrelli-, kollisio-, na, halt dingsen. (Mann, ich wollte EINMAL was Intelligentes schreiben, da gehen mir die intellidingsen Wörter aus. So was Doofes!)

  9. diewiderspenstige schreibt:

    oh je, arme Hildi! Und das alles nur wegen den bösen Weckers…

    „Schwellenpädagogik“ – bei manchen Lehrern hat man den Eindruck, die machen das permanent bis zur Rente 😀

    • frauhilde schreibt:

      Das hatte ich früher auch manchmal. Also, den Eindruck.
      Heute wiederum hab ich manchmal den Eindruck, es wäre den Schülern mitunter lieber als eine pädagogisch wertvoll zugestopfte Stunde. 😉

  10. rotezora. schreibt:

    Oha, in meinen besten Jahren ist es mir auch ein- bis zweimal pro Jahr passiert, dass ich komatös schlafend zwei Wecker ignoriert habe. In dieser Zeit hatte ich ein Juwel von stellvertretendem Schulleiter, der morgens die Katastrophenanrufe entgegennahm und derlei kommentierte mit: „Genießen Sie’s!“ In späteren Jahren war mehr Verlass auf meine innere Uhr, oder sollte ich es lieber senile Bettflucht nennen? Und jetzt… wache ich immer noch so gegen 6:15 auf und drehe mich genüsslich nochmal rum. Welcher Luxus!

    • frauhilde schreibt:

      Einen tollen stv. Schulleiter hattest du, liebe rote Zora! 🙂

      Die senile Bettflucht kenn ich; ist das bei dir dann aber auch so, dass sie hauptsächlich dann greift, wenn man ausschlafen könnte? Ich hab freitags erst zur vierten Stunde, aber DA wache ich dann pünktlich um halb sechs auf und kann nimmer schlafen.

  11. Eponine schreibt:

    Wecker sind schon was Böses… v.a. wenn sie nicht läutet. Hast du sie denn – wie meine Schwester – zum Teil in sicherer Entfernung aufgebaut, damit du nicht einfach draufhauen kannst, sondern aufstehen musst?
    Ich wach ja vom ersten Weckerpiepsen sofort auf – und bis jetzt hat er immer brav geläutet. Am tollsten war’s damals, als ich mal um 5:20 rausmusste. Wecker piepst brav um 05:20:00 – und bleibt um 05:20:25 (oder so) stehen, weil Batterie tot. Glück muss der Mensch haben!!! Ein sehr pflichtbewusster Wecker, der meinige^^ soll ich ihn dir mal borgen?

    • frauhilde schreibt:

      Ja, also, das hatte ich mal. Einen auf der Fensterbank, damit ich aufstehen musste, um ihn auszumachen.
      Das Ende vom Lied: Entweder ich hab ihn ignoriert oder ich bin im Halbschlaf hingezombiet, hab ihn ausgemacht und bin mit dem fatalsten aller Sätze („Noch FÜNF Minuten …“) wieder ins Bett gefallen.

      Du hast aber echt einen pflichtbewussten Wecker, wow!
      Wie tut der denn? Also, was für eine Art von Geräusch gibt der denn von sich? Piepsen, PIEPSEN, Liedlein spielen oder einfach so rumscheppern?

      • Eponine schreibt:

        Hihi. Also ich bin da ein bissl wie AP – wenn der Wecker mich aufweckt, bin ich munter.
        Mein Wecker piepst – ziemlich penetrant. Er fängt an mit 1x piepsen, dann kommt 2x, 3x und dann durchgehend. Igitt.

        • frauhilde schreibt:

          Das wäre für mich der unmittelbare Anlass zur Ausübung roher physischer Gewalt gegenüber wehrlosen Elektronikgeräten … 😀
          (Da gibt’s glaub sogar einen Fachbegriff für, ich hab ihn nur vergessen.)

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