Von ein bisschen dies und das

Vor ein paar Tagen traf die Frau Hilde Chaot H.

Ja, genau den. Nervstrebergroßeklappe-H.

Man unterhielt sich eine Weile, wie’s so geht, was man so macht, und dann fragte H., wie denn der Hild’sche Grundkurs so sei, ob die auch so Chaoten seien oder womöglich sogar noch schlimmer.

Die Frau Hilde seufzte.

Weil … also, die Zwölfer … Die sind irgendwie immer noch schwer zu beschreiben. Sie sind alle irgendwie lieb. Und auch verschwätzt, also im Sinne von keine Streber oder so. Aber die sind … brav? Oder wie könnte man das nennen?

Die machen brav alles mit, was man ihnen vorsetzt, und zwar ohne zu murren, auch wenn die Frau Hilde genau weiß, dass sie absolut keine Lust auf das Thema haben.

Derzeit arbeitet man sich ja an Barocklyrik ab. Kein Lieblingsthema von Schülern. Die Chaoten haben seinerzeit Zeter und Mordio geschrien und gejammert und gepienzt.

Und die Zwölfer? Denen kann man wirklich die abartigsten Sonette vor die Nase legen, die arbeiten.

Und, und sie weiß, dass das eine seltsame Aussage für einen Lehrer ist, die Frau Hilde weiß nicht, ob sie das gut finden soll.

Natürlich sind die Stunden mitunter turbulent (Beispiele folgen die Tage) und sehr lustig und man kommt dann von Kuchenbacken auf A***backen, aber es gibt keine … wie soll man das nennen? Reibungsfläche? Die sind so … glatt?

Wirklich, die Frau Hilde hat sie von Herzen gern, ihre S. und V. und T. und wie sie heißen. Aber irgendwie fehlt da was. Nicht dass die Frau Hilde ihnen mangelnden Charakter oder fehlendes Rückgrat unterstellen wollte, das nicht, denn Charakter haben sie. Aber so ein kleines bisschen Diskussionskultur oder zumindest nicht immer so wort- und protestloses Hinnehmen?

Nun ist der Frau Hilde klar, dass sie, würde sich die Situation ändern, einen Jammerbeitrag über die bösen, bösen Zwölfer schriebe. Aber … wenigstens etwas weniger Fatalismus wäre doch irgendwie wünschenswert, findet sie.

Wie gesagt, die Stunden sind nach wie vor lustig. Und damit das jetzt kein allzu wirrer Beitrag wird, wobei, eigentlich ist das egal, denn die Frau Hilde kann nur wirre Beiträge, aber und jetzt hat sie auch schon wieder vergessen, was sie eigentlich schreiben wollte, wegen weil inzwischen ist ihr eingefallen, dass sie vor zwanzig Minuten im Bett liegen wollte, was ja aber augenscheinlich nicht so geklappt hat, und Riesensätze sind toll, aber da steigt man ja wirklich nicht mehr durch, aber jetzt ist der Frau Hilde gekommen, was sie schreiben wollte, nämlich also, damit das jetzt kein allzu wirrer Beitrag wird, noch ein, zwei kleine Szenen aus dem Grundkurs. Für den, dies als letzte Anmerkung, die Frau Hilde heute drei Stunden laminiert hat, wegen weil nämlich in der nächsten Stunde wird Stilmittel-Memory gespielt. Was die Frau Hilde am Laminiergerät verbrochen hat, sieht eher peinlich aus, aber dem zufällig einer Kollegin was ins Lehrerzimmer tragenden und darob der Laminierdinger ansichtig gewordenen S. hat sie schon standrechtliches Erschießen angedroht, wenn der Kurs über diese Katastrophe lacht.

Sie wird die Tage mal ein Foto machen (die Dinger liegen in der Schule, damit sie nicht vergessen werden).

Ja. In der letzten Stunde also sprach man kurz über eine mögliche Weihnachtsfeier und deren mögliche Gestaltung.

S: Mir kenne en Film gugge.

T: Jaaaa, „Die nackte Kanone“!

DFH: T?!?!

V: ( guckt so … V-ig)

DFH: DENK nicht mal dran!! (1)

V (VÖLLIG beleidigt): Ich hab grad nicht gedacht, was Sie dachten, das ich denke, denn ich hab überhaupt nichts gedacht.

DFH: Woher weißt du, dass ich dachte, dass du das denkst?

K: HÄ??

B: Mein Geldbeutel!! (B.s Geldbeutel ist seit Monaten kaputt. Und jede Deutschstunde kullern irgendwelche roten Münzen um ihn herum. So auch jetzt.)

S: P, sag mol „Ich“.

P: (zieht eine Grimasse)

DFH: Wieso soll der jetzt was sagen?

P: (macht den Mund auf und zeigt ein Ungetüm von … war es eine Zahnklammer? Es war aus Plastik und füllte den ganzen Mund)

DFH: Danke, P, so genau wollte ich das dann auch nicht wissen.

V: (guckt wieder so)

(Man wendet sich dem tagesaktuellen Barockgedicht zu, „Carpe diem“ von Martin Opitz, und die Frau Hilde versucht, die Stimmung des Gedichts einzufangen.)

S: Ajo, des is so … wisse Se, wie ich meen?

DFH: Nein.

S (fuchtelt mit den Händen): So … künstlerisch, verspielt, halt so … metrosexuell.

DFH: WIE bitte??

S: Ja. Wisse Se net, was metrosexuell ist.

DFH: Doch. Ich hab nur das Gefühl, DU weißt es nicht.

S: Doch. Des is, wenn ma Männer un Fraue …

DFH: Das ist bisexuell.

S: Hä?

(V widmet sich in der Zwischenzeit hingebungsvoll seinen Physikhausaufgaben. Die Frau Hilde wirft ihm das zu, was sie unter „Killerblick“ versteht. V bemerkt nichts. Die um ihn Sitzenden schon. Kichern.)

S: V, wann ich du wär, deed ich mol mei Physiksach wegpacke!

V: (blickt auf und begegnet der Frau Hilde ihrem Killerblick. Er guckt V-ig zurück.)

DFH: Schon gut, V, du hast gewonnen. Manchmal machst du mir Angst.

B: Der guckt echt voll psycho immer.

DFH: Kannst du nichts anderes?

L: Genau, lächle doch mal.

V: Lieber nicht.

S: Warum, hasch Löcher in de Zääh?

V: (grinst ihn an)

S (deutlich kleinlauter): Okay. Vielleicht solltesch wirklich net lächeln.

Das waren mal so ein paar Erlebnisse aus dem Grundkurs. Und wie gesagt, lieb und nett und lustig sind sie ja. Aber … aber halt.

 

(1) V ist der, der zu jeder und unpassenden Gelegenheit „Transformers“ sagt. Und die Frau Hilde befürchtete, er würde genau das wieder vorschlagen. Hätte er vermutlich auch, wenn die Frau Hilde nicht gedacht hätte, dass er denkt, dass sie denkt, er denke … Oder so. Die Frau Hilde geht jetzt besser ins Bett.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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42 Antworten zu Von ein bisschen dies und das

  1. pimalrquadrat schreibt:

    So, das kommt davon, dass ich doch wieder am Bildschirm hängengeblieben bin und eigene Einträge bis zum neuen Jahr vorverfasst hab. Jetzt kann ich vor lauter lachgeplagter Bauchmuskulatur nicht mehr sitzen oder liegen. 😀

    Vor allem die Überleitung von A****backen zu „so glatt“ zur kommenden Frau Hilde bis hin zur Bisexualität. Frau Hilde, die Gedanken werd ich heut Abend nimmer los. XD

    PS: Ich mochte Barocklyrik! So. Transformers und all das, eure Frau…. ähm. 😛

  2. rotezora. schreibt:

    Gottvoll, diese Südpfälzer! Hab selbst einige Exemplare in der erweiterten Familie. Beispiel gefällig? A., 2 Jahre alt, soll für ein Foto lächeln. A.’s Papa: „A., sag mal ‚Riesling‘!“ Darauf A.: „Schooorle!“
    Stichwort Metrosexualität: Vor Jahren, ich hatte das Wort wirklich noch nie gehört, kam ein Zehntklässler damit an. Ich spontan: „Wie, die treiben’s in der U-Bahn?!?“ Großer Lacherfolg, meine Gesichtsfarbe spielte deutlich ins tomatenhafte…

  3. Myriade schreibt:

    Was haben wir doch für einen schönen Beruf ! Allen Ernstes, es macht doch wirklich immer wieder Freude ……

  4. Corinna schreibt:

    *ggg* Vielleicht fehlt Dir bei denen die Herausforderung. Du bist halt schwierigere Fälle gewöhnt. Aber die kommen schon wieder irgendwann. Keine Bange! 😉

  5. stefanini schreibt:

    Ich glaube, ich kenne niemanden, dessen Lieblingsthema Barocklyrik war. Seltsamerweise ist die Epoche, von der meine Studenten behaupten, sie hätten sie ausgiebig besprochen, Barock. Warum? Weil sie sich da wegen der anderen Schreibe besser dran erinnern können?

    Und wenn du deine Schüler schockst? Wenn du mal sagst, dass du die Aussage des Gedichtes totalen Quatsch findest. Dass sich da doch sowieso niemand mit identifizieren kann und man es nicht in der Schule behandeln sollte, dass wir alle nicht vergänglich sind, weil wir in der heutigen Zeit so viele Spuren hinterlassen … Oder „Thränen des Vaterlandes“ mit dem Syrienkrieg und den Flüchtlingen verbindest: Sie sollen sich informieren, was da so hinsichtlich der IS geschieht und inwiefern der Inhalt des Gedichtes den Alltag des Krieges auch heute widerspiegelt. (Vielleicht machst du sowas eh, weiß ich ja nicht. Aber so ein müder Kurs könnte ja vielleicht, vielleicht durch etwas aufgeweckt werden, was sie wirklich nicht erwarten. )

    Ob man natürlich Transformers irgendwie mit Barock verbinden kann, weiß ich nicht; aber immerhin sind die Teile ja unvergänglich und werden nach tausenden von Jahren im Eis gefunden … 😉

    • frauhilde schreibt:

      Hab ich schon versucht, das mit dem Schocken. Klar, dann wird ein bisschen diskutiert; aber insgesamt … machen sie dann doch wieder, was sie machen sollen.

      Und wir schauen bei der Weihnachtsfeier nicht „Transformers“, sondern spielen. So. (Schon wieder so was, wo sie sich einfach haben überstimmen lassen, ohne zu mosern …)

  6. tinatainmentia schreibt:

    „Das Gedicht ist so… metrosexuell!“ :mrgreen: 😆 Das ist ZU gut!

    Bzgl. der Dialektsprecherei: Ist das bei Ihnen echt so schlimm? 😕 Also, wir waren ja auch in der Pfalz, aber zugegebenermaßen halt nicht in der „diiefschde (Süd-)Palz“, aber bei uns hat echt niemand pfälzisch gesprochen, vor allem in der Oberstufe nicht mehr. In der Orientierungsstufe gab es mal so 1-2 Kandidaten, aber denen wurde dann verklickert, dass die Schule eine hochdeutsche Zone sei… :mrgreen:

    • frauhilde schreibt:

      Jupp, es IST so schlimm! Und ich bin nun wirklich auch nicht dialektfrei. Aber DAS ist wirklich unglaublich!

      • tinatainmentia schreibt:

        Wie, bringen Sie dann etwa ein bisschen schwäbischen Flair (es war doch schwäbisch, also in da-wo-die-Frau-Hilde-herkommt, oder? 😕 (peinlich)) mitten in die Südpfalz? Na, das ist aber auch eine interessante Mischung. :mrgreen:
        Bei uns ist’s echt überwiegend Hochdeutsch, nur sowas wie „net“ oder „gell“ schleicht sich eben immer wieder ein. Die Lehrer sind meist schon des Pfälzischen mächtig und verwenden es auch oftmals untereinander, aber den Schülern gegenüber nie. Unvergessen dazu mein Deutsch-Abi: Bevor es losging, ein paar Worte an uns gerichtet – lupenreines Hochdeutsch. Ein Kollege kommt rein, die Lehrerin verfällt in tiefstes Pfälzisch. Sie wendet sich wieder zu uns – zack, da war er wieder, der Hochdeutschschalter! Wahrlich faszinierend. :mrgreen:

        • frauhilde schreibt:

          Ich switche auch immer zwischen Hochdeutsch und Dialekt. Wenn ich mit den Kindlein schimpfe, dann in einer Art Suebo-Palatinisch. Oder so. Schimpfen auf Hochdeutsch geht hier irgendwie nicht.
          Ansonsten rede ich hochdeutsch mit ihnen.

  7. iTanni schreibt:

    Also sie können aber Schachtelsätze bilden, mei, da hab ich am Schluß vergessen was am Anfang stand. *schulterzuck* aber lustig isses 😀

  8. lustig schreibt:

    Wie lächelt er? :O
    (ich kann auch gruselig lächeln. Aber irgendwie scheint V WIRKLICH gruselig lächeln zu können.)

    • frauhilde schreibt:

      Er … wie soll ich das beschreiben? Er hat so einen Killerblick. Und wenn man dann noch sein ziemlich diabolisches Lächeln nimmt … (Aber er ist wirklich, wirklich harmlos eigentlich!)

  9. michael schreibt:

    > V widmet sich in der Zwischenzeit hingebungsvoll seinen Physikhausaufgaben.

    Das ist doch lobenswert!

  10. Anna-Lena schreibt:

    Unser Beruf ist doch der Schönste, findest du nicht? Man lernt jeden Tag dazu, durchlebt alle Gefühlsbreiten und hat sogar auch seine highlights.
    „Weil … also, die Zwölfer … Die sind irgendwie immer noch schwer zu beschreiben. Sie sind alle irgendwie lieb. Und auch verschwätzt, also im Sinne von keine Streber oder so. Aber die sind … brav? Oder wie könnte man das nennen?

    Die machen brav alles mit, was man ihnen vorsetzt, und zwar ohne zu murren, auch wenn die Frau Hilde genau weiß, dass sie absolut keine Lust auf das Thema haben.“
    Da hast du meine 12er exakt beschrieben und wenn ich ehrlich bin, finde ich manche Themen auch nur ätzend und kann die Schüler soooo gut verstehen.

    Viel Spaß in der letzten Woche für dieses Jahr,
    Anna-Lena

    • frauhilde schreibt:

      Was machst du da dann? Das ansprechen? Oder hinnehmen und darauf hoffen, dass irgendwann mal ein Protest kommt?

      • Anna-Lena schreibt:

        Ich versuche zu entscheiden, was man weglassen oder durch andere Texte/Inhalte ersetzen kann. Wenn es nicht anders geht, zieht immer die Abiturrelevanz. Eigentlich bin ich auch ein wenig egoistisch, mir macht ja auch nicht immer Spaß, was ich unterrichten muss und das sage ich meinen auch offen. Wir quälen uns dann gemeinsam durch.
        In Englisch sind die Möglichkeiten eher begrenzt, aber in Geografie habe ich ein wenig mehr Freiraum.
        Zählt nicht meist, wie man es verpackt?
        Und bei Diskussionen weiche ich nicht aus. Das klappt ganz gut.

  11. Frau Henner schreibt:

    Ach Frau Hilde, genauso war mein letzter Deutschkurs und irgendwie vermisse ich ihn, auch wenn die Schülerlein kaum Reibungsfläche boten. Wir hatten zumindest immer viel Spaß und trotzdem was gelernt. Sie Deutsch und ich Dialekt!

    • frauhilde schreibt:

      Kommst du ursprünglich nicht aus … wo auch immer du unterrichtest? (BaWü? Im Schwobaländle oder bei den *zensiert*?)

      • tinatainmentia schreibt:

        „bei den *zensiert*“, ahahaha. 😆 Das finde ich witzig, weil wegen wenn man in BaWü studiert, richtet sich der äh, also nicht Hass, sondern äh, die Antipathie nicht immer automatisch gegen uns Pfälzer, weil die BaWü’ler sich auch untereinander kritisch beäugen, je nach Region. :mrgreen: Das ist als Außenstehender dann irgendwie amüsant.

        • pimalrquadrat schreibt:

          Boah ey, Frau Hilde, wasn jetzt los?! Die alte Spätzleszähler und Grombiera-dreimal-Esser, damit au ja nix verschwendet wird, brausch net meine dasss die besser wäret.

          Hier einfach mal so die Hälfte meiner Verwandtschaft zu *zensieren*, des geht jo mal gar nedde!

          😉

        • frauhilde schreibt:

          Kritisch beäugen? Es gibt eine Hassliebe zwischen Badensern und Schwaben, that’s all.
          Und als Schwäbin … nun ja. 😀

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