Von den Meisens

Oder: Eine schrecklich geflügelte Familie

Heute mal nichts mit Schule; irgendwie ist gerade Sauregurkenzeit bei den Schülern. Oder es passieren Dinge, bei denen sich die Frau Hilde, wenn sie passieren, denkt, oh, das musste unbedingt bloggen, und keine zehn Minuten später hat sie alles wieder vergessen. Muss das Alter sein. Oder das Wetter. Oder so.

Also, die Meisens.

Die Frau Hilde, die wohnt ja unterm Dach. Und da wohnt auch, allerdings nicht bei der Frau Hilde, sondern direkt unterm Dach, Familie Spatz.

Familie Spatz ist sehr niedlich.

Sonntags, da trifft sie sich immer zum Familienausflug. Spatzens Senior und die Spatzenkinder. Die Frau Hilde liegt da immer im Bett. Über ihr am Dach macht es dann plötzlich brackelbrackelbrackel, und die Familie Spatz macht sich übersdachtrappelnderweise auf den Weg.

Etwas später kommt sie dann zurück, und da macht es dann wieder brackelbrackelbrackel. Manchmal piept es auch, wenn die Spatzenkinder erzählen, was sie so alles erlebt haben.

Letzten Sonntag brackelte es wieder los. Aber es brackelte lauter und länger als sonst. Hm, dachte sich die Frau Hilde, selbigwelche mit geschlossenen Augen im Bett lag und dringend ein wenig oder auch ein wenig mehr Schlaf nachholen wollte, heut sin se aber arg. Und das Gebrackel kam auch nicht von über ihr, sondern aus Richtung Schlafzimmerfenster. Wahrscheinlich, so dachte die Frau Hilde weiter, haben Spatzens Besuch. Die Erbtante aus Überstraß oder so.

Als es nach einer Weile immer noch nicht aufgehört hatte, öffnete die Frau Hilde ein Auge und schielte Richtung Fenster.

Und da hing, und zwar kopfüber, eine Kohlmeise am zu einem Drittel herabgelassenen Rollladen.

„Öh?“, machte die Frau Hilde eloquent und rappelte sich auf, was die Kohlmeise zum geordneten Rückzug bewegte. Sie flog zur sich direkt daneben befindenden Trauerweide und übte sich im Die-Frau-Hilde-Ausschimpfen.

„Mpf“, machte die Frau Hilde nicht viel eloquenter als vorher und schlurfte zurück ins Bett. Acht Uhr, da darf man ja wohl ungehalten sein über Störungen.

Sie schloss die Augen wieder und hoffte, noch ein, zwei, viele Stündchen schlafen zu können, als das Gebrackel erneut losging. Diesmal war Frau Kohlmeis aber nicht zu sehen.

Gleiches Spielchen also, die Frau Hilde trottete wieder zum Fenster und zog zum Behufe des Bessersehenkönnens den Rollladen hoch, um in der nächsten Sekunde vor Schreck fast nach hinte zu kippen: Diesmal waren es ZWEI Kohlmeisen, die empört zwitschernd aus der Lücke zwischen Rollladen und Hauswand geschossen kamen.

Das müde Gehirn der Frau Hilde zählte eins und eins zusammen, verzählte sich und beim zweiten Zählen kam dann auch ein Ergebnis raus: Familie Kohlmeis war drauf und dran, in besagte Lücke einzuziehen, wegen weil nämlich es wird ja Winter, und da möchte man im Sinne von kohlmeis es natürlich trocken und nicht zu kalt haben.

So süß die Frau Hilde Kohlmeisen auch findet, sie war erstmal mäßig begeistert. Erstens hat sie keine Ahnung, was kohlmeis in dieser Lücke so alles kaputtmachen kann, zweitens ist die Aussicht darauf, dass die eigene Fensterbank zur Kohlmeis’schen Toilette umfunktioniert wird, auch nicht gerade prickelnd. Außerdem hatte sie noch nie Kohlmeisen als Untermieter, und man muss da ja schon schauen, wen man sich ins Haus holt!

Die Frau Hilde ging also mit eher nicht so guter Laune ins Bad und rüttelte, als sie aus selbigem zurückkam, erneut am Rollladen.

Gleiches Spiel wie vorher: Die Kohlmeisens kamen erbost aus der Lücke geflattert, setzten sich auf den nächsten Trauerweidenast und schimpften wie die Rohrspa-… ach nein, wie die Rohrmeisen.

Das Spielchen wiederholte sich zwischen Sonntag und Mittwoch noch einige Male:
Rütteln – Flucht – Gemoser.

Am Mittwochabend gab die Frau Hilde dann auf und hieß die neuen Untermieter willkommen. Gut, über die eine oder andere Kondition muss man sich noch einigen, zum Beispiel, was die Frau Hilde machen soll, wenn es doch mal kalt wird und wegen weil, wenn es kalt ist, dann ist der Rollladen nachts unten.

Aber da wird man sich schon irgendwie einig werden.

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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29 Antworten zu Von den Meisens

  1. Rainer Franke schreibt:

    Ihr werdet Euch einig, da bin ich fest von überzeugt. Halt uns bitte auf dem Laufenden. Oder müsste es heißen „auf dem Fliegenden“?

    • frauhilde schreibt:

      Rainer!!
      (Das hat jetzt einen Moment gedauert … Bin heute wohl nicht so schnell.)

      Ich werde euch auf dem Lauf-Flieg-Brackelnden halten! Und ich hoffe, dass die Kohlmeisens sich mal damit einverstanden erklären, für ein kleines Foto zu posieren. Im Moment sind sie noch ein wenig pressescheu. 😉

  2. Frau Tonari schreibt:

    Oha. Jetzt hat Frau Hilde offenbar amtlich eine Meise.

    .
    .
    .
    Als Untermieter. 😉

  3. Corinna schreibt:

    Oh, ja! Ich warte gespannt auf ein Kohlmeisenfoto; bitte möglichst kopfüber am Rollladen hängend. 🙂

  4. pimalrquadrat schreibt:

    Wegen des Wetters? Schaust du zu oft danach, ob es noch da ist? 😛

    Ach herrje, kleine Untermieter, einerseits richitg schön – ich mein, hallo, schöneren Gesang gibt es für lau eher nicht – aber andererseits pass auf, dass du keine Mietnomaden erwischst, hinter denen es dann aussieht wie bei Hilde unterm Sofa! 😮 :mrgreen:

    • frauhilde schreibt:

      Pöh. Gaa nich.

      Und glaub mir, Zustände wie bei mir unterm Sofa KÖNNEN Meisens gar nicht hinkriegen!!

      • pimalrquadrat schreibt:

        Ich seh dich! 😛

        😄 😄 😄
        Dann bin ich mal gespannt darauf, wie es weitergeht, und ob du mit deinen neuen Nachbarn leben kannst. Bitte täglich berichten, inklusive Photos, so wie Scalzi es mit seinen Kätzchen macht. 🙂

        • frauhilde schreibt:

          Wer mit wem? *verwirr*

          • pimalrquadrat schreibt:

            John Scalzi, amerikanischer Scinece-Fiction-Autor. Postet gerade sehr regelmäßig Bilder seiner zwei kleinen Kätzchen, genannt: Thing One und Thing Two.
            Bitte mach das mit deinen Untermietern auch so. 😉

            • frauhilde schreibt:

              Super, jetzt hab ich eine halbe Stunde lang Katzenbilder/ -videos geschaut. Immer diese prokrastinativen Übersprungshandlungen. *seufz*

              Meine Meisens sind zwar süß, aber längst nicht so kameraaffin wie die Kätzchen.

              Namen? Na, immer her mit den Ideen!

              • pimalrquadrat schreibt:

                😄

                Ich kann es dir aber nicht übel nehmen. 😉
                Schlimm wird es erst dann, wenn du neben Kätzchen auch noch nach Welpen und/oder Möpsen schaust. :mrgreen:

                Namen? Woah, dabei bin ich doch dabei so unkreativ. 😳
                Wolfram von Meisenbach und Hildegard von Meisingen? Dann sindse auch gleich noch pesudo-adlig. 😛

  5. christaschule2010 schreibt:

    Ich will auch über das Gevögele informiert werden! Bitte weiter schreiben!!! :))

  6. hauskindich schreibt:

    *piep* *gelöscht* *rotwerd* … ich bin auch an dem Fortgang bzgl. der ornithologischen Besonderheiten interessiert 😉 😀

  7. frauhilde schreibt:

    O_o
    Na, hör mal, wenn DAS jetzt der Mini wüsste, was die Mini-Mama für schlimme Gedanken hegt! 😀

  8. Sylana schreibt:

    Eieiei, die armen Meisen. Das ist ja Mobbing, was Du da treibst.
    Hör mal, der Rollladen bleibt aber oben! Dann haben die Meisen keinen Stress. Und Du siehst auch, ob das Wetter noch anwesend ist.

    Liebe Grüße
    Sylana

    PS: Wann gibt’s denn wieder eine „Hilde des Tages“?
    Ich mein, die letzte hab ja schon ich geliefert?

    • frauhilde schreibt:

      Das is fei überhaupt nicht Mobbing! ICH hab nämlich NICH angefangen. Nämlich wegen weil, also, ich hab denen ja nicht gesagt, dass die da einziehen müssen, und zwar in einer Lautstärke, dass Motörhead neidisch würden!! A-püh!

      Och, du, ich bin ja froh, dass mir mal nix Peinliches passiert. 😉
      Wobei … also, letzte Woche … aber das blogge ich ein andermal.

      • Sylana schreibt:

        Natürlich, doch hast Du angefangen!
        Die warn noch nich ma ganz eingezogen, da haste schon am Rollladen rumgemährt. 😉
        Und beim Möbeltragen gibt’s nu mal Krawall. 😉

        Aber schon erstaunlich, wie viel Krach so kleine Flügelviecher machen können, oder?

        Aber das ist alles nichts gegen den verhaltensgestörten Specht, der hier ein Verhältnis mit der Straßenlaterne hat. Echt Blech, verstehste?
        Sylana

        • frauhilde schreibt:

          Oh weh, armer Specht. Diese Liebe wird wohl auf ewig unerwidert bleiben. *seufz*

          Du hast recht. SO kleene Tiere, aber Lärm wie meine Terrorzwerge!!

          • Sylana schreibt:

            Hä, les ich richtig?
            Armer Specht?
            Du wolltest wohl schreiben: Arme Bevölkerung 2km im Umkreis…
            Was meinste wie die unerwiderte Liebe scheppert?

  9. Julia schreibt:

    Ach liebe Frau Hilde -was ham Sie mir gefeeeeeehlt und was freu ich mich wieder schmuzeld-lachend was von Ihnen zu lesen 🙂
    LG Julia

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