Von Alkohol

Muss man ja auch mal drüber reden. Und sowieso ist das die Schuld von Herrn Teuschel, selbigwelcher sich in einem Kommentar zu einem Frau-Hilde-Kommentar ungefähr dahingehend geäußert hat, dass das Wort „Rieslingschorle“, was der Pfälzer an sich sagen kann, bevor er „Mama“ und „Papa“ sagt, für einen Münchner wie ein Wort aus einem Fischkochbuch klinge, und eigentlich weiß die Frau Hilde jetzt so gar nicht mehr, wohin sie mit diesem elend langen Satz eigentlich wollte, aber das spielt nun auch keine Rolle mehr, wegen weil also sie macht jetzt einfach mal einen Punkt. So.

Ja, Alkohol. Die Frau Hilde trinkt den nur selten, wegen weil nämlich sie verträgt keinen. Was die Sache billiger macht, wenn man weggeht.
Und jedenfalls, bis auf mal einen Cocktail, wenn Cocktailabend ist, und ganz selten mal ein Gläsle Wein bzw. Weinschorle (muss man, das gehört quasi zu den Aufenthaltsbestimmungen der Südpfalz!) und allerallerseltenst ein Bier und an Silvester Sekt gibbet im Hause Hilde keinen Alkohol. Schnaps kriegt sie ohnehin nicht runter und alles andere schmeckt nicht (mehr).

Ja. Und also, dann kam ja der Austausch.

Letztes Jahr hat sich die Frau Hilde großartig blamiert, als man bei den Eltern einer der kroatischen Kolleginnen eingeladen war und zu Beginn ein Gläschen Šljivovica trinken musste. Die Frau Hilde nahm einen kräftigen Schluck. Und als sie schließlich aufgehört hat zu husten, wurde sie von der ganzen Familie ausgelacht.

Dieses Jahr beginnt damit, dass der begleitende Kollege D. zum Abendessen statt eines Glases eine ganze Flasche Wein bestellt und die Frau Hilde ihm, weil sie ja per se ein netter, hilfsbereiter Mensch ist, beim Leeren derselben ein wenig unter die Flasche Arme greift.

Der Heimweg bald darauf gestaltet sich ein wenig … lustig.

Und dann kommt das, was die Frau Hilde befürchtet hat: Man wird bei einer Kollegin zum Essen eingeladen.

Und der Kolleginnenmann tischt als erstes – einen selbstgebrannten Schnaps auf.

Die Frau Hilde vermittelt mit Händen und Füßen, dass sie wirklich, wirklich nur ein kleines Schlückchen wolle.

Die Hände und Füße der Frau Hilde müssen sich da irgendwie ein bisschen versprochen haben, denn kurze Zeit darauf steht ein Riesenschnapsglas vor der Frau Hilde.

Die lächelt nonchalant, hält sich in Gedanken die Nase zu, nippt, unterdrückt den Hustenanfall und jubelt das Glas bei nächster Gelegenheit dem Kollegen unter.

Ach, sagt die kroatische Kollegin, das mache nichts, sie habe da noch was anderes.

Die Frau Hilde lächelt, diesmal deutlich gequälter, und guckt dann das Glas an, das ihr vorgesetzt wird.

Eine dunkelbraune Flüssigkeit. Sieht aus, wie man sich Hustensirup vorstellt. Riecht ein bisschen anders, aber nicht viel.

Das, erklärt die Kollegin, sei Orahovaca, Walnusslikör. Selbstgemacht von der Schwiegermutter.

Büäh, denkt die Frau Hilde, und das muss sie jetzt mal erklären:

Die Frau-Hilde-Mama ist vor einiger Zeit aus dem Zentrum einer größeren Stadt in deren Peripherie gezogen. So richtig schön mit Garten und so. Und da hat sie die Freuden der Gartenarbeit für sich entdeckt, genauer gesagt, den Anbau diverser Obstsorten. Und weil die Frau-Hilde-Mama aber gegen ungefähr jede Obstsorte allergisch ist, verarbeitet sie das Geerntete zu Marmelade und Likör. Selbst isst sie keine Marmelade und trinkt keinen Alkohol, aber das hindert sie nicht daran, tonnenweise Zeug herzustellen und tapfer zu versuchen, es der buckligen Verwandtschaft aufzuschwatzen anzudrehen zu schenken. Inzwischen ist das zum Running Gag innerhalb der Frau-Hilde-Familie geworden: „Die S. (= Frau-Hilde-Mama = FHM) kommt morgen.“ – „Oh nein, die bringt bestimmt wieder Likör mit!“ Oder auch: „Guck mal, ich hab noch ne halbe Kiwi. Willste?“ – „Nee, aber gib sie doch der S., die macht bestimmt Likör draus.“
Und natürlich versucht FHM vor allem, ihre einziggeliebte (weil einzige) Tochter mit Likör zu versorgen. Vergeblich, und sie muss sich auch immer allerlei Spott des undankbaren Görs anhören.

Lange Rede, kurzer Sinn: Aus den oben genannten Gründen gruselt es die Frau Hilde bereits beim Gedanken an Likör.

Nun, meint die kroatische Kollegin, sie könne ja mal einen kleinen Schluck probieren. Nur einen ganz kleinen, und wenn es nicht schmecke, könne sie das Ganze ja stehenlassen.

Die Frau Hilde seufzt in Gedanken und nippt.

Und nippt noch einmal.

Und noch einmal.

Und … auf einmal ist das Glas leer, und es war todsterbenslecker, und wieso ist in so einem Glas eigentlich so wenig drin??

Da die Kroaten herzliche und gastfreundliche Menschen sind, wird schnell nachgefüllt. Und noch einmal. Und noch einmal.

Das geht aber auch echt schnell bei so kleinen Gläschen, und überhaupt, es ist warm und der Inhalt des Glases ist ja vermutlich schon halb verdunstet, bis man da mal den ersten Schluck genommen hat.

An den Heimweg hat die Frau Hilde nurmehr rudimentäre Erinnerungen. Kollege D. ist keine Hilfe; der ist bei Šljivovica und Rotwein geblieben.

An diesem Abend soll Gerüchten zufolge auch eine Postkarte an Kollege A. entstanden sein, die hauptsächlich aus kroatischen Sätzen bestand, die genau keinen Sinn ergaben, und die D. und dFH aus D.s „Wörterbuch der kroatischen Redewendungen“ abgeschrieben haben. Da stehen so alltagstaugliche Sätze drin wie: „Wo kann ich einen 15-Tonnen-Bagger kaufen?“ oder auch: „Ich möchte ein Fräulein kennen lernen.“ – Essenzielle und so lebensnahe Sätze! Weitere Gerüchte, D. habe den Rest des Abends damit verbracht, auf kroatisch bis sechzehn zu zählen, entsprechen auf keinen Fall der Wahrheit.

Er kam nur bis elf.

Zwei Tage später trifft man sich abends in der Stadt (hier, um genau zu sein) mit einer der Kolleginnen vom Austausch letztes Jahr.

Kollege D., die Kollegin und die Frau Hilde bestellen sich jeweils einen Likör, und zwar Borovnica (Blaubeerlikör; D.), Orahovaca (Walnusslikör; dFH) und Višnjevaca (irgendwas Kirschenartiges; die Kollegin), und dann gehen die Gläser reihum. Schmeckt alles sehr lecker.

Die Frau Hilde stellt in Gedanken einen Großauftrag für FHM zusammen. Gesetzt den Fall, dass die irgendwann aufhören wird, ihre Tochter auszulachen.

Oh, und weil der Mensch ja bekanntlich nicht nur vom Alkohol alleine lebt, hat man vorher dieses nette Etablissement frequentiert und dort unglaublich leckere Torte gefuttert (Kommentar D.: „Basis schaffen!“).

Am vorletzten Tag ist man mittags bei einer weiteren Kollegin zum Essen eingeladen, weil sie in der Nähe der Schule wohnt, in der die Kindlein ihre Ergebnisse zusammentragen.

Und während D. ein Glas Cedevita (pappsüßes Instantdrinkzeug; kann man mögen – RBRM ist schwerst süchtig danach -, muss man aber nicht mögen) hingestellt bekommt, steht alsbald vor der Frau Hilde ein Glas – genau. Diesmal Salbei-Limettenodersowas-Likör.

Ist der Ruf erst ruiniert, denkt sich die Frau Hilde, und nippt fröhlich am Glas.

Und schließlich ist der Abreisetag gekommen.

Behängt mit unzähligen Tüten und Taschen und Abschiedsgeschenken will die Frau Hilde gerade in den Bus einsteigen, als sie von einer der drei beim Abschied anwesenden Kolleginnen zurückgehalten wird. Die feixt und sagt, man habe da noch was für die Frau Hilde, und dann drückt sie ihr eine Tüte in die Hand.

Mit drei Fläschchen Likör drin.

Das ist dann der Moment, in dem sich die Frau Hilde wirklich, wirklich ein bisschen schämt.

Aber nur ein bisschen.

Wieder daheim angekommen, ruft die Frau Hilde bei der FHM an und erzählt die Likör-Geschichte.

Es dauert einige Zeit, bis FHM mit dem Auslachen fertig ist, aber dann sagt sie, dass die Frau Hilde gern mal wieder vorbeikommen und ihr Näschen ins Likörlager stecken dürfe. Und dass der Frau Hilde hoffentlich klar sei, dass sie hiermit endlich mal ihrem biologischen Alter zur Ehre gereiche, denn schließlich sei Likör ja ein Altfrauengetränk.

Wo sie das alles hier niedertippt, fragt sich die Frau Hilde gerade so ein bisschen nach dem Sinn dieses Beitrages.

Sie kann ihn auch nach mehrmaligem Suchen nicht finden und hat zudem festgestellt, dass der Inhalt mit der Einleitung genau nichts zu tun hat, weshalb Herrn Teuschels rieslingschorlige Verwirrung auch nicht aufgeklärt werden konnte, wegen weil, also … irgendwie hat sich der Beitrag ein klitzegrößeres Bisschen verselbstständigt.

Die Frau Hilde beendet ihn deshalb lieber mal, bevor er völlig ausartet, und gelobt, im nächsten Beitrag weniger von Alkohol und mehr von Schule zu schreiben, obwohl da ja auch irgendwie ein inhaltlicher Zusammenh-

Bo-bo-borowski und all das. Sagt die Frau Hilde.

PS:

Honi soit ...

Honi soit …

 

 

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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41 Antworten zu Von Alkohol

  1. Pi mal R Quadrat schreibt:

    Köstlich! 😀

  2. herr_mess schreibt:

    Bei unserer letzten Griechenlandfahrt bin ich auch übelst abgestürzt. Der Besitzer des Lokals hat uns ständig Ouzo nachgeschenkt. Am Ende hatte ich sieben… und keine Erinnerung mehr an den Rest des Abends… :-/

    • frauhilde schreibt:

      So ein leeres Glas ist im südlichen Raum was ganz Böses, irgendwie. 😉
      Aber sieben Ouzos (oder was auch immer der Plural von Ouzo ist) – Respekt!

      • KC schreibt:

        Komm, die Griechen strecken den doch mit Wasser 😀 Also müssen wir schon mal 7 halbe Glas Wasser abziehen. Der korrekte Plural lautet übrigen Ouza.
        Bei uns hatten sie uns immer so einen üblen braunen Schnaps hingestellt. *grins* Wir Mädchen mochten den nicht und haben ihn unserm Griechischlehrer untergejubelt. Naja und weil der zu dem Zeitpunkt schon zwei oder drei Kännchen Retsina intus hatte, kann man sich den Rest denken…Wobei der Trottel hätte das Zeug ja nicht trinken müssen 😀

    • KC schreibt:

      Problematisch fand ich in Griechenland nur, dass keiner von denen mal nachfragt, wie alt die Schüler in der Gruppe eigentlich sind, bevor da das harte Zeug auf den Tisch kommt. Ich mein, es ist ja dann auch ein bisserl blöde, wenn ich dann als Lehrer erstmal die Tischrunde abkontrollieren muss, dass sich unter meiner Aufsicht keiner der Minderjährigen n Schnäpschen reinkippt.
      Ruckzuck macht das sonst die Runde und man hat postwendend den Direx nach der Rückkehr auf dem Hals… :-/

      • frauhilde schreibt:

        Da hast du recht; ich hab allerdings festgestellt, dass es in südlichen Gefilden etwas „lockerer“ gehandhabt wird; einer der Schüler vom letztjährigen Austausch hat mir Monate später erzählt, dass er abends auch immer ein Schnäpsle zum Essen bekam.

        • Rolly schreibt:

          Das ist ja gerade die Gefahr, dass es so locker gehandhabt wird. Ich bin ja kein Lehrer, aber ich kann mir vorstellen wie schwer es ist hier die Spassbremse sein zu müssen und Rauskommen tut es. Beim Austausch ist in der Gastfamilie i.a. ja kein Lehrer dabei…

  3. xayriel schreibt:

    Und für genau solche Beiträge hat sich das Warten gelohnt.

    Wir sind in unserem Italienurlaub auch von einem Likör in Geiselhaft genommen worden, Limoncello heißt der Gute und wir wissen immer noch nicht, ob wir ihn lecker oder ganz abscheulich finden sollen; jedenfalls sind da ganz viele Zitronen drin, falls die FHM sowas in ihrem Garten hat 🙂

  4. So, ich lach jetzt erst mal aus und dann denke ich über einen geistreichen Kommentar nach! 😀 😀 😀
    Aber erst wenn ich mich wieder eingekriegt hab!! 😀 😀 😀

  5. tinatainmentia schreibt:

    Haha, die Tinalise-Mama macht auch immer Likör selbst und dreht das allen möglichen Leuten an (zu Geburtstagen, Weihnachten, als Mitbringsel etc.). Ist aber immer sehr lecker und kommt immer sehr gut an 😉 „Altfrauengesöff“ oder wie war das? Gut, ich bin dann wohl etwas „frühreif“ *pfeif*…

  6. giftigeblonde schreibt:

    Hach!!! Hier sind also die weiteren LOkaltipps für mich ‚freu‘ frauhilde, da wohin duschreibst, per whatsapp ist mein altes nümmerchen, ich schick dir die neue bei Gelegenheit! Lesen kann ichja eh,..aber naja.
    Auf jeden Fall danke für den Exkurs in die kroatische Likörwirtschaft, wieder was gelernt,..haben sie dir auch Pelinkovac angeboten? DER ist mein Favorit,..eiskalt mit Eiswürfelchen und Zitrone,…

    Lg. S. die von Z. träumt.

    • frauhilde schreibt:

      Pelikovac ist so ein Kräuterdings, gell? Uh, das mag ich net so. (Bleibt mehr für dich, hihi!)

      Ich hab ja zwei Nümmerchen von dir, wusste aber nimmer, welches das richtige ist. Oder hast du ein ganz neues?

      PS: Komm, wir träumen zusammen von Z. 😉

      • giftigeblonde schreibt:

        hab dich angeschrieben, damit du dich auskennst.

        ja träumen wir, warst du einmal am Markt? Den hab ich letztes Mal verpasst 😦

        lg. S.

        • frauhilde schreibt:

          Da war ich letzes Jahr; dieses nur kurz.
          Ich drück dir die Daumen, dass du es beim nächsten Besuch mal schaffst. Der ist schon faszinierend.

          Und danke für die Nummer; ich hatte die sogar, wusste aber nimmer, welche grad „aktuell“ ist.

          • giftigeblonde schreibt:

            jaja ich bin die Frau mit den vielen Nummern sozusagen.
            Solange ich Internet habe, kann ich das alte auch nutzen,..sonst aber nicht mehr.

            Ich hoffe doch dass ich den Markt mal erlebe, ohne dass er mir vor der Nasen zusperrt.

  7. Nestedis schreibt:

    Herrlich! Da kann man ja gleich ein bisschen neidisch werden! Das einzige, was meine Mama auf die Reihe bekommt, sind Backmischungskuchen… Die wenig mit der Leckerheit von Likör gemeinsam haben 😊 sehr zu empfehlen ist auch Cranberrie-Likör, ungemein schmackhafte Sache!

    Ich freue mich jetzt gleich doppelt auf unseren Urlaub und werde auf jeden Fall die tschechischen Likörregale inspizieren 😃

  8. Manu/FrauWeibsvolk schreibt:

    Frau Hilde Sie sind ja eine Schnapsdrossel!! 😉

    Likör ist doch kein Altfrauengetränk!! Tse… ich drinke das schon lange *hüstel* gerne, aber natürlich nur in kleinen Dosen. *gg*

    LG

  9. Manu/FrauWeibsvolk schreibt:

    … trinke… natürlich…

  10. Friederike schreibt:

    ah, ich sollte ernsthaft darüber nachdenken, zu Ostern auf der Fahrt Richtung Split in Z. Station zu machen!!

  11. hoetuspoetus schreibt:

    …NEIN … was war DAS schön zu lesen ….. das war SO schön … ich kann nicht mehr!

    Ganz zauberhafte Grüße und hab eine schöne Woche …… Katja

  12. ullli23 schreibt:

    Vielleicht gefällt Dir ja der neue tolle Song von Kraftklub „Blau“ http://www.youtube.com/watch?v=3zDcKQUTAtk Passt ein bisschen zu dieser Likörsache, aber nur ein bisschen 🙂

    Schön wieder von Dir zu lesen!

    Liebe Grüße
    ullli

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