Von Tagen wie diesen … II

Der Samstag begann damit, dass die Frau Hilde dreimal zum Einkaufen radeln musste. Beim ersten Mal hatte sie den Spinat und das Brot vergessen.

Bevor sie zum zweiten Mal das Rosinante-Bikel bestieg, warf sie eine Ladung Wäsche in die Maschine und juckelte erneut los.

Als sie wieder zurück kam, fiel ihr ein, dass sie – den Spinat vergessen hatte. Fluchend schloss sie die Kellertür auf, um rascheben die Wäsche aufzuhängen und erneut loszufahren.

Dort bot sich ihr ein eher unschönes Bild: Die Waschmaschine piepste verzweifelt eine Fehlermeldung vor sich hin; das Wasser könne nicht ablaufen.

Das wiederum sah die Frau Hilde selbst.

Sie stellte die Maschine auf „Abpumpen“ und schwang sich ein drittes Mal aufs Rosinante-Bikel.

Im Supermarkt um die Ecke war der Spinat aus.

Verärgert machte sich die Frau Hilde auf den Rückweg und beschloss, auf den Spinat vorläufig zu verzichten.

Zurück im Keller musste sie dann zu ihrem Entsetzen feststellen, dass die Waschmaschine schon wieder streikte.

„Wasser … Ablauf …“, murmelte die Frau Hilde und drehte an diversen Hähnen, wobei sie merkte, dass das Wasser so generell nicht ablaufen wollte.

Gut, die Frau Hilde sattelte erneut ihr Bikel und radelte, man war ja schon eine Weile nicht mehr dort gewesen, zum Supermarkt um die Ecke, um einen Rohrreiniger zu erstehen. Sie musste auch nur noch in einen zweiten Supermarkt, um das Gewünschte zu bekommen.

Auf dem Rückweg fiel ihr ein, dass sie den Spinat vergessen hatte. Aber egal, nun galt es waschmaschinenlebensrettende Maßnahmen zu ergreifen: Waschmaschine ausschalten, Rohrreiniger ins Rohr (also, die Schläuche der Waschmaschine sind im Keller an ein Waschbecken angeschlossen, und DA lief das Wasser nicht mehr ab). Warten.

Nach einer halben Stunde lief das Wasser wieder so leidlich ab.

Die Frau Hilde stellte also die Waschmaschine wieder an – zack, pieps, Fehlermeldung.

Leicht verzweifelt, da technisch eher minderbegabt, überlegte die Frau Hilde, was man da tun könne. Sie drehte mal hier, schraubte mal da, aber nichts half. Und in der Waschmaschine stand immer noch das Wasser und wollte nicht ablaufen. Und die Frau Hilde bekam das Flusensieb nicht auf.

Nach weiteren erfolglosen Bemühungen griff die Frau Hilde schließlich nach zweieinhalb Stunden zu brachialer Gewalt und brach das Flusensieböffnungsding auf.

Mehrere Liter Wasser ergossen sich über Boden und die Frau Hilde.

So weit, so gut.

Nur das Wasser, das jetzt malerisch auf dem Kellerboden herumsuppte, lief nicht ab. Die Frau Hilde ähnelte inzwischen einer Wildsau, völlig eingesaut und nass, und wusste nicht mehr, was sie tun sollte. Und Wasser im Keller ist per se ja erstmal ziemlich blöd.

Von den Nachbarn war auch keiner da.

Die Frau Hilde stand gerade so herum und überlegte ernsthaft, ob sie einfach mal anfangen sollte zu weinen, da kam die Drunterwohnnachbarin nach Hause.

Und wusste Rat.

Nämlich, damit das Wasser im Keller abläuft, also das Wasser, das auf dem Boden war, muss man den Ablauf aufdrehen. Das wiederum ging aber nur, indem man sich in die Brühe kniete und mithilfe eines Verlängerungsrohrs die Öffnung im Boden aufstemmte.

Drei Stunden, viele Schweißtropfen, einen Fast-Hysterieanfall und diverse völlig eingesaute Kleidungsstücke später war es vollbracht: Das Wasser war da, wo es sein sollte (im Boden irgendwo), die Waschmaschine tat das, was sie tun sollte (waschen), das Flusensieb war wieder da, wo es hingehörte (in der Waschmaschine dran), und die Frau Hilde fiel direkt aus dem Keller in die Badewanne.

So viel zum Thema „einen ruhigen Abend verbringen“. Ihre „Iron Man“-DVD konnte die Frau Hilde direkt wieder wegpacken.

Und Spinat hat sie an dem Wochenende auch nicht gegessen.

Am Montag dann in der Schule hatte sie in der sechsten Stunde ihre Geschichtsachter. Die sind recht anstrengend, besonders ein Junge. Der hat, geburtssauerstoffmangelodersowasbedingt, eine extrem niedrige Reizschwelle und man muss immer gut auf ihn aufpassen.

Während der Stunde wurde es auf dem Flur draußen extrem laut.

Die Frau Hilde ging raus, wo diverse Dreizehner saßen und Krach machten, und bat um Ruhe.

Ja, nee, sie könnten jetzt nicht ruhig sein, sie schrieben doch jetzt die Vorabi-Klausuren.

Deshalb müsse man noch lang nicht so einen Krach machen, gab die Frau Hilde zurück und ging wieder in den Klassenraum.

Draußen wurde es immer lauter und die Frau Hilde merkte, dass M. (das ist besagter Junge) langsam die Fassung verlor.

Sie ging noch einmal raus und verlangte nach Ruhe.

Keine Chance.

Plötzlich sprang M. wie von der Tarantel gestochen auf, raste zur Tür, schrie, er knalle sie jetzt den Sch***-Dreizehnern an den Kopf, riss sie auf und brüllte, dass man es vermutlich durchs ganze Schulhaus hörte. Und dann rannte er davon.

In dem Moment kam Kollege G. rein, sagte: „Wie, ihr seid da noch drin? Wir schreiben doch da jetzt die Klausur?“ und zwanzig Dreizehner enterten den Raum.

Die Frau Hilde sagte G., dass das ja schön sei, dass in ihrem Vertretungsplan aber nichts gestanden hätte, sammelte ihre Achter und ging mit ihnen raus, M. suchen.

Der rannte immer noch schreiend durchs Schulhaus, so dass es nicht schwer war, ihn zu finden.

Was hingegen schwer war, war, einen freien Raum für neunundzwanzig Kinder und einen Schreihals zu finden.

Die Frau Hilde transpirierte erheblich, als sie endlich mitsamt dem wieder eingefangenen M. („Ich schlag die, ich schlag die!“) einen kleinen Raum gefunden hatte, wo sich die Kindlein niederließen – und es Minuten später klingelte.

Ziemlich geladen begab sich die Frau Hilde dann auf den Weg zum Büro des Vertretungsplanmachmenschen, um ihm einige Dinge zu sagen, die nicht so schön waren.

Pech für den Achter (?), der ihr den Weg durch die Verbindungstür abschnitt und statt sich zu entschuldigen, noch ein „Hey, was sollen des?“ mit auf den Weg gab.

Er durfte sich ein paar Dinge anhören, die er normalerweise wohl eher selten hört, und schlich dann, ein wenig kleiner geworden, von dannen.

Beim Vertretungsplanmachmenschen stellte sich heraus, dass der eine der beiden zwar die Räume für die Klausuren blockiert hatte, das aber vergessen hatte, in die Stundenpläne der Lehrer zu geben, so dass bei denen nichts als geblockt angezeigt wurde. Prima.

So, das war der zweite Teil der Tage, die man nur einmal gehabt haben muss.

Morgen geht’s weiter mit den Kursarbeiten.

Die Frau Hilde weiß, dass sie sich wiederholt, bittet aber einmal um Entschuldigung, dass sie sich gerade so rar macht bei anderen Blogs, und zweitens um Entschuldigung, dass sie nicht so oft postet. Ab 29. sollte es wieder besser werden.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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36 Antworten zu Von Tagen wie diesen … II

  1. twilight schreibt:

    Waschmaschinen können ja soooo gemein sein! Und die Achter und die Dreizehner und der Rest der Welt auch.
    Arme, arme Frau Hilde!

  2. KC schreibt:

    Dasselbe hatte meine Waschmaschine letzte Woche auch…das liegt aber bei meiner an dem Taschentuch-Weichspüler-Gemansche von der Mitbewohnerin, da weil die immer die Taschentücher nicht aus den Jeans nimmt und sich das mit dem Weichspüler zu soner Pappmache verpappt…

    Klingt als hättest du ein Aspergerkind bei den Achtern…hoffentlich macht der nie mal ernst und knallt wirklich jemandem ne Tür gegen den Kopf :-/

    • frauhilde schreibt:

      Das klingt, als würde eure Wäsche recht interessant aussehen danach, besonders die schwarzen Sachen. So Matschi-Papiertaschentuch-Weichspülerschmiere-Flöckchen geben dem Ganzen ja auch so eine entzückende Note. 😉

      Der hatte, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Gehirnschädigung durch Sauerstoffmangel bei einer OP. Asperger haben wir in der Neunten und in der Fünften welche; ich hab im Moment keinen im Unterricht.
      M. reicht aber auch schon … GsD bleibt es bei ihm meist bei Worten statt Taten; zumindest kann man ihn einigermaßen schnell wieder beruhigen.

  3. Stefan K. schreibt:

    Liebe Frau Hilde, warum entschuldigst Du Dich dafür, dass Du mit Arbeit zugeballert wirst??

    Ich wünsch Dir, dass Du auch mal etwas ablehnen darfst und kannst und Dich in der zu knappen Freizeit auch mal wieder erholen kannst!!
    Wenn es für Dich erholsam ist, uns mit Blogbeiträgen oder andere mit Kommentaren zu beglücken: fein! – und wenn nicht: auch kein Fehler! 🙂

    Ich kenne die verstopften Flusensiebe auch als Grund für „Wasser wird nicht abgepumpt“: meine Waschmaschine steht zum Glück im hellen Bad und nicht im funzligen Keller: so konnte ich die Schraube besser erkennen und das Ventil des Extraabflussschläuchleins dahinter immer kurzzeitig öffnen und das Wasser gleich in eine flache Schüssel leiten… dauerte insgesamt zwar ätzend lange, aber war etwas weniger Sauerei…

    … aber ich hatte beim ersten Mal auch das Problem zuerst im Abflussschlauch vermutet und den gereinigt… da in dem immer eine „Restsuppe“ bleibt, war das echt unappetitlich… :-O

    • frauhilde schreibt:

      Na ja, nein, es ist ja nicht die Arbeit, sondern dass ich mich ja total über Kommentare freue, selbst jetzt aber schon wochenlang sämtliche „Stamm-Blogs“ ignoriere, weil’s mir net reicht.

      Du hast ein Ersatzabflussschläuchlein? Wie praktisch ist das denn?
      Im hellen Bad ist die Putzerei dann aber nerviger, oder? Ich musste ja nur den Bodenabfluss öffnen und nicht noch wischen oder so.

  4. Anne schreibt:

    Hurra, sie ist noch da… und nicht in die Karibik durchgebrannt oder so.
    Mein lieber Herr Gesangverein, Langeweile ist anders 😉
    (Angeblich soll ja bald diese „besinnliche Zeit“ beginnen, so mit Kerzchen und Plätzchenduft und so. Kann nur besser werden… ich wünsche es Dir jedenfalls sehr.)

    • frauhilde schreibt:

      Heute haben sie angefangen, den Weihnachtsmarkt aufzubauen. Ich kam mir kurzzeitig vor wie im falschen Film.
      Weihnachtsmarkt? Pf. Keine Zeit.
      (Dabei geh ich da so gern rüber, weil es duftet immer so leckerfein! ;))

      Dankeschön.

      • Judith schreibt:

        Oh Weihnachtsmarkt in Hildehausen – einmal für mich drüber laufen bitte, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Weihnachtsmarkt können die hier oben nämlich leider garnicht. Und das, was sie hier Glühwein nennen – reden wir nicht davon…

  5. Judith schreibt:

    Das klingt alles gar nicht gut 😦

    Bei mir hat sich auch irgendwie gerade ein fetter Novemberblues eingenistet… hach ja…

  6. rotezora. schreibt:

    Auch das noch! Aber mal ehrlich: Wann passt es schon, dass die Waschmaschine streikt und noch dazu eine Sauerei im Keller veranstaltet? Passiert übrigens gerne, wenn ein Bügel-BH eben jenes Bestandteils beim Waschen verlustig geht und dieser sich, eventuell erst nach Jahren des Vagabundierens im Bottich der Maschine, in der Laugenpumpe festsetzt und diese sowie den Deckel des Flusensiebs blockiert. Da hilft nur noch der Fachmann, der für xyz € 10 Minuten Friemelt und dann triumphierend das Objekt in die Höhe hält und die Verwendung eines Wäschesäckchens empfiehlt.

  7. giftigeblonde schreibt:

    ojeoje, das klingt alles andere als gut.
    Schön ist dennoch dass du deinen Humor nicht verloren hast, sonst könntest du nicht so einen Post schreiben.

    Schreikrämpfe hätt ich vielleicht auch bekommen, in der Zeit….

    Auf das die nächsten Tage etwas ruhiger werden, liebe Grüße!

  8. diewiderspenstige schreibt:

    Sport jeglicher Art erledigt sich bei deinen Tagesereignissen ja quasi von selbst 😀

    Oh Hildi, pass bisschen auf dich auf!

  9. Bei Achtern kenn‘ ich mich aus und die sind anstrengend, oha!
    Spinat hingegen gehört in jede Truhe. Jawoll!

  10. Corinna schreibt:

    Verwunderlich, wie man so etwas immer überlebt! Ich drücke Dir die Daumen dafür, dass es bald wieder ruhiger wird!!!

    • frauhilde schreibt:

      Ich bin seit diversen Jahren (Jahrzehnten …) nicht mehr so früh ins Bett gegangen wie derzeit, damit ich morgens halbwegs klar im Kopf bin. 😀 Das hilft ein bisschen.
      Ist aber auch ein bisschen peinlich, wenn man um kurz nach neun angerufen wird und dann sagen muss, dass man gerade ins Bett gegangen ist.

      Danke für die guten Wünsche! 🙂

      • Stefan K. schreibt:

        Wenn ich früh zu Bett gehe, gehe ich meist nicht ans Telefon – wofür hat der Mensch Anrufbeantworter? 🙂
        … und peinlich ist das überhaupt nicht, wenn man erschöpft ist!

        • frauhilde schreibt:

          Wenn man sich in langjähriger Arbeit den Ruf als Nachteule erarbeitet hat, die Freunde einen also meist nicht vor zehn anrufen, und dann liegt man um neun im Heiabettchen, dann ist man ihnen allerdings schon eine Erklärung schuldig. 😉
          Ans Telefon bin ich gegangen, weil es in seiner Funktion als Wecker in meiner Nähe lag. *g*

  11. evajoachimsen schreibt:

    Mehrere Fahrradtouren zum Supermarkt sind gesund und viel preiswerter als ein Fitnessclub.

    • frauhilde schreibt:

      Prinzipiell ja, aber ich wohne ja im flachen Flachland und der Supermarkt ist ziemlich genau knapp zweihundert Meter weg; der andere keine fünfhundert. Also, SO fittig war ich dann doch nicht unterwegs. 😉

  12. fluffi98 schreibt:

    Hat dies auf Schülerblog rebloggt und kommentierte:
    Wenn man die Probleme von Lehrern anschaut, da merkt man, sie sind auch nur Menschen, die ab und zu verzweifeln… Ich glaube die 8. Klasse war froh, das der Unterricht mal „ausgefallen“ ist 😉

    Irgendwann wir hoffentlich auch die Geduld wachsen 😉

    Gute Nacht
    Fluffi

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