Von chaotischer Aufklärung

Die Psychoberta hat in einem Kommentar geschrieben, dass sie bei der Frau Hilde ihren Chaoten noch nicht so recht durchblicke. Und da fiel der Frau Hilde ein, dass sie die Namen bzw. deren Abkürzungen hier so selbstverständlich benutzt, aber dass jemand, der hier neu liest, wahrscheinlich ein bisschen oder auch ein bisschen mehr verwirrt ist.

Deshalb in Kürze eine kleine Erklärung dafür, von wem die Frau Hilde eigentlich spricht:

Die Chaoten: Gemeint ist der Frau Hilde ihr Grundkurs Deutsch 13. Der Name ist eigentlich selbsterklärend. Das ist ein Kurs, der aus inzwischen 19 Schäflein besteht (es waren mal 21, dann waren es in 12 nur noch 18, inzwischen kam ein verirrtes Schäflein dazu; es fehlt zwar so gut wie immer, aber so rein theoretisch sind es 19) und den die Frau Hilde seit 11/1 „besitzt“. Vier der Schüler hatte sie schon in 9/2 und 10.

Der Kurs setzt sich zusammen aus

– vier lieben, netten, goldigen Mädchen,

– einer Nervensäge,

– neun Alphamännchen, davon ein zwanghaft Wiederkäuender, ein Dummschwätzer und eine nervige Diva,

– einem Dauerfehlenden (die Frau Hilde hatte erst „Dauerfehler“ geschrieben, fand dann aber, dass das irgendwie arg negativ klingt),

– einem netten, braven Schüler mit fragwürdigem Vokabular,

– einem Schüler, der wo so was von kein Hochdeutsch sprechen können tut,

– einem Bambi und

– H.

Im Einzelnen:

– Chaotin F.: Die Nervensäge. Eigentlich ist F. ja irgendwie schon eine Nette. Aber sie hat ein Sprechorgan, das vermutlich Gläser zum Zerbersten brächte, wenn sie es denn versuchen würde. F. hat’s nicht so mit Ironie, außerdem muss sie über alles, wirklich alles, was im Unterricht gemacht wird, jammern. Ist eine Liebhaberin von ROSA, von Hello Kitty und Nagellack (letzteres ist auch wirklich das einzige, was sie mit der Frau Hilde gemeinsam hat). Insgesamt eine recht gute Schülerin mit enormem Nervpotenzial. Oh, und sie hickst immer genau einmal. Warum auch immer.

– Chaot E.: Ist eigentlich recht harmlos, versucht aber seit Anbeginn des Hild’schen Unterrichts in jeder Stunde, unauffällig Kaugummi zu kauen. Es ist NIE unauffällig. E. hat in 11 schon so manche Reizwortgeschichte geschrieben. Jetzt in 13 wartet die Frau Hilde, bis er den Raum entert, und deutet stumm auf den Mülleimer. Es klappt.

– Herr Chaot A.: Heißt deshalb Herr Chaot. Er kann einiges. Hochdeutsch gehört nicht dazu. Sein Pfälzisch ist zudem von einer gewissen, sagen wir dörflichen Kernigkeit geprägt. Zu Beginn der 11 verstand ihn die Frau Hilde nicht sehr oft und musste hin und wieder die anderen Chaoten als Simultandolmetscher missbrauchen. Ist ansonsten ein lustiger Zeitgenosse. Was wiederum hauptsächlich an seinem Dialekt liegt.

– Chaot B.: Ist ein guter Schüler, der – ähnlich wie sein Nebensitzer W. – fürchterbar nerven kann, dann aber auch wieder Stunden hat, in denen er ein einziges Zuckerstückchen ist. Seine Beiträge (Quanti- und Qualität) spiegeln das. Die mündliche Note schwankt seit 11/1 dann auch entsprechend zwischen 6 und 13 Punkten. Kuschelt gerne mit W. bzw. lässt sich gerne von W. bekuscheln.

– Chaot W.: Liebt die Frau-Hilde-Schule von ganzem Herzen, deshalb ist er auch schon zwei Jahre länger da als die anderen. Das biologisch höhere Alter merkt man seinem Verhalten aber keineswegs an. W. stört und quatscht, wo es nur geht. Zwischendrin passt er mal auf und hat so seine Momente. Manchmal. Selten. Kuschelt arg gern mit dem neben ihm sitzenden B., besonders bei Kursarbeiten. F., die auf seiner anderen Seite sitzt, fühlt sich hin und wieder durch das, was er in der Pause isst, oder durch das, was er in der Stunde von sich gibt, belästigt, und tut dies auch lauthals kund.

– Chaot K.: Ist das niedlichste und scheueste Rehlein seit Erfindung selbigwelcher. Den K. hatte die Frau Hilde auch schon in 9 und 10. Da war er genau so. K. trägt hin und wieder Metal-T-Shirts, was den irrigen Eindruck vermittelt, er sei ein harter Metaller. Dabei tut er nur so. Eigentlich ist er hauptsächlich lieb und putzig, manchmal auch gut in der Schule, hat eine Sauklaue, dass ihm die Frau Hilde gerne die Kursarbeiten um die Ohren schlagen würde, und guckt immer wie ein angefahrenes Bambi, wenn er aufgerufen wird.

– Chaot J.: Kam wegen eines Auslandsaufenthalts erst in 11/2 dazu. Hat sich vom Niveau und Verhalten her sofort nahtlos in den Chaotenkurs eingefügt. J. ist ein derartiger Dummschwätzer, das mag man eigentlich nicht glauben; gleichzeitig ist er ein unglaublicher Charmebolzen, so dass man ihm wiederum nie lange böse sein kann.

– Chaot M.: Der, von dem die Frau Hilde ein Fangirlie ist. 😉 M. ist ein sehr guter Schüler, der mitunter etwas, nun ja, seltsame Ausdrucksweisen hat („Dappschädel“). Er hat das Pech, neben S. zu sitzen, und auf der anderen Seite sitzt auch so ein Nervkandidat, da muss er sich öfter mal physisch zur Wehr setzen.

– Chaot S.: Ja, wie soll man den beschreiben? Ungefähr so. Ja, das trifft’s ziemlich genau.

Ja. Bleibt noch einer.

– H.: Da dieser Beitrag die Grenze von trölfundneunzighundert Zeichen nicht sprengen möchte, beschränkt sich die Frau Hilde vielleicht aufs Wesentlichste. Also, H. ist ein sehr guter Schüler und zusammen mit M. immer mal für 15 Punkte schriftlich gut. Genauer gesagt, er ist ein Streber. Aber auf die nette Art. Andererseits hat der Kerl eine Divenseite an sich, da kann sogar S. einpacken. Die Frau Hilde vermutet, dass er so eine Art Dr. Banner/ Hulk ist. Wenn die Dr.-Banner-Seite dominiert, schmeißt einem der Bub die gesamte Unterrichtsstunde, leistet unglaublich gute Beiträge, ohne das Aufdringlich-Schleimer-/Streberhafte an sich zu haben. Manchmal, da kommt allerdings der Hulk durch. Da wird dann nur gestört, gequatscht, ge-aufdienervengangt, völlig kindisch agiert. Die Frau Hilde vermutet PMS, aber ganz sicher ist sie sich da auch nicht. Der H.-Hulk hat sich auch schon mal für den Rest der Stunde vom Unterricht ausgeschlossen gesehen.

Das Anstrengende an diesen Alphamännchen ist nicht das Individuum an sich, sondern die Dynamik, die sich aus dem Zusammenspiel ergibt: Ist B. witzig, muss H. noch witziger sein. Reißt Herr A. einen dummen Spruch, muss der von W. noch dümmer sein. Ermahnt die Frau Hilde J., muss E. natürlich auch noch seinen Senf dazugeben. Und mit einmal toppen ist es meist nicht getan. Das Ganze hat sich Anfang der Stufe 11 oft extrem hochgeschaukelt, vor allem, als die Frau Hilde ihre Chaoten noch nicht so gut kannte, und erst ausprobieren musste, wie man auf sie reagiert bzw. wie man mit ihnen umgeht.

Das Phänomen an diesem Kurs ist, dass das Arbeitsniveau überraschend hoch ist. Den „Faust“ haben die Chaoten problemlos gemeistert und auch generell kann man mit ihnen Dinge tun, die ein anderer Grundkurs nie machen würde. Nimmt man also das mitunter recht hohe Niveau und wägt es gegen das so gut wie immer meist recht pubertäre Verhalten ab, dann kommt ein ganz durchschnittlicher Grundkurs bei rum.

Und wenn man jetzt fragen würde, ob die Frau Hilde ihre Chaoten nicht irgendwie trotzdem sehr lieb hat, müsste sie das mit einem klaren „Jein“ beantworten. Manchmal hat sie sie wirklich gern. Aber manchmal geht ihr das Testosterongehabe fürchterbar auf die Nerven. Zumal sie ja gleichzeitig noch die Stillen im Kurs schützen muss.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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27 Antworten zu Von chaotischer Aufklärung

  1. daslandei schreibt:

    Ach Frau Hilde – ich würd ja echt gern mal Mäuschen spielen und fühle mich beim lesen Deiner Beiträge ganz oft in meine Schulzeit zurück versetzt… Ich bin echt gerne zu Schule gegangen. Und weiß jetzt schon, dass ich DIESE Chaoten vermissen werde, wenn sie im nächsten Frühjahr ausziehen die Welt zu erobern 🙂

  2. diewiderspenstige schreibt:

    allein beim Lesen merkt man, dass du sie im Grunde alle wahnsinnig lieb hast 😉

  3. psychoberta schreibt:

    So langsam entsteht ein Bild… Danke.

  4. Corinna schreibt:

    Ich stimme der Widerspenstigen zu: Es sieht auch für mich so aus, als hättest Du sie im Grunde doch gern. 🙂

  5. Jürgen schreibt:

    Ich danke für die Vorstellung. Ist prima. Glaube nicht, dass sie hassen und fürchten.

    • frauhilde schreibt:

      Ich hoffe nicht.
      Nichtsdestodingens finde ich es die falsche Motivation, Lehrer zu werden, weil man beliebt sein will. Zumindest ist das nicht mein Beweggrund gewesen.

  6. handvolldackel schreibt:

    Aber vermissen wirst du sie doch, hm? Schon Machiavelli meinte ja, dass es leichter ist, gefürchtet als geliebt zu werden, aber ich denke, deine Chaoten mögen dich schon. Wenn sie nicht gerade beleidigt sind und so 😉

    • handvolldackel schreibt:

      Da oben fehlt ein „c“. Verzeihung.

      • frauhilde schreibt:

        Es ist definitiv leichter, gefürchtet als geliebt zu werden, wobei Macchiavelli jetzt nicht das ist, was ich als Vorbild bezeichnen würde. 😉

        Lieblingskollegin O. hat mir gerade erzählt, dass die Mathe-Kursarbeit fürchterbar schlecht ausgefallen ist. Ich bin gespannt – wenn S. in Mathe abgekackt hat, will er vielleicht doch wieder Deutsch machen … 😀

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