Von Namen

Dass das mit den Schülernamen so eine Sache ist, hat die Frau Hilde ja schon mal erzählt.

In einer ihrer Klassen hat sie insgesamt fünf Schüler, die alle denselben Namen haben. Nennen wir sie mal Jonas.

Die Frau Hilde hat Blut und Wasser geschwitzt, bis sie überhaupt die Namen konnte. Und die Jonasse, au wei … Da muss man (= lehrer) ja immer gleich die Nachnamen auch mitlernen, wegen weil sonst wird das bei der Notengebung sehr peinlich. Jonas Schmidt? Meier? Müller? Hilfe. Der blonde Jonas halt, der immer schwätzt und der hinten links sitzt.

Jedenfalls, die Frau Hilde hat in der Klasse zwei Tage vor Ferienbeginn noch eine Klassenarbeit geschrieben. Ergab sich aus unterrichtsreihentechnischen Gründen so. Und wenn die Frau Hilde ehrlich ist, es ergab sich auch deshalb so, weil wegen Abi und Kroatenbesuch vorher einfach absolut keine Zeit war und die Frau Hilde die Klassenarbeit deshalb zum Korridingsen mit in die Ferien nehmen wollte.

Nun saß sie da und korridingste, und es ging auch überraschend schnell, weil die Kindlein brav das gemacht haben, was sie auch machen sollten (lineare Erörterung, falls es jemanden interessiert).

Und auf einmal lag da eine Klassenarbeit. „Jonas Weiß“ stand darauf.

„Jonas Weiß, Jonas Weiß“, murmelte die Frau Hilde verwirrt vor sich hin, „ich kenn keinen Jonas Weiß. Wer soll’n das sein?“

Sie zerbrach sich den Kopf, ging in Gedanken alle Schülergesichter und vor allem alle Jonasse durch, aber da war kein Jonas Weiß.

Die wildesten Verschwörungstheorien schossen der Frau Hilde durch den Kopf. Hatte sich da einer einen Scherz erlaubt? War da während der Klassenarbeit einer aus der Parallelklasse gesessen? (Anm. d. Fr.H.: Völliger Schwachsinn, isklaa, wer tut sich denn freiwillig einen Deutschaufsatz an? Aber in der Verwirrung kommt man auf die seltsamsten Ideen!)

Sie kam nicht drauf. Kopfschüttelnd korridingste sie weiter, bis nur noch Jonas Weiß übrig war.

Und da, also, da fiel es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen.

Nämlich wegen weil, also, das war so:  Die Jonasse waren anfangs des Schuljahres so nett und haben der Frau Hilde angeboten, sie bei ihren jeweiligen Spitznamen zu nennen. Es gibt also einen Joni, einen Johnny, einen Schmiddi und so was alles. Und Jonas Weiß, den kennt die Frau Hilde nicht als Jonas Weiß, sondern als Joni. Steht auch so in ihrem Notenheft: „Jonas Weiß (JONI!)“

In den Ferien waren die Hild’schen Synapsen allerdings nicht fähig, diesen Querbezug herzustellen. Und auf die Idee, im Notenheft nachzuschauen, ist sie natürlich auch nicht gekommen. Wär ja zu einfach gewesen.

Aber jedenfalls, die Arbeit von Jonas Weiß ist nun auch korridingst und die Note auch in die richtige Jonas-Spalte eingetragen (war auch gut so, weil Jonas Weiß eine Zwei hat, Jonas Schmidt eine Drei, Jonas Meier auch. Und dann gab es noch zweimal die Eins).

 

 

Edit: Die Frau Hilde hat schon wieder so ein Stöckchen-Blogaward-Dings bekommen. Das freut sie zwar, aber sie ist in so Sachen ganz fürchterbar trielig. Nämlich wegen weil, also das von der Robin, das liegt auch schon seit trölfzig Jahren hier und will bearbeitet werden.

Na ja. Vielleicht überkommt die Frau Hilde in den Ferien ja irgendwann eine kreative Phase. Hm

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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25 Antworten zu Von Namen

  1. Ralph schreibt:

    Solange alles an seinem richtigem Platz ist passt es doch 😀

    Das mit dem Spitznamen ist so eine Sache, bei manchen Freunden muss ich auch manchmal überlegen wie Sie wirklich heißen. Wenn man sich jahrelang nur den Spitznamen merkt kann das schon mal vorkommen 😉

  2. Tinalise schreibt:

    FÜNF Gleichnamige in einer Klasse? *Unterkiefer wieder hochklapp* Arme Frau Hilde! Bei uns war der Rekord damals 3, und das war so ein ganzganzganzganzganz beliebter, zeitloser, schon-immer-oder-wenigstens-seit-Shakespeare-Modename für Mädchen. 😀
    Aber fünf… eieiei! Und das auch noch bei den Jungs 😀

    Dazu fällt mir allerdings eine schwesterliche Anekdote ein (also, die Schwester ist auch Lehrerin): Die Schwester selbst trägt einen naja, ebenfalls häufigeren Namen, der im Jahrzehnt der schwesterlichen Geburt auch sehr beliebt war. Der Name ist allerdings heute noch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden… und lässt sich schrecklicherweise auch auf mindestens fünf Arten schreiben. Und die Schwester, die ganz normal geschrieben wird, so wie der Name halt auch aussehen sollte :mrgreen: , die hatte mal eine Klasse, in der tatsächlich 2 andere, äh, sagen wir, Caroline/Karoline/Karolin/Carolins waren. Also, angenommen, die Schwester heißt Caroline (weil ich finde, dass das die „normale“ Schreibweise ist 😀 ), dann waren in der Klasse eine Karolin und eine Carolin, oder so. Und die Schwester kam immer durcheinander, wen man jetzt wie schreibt, und ob man jetzt eine von denen schreibt wie sie selbst oder halt nicht… und als sie wieder mal nachgefragt hatte, so vor der Klasse, da rief ein Junge, der sich des Vornamens der Schwester nicht bewusst war: „Ja, aber ehrlich! Caroline is ja wohl auch mal ’n [Fäkalwort]-Name! Wie kann man seinem Kind sowas Behindertes antun und einen Namen verpassen, den man auf drölfzig Weisen schreiben kann?! Und dann ist der nicht mal schön!“ :mrgreen:
    Joa… nun denn. Geschmäcker sind verschieden, so hat die Schwester dann die Kritik an ihrem Namen wohl hinnehmen müssen… 😀 Auch wenn man das durchaus was netter hätte formulieren können.

    • frauhilde schreibt:

      Nu ja, da kann deine Schwester ja aber nix für.

      Bei uns waren Silkes, Heikes und Katjas en masse vertreten. Hab ich lustigerweise keine einzige von an der Frau-Hilde-Schule.

      • Tinalise schreibt:

        Klar kann die da nichts für, aber also, man muss den eigenen Namen ja nicht unbedingt mögen, aber dass einem dann erzählt wird, wie… unschön der eigene Name ist, das muss dann trotzdem irgendwie nicht sein. 😀

        Hm, bei Silkes, Heikes und Katjas ist wohl nur noch Katja aktuell. Den gibt’s manchmal noch zu finden bei 90er Kindern, aber Silke und Heike sind glaube ich ‚out’… also bzw. waren dies schon in den 90ern. 😀

  3. herr_mess schreibt:

    Ich hatte mal drei Benedikts und vier Maxis in einer Klasse. Waren wohl mal super-angesagt, die Namen…

    • frauhilde schreibt:

      Sind sie immer noch; zumindest gibt es die hier auch.

      Wenn ich manchmal auf chantalismus.de schaue, denke ich allerdings, wir sollten vielleicht nicht so arg über die Maxis und Benedikts schimpfen, denn bald kommen die Shanayas, Finn-Jacens und Schantals (und ja, in genau dieser Schreibweise!) auf uns zu. 😉

  4. Corinna schreibt:

    *hihihi* In und um Bari hält sich schon seit Jahrhunderten hartnäckig „Nicola“ als Modename, weil das ja der Stadtheilige ist. Davon unterrichte ich gerade drei und zwei Giuseppes. Entsprechende Mädchennamen habe ich so gehäuft noch nicht im Unterricht gehabt, aber gehört, dass es Klassen voller Gaias geben soll.

    Ich wünsche Dir, dass Du nach den Ferien wieder richtig durchblickst! 😉

  5. Stefan K. schreibt:

    Wir waren von der 5. bis zum Ende der 7. Klasse vier Stefans in einer Klasse… danach bis zur 10. „nur noch“ drei… zwei der Stefans waren zudem eng befreundet und saßen immer nebeneinander… und natürlich gab es auch beide Schreibweisen (Stefan – Stephan)…

  6. ninaxy3 schreibt:

    Wir haben in der Stufe auch fünf Lukasse und einen Luca. Da kann schon jeder Lehrer froh sein, wenn der die nicht alle in einem Kurs beisammen hat 😀

    • frauhilde schreibt:

      Ich ergänze: Luca am besten noch sowohl in weiblicher als auch männlicher Version. Damit der Lehrer auch wirklich nimmer durchblickt. 😀

      • ninaxy3 schreibt:

        Ja das gab es bei uns nur die männliche Version 😉 Aber bei uns in der Klasse saßen die drei Lukasse auch gerne mal in der gleichen Ecke.
        Da warens auch noch zwei Thomasse 😛

  7. daslandei schreibt:

    Bei mir waren in Hochzeiten 5 Michaels… auch nicht schön für die Lehrer.

  8. … das Schlimme ist: bei mir liegen 2 Sarahs, 2 Vanessas, 2 Sophies, 2 Celinas und ihre 37 Mitschüler(innen) noch UNKORRIGIERT rum *seufz* – komisch, bei den Jungs ist keiner doppelt…

  9. Ich kenne sogar einen Fall, da haben sich ein Vater und eine Mutter, beide alleinerziehend, zusammen gefunden und in dieser Konstellation gibt es jetzt einen Patchworksohn namens Leon und eine Patchworktochter namens Leonie 🙂

  10. sunshinemuffin schreibt:

    Hihi.
    In meiner sechsten Klasse gibt es einen Jungennamen auch dreimal. Lustigerweise ist derselbe Jungenname auch in einer meiner fünften Klassen zweimal vertreten^^
    Und in einer fünften Klasse gibt einen Mädchennamen sowie eine Variation davon und in der anderen fünften Klasse gibt es den Mädchennamen nochmal.
    In meiner Schulzeit ist mir das nie so gehäuft untergekommen, wir hatten nur mal Dopplungen (zwei Thomasse zum Beispiel)… aber fünf auf einmal ist echt schon eine Seltenheit, glaube ich 😀

  11. Diese Einfallslosigkeit hat mich bei der Namensfindung zu folgendem Vorgehen gebracht:
    Man ergoogle die Liste der 20 häufigsten Vornamen der letzten 5 – 10 Jahrgänge, und streiche diese aus dem Buch der Millionen Vornamen mit einem schwarzen Stift raus.
    Suche dann nach passenden Namen ….
    Hat funktioniert 🙂
    Unsere Namen doppelten sich in einem Fall einmal und in dem anderen Fall eben als Drilling … Aber Schulweit (450 Schüler große Schule).

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