Von Terrorzwergen (Anfang)

Und es begab sich im Mittelteil des letztschuljährigen Schlussdrittels, dass Kollege T. auf die Frau Hilde zukam.

„Sag mal“, hub er an zu sprechen, „hättest du Lust, nächstes Jahr eine Fünf mit mir zu übernehmen?“

Der Hild’sche Blick verklärte sich.

Fünfies.

Kleine, niedliche Fünfies.

So wie damals.

Als die Frau Hilde die niedlichen, kleinen, puscheligen … ähm … Puschels hatte.

Und jetzt kam also die Aussicht darauf, Klassenlehrerin von so kleinen, niedlichen, putzigen … Hach.

Sie nickte also begeistert und tat mit ihrem Berufsstand und biologischem Alter mäßig angemessenen Quietschlauten ihr Einverständnis kund.

 

Das neue Schuljahr begann.

Der Frau Hilde und ihrem Kollegen lag die Namensliste vor und man harrte der Dinge bzw. Kindlein, die da kommen würden.

Und da kamen Kindlein.

Viele, viele Kindlein.

Um aber den Lehrkräften ihre Arbeit zu erleichtern, hatten die Kindlein netterweise lauter gleiche Namen. Und damit es aber wiederum nicht ZU einfach würde, begannen bei drei Kindlein gleichen Vornamens auch die Nachnamen mit dem gleichen Buchstaben. Muss man (= lehrer) also die ganzen Nachnamen lernen. Doof, das.

Der erste Schultag.

Kennenlernspiele standen auf dem Programm. Und die übliche Ausgabe diverser von den Eltern zu unterschreibender Briefe/ Informationen.

Kollege T.: „Jetzt müsste jeder von euch sechs Zettel haben. Stimmt das soweit?“

Kindlein: *raschel* *verwirr* *nick*

T.: „Prima. Dann machen wir mal weiter.“

 

Zwanzig Minuten später.

Kindlein X. (noch haben die Lehrer keine Ahnung, wie die so heißen): „Ich hab nur fünf Zettel.“

T.: „Ja, warum hast du denn nix gesagt?“

Kindlein Y.: „Ich hab nur vier!“

T.: *SCHWITZ*

 

Eine Viertelstunde später.

Kindlein J. (weiblich): *anfang zu heulen*

DFH (erschrocken): „J.,  was ist denn los?“

J.: „Ich hab nur DREI Zettel!“ *schlurchz*

DFH: *seufz*

 

Man verteilt also nochmal Zettel. Und spielt ein bisschen. Und ermahnt Kindlein L., das Kindlein J. immer tritt und zwickt.

Wenig später ermahnt man ein wenig lauter Kindlein L. (hat diesmal zwei der Jungs in der Pause auf dem Klo getreten).

Ein bisschen später ermahnt man dann Kindlein L. (hat die Wasserflasche von Kindlein P. gegen Kindlein P.s Schienbein geschlagen).

T. und dFH wechseln einen Blick.

Na, das kann ja heiter werden, signalisiert der von T.

Kannste laut sagen, der von dFH.

Bilanz des ersten Schultages: Vier weinende Kindlein, eins mit einer offensichtlichen Verhaltensauffälligkeit, zwei Lehrer, die durchgehend und konsequent geduzt wurden (das ist nichts Neues; die Kleinen haben das noch nicht so drauf), ziemlich viel Gewusel und auf keinen Fall Langeweile.

Bald mehr und auch, wie die Kindlein zu ihrem Spitznamen kamen. Die Frau Hilde wollte nur mal diesen Beitrag einschieben, wegen weil es sind Ferien und also passiert nicht viel Schulisches und so.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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35 Antworten zu Von Terrorzwergen (Anfang)

  1. Corinna schreibt:

    Schon komisch, was die Kindlein in der fünften Klasse noch nicht können: Siezen, Zettel zählen… ich hätte gedacht, es handele sich um eine erste Klasse, wenn Du’s nicht geschrieben hättest.

    • frauhilde schreibt:

      Das mit dem Duzen ist normal; ich find’s ja auch putzig. Vor allem, wenn sie’s richtig machen wollen und dann so was bei rumkommt wie „Du, Frau Hilde, ich zeig dir das mal!“ 😉

  2. Anna-Lena schreibt:

    Du Ärmste! Da bin ich doch froh, dass ich „Große“ habe. Wobei die auch nicht unbedingt immer richtig zählen, sondern lieber erzählen 😆 .

  3. Pi mal R Quadrat schreibt:

    Seh das wie Corinna: in der fünften (5!) Klasse wär mir nie eingefallen, meine Lehrer zu duzen! Das ging schon in der Grundschule nicht, das geht heute noch nicht, wenn ich Kommentare zu Lehrerblogs schreibe. Erst, nachdem das der/die/das Lehrerin angeboten hat.
    Und Zettel zählen sollte auch jeder schaffen, vor allem, wenn es nur 5 Zettel sind, man die also mit einer Hand halten und mit der anderen an den Fingern abzählen kann. 😮

    Aber das erklärt vielleicht, warum manche in 7 noch immer Schwierigkeiten mit dem kleinen 1×1 haben, wenn sie erst in 5 mit dem Zählen anfangen.

    • frauhilde schreibt:

      Die siezen mich inzwischen ja auch. Meistens jedenfalls. Und das mit dem Duzen ist keine Absicht, sondern weil sie das einfach noch nicht auseinanderhalten können („Du, Frau Hilde, komm mal!“). Ich find’s niedlich.
      Und du musst berücksichtigen, dass es ihr erster Tag an der neuen Schule und in der neuen Klasse war. So eine große Schule und so viele unbekannte neue Klassenkameraden und überhaupt … Ich glaub, die meisten waren froh, dass sie ihren Namen noch wussten. 😉

      • Pi mal R Quadrat schreibt:

        War auch ein wenig übertrieben formuliert von mir. 😉
        So ändern sich die Zeiten, damals (oh Gott, ich bin doch noch u30 😮 😥 ) gabs das eben nicht. Zumindest nicht in der Schule, in der Kita war es dann auch „du, Frau XYZ“. 🙂

        So ein Gymnasium ist ja auch wahnsinnig groß, und einschüchternd, und die Lehrer erst, da hst du schon recht. 😉
        Davon ab kam gestern auch ein bischen der Frust über Schüler raus, die nicht in der Lage sind, Bescheid zu gebeb, wenn sie in dne Ferien nicht in die Nachhilfe kommen… 😳

        • tinatainmentia schreibt:

          :mrgreen: Ich hatte letztens einen interessanten Fall von 6. (!) Klässler, der auf eine Kollegin und mich zukam und wohl nicht wusste, dass man auch im Plural Siezen kann. „Seid ihr gleich in dem Raum?“, fragte er. Die Kollegin und ich haben uns erst mal mega verwirrt angeguckt, so „Hat der uns grade ernsthaft geduzt?!“. Der Sechstklässler hat’s dann bemerkt, hat geseufzt und uns nacheinander einzeln angesprochen: „Sind Sie *auf mich zeig* und Sie *auf Kollegin zeig* gleich in diesem Raum?“ :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
          (Es handelte sich um ein Migrantenkind und ich schätze, er wollte nicht respektlos sein. Das Siezen im Plural kommt wohl nur einfach viel zu selten vor.)

          • frauhilde schreibt:

            Wie süß! 😀
            Aber das kann auch eine Dialektsache sein. Hier in der Pfalz „ihrzt“ man im Plural immer. Da gibt es kein Siezen. Und das ist nicht mal respektlos, das tun die halt so machen hier. 😉

            • tinatainmentia schreibt:

              Frau Hilde! Ihre Pfalz unterscheidet sich wohl von der meinigen, denn in meiner Pfalz wird nicht ge“ihrzt“, also außer auf Weinkerwen, aber da gibt es dann generell keine Förmlichkeit. :mrgreen: Ich bin jedenfalls auch mit Plural-Siezen aufgewachsen (vor allem auch in der Schule/gegenüber Respektspersonen :D) und kenne (außer Kindern) niemanden, der „ihrzt“! 😉

              • frauhilde schreibt:

                Hier wird gnadenlos ge-ihrzt – was umso skurriler ist, wenn man als quasi singuläre Erscheinung ge-ihrzt wird. 😀 Da hab ich so manches Mal schon ziemlich doof dreingeschaut.
                Aber man gewöhnt sich ja brav an alles, sogar an Pfälzer. 😉

        • frauhilde schreibt:

          Na, großartig.
          Müssen die dann trotzdem bezahlen, auch wenn sie nicht kommen, oder ist das für dich dann ein umsonstiges Dummrumsitzen?

          • Pi mal R Quadrat schreibt:

            Na ja, wie man es nimmt. Ich bin ja bei einem der Nachhilfeinstitute, und da läuft es so: fürs Warten gibt es die Hälfte. Doof nur, wenn ich drei Kurse hab und zum ersten komme und erfahre, dass alle drei entfallen, weil ich dann nur für dne ersten etwas bekomme.
            Wie das bei den Schülern bzw. Eltern aussieht wüsste ich manchmal auch gerne, weil ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass die zalen, obwohl Kind XYZ nicht hingeht…

  4. Nestedis schreibt:

    Huhu Frau Hilde, das klingt ja spannend!

    Das mit dem Siezen ist so eine Sache… In den meisten Fällen versucht der Grundschullehrer, mal geduldig, mal streng, mal laut, mal leise, den lieben Kleinen das mit dem Duzen und Siezen beizubringen. Wenn allerdings auch die Eltern Schwierigkeiten in solchen sozialen Spitzfindigkeiten haben, rudert man gegen Windmühlen, oder so.

    Ich bin gespannt, was sich da so in den Elterngesprächeb offenbaren wird, denn mit so vielen Eltern, die von Angang an per Du mit mir waren, kann ich gar nicht Bruderschaft trinken gewesen sein… Da hat der Erziehungsprozess dann auch dort noch einmal begonnen 😁

    Ansonsten denke ich, das wird 😉 Zettel austeilen, heißt ja nicht, Zettel zurückbekommen – mal sehen, wie viele Kinder am Ende der Woche Zettel verbummelt haben und noch unbedingt einen neuen brauchen!

    In diesem Sinne: bald ist es geschafft, das Wochenende lacht!

    • frauhilde schreibt:

      Wie ich schon sagte, ich find das nicht so schlimm. Inzwischen haben sie es meist drauf, mich korrekt anzusprechen. Im Eifer des Gefechts passiert immer wieder mal ein „Du, Frau Hilde, guck mal!“, aber das stört mich nicht weiter. Ich weise dann freundlich drauf hin, dass man mich siezt, und gut is‘. 😉

      Wie, die Eltern haben dich auch geduzt?
      Okay, DAS würd ich mir dann doch verbitten …

      Und zum Thema verbummelte Zettel – oh, das willst du gar nicht wissen. Ich hab spontan ein paar graue Haare mehr bekommen … 😀

  5. Oh Schreck, oh Graus! 😀
    Dabei mache ich meinem Pubi gerade schmackhaft, er sollte Lehrer werden. Dem macht keiner was vor, der hat jeden Scheiß schon selber ausprobiert. Aber wenn die alle gleich heißen … Was macht man denn da?
    Nummerieren! 😀

    • frauhilde schreibt:

      Der Pubi soll Lehrer werden? Wie geil ist das denn? 😀

      Nummerieren nutzt nüscht; ich lern in solchen Fällen nolens volens die Nachnamen auch gleich. Und meist bieten einem die Kindlein an, sie bei irgendeinem Spitznamen zu nennen (meine Jonasse in der ehemaligen achten Klasse nannte ich „Johnny“, „Joni“, „Jo“ und einen dann „Jonas“). 😉

  6. herr_mess schreibt:

    Wegen des Duzens machst du dir am besten keine großen Sorgen. Das verschwindet mit der Zeit von alleine. Man muss ab und an einfach mal streng kucken, wenn’s einem der Kinder rausrutscht, und irgendwann hat’s auch der letzte gefressen. Die Geschichte erinnert mich an eine alte Episode, die ich letztes Jahr erlebt habe: https://herrmess.wordpress.com/2013/09/27/liebe-grundschullehrerinnen/
    War ähnlich Augen öffnend 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Das mit dem Duzen kenne ich ja von den Puschels noch, und ich find’s auch nicht schlimm. Kurzer Hinweis, und gut isses. Und bei so Sätzen wie „Du, Frau Hilde, ich zeig dir das mal!“ muss ich selbst lachen. 😉
      Nerviger finde ich das Reinblöken, ohne sich zu melden, bzw. wenn sie die Hand zum Melden heben, aber im gleichen Moment schon reinrufen. Da werde ich dann auch mal strenger.

  7. ullli23 schreibt:

    Die Kindlein dutzen? Unglaublich, dass sie noch nicht gelernt haben in der dritten Person von und mit Frau Hilde zu sprechen… 🙂

  8. diewiderspenstige schreibt:

    Wir haben ja schon in der Grundschule siezen müssen… Dafür duze ich jetzt manchmal (Stufenfahrt, nach mehreren Gläsern vom guten Wein *unschuldig guck* 😀 )

    Terrorzwerge ist übrigens ein sehr toller Name, werd ich mir für die 217 kleinen Scheißer bei uns merken… 😉

  9. family4travel schreibt:

    Ich frag mich grade, wie sich mein eigener kleiner Fünftklässler dabei wohl gemacht hätte. Ich glaube nicht, dass er mit sechs Zetteln zu Hause angekommen wäre… Im Moment darf er seine Lehrer durchaus duzen (nämlich seinen Vater und mich, solange wir unterwegs sind, was natürlich wieder andere disziplinarische Komplikationen mit sich bringt). Wie es danach aussehen wird, da bin ich gespannt (zumal er auf unserer Reise praktisch niemanden siezen muss und auch kein Gesieze hört, da wir meist Englisch sprechen). In der 4. wurde der Lehrer noch ganz selbstverständlich geduzt, und wenn er in der 6. wieder dazukommt, wird er wahrscheinlich der Lacher schlechthin sein, wenn er das immer noch tut… Na ja, abwarten, das wird wahrscheinlich unser geringstes Problem – aber jetzt weiß ich immerhin, dass es eins sein könnte. 🙂

    • frauhilde schreibt:

      Ach, nein, glaube ich nicht. Wenn er wieder in die Schule geht, wissen die dort ja, dass er sich erst wieder einfinden muss. 😉
      Klappt das mit der „Eltern-Beschulung“ denn? Stelle ich mir von Elternseite her sehr spannend vor; als Lehrer hab ich ja immer noch eine Portion Distanz zu den Wuseln. Aber wenn’s das eigene Kind ist … hm …

      • family4travel schreibt:

        Es ist halt schon etwas ganz anderes. Zu Hause habe ich Berufsschüler unterrichtet, ich kenne also beide Seiten ein bisschen. Von der Stoffvermittlung klappt es wunderbar, wir liegen gut im Soll, und da ich zwei einzelne Strolche ganz anders im Blick habe als eine ganze Klasse voll, kann ich auch gut darauf achten, dass die Inhalte (fast) 100%ig sitzen, bevor wir weitermachen. Die Lehrer-Schüler-Beziehung ist natürlich eine komplett andere. Da gibt es mitunter schon mal Machtkämpfe (wie früher halt nur bei den Hausaufgaben…), und eben auch ganz andere Druckmittel („Wir können erst essen, wenn du das fertig geschrieben hast!“). 🙂

  10. KC schreibt:

    Hach, diese Kleinen sind immer so knuddelig überfordert. Ich erinnere mich noch an so ein süßes 5erchen, was in der großen Pause als letztes drinbliebt. Als ich es dann rausscheuchen wollte, guckt es mich ganz verzweifelt an und flüstert ganz leise: „Aber, ich hab mir gerade Wasser auf die Hose geschüttet. Jetzt denken die anderen bestimmt, dass ich mir in die Hose gemacht hätte.“
    So unrecht hatte es damit nicht, aber drinlassen konnte ich es auch nicht. Also dem Kindlein kurzerhand seine Jacke um den Bauch gebunden, versichert, dass man nix mehr sieht und es überglücklich nach draußen entlassen.

  11. Frau L schreibt:

    Bei einer Hospitation in der Grundschule letztes Jahr sagte mir die Lehrerin, das Siezen sei nicht ihre Baustelle. Macht nichts. Meine Zwerge (glücklicherweise ohne Terror-) kriegen das inzwischen auch ganz gut hin. „Du musst die Frau L SIEEN!!“ 🙂
    Eine andere Grundschullehrerin, bei der wir im Ref. hospitierten, sprach ihre Drittklässler grundsätzlich im Singular an, auch wenn alle gemeint waren. „Du holst jetzt dein Matheheft heraus und schreibst das Datum an den Rand“ etc. Bei „ihr“ fühle sich ein Kind nicht angesprochen. Bin ich froh, dass ich meine Zwerge in Englisch habe….

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