Von Chaoten. Mal wieder.

Vorab: Dieser Beitrag entstand am Dienstagabend und wurde gestern am späten Abend fertiggestellt, da war die Donnerstagsstunde noch nicht passiert.

Manchmal, also manchmal, da wünscht sich die Frau Hilde eine versteckte Kamera in den Chaoten-Stunden. Weil, also das glaubt einem kein Mensch, was im Kursraum so passiert.

Es begann damit, dass ein paar Neuner zum „Nachbereiten“ mehrfach nicht gemachter Hausaufgaben mit antanzen durften.

Nein, halt. Es begann bereits in der Mittagspause. Lieblingskollegin O. und die Frau Hilde zog es gen Zweitwohnsitz, wegen weil man musste da noch rasch eben einen Kaffee trinken.

Auf dem Flur begegnete man H.

H. sah ein bisschen blass aus.

O. zeigte auf ihn und lachte ihn aus. Die Frau Hilde guckte fragend.

„Er hat heute ’ne feste Zahnspange gekriegt“, kicherte O.

H. guckte noch leidender.

„Zeig mal“, sagte die Frau Hilde, und H. sperrte den Schnabel auf, woraufhin auch die Frau Hilde gackern musste. Nämlich wegen weil die haben H. eine BUNTE feste Zahnspange verpasst. Das ist für so ein kleines Fünferchen bestimmt die Krönung sämtlicher Zahnspangenträume. Für einen Fast-Zwanzigjährigen allerdings eher peinlich.

Ja. Das war mal das.

Also, erst tapperten die Neuner in den Raum; die Chaoten grinsten sich eins.

Die Neuner bekamen ihren Arbeitsauftrag und die Frau Hilde konnte sich ihren Chaoten zuwenden. Stoff war eigentlich so schwer nicht (na ja, sollte man meinen), ein bisschen Wiederholung aristotelischer Dramentheorie mit einem klitzegrößeren Schwenker Richtung Lessing.

Alles keine neuen Sachen für die Chaoten; Dramentheorie haben sie bereits mehrfach in verschiedenen Zusammenhängen gemacht.

Wussten sie allerdings nicht mehr so genau. Zumindest sagte S. das, weil das war, als er mal wieder jammern und motzen musste, wieso man denn JETZT noch Stoff macht und überhaupt. Er hat nämlich keine Lust, das Buch zu lesen (80-seitiges Reclamfetzchen, also echt nichts Schlimmes). Aber gleichzeitig hat er Angst, dass die Frau Hilde wie seinerzeit bei den Physikern einen Test schreiben könnte. Also mosert er rum.

Genauer gesagt hat er so lange rumgemosert, bis J. („Der Hässliche“) zurückgemosert hat, dass S. jetzt mal die Klappe (er benutzte ein anderes Wort, das die Frau Hilde hier nicht wiederholen möchte) halten und die Frau Hilde nicht auf dumme Testschreib-Ideen bringen soll.

Pf, schmollte S., dann sei er halt krank am Donnerstag.

Die Frau Hilde teilte ihm süffisant mit, dass sie ihn jederzeit nachschreiben lassen könne.

Dann, sagte S., sei er halt LANGE krank. GANZ, GANZ lange.

Die Bemerkung „Ist das ein Versprechen?“ konnte sich die Frau Hilde gerade noch verkneifen.

L. schob der Frau Hilde seinen Entschuldigungszettel hin.

„Krankheit“ stand drauf.

Die Frau Hilde musste lachen und fragte L., ob „exzessives Skifahren“ eine anerkannte Krankheit sei. L. wurde rot und erkundigte sich vorsichtig, wer denn alles davon wisse. Er wurde dann wieder blass, als ihm die Frau Hilde mitteilte, dass es allen Lehrern bekannt sei.

Chaotin B. berichtete, dass sie immer „Krankheit“ draufschriebe, nämlich wegen weil einmal, da hätte sie „der L. hat mir eine Flasche ins Auge gehauen“ draufgeschrieben und aber das sei dann irgendwie zur Lachnummer geworden, sie wisse gar nicht, wieso.

Einer der Neuner kam nach vorne, weil er eine kleine Frage zu seiner StrafZusatzarbeit hatte.

Auf dem Weg zurück flog er über Chaotin B.s Tasche, woraufhin S., M. und W. ihm ganz schreckliche Dinge androhten.

Kommentar Neunerchen: „Ihr seid ja echt so blöd, wie die Frau Hilde gesagt hat!“

(Anm. d. Fr.H.: Hat sie nicht! Sie hat statt „blöd“ das Wort „verhaltenskreativ“ verwendet!)

Man arbeitete eine Weile. Dramentheorie. Hat man erst zweimal gemacht, in Elf und Zwölf. Weiß man aber nix mehr von. Eleos? Phobos? Katharsis? Nie gehört.

Die Frau Hilde: „Könnt ihr euch noch an [insert Erklärung Katharsis] erinnern? Fachbegriff?“

K.: „Russland?“

DFH: „Ja, K., fast. Es fängt aber mit „K“ an.“

K.: „Krussland?“

Irgendwann kam eine dunkle, dunkle Erinnerung auf. Ah ja, genau. Da war ja was gewesen. Aristoteles und so was alles.

Die Frau Hilde holte gerade Luft und wollte die Aufgabe auf dem Arbeitsblatt (Vergleich der Dramentheorien von Aristoteles und Lessing) erklären, als …

F.: „IIIIIHIIIHIHIHIHI!!“ (Ja, es klang GENAU SO!)

Alle: *F. anstarr*

F.: „Der H. hat ja eine BUNTE Zahnspange! Ihihihihihi!!“ *Lachflash*

H. wurde ein bisschen rot und danach ein bisschen ausgelacht.

Man arbeitete weiter; ab und zu unterbrochen von S.‘ Gemoser („MÜSSEN wir das jetzt machen?“, „Ich MAG nimmer!“, „Ich hab kein Bock mehr!“, „Warum müssen wir jetzt noch was lesen?“ usw.). Die Frau Hilde erwog, ihn vom Unterricht auszuschließen, ließ aber angesichts der ohnehin fortgeschrittenen Zeit davon ab. S. schlug dann vor, Hefekranz für alle zu holen (er hatte keine Lust mehr und erhoffte sich eine kleine Pause); das wurde abgelehnt.

S. motzte.

W. fiel plötzlich siedendheiß ein, dass er ja noch praktisches Abi Sport hatte die Tage und dass er nicht so richtig schwimmen könne („Ich werd SO untergehn!“ – Kommentar M.: „Im wahrsten Sinn des Wortes!“).

Sch., der das ganze Schuljahr noch KEIN Wort gesagt hat, meldete sich.

Atemlose Stille im Kurs.

Sch.: „Kann ich aufs Klo?“

Das war längst nicht alles, was am Dienstag passiert ist, aber die Frau Hilde scheint inzwischen einen eingebauten Chaoten-Filter zu haben, der die schlimmsten Sachen einfach herausfiltert. Anders wäre das nicht durchzustehen.

Die Frau Hilde jedenfalls trappelte am Ende der Doppelstunde nach draußen und dachte sich nur, oh weh, wie wird das nur am Donnerstag werden? NIEMAND wird das Buch gelesen haben. ALLE werden motzen. Büäh!

Und wie das heute dann wirklich war, nämlich wegen weil es kam wie immer ALLES anders, als die Frau Hilde dachte, das wird sie morgen oder am Samstag erzählen.

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und geht Wäsche aufhängen.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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26 Antworten zu Von Chaoten. Mal wieder.

  1. Jürgen schreibt:

    Wir brauchen Filter, ganz dringend. Manchmal heißen sie auch „Abgrenzung“ oder „Selbstschutz“.

  2. Corinna schreibt:

    Du hast bestimmt schon Nerven aus Stahl entwickelt. Ich finde es auch gut, wie Du über manche Dinge nicht einfach in Lachen ausbrichst, sondern durchhältst, bis die Stunde vorbei ist. Ich hätte da manchmal wirklich Probleme.

    • frauhilde schreibt:

      Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nie lachen muss. Im Gegenteil. Bei den Chaoten ist es schwer genug, ernst zu bleiben, und es gelingt mir definitiv nicht immer. 😉

  3. handvolldackel schreibt:

    „Verhaltenskreativ“ ist ein schönes Adjektiv. Eins der Besten. Ich behaupte einfach mal, dass was alles ganz anders war, war ungefähr so: S. hat Hefekranz für alle geholt und dann haben alle über den Text diskutiert.
    Das wäre eine ziemlich unerwartete Wendung, was?

  4. Käthchen schreibt:

    och menno, cliffhanger… ich habe gerade sechs tage nonstop mit zwei erst ganz und dann halb kranken kleinkindern hinter mir und habe mir mental die eine oder andere heldenmedaille verliehen. Aber ob das an eine chaotenstunde rankommt? schöne grüße!

  5. Ralph schreibt:

    Ohje ich bewundere deine Geduld!

    Ich glaub ich könnte da nicht so gelassen bleiben ^^

  6. diewiderspenstige schreibt:

    Hahahaha ich kann´s mir soooo gut vorstellen!! 😀 *Lachtränen wegwisch*
    Du kannst eigentlich auch mal selbst so ein Drama verfassen – nur nicht im gelben Umschlag! – die Chaoten liefern doch genügend Stoff.. 😉

    Sei froh, dass da nur „Krankheit“ stand – bei uns gab´s schon Beweisbilder von Kloschüsseln xD

    • Tina schreibt:

      Ohje, das klingt echt ekelhaft. Also das mit den Bildern.

      Bei uns wurde bei den Entschuldigungsbögen immer sehr viel Kreativität entfaltet… Begründungen wie „Krieg der Leukozyten“ waren bei den Biolehrern gern gesehen. 😀
      Allerdings hatten wir auch mal ein Mädel, das das Prinzip der a/b-Woche (wenn im Stundenplan die 7. Stunde eingetragen ist, wird in einer ungeraden Woche 7./8. unterrichtet und in der geraden Woche ist dann frei; für 8. Stunde umgekehrt) selbst nach einem halben Jahr Oberstufe nicht gerafft hatte. Die schrieb doch dann tatsächlich als Grund des Fehlens in BK… „A/B-Woche!!!“ 😀 😉

      • frauhilde schreibt:

        „Krieg der Leukozyten“ finde ich sehr kreativ! 😉

        Nett waren auch die Mädchen, die JEDE Woche wegen Menstruationsbeschwerden gefehlt haben (besonders gerne in der nachmittäglichen Sportstunde praktiziert). Die männlichen Lehrer haben sich dann immer nicht nachzufragen getraut. *g*

    • KC schreibt:

      Bei uns gabs mal einen männlichen Mitschüler, der ernsthaft „Schwangerschaft“ auf seinen Entschuldigungswisch geschrieben hat. Es haben auch erst brav 5 Lehrer anstandslos unterschrieben, bis Nr.6 mal den Entschuldigungsgrund unter die Lupe genommen hat 😀 😀 😀

    • frauhilde schreibt:

      Das wäre eher eine Tragödie … 😀

      Kloschüssel? *lol* Okay, darauf könnte ich dann wohl verzichten.

  7. Rolly schreibt:

    So, jetzt war Freitag und Samstag und Sonntag und wie gehts jetzt weiter? Sauerei das alles hier! Uns so hängen zu lassen 🙂

    • Käthchen schreibt:

      Ich schließe mich an: Das verstößt gegen alle Regeln der Serialität, des gepflegten Spannungsabbaus, dabei hoffen wir doch alle auf die Katharsis!
      (Ich vermute mal, dass in dem Fall aber Genesungswünsche und/oder Stressabbau-Wünsche angebracht sind; die kommen hiermit.)

    • frauhilde schreibt:

      *winsel* *Dackelblick*
      *auf Boden rumkriech*
      Es … tut mir leid?

      • Rolly schreibt:

        Na jetzt isse ja da die Fortsetzung. Und es hat sich gelohnt zu warten! Danke, dass du uns Hoffnung gibst, dass aus den Chaoten doch noch was werden kann. Ich wünsche dir jedenfalls noch ein paar entspannte Stunden mit denen, bevor du sie ins wahre Leben entlassen mußt.

        viele Grüße, Christian

        • frauhilde schreibt:

          Lieber Christian,
          dankeschön!
          Nächste Woche hab ich sie noch zweimal, dann ist Schluss (dann kommen nur noch die, die ins Mündliche gehen).
          Wehmut gestatte ich mir allerdings erst, wenn ich die Abizeitung gelesen hab und danach nicht das Bedürfnis hab, sie zu erwürgen. 😉

        • frauhilde schreibt:

          Lieber Christian,
          dankeschön!
          Nächste Woche hab ich sie noch zweimal, dann ist Schluss (dann kommen nur noch die, die ins Mündliche gehen).
          Wehmut gestatte ich mir allerdings erst, wenn ich die Abizeitung gelesen hab und danach nicht das Bedürfnis hab, sie zu erwürgen. 😉

    • frauhilde schreibt:

      @ Rollys 1. Kommentar: *auf Boden rumrutsch* Es tut mir laaaaiiiid!! *Rollys Beine umklammer* Ganz, ganz äääährlich!! *schlurchz*

      Ja, nee. Sorry, die neulich im Blog kurz angerissene Mehrarbeit war die Zweitkorrektur des Deutsch-Abiturs. Das hat mich jetzt zwei komplette Wochenenden und ziemlich viel Schlaf gekostet. Aber jetzt isses fertig. 🙂

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