Schnellchen XXXI

Der Frau Hilde ihre Neuner plagen sich gerade mit der bescheuertsten Erfindung, seit es Reformen gibt neuen Rechtschreibung rum.

Am Freitag hat man dann das ultimativ hässlichste Wort prämiert:

Eiskrem.

Es gewann knapp vor Majonäse (was der Frau Hilde ihr Favorit gewesen ist).

Was ist euer Un-Wort in Sachen neue Rechtschreibung?

Advertisements

Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
Dieser Beitrag wurde unter Schnellchen, Schulkramzeugs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

57 Antworten zu Schnellchen XXXI

  1. Fernmeldeschmied schreibt:

    Ohje! Das sieht ja grauenvoll aus. Einen direkten Favorit habe ich aber nicht.

    Ich wurde vor der Rechtschreibereform in den Neunzigern eingeschult und habe somit schon in meiner Grundschulzeit alt und neu lernen dürfen. Nicht gut.

    Mittlerweile ist duden.de eine von mir gut besuchte Seite geworden 😉 Die Unsicherheit der Schreibweise wurde mit den ganzen Reformen nicht wirklich besser.

  2. giftigeblonde schreibt:

    Ich hab keinen Favoriten.
    Majonäse ist aber schon grenzwertig genug 😉

    • frauhilde schreibt:

      Ja, das ist sehr, sehr eklig.

      • gnaddrig schreibt:

        Was für ein fantasietötender Frefel! Aber mal im Ernst, ist es denn so schlimm? Klar sehen die Wörter ungewohnt aus, aber Mayonnaise, Portemonnaie u.ä. passen in ihrem französischen Outfit nunmal nicht in die deutsche Rechtschreibung. Und wenn man die schon eingemeindet hat, kann man sie auch nach einheimischen Rechtschreibregeln schreiben, oder? Da müssen wir alten Säcke uns eben ein bisschen umgewöhnen. Das schadet niemandem und hält geistig fit 🙂

        Wir schreiben ja auch Keks anstatt Cakes, das war vor hundert Jahren bestimmt Gegenstand böser Feuilletondebatten. Und in zwanzig Jahren haben wir dieselbe Diskussion über die eingedeutschten Schreibweisen von englischen Lehnwörtern.

        Viel lästiger finde ich die neuen Zusammen- und Getrenntschreibregeln, der in meinen Augen misslungene Versuch einer etymologisch orientierten Schreibung, etwa aufwändig wegen Aufwand, aber aufwenden – warum nicht gleich aufwänden, oder einfach bei aufwendig bleiben?

        • frauhilde schreibt:

          Cakes/ Keks hatte allerdings die Möglichkeit, die lange Entwicklung vom Fremd- zum Lehnwort durchzumachen. Diese Entwicklung gestehen wir vielen Begriffen heute nicht mehr zu. Die werden dann in Flexionen gezwungen, die hochgradig unlogisch sind. Und für Schüler entsprechend schwer zu lernen. Zudem greift hier die Schriftlichkeit der Mündlichkeit vor, und das finde ich sehr problematisch.

          Beim Thema aufwändig/ Aufwand, aber aufwenden bin ich ganz deiner Meinung. Das ist dann auch noch schön unlogisch, so dass die Schüler wirklich GAR nichts mehr damit anfangen können.

          • gnaddrig schreibt:

            Naja, Keks ist im 19. Jh. eingesickert und kommt seit Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner heutigen Schreibung daher. Portmonee ist seit Mitte des 19.Jahrhunderts im Deutschen heimisch, da sehe ich keinen Grund, jetzt noch die französische Schreibung beizubehalten (Duden Online empfiehlt übrigens die Schreibung Portemonnaie!). Mit der Majonäse ist es ähnlich – seit Mitte 19. Jh. im Deutschen, Duden empfiehtl (unlogischerweise) die französische Schreibweise. Wo sind da die unlogischen Flexionen?

            Wie es mit den in der letzten Zeit aus dem Englischen übernommenen Wörtern und englischbasierten Neologismen weitergeht, wird sich finden. Die müssen sich wirklich erstmal akklimatisieren. Da wird sich sicher ein allgemeiner Usus hinsichtlich Flexion und orthographischer Behandlung ergeben.

            • frauhilde schreibt:

              Die unlogischen Flexionen bezog ich auf aus dem Englischen übernommene Wörter, bei denen viele unsicher sind, wie man sie konjugieren bzw. deklinieren soll.

              • gnaddrig schreibt:

                Ah, ok, klar. Die sind derzeit eine Krankheit (gegooglet/gegoogelt/geguhgelt? designed/designt/diseint?). Da braucht es wahrscheinlich ein paar Jahr(zehnt)e, bis sich da die entsprechenden Regeln für die Behandlung herausbilden. Aber das hat wenig mit der Rechtschreibreform zu tun, über die wir hier ja eigentlich jammern 🙂

                • frauhilde schreibt:

                  Ich bin Lehrerin – wir jammern doch so arg gern! 😉

                • gnaddrig schreibt:

                  Ihr habt ja auch jede Menge Zeit dazu, weil ihr in Vollzeit nur so 20 Stunden die Woche arbeitet, oder? 😉

                • frauhilde schreibt:

                  Nicht zu vergessen die vielen Ferien.
                  Was wir DA jammern können! 😀

                • gnaddrig schreibt:

                  Stimmt, die ganzen Ferien hatte ich ganz vergessen. Da muss man sich dann ja auch irgendwomit beschäftigen. Und jammern ist eigentlich ein Selbstläufer. Wenn man da einmal drin ist, kann man das mit wenig Anstrengung fast endlos weitermachen.

                  Wir Übersetzer sind da natürlich ganz anders, wir tippen uns von früh bis spät für gefühlt 59 Cent die Stunde die Finger wund, um die Aufträge bis vorgestern fertigzukriegen, und werden dann noch nichtmal bezahlt

                • frauhilde schreibt:

                  Ach, seid ihr die Pantomime, die ich ab und an in der Fußgängerzone sehe (wenn ich gegen zehn vormittags jammernd aus der Schule komme, weil ich ja jetzt schon wieder ZWEI Stunden hatte und den ganzen Nachmittag frei, und das ist ja alles ganz, ganz schrecklichfürchterbar)?
                  Kleines Zubrot verdienen?

                  Nein, ernsthaft. Ist die Zahlungsmoral eurer Kunden so mies? Gibt es bestimmte Berufsgruppen, bei denen es besonders auffällig ist, oder läuft das generell im Prinzip ab wie in dem Video?

                • gnaddrig schreibt:

                  Also, das sind wohl schon eher die Extremfälle, aber die Grundhaltung ist schon verbreitet. Ich selbst kenne das hauptsächlich aus zweiter Hand, von Bekannten und ehemals freiberuflichen Kollegen, aber fast jeder hat solche Geschichten.

                • frauhilde schreibt:

                  Das verstehe ich nicht. Das ist schließlich eine bestellte Dienstleistung.
                  Find ich ziemlich dreist.

  3. handvolldackel schreibt:

    Meine Favoriten stehen von A bis Z im Duden – heute tagesaktuell ist mein Favorit die neue Zusammenschreibung. Zwanzigerjahre. Was soll das denn? Portmonee finde ich auch so schauderhaft, dass ich seitdem wieder eine Geldbörse besitze. Oder die Sache mit dem „Tut mir Leid“ – groß geschrieben? Das wurde dann ja wieder korrigiert zu „tut mir leid“. Ich bin die reformierte Reform der Rechtschreibung so leid.

    • frauhilde schreibt:

      Ich bevorzuge geldbeuteltechnisch die alte Schreibung und impfe das auch immer meinen Schülern ein („Dass ihr das jetzt anders schreiben dürft, heißt nicht, dass ihr es auch tun müsst – denkt auch ein bisschen an die Ästhetik!“). 😉

  4. Ein Albtraum ist für mich immer noch ein Traum von der Schwäbischen Alb und ein Panter wirkt irgendwie kastriert. An Delfine und Stängel habe ich mich aber schon ganz gut gewöhnt – ist ja auch irgendwie logisch. Dass (<– auch neu) aber das h vom Panter im Haare föhnen gelandet ist, musste nicht unbedingt sein…

    • frauhilde schreibt:

      In Sachen Panter: Der Was-sollen-wir-jetzt-Tunfisch ist ja auch allerliebst gruselig.

      Dass das, was man mit den Haaren macht, dasselbe ist wie das, was in den Alpen rumweht, passt mir auch so gar nicht. 😉

  5. KC schreibt:

    Eiskrem von Langnäse? 😀

  6. Rana schreibt:

    Die genannten sind schon sehr schrecklich, ich würde gerne noch KÄNGURU hinzufügen – dem armen Tier fehlt doch jetzt was… LG von Rana

  7. handvolldackel schreibt:

    Weil ich gerade darüber gestolpert bin: Sinfonie. Treibt mir dir Tränen in die Augen.

    • frauhilde schreibt:

      Ja, das sieht nicht so arg schön aus.
      Da bin ich mal wieder froh, dass beide Schreibweisen zulässig sind (und verkaufe meinen Schülern die alte als die ästhetischere).

    • gnaddrig schreibt:

      Mit Sinfonie kann ich leben, aber dann hätten sie auch so konsequent sein müssen, den Klangkörper auch zu reformieren: Orkester statt Orchester (weil mit „ch“ spricht das doch kaum wer aus). Sinfonieorchester ist wie Filosophie – Flickwerk, lose Enden überall.

  8. rotezora. schreibt:

    Aber an Telefon und Mikrofon hat man sich ja schon länger gewöhnt, warum also ncht auch Sinfonie? Mein Unwort, was die neue Rechtschreibung betrifft, ist das Teeei, das würde ich immer getrennt als Tee-Ei schreiben, was auch korrekt ist. Überhaupt ist ja vieles (ich hab grad nachgeguckt, das schreibt man immer noch klein!) nach der Reform der Reform der Reform ins Belieben des Schreibers gesetzt, was das Korrigieren nicht gerade erleichtert. Die konsequente Schreibung ss nach kurzem Vokal finde ich einleuchtend, ebenso die vereinfachten Kommaregeln. Was die Groß- und Keinschreibung betrifft, geht mir die Reform nicht weit genug, mit der Einführung der gemäßigten Kleinschreibung wäre ein hoher Prozentsatz von Rechtschreibfehlern zu vermeiden. Übrigens mache ich gerade eine interessante Erfahrung. Ich bin dabei, den sehr umfangreichen Briefwechsel meiner Eltern ab 1942 zu transskribieren, weil nachfahrende Geschlechter mit der Sütterlinschrift die größten Schwierigkeiten haben und so zeit- und familiengeschichtliche Dokumente verloren wären. Natürlich sind diese Briefe in alter Rechtschreibung geschrieben, die ich (auch mit etwaigen Rechtschreibfehlern) originalgetreu übernehme. Ich erwische mich neuerdings dabei, daß ich die Konjunktion daß wieder miti ß schreibe. Verwirrend!

    • frauhilde schreibt:

      Über die teilweise Beliebigkeit bei der Schreibung bzw. darüber, dass alte und neue Form möglich sind, jammern die Schüler gerne mal, weil sie argumentieren, dass es dann ja ohnehin egal sei, wie man es schriebe, und dann könnten sie es doch einfach schreiben, wie sie wollten.
      Was Groß- und Kleinschreibung angeht, bin ich allerdings eine rigorose Verfechterin der Beibehaltung.

      Von deutscher bzw. Sütterlinschrift mal ganz zu schweigen, aber heute haben ja viele schon mit Fraktur Probleme …

      • gnaddrig schreibt:

        Wenn ich von Hand schreibe, dann halte ich mich immer an die alte ß-ss-Regeln, wenn ich tippe an die neuen. Bei der Tipperei finde ich die Umstellung einfach, bei der Handschrift muss man da so viele eingeschliffene Bewegungsabläufe ändern, das ist doof. Glücklicherweise werden meine handschriftlichen Leistungen nicht mehr benotet 🙂

        Sütterlin habe ich mir nie die Mühe gemacht zu lernen. Ich kann sie mehr schlecht als recht entziffern, musste das aber nie über mehr als ein paar Zeilen tun. Fraktur habe ich flüssig gelernt, weil ich einen Stapel Bücher aus Vorkriegszeiten von meinem Großvater geerbt hatte. Ich wollte die Bücher halt unbedingt lesen…

  9. Robin Urban schreibt:

    Ich asse „Albtraum“ und „Fantasie“ ganz hart, aber eigentlich fast alle ph –> f Opfer :/ Außerdem habe ich irgendwie nie gelernt, wann man ein Verb nun zusammen schreiben soll und wann nicht!

    • frauhilde schreibt:

      Also, zusammenschreiben wird zusammengeschrieben. 😉
      Ich hab Getrennt- und Zusammenschreibung übrigens zusammen mit meinen Schülern gelernt. Völlig unlogischer Schwachsinnsblödsinn, diese (Nicht-)Regeln. Und ich muss oft genug nachschlagen, weil ich mir nicht ganz sicher bin.

  10. Corinna schreibt:

    Ich finde die Schreibung von drei gleichen Buchstaben bei zusammengesetzten Substantiven blöd. Das sieht doch nicht aus! Aber für Deutsch lernende Ausländer ist es ganz logisch.

  11. daslandei schreibt:

    Ich habe die 96er Reform auch zu Schulzeiten hinter mir – ätzend war das. Zum Glück hatte ich nie Probleme mit der Rechtschreibung (vorher) und auch hinterher hielt sich das alles in Grenzen. Trotzdem war es doof und Schüler, die eh schon Probleme mit der Rechtschreibung hatten…
    Majonäse geht ja gar nicht – Eiskrem auch nicht. Sinfonie ist grenzwertig, ebenso Fantasie…

    • frauhilde schreibt:

      Bei der Angleichung ist halt das Problem, dass die Schüler schon optisch nicht mehr auseinanderhalten können. Und so schreiben sie statt „Fantasie“ eben „Fantasy“, weil das englische Wort ja fast genau so aussieht. Ähnlich ist es meiner Erfahrung nach mit das/dass. Das konnten sie vorher schon nicht, aber „daß“ unterschied sich von „das“ immerhin optisch deutlicher. Jetzt können sie’s immer noch nicht und verwechseln die beiden zusätzlich noch vom Aussehen her.

  12. KC schreibt:

    Grenzwertig ist auch das neue Produkt „Kex“…

  13. Ralf schreibt:

    Mein Unwort ist Tür…
    Thür fand ich schöner….
    Stimmt das war nicht die letzte Rechtschreibreform 🙂
    und so alt bin ich jetzt auch nicht 😉

  14. kriante schreibt:

    Ich muss ja ehrlich sagen,dass ich alle ph wo sie waren immer noch sehr schön finde.
    Das Verrückte ist, dass ich in dem Jahr eingeschult wurde in dem die Neue Deutsche Rechtschreibung eingeführt wurde/das BVerfG sie für rechtmäßig erklärte…Viele erwarten,dass man die Regeln systematisch erlernt hat und nun gar keine Probleme haben kann, dabei haben einen die ständigen Nachfragen der Erwachsenen zusätzlich zu den Büchern in Bibliotheken und Co immerzu verwirrt…
    Ich habe sowieso ganz abseits jedweder Rechtschreibreform so meine Problemchen mit der deutschen Sprache …Bandwurmsätze ohne Beachtung von Interpunktionsregeln, kompliziert-unnötige Komposita und die Macke außerdem mit ss zu schreiben…

    • frauhilde schreibt:

      Komposita sind doch lustig.

      Falls es dich tröstet: Ich war damals an der Uni, als die erste Variante beschlossen wurde, und man erwartete von uns, dass wir uns das Ganze selbstständig und vor allem am liebsten bereits vorgestern aneignen.
      Ich möchte nicht wissen, was für Rechtschreibkatastrophen meine ersten Hausarbeiten in neuer Rechtschreibung waren … 😉

  15. nadar schreibt:

    Ist „Sinfonie“ wirklich das Resultat einer der Rechtschreibreformen? Wiktionary sagt, dass es vom italienischen „sinfonia“ stammt. Im Englischen gibt es interessanterweise auch beide Varianten.

    DIe meisten „eingedeutschten“ Schreibweisen von Lehnwörtern und „f“ statt „ph“ finde ich unschön – „Fotografie“ lasse ich aber gelten.
    Die reformierte Version von „Portemonnaie“ finde ich das erschröcklichste Resultat der Reform
    Dass das stumme „h“ abgeschafft wurde, ist mir (zum Glück) entgangen…

    • frauhilde schreibt:

      Bei diesen Wörtern hat man die Wahl; man kann sie mit oder ohne h schreiben. Was mir auch sehr, sehr recht ist. Wer will schon Spatscheddi essen? 😉
      Und den Schülern empfehle ich, das so zu schreiben, wie sie es ästhetisch finden. Die meisten Schüler schreiben es dann nach alter Rechtschreibung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s