Vom Frieren

Also, die Frau Hilde hat eine Gas-Zentralheizung. In der Küche befindet sich ein Gas- … ähm … -DING. Und also jedenfalls, als die Frau Hilde und die Frau Damals-noch-Mitbewohnerin in die Wohnung gezogen sind, da hat der Vermieter gesagt, dass der Druck bei 1,5 bar liegen muss, hat irgendwelche Schläuche irgendwo angeschlossen, durch die Wasser lief, dann hat er sie wieder weggemacht und gesagt, dass es das jetzt täte. Mehr brauche man nicht.

Die Jahre vergingen.

Die Mitbewohnerin wurde zur Ex-Mitbewohnerin. Die Sommer und Winter kamen und gingen.

Und eines unschönen Tages vor ein paar Wochen war der Druck in dem Gasding weg. Also, auf null bar runter.

Nun hatte der Vermieter den Schlauch mitgenommen, weshalb die Frau Hilde schlauchtechnisch ein bisschen aufgeschmissen war. Nicht dass sie gewusst hätte, was sie mit dem Ding machen soll …

Die Frau Hilde, ganz schlau, rief also beim Vermieter an wegen weil sie brauchte Hilfe.

Der Vermieter ist im Urlaub.

Und in der Wohnung hatte es inzwischen trotz voll aufgedrehter Heizung schnucklige fünfzehneinhalb Grad. Da arbeitet und lebt es sich mäßig gut. Nachts im Bett ging es, wozu gibt’s schließlich Winterdecken, -schlafanzüge und Wollsocken?

Aber wenn man stundenlang am Schreibtisch sitzt, dann ist das halt irgendwann nicht mehr so gemütlich.

Vorgestern Abend dann war’s der Frau Hilde zu viel. Und sie kam – viel zu spät – auf die glorreiche Idee, mal bei der netten Untendrunterwohn-Nachbarin zu klingeln.

Die hatte zwar auch so ein Gasding, aber ihres ist im Bad und sie hatte dafür einen dreißig Zentimeter langen kurzen Schlauch.

Der Frau Hilde ihres ist aber in der Küche mit locker anderthalb, zwei Metern zwischen Dawomandenschlauchanschließenmuss und Dawomandasandereendeanschließenmuss.

Die nette Nachbarin ging also in den Keller, um einen längeren Schlauch zu suchen. Den sie auch fand, aber der hatte keine … Schellen? Na, die Dinger für zum wo man das halt draufdrehen kann.

Sie meinte dann, da müsse man mal bei der Ganzunten-Nachbarin fragen. Der Stasi. „Ah ja“, sagte die Frau Hilde und meinte oh je.

Man klingelte also.

Die Nachbarin öffnete – im Schlafanzug. Die Frau Hilde schilderte ihr Problem und wurde an den Lebensgefährten der Nachbarin verwiesen, „der liecht schunn im Bett“. Der Lebensgefährte stand also auf, bekam erzählt, was Sache ist, und, weil Mann und Klischee, tat kund, dass das nix für Frauen sei und er schaue sich die Sache jetzt mal an und man solle mal den langen Schlauch holen und den ganz kurzen und dann schraube er dran rum und die Schellenwasauchimmerdinger vom ganz kurzen auf den ganz langen drauf. Alles kein Problem.

Nun ja.

Eine Stunde, ein um ein ziemliches Stück gekürzter langer Schlauch, eine mit Schlauchstückchen verzierte Stasi-Küche und diverse Stasi-Lästereien über die Neben-der-netten-Drunterwohnnachbarin-wohn-Nachbarin, die wo „ja aach nie butzt, wann se dra is“ begaben sich der Lebensgefährte, die Drunterwohnnachbarin und die Frau Hilde in die Küche der Frau Hilde.

Den sich unter dem Gasding befindenden Unterschrank hatte die Frau Hilde bereits vorher rausgezogen und peinlich berührt die trölfzig Tonnen Staub weggefegt, die sich dort befanden. Es befand sich auch ein Labello dort; die Frau Hilde weiß nicht, wie er da drunterkam, aber er lag da. Und man kam nicht an ihn ran. Peinlich, das!

Der Lebensgefährte breitete seine drei Zentner Lebendgewicht unter dem Schrank aus, schraubte – und fluchte. Rohrzange für zum Aufschrauben des Wasserhahns vergessen. Die Drunterwohnnachbarin eilte nach unten, um eine zu holen. Die Frau Hilde stand hilflos rum und übte sich im Liebdreinschauen.

Dann kam die Drunterwohnnachbarin wieder hoch, mitsamt Zange und Taschenlampe, schraubte das andere Ende des Schlauchs am Spülmaschinenanschluss an und drehte auf. Und oh Wunder!, der Druck erhöhte sich.

Ein paar Minuten später rutschte die Frau Hilde dankbar auf den Knien rum und putzte die Reste der Überschwemmung weg, der Lebensgefährte ging zurück ins Bett und die Drunterwohnnachbarin zurück zu ihrem Abendessen.

Die Frau Hilde entlüftete noch rascheben die Heizkörper (wenigstens das kriegte sie alleine hin …) und sitzt jetzt in der Küche und hat muggelig warm. Hach, ist das schön!

Aber ein bisschen peinlich ist ihr das schon. Erst der Ärger mit der Waschmaschine, dann der fehlende Druck. Die Frau Hilde wünscht sich schon, dass sie handwerklich ein bisschen mehr könnte als Reifen zu wechseln. Das wiederum kann sie zwar schnell und gut; das ist aber leider auch das einzige, was sie in diese Richtung hinkriegt.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und genießt mit roten Bäckchen, weil warm habend, den Rest des Abends (korridingsen, aber wenn man nicht friert, ist das gar nicht so schlimm).

Gasrohrzeug. Und ein Labello.

Gasrohrzeug. Und ein Labello.

Hurra, hurra, der Wasserdruck ist wieder da!

Hurra, hurra, der Wasserdruck ist wieder da!

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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32 Antworten zu Vom Frieren

  1. Patty schreibt:

    Ohhhh! Beim nächsten Mal leih ich dir meine Frau, ja?

    • frauhilde schreibt:

      Lass mich kurz überlegen … Wir liegen ja nicht SO weit von Mannheim weg, was bedeutet, dass Bülent Ceylan ggf. schnell hier sein könnte … 😀
      Andererseits weiß ich nicht, wo hier die Stromleitungen in der Wand versteckt sind. Und auch, wenn ich Kerzenlicht mag, steh ich schon drauf, elektrisches Licht zu haben, also: Danke fürs Angebot, aber ich denke, deine Frau darf sich weiterhin bei euch austoben. Und ich hol mir lieber den Nachbarn. 😉

  2. Corinna schreibt:

    Oh, je! Ich kann ja so gut nachfühlen, wie es sich mit 15 Grad Innentemperatur wohnt, und auch den Ärger über die mangelnden handwerklichen Fähigkeiten. Bloß gut, dass Du die Heizung mit Hilfe der Nachbarn wieder zum Laufen bekommen hast!

  3. KC schreibt:

    Tztztz, was es alles für komische Arten von Heizung gibt…allerdings sieht das Rohrwirrwarr da fast so schön aus, wie die verbastelten Lösungen in unserer WG. Ich bin zwar fürs Reparieren bei uns zuständig (wenn ich die Fußbodenleisten drannagele, bleiben sie auch dran, wenn man mit dem Staubsauger dranfährt und tritt nicht bei nächster Gelegenheit in die Nägel eines herumfliegenden Stückes :D), aber alles, wo Wasser rauskommen kann, überlasse ich dann doch lieber der Sanitärfirma, die für unsere Hausverwaltung arbeitet.
    (Außerdem haben die ausgesprochen sympathische und gutaussehende Monteure 😀 Also wahrscheinlich sehr viel ansehnlicher als der Stasi-Lebensgefährte 😀 😀 :D)

    • frauhilde schreibt:

      Gegen gut aussehende Monteure hätt ich natürlich auch nichts einzuwenden. Besonders wenn sie auf Knien vor mir rumrutschen. *g*
      Ich kann ja mal bei der Sanitärfirma anrufen und fragen, wie es um die Optik der dort arbeitenden Herren bestellt ist. 😉

  4. giftigeblonde schreibt:

    Du lieber Himmel, ich könnte das auch nicht machen,..bzw. ich sag mal immer gleich das ich das nicht kann, weil ich WILL das auch gar nicht können alles.
    Aber bei dir ist das was anderes.
    Gut dass es Nachbarn gibt 🙂

  5. teacheridoo schreibt:

    Ich kann nix von all dem. Nich‘ das Gasdingenskirchendruckgedöns da bezwingen und auch keine Reifen wechseln. (Nicht, dass es mein ehelich Angetrauter mir nicht mal gezeigt hätte für den Fall der Fälle, aber ähmm…ich würd wohl eher erstmal versuchen ihn und dann halt meinen Herrn Schwiegervater zu erreichen. Einer von beiden würde mich dann schon „retten“.)

    ..jetzt muss ich erstmal den verlinkten Stasi-Artikel lesen. 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Dann viel Spaß beim Lesen. 😉

      Ich find’s irgendwie gut, wenn man es könnte, aber nie machen muss. Und im Zweifelsfall ist es schon praktisch, wenn man von jemandem „gerettet“ werden kann.

  6. daslandei schreibt:

    Ahhhhhhh – ich kann Dir nachfühlen. Ich saß mal im Februar kalt, weil ich das mit dem Gastank (wir haben hier kein Erdgas) und dem Zeitpunkt, wann man neues Gas bestellen muss noch nicht so wirklich drauf hatte. 2 Tage 😕 Das war nicht schön!

  7. handvolldackel schreibt:

    So ein Gasdingensding habe ich auch noch nie gesehen 🙂
    Einer unserer Nachbarn schlägt immer zu Herbstanfang lustig auf die Heizung ein, damit das verdammte Ding anspringt. Technik ist eben auch für Männer tückisch. Ich stehe im Notfall meine Frau und … rufe den Hausmeister an, der dann auch eine Weile rumflucht, seine Werkzeuge holen gehen muss, weil man nie die Werkzeuge dabei, die man braucht, dann ruft er den notwendigen Handwerker an, der dann auch eine Weile flucht, in die Werkstatt fahren muss, um andere Werkzeuge zu holen und dann geht’s irgendwann wieder.

    • frauhilde schreibt:

      Ah, Gewalt ist natürlich auch eine Lösung.
      Und einen Hausmeister zu haben, ist so gesehen natürlich die allerbeste Lösung (neben der, dass einfach nix kaputt geht).

  8. herr_mess schreibt:

    Das hier euch hier so über die Heizung lustig macht. Meine sieht ganz genau so aus. Willst du was Peinliches hören? Ich wohn in der Wohnung seit sechs Jahren und bin immer unzufrieden mit der Heizung gewesen, weil ich mein Wohnzimmer einfach nicht warm bekomme. Ich hab’s immer auf die mangelhafte Wärmedämmung geschoben… bis ich letzte Woche an der Heizungstherme gesehen habe, dass es für die Winterzeit eine eigene Einstellung gibt. Seitdem ist es mollig warm 🙂

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