Von backstrikenden Empires

Na ja. Oder so ähnlich.

Die Dreizehner hatten Notenschluss. Nächste Woche gibt es Zeugnisse und danach findet Unterricht nur noch in den mündlichen Prüfungsfächern statt.

Was bedeutet das im Einzelnen?

– Nüchtern ist für Weicheier.

– Aufpassen? Für Weicheier.

– Frau Hildeeeee, MÜSSEN wir das jetzt machen?

– Können wir früher aufhören?

– Frau Hildeeeee, ich hab keinen Bock!

Na ja, ihr könnt’s euch vermutlich ungefähr vorstellen.

Jedenfalls, also vor zwei Wochen, da waren O. und die Frau Hilde abends bei RBRM und man quasselte so ein bisschen und trank den einen oder anderen Tee, RBRM trank was Alkoholisches, und irgendwann entspann sich folgende Idee:

O. hat einen Französisch-LK, RBRM einen Erdkunde-LK und dFH einen Deutsch-GK. Die Schnittmenge (nennt man das so? Na, die halt, die wo in allen drei Kursen oder mindestens zwei davon sind) ist recht groß.

Und also jedenfalls, da dachten sich die Drei, dass sie nach Notenschluss ein bisschen Rache für die letzten drei Jahre üben Bäumchen-wechsel-dich spielen könnten.

Heißt auf Deutsch: Die Frau Hilde geht in den Französisch-LK und hält eine Stunde auf Französisch. O. geht in den Erdkunde-LK und RBRM geht in den Deutsch-GK.

Natürlich würde man keine „normale“ Stunde halten, sondern eine Gag-Stunde. Die Frau Hilde hatte vor, être in allen Zeit- und sonstigen grammatischen Formen konjugieren und danach ein bisschen französische Lieder singen zu lassen; O. würde Bundesländer abfragen und für RBRM hatte die Frau Hilde ein Arbeitsblatt mit Drittklässler-Deutschaufgaben gemacht.

Am Mittwoch war es dann soweit.

Die Frau Hilde, leicht aufgeregt, tapperte in den Kursraum des Franz-LKs, wo – niemand war. Stimmt ja, erinnerte sich die Frau Hilde, die Dreizehner hatten sich an dem Tag verkleidet und irgendwie waren sie irgendwann immer irgendwo, nur eben nicht da, wo sie sein sollten.

Ein paar Minuten später tröpfelten sie dann so langsam ein.

„Wo ist denn Frau K.?“, wollte Französchen L. wissen.

In lausigem ausbaufähigem Französisch teilte ihr die Frau Hilde mit, dass sie erstens französisch zu fragen habe und dass Frau K. (= Lieblingskollegin O.) leider verhindert sei (O. bespaßte in der Zwischenzeit die 8. Klasse, die eigentlich die Frau Hilde hatte).

Die LK-ler setzten sich verwirrt auf ihre Plätze, nur um direkt wieder zum Aufstehen aufgefordert zu werden. Man begrüßte sich und die Frau Hilde gab den UN-HEIM-LICH schweren Arbeitsauftrag aus, être zu konjugieren.

So langsam schwante dem LK, dass hier etwas nicht so war, wie es sein sollte. H. und F. (ja, genau die, die auch der Frau Hilde ihren Chaotenkurs „beglücken“) grinsten sich eins. Und alle spielten brav mit.

Nach einer Viertelstunde kündigte die Frau Hilde an, dass man jetzt in den Raum gehe, in dem die Achter seien, um denen ein kleines Lied auf Französisch zu singen.

Gesagt, getan.

Man klopfte an und betrat den Raum, um in ein feixendes (O.) und neunundzwanzig verwirrte Gesichter (die Klasse) zu schauen.

Die LK-ler holten Luft und sangen dann ganz allerliebst und artig „Frère Jacques“, begleitet vom Gejohle der Achter.

Und dann dackelten sie mit O. von dannen.

Einen Tag später begab sich RBRM, bewaffnet mit einem „Test“ (ein Rechtschreibarbeitsblatt für Drittklässler), zu den Chaoten. Die Frau Hilde gab ihm eine Viertelstunde und betrat dann den Kursraum.

Der Anblick war überwältigend.

An diesem Tag hatten sich die Chaoten als „Asis“ verkleidet. Und genau so „hausten“ sie auch im Kursraum.

Vorne auf einem Tisch saß RBRM und hatte Spaß; etwas weiter hinten quiekte Tschaggeline alias F. mitsamt Jogginganzug, Schwangerschaftsbauch und einer Puppe herum, die sie gerade gefüttert hatte („IEK!! DIE LÄUFT JA AUS! ICH BRAUCH NE WINDEL!!“).

B. hing auf dem Boden rum und aß … etwas; E. (im Bademantel) schwenkte eine Dose Bier (geschlossen, und das blieb auch so, Anm. d. Fr.H.) und grölte.

J. in Jogginghose und Feinripp („Ich hab mir extra die Achseln rasiert, wollen Sie sehen?“ – „NEIN, DANKE!!“) hantierte an seinem Smartphone herum und beschallte die Klasse dann mit irgendetwas Hip-Hop-Artigem.

„Wie“, fragte die Frau Hilde RBRM, „soll ich jetzt den Bogen von DIESEN Asis hin zu Emilia Galotti schlagen?“

RBRM winkte ab.

„Versuch’s erst gar nicht“, gab er zurück. „Lehn dich einfach zurück. Kannst ja S. nen Kaffee holen schicken. Dann mosert er wenigstens nicht anderthalb Stunden.“

Der Bogen zur Emilia gelang dann tatsächlich nicht mehr (ach!). Dafür wurde beschlossen, in der letzten regulären Stunde am Donnerstag gemeinsam zu frühstücken und sich noch ein bisschen lieb zu haben, bevor dann nur noch die vierzehn Schäflein da sind, die ins Mündliche gehen. Im Moment sind es übrigens vierzehneinhalb; H. überlegt, zusätzlich in Deutsch zu gehen. Die Frau Hilde überlegt, wie sie ihm das ausreden kann.

Die Chaoten wollten dann noch „Hangman“ spielen. Seht selbst. Findet ihr den Fehler? (Und nein, es war keine Absicht!)

hangman

F.s „Baby“; professionell behandelt (F. schüttelte das sich in der Puppe befindende Wasser vermittels Puppe-auf-den-Tisch-dreschen raus. Kommentar H.: „Du wirst bestimmt mal ne gute Mutter …“):

puppe

Und hier nochmal extra für Supersozpätty der Beweis, dass man sich Klositze nicht um den Hals hängen, dafür aber mit einem Rosinante-Bikel nach Hause befördern kann (war ein bisschen peinlich):

rosinante

Um jetzt den Bogen zum Titel wieder zu schlagen: Es war superlustig; die Kindlein haben brav mitgemacht. Nur O. ist ein bisschen traurig. Nämlich die konnte nicht zu RBRM in den LK, nämlich wegen weil RBRM seit dem Tag in der Frau Hilde ihrem Chaotenkurs krankgeschrieben ist. Honi soit …

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde und packt mal Sachen fürs Chaotenfrühstück.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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32 Antworten zu Von backstrikenden Empires

  1. apglonn schreibt:

    Na ja, wenn ich das richtig sehe, war ja nur ein Stuchbabendreher drin, oder? 😉 Bei euch geht’s ja ab in den letzten Wochen, finde ich fast ein bisschen unfair für meinereiner und meinereiner Schulzeit. Andererseits – was soll man auch noch groß machen, wenn man ohnehin fertig ist, auch gänzlich ohne Asizeug. Dass du dich aber auch in die Französischklasse getraut hast: Mich hätten die Kindlein knallhart ausgelacht, wenn ich versucht hätte, ihnen auf Französisch was zu sagen. 😀

    • frauhilde schreibt:

      Es kommt halt auf die Stuhlbachen an, die verdreht werden. Ich fand’s bezeichnend, dass sie in ihrer gymnasialen Arroganz die Hauptschule dissen wollten – und dann zu blöde waren, das Wort richtig zu schreiben. 😉

      Tröste dich. Bei uns war das seinerzeit, also damals, da, auch nicht anders als bei euch. Wir sind allerdings direkt nach dem schriftlichen Abi mal für drei Tage „krank“ gewesen (und nach Berlin gefahren und, wenn ich mich recht erinnere, keine Sekunde nüchtern gewesen, dafür aber, es war der 20. April, versehentlich in eine Nazi-Demo geraten …).
      Mein Schulfranzösisch ist inzwischen auch lückenhaft. Aber für ein paar Sätze reicht’s dann doch noch.

  2. Jürgen schreibt:

    Ich komme gleich zu den Chaoten und dann üben wir in Stationen „Hauptschule“ zu schreiben!
    PS. Wie kommen die denn überhaupt auf dieses Wort?

  3. Patty schreibt:

    Uhhhhhh, das sieht großartig aus!!! Nächtelang wälzte ich mich schlaflos in meinem Bett herum, grübelte und stellte mir 1000 Fragen: Wie steht der Frauhildi eine Klobrille? Hat sie wohl Delfine drauf, schließt sie extraleiselangsam (die Klobrille)? Das ist der neue Trend in Hildehausen. Ich krieg mich nicht mehr ein. Ich will vor Freude eine Klobrillenmitte gestalten!

    • frauhilde schreibt:

      Ich würde eigentlich lieber meinen Namen mit Klobrille um den Hals tanzen. Das wär mal was Neues.

      Übrigens sind keine Delfine drauf, sondern ganz komische Kieselsteine. Pf. Nie wieder Billigangebote. 😦

  4. Käthchen schreibt:

    Liebe, liebe Frau Hilde, ich werde das nächste Mal den Blog erst lesen, wenn ich schon gegessen habe…. ich musste so lachen, dass ich mich mittelprächtig verschluckt habe. Sehr schön! Viel Spaß beim Rest der Woche! (Bitte, bitte, mehr solcher Posts; das brauche ich zur Zeit GANZ dringend.)

    • frauhilde schreibt:

      *Käthchen den Rücken klopf* Geht’s wieder? 😉

      Oh je. Das klingt nicht gut. Was ist denn los?

      • Käthchen schreibt:

        Ja, danke, es geht besser. Was los ist? Ziemliches Ehe-End-Chaos, mit ziemlich vielen Dingen, die man so nur als Klischee kennt. Das Problem dabei ist nicht das Ende an sich, sondern weiterführende Zwistigkeiten. Zermürbend.

  5. psychoberta schreibt:

    Was für eine saucoole Aktion! Klingt nach viel Spaß. Die Lehrer, an die ich mich aus meiner Schulzeit erinnern kann, waren entweder nervös und steif oder kinderhassend und zynisch. Dich hätte ich gern im Unterricht gehabt!

    • frauhilde schreibt:

      Na ja. Ich muss dazu sagen, dass ich hier halt auch hauptsächlich die skurrilen Sachen blogge. Der graue Unterrichtsalltag gibt nicht so viel her.
      *hüstel* Und zynisch bin ich manchmal auch ein bissl. *erröt*

  6. diewiderspenstige schreibt:

    Hahahahahaaa wie genial!!! Bei uns tauschen von Zeit zu Zeit mal die Kurse (sehr lustig, so manch ein Lehrer braucht eine Viertelstunde, um festzustellen, dass die vor ihm gar kein Französisch können…), aber die Lehrer?! Hach, einfach genial. Danke für den Lacher, Hildi ♥

    • frauhilde schreibt:

      Okay, also DAS ist mir nu noch nicht passiert; meine Schäflein kenn ich. Ich hab allerdings mal eins, das zum Halbjahr aus dem Ausland zurückkam, angeraunzt, weil ich es auf der Deutsch-Grundkurs-Liste wähnte. Es war allerdings im Geschichte-GK (ich hab in 11 ja beides). *hüstel*

  7. giftigeblonde schreibt:

    Da wäre ich auch gern wieder SChülerin wenn das alles so lustig ist ggggggg

  8. Corinna schreibt:

    Wow, echt!? Französisch? Du bist eine Heldin! Sonst superlustig. Ich habe das gestern Abend schon gelesen und gelacht und jetzt wieder. 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Dankeschön, das ist lieb. 🙂

      Na ja, die kümmerlichen Reste meines Schulfranzösisch haben gereicht, um meine paar Sätzchen zu sagen. (Und außerdem hatte ich mir die Lösungen der Konjugationen aufgeschrieben! *g*)

  9. Wieso ist jetzt der eine krankgeschrieben?
    Die Chaoten sollten ihm Blumen schicken!
    Lassen sich derzeit prima in Vorgärten ernten. Gleich mit Wurzelballen: Krokus raus, zack in einen Pappbecher, fertig ist der Laden! 🙂

  10. Manu/FrauWeibsvolk schreibt:

    Haha… ganz großes Kino.

    Ich wünsche mir mehr solche Lehrer. Vor allem für meine Kids. 😉

    LG

    • frauhilde schreibt:

      Danke, das ist sehr lieb. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich natürlich auch nur die „Unterrichts-Highlights“ blogge.
      Wenn Frau Hilde die Nerv-Achter zum Nachsitzen verdonnert, sieht das Ganze halt ein bisschen anders aus … 😉

  11. Ralph schreibt:

    Ich hätte auch gerne solche tolle Lehrer gehabt 😀

  12. fraubutterbrot schreibt:

    Boah, wie toll!
    Darf ich bei euch mitmachen? 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Auf jeden Fall!
      Immerhin habe ich das Drittklässler-Arbeitsblatt von einem Grundschullehrer; das Niveau der Dreizehner ist im Prinzip dem deiner Klientel sehr ähnlich. 😉

  13. erdbeerquark schreibt:

    Hab den Fehler gefunden1 Es heißt doch nämlich jetzt RealshculePlus! 🙂

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