Schnellchen L

Oder: Wer hat an der Uhr gedreht?

Donnerstag.

Die Frau Hilde hat gerade fünf Stunden Kursarbeitsaufsicht hinter sich und fühlt sich ein wenig … kursarbeitsgeschädigt. Nachmittags hat sie noch ihre Geschichts-Dreizehner, aber das ist ja erst nachmittags.

Kollegin S. kommt ins Lehrerzimmer und fragt an, ob die Frau Hilde vielleicht eventuell möglicherweise Lust auf einen Kaffee – sie hat die Frage noch nicht zu Ende gestellt, da steht die Frau Hilde schon bejackt und begeldbeutelt mit erwartungsvollen Augen vor ihr.

Die beiden begeben sich in den Zweitwohnsitz und die Frau Hilde gibt sich willenlos ihrer Sojalatte hin.

Man tratscht und überhaupt ist es sehr nett und die Frau Hilde guckt auch nicht auf die Uhr, wegen weil sie hat im Moment gar keine, nämlich ihre Armbanduhr, die hat in den Sommerferien ihr Leben ausgehaucht.

Nach einer, wie die Frau Hilde meint, kurzen Weile fragt S. dann doch, wann die Frau Hilde zu ihren Großen muss.

Die Angesprochene guckt auf ihr Handy und gibt zurück, sie habe noch einen Riesenhaufen Zeit, die achte Stunde beginne ja erst in vierzig Minuten.

S. guckt komisch.

„Äh … du weißt schon, dass die Achte in einer Minute anfängt, ne?“

Die folgenden Momente zu beschreiben fehlt der Frau Hilde das Schreibtempo. Binnen Nanobruchteilen von Sekunden hat sie ein paar Groschen auf den Tisch geworfen, Täschelchen und sich selbst gepackt und ist gen Schule (Fußweg acht Minuten!) entschwunden.

Unterwegs wird sie von Schüler G. überholt; der wundert sich erst, dass seine Lehrerin NOCH später kommt als er, und dann lacht er die Frau Hilde eine Runde aus.

Knappe zehn Minuten später steht die Frau Hilde scham- und rennrot vor ihrem Kurs und wird dort erstmal verspottet.

Übrigens fehlt noch C. (der beste Feind von S. von den Großen; er hat das zweifelhafte Vergnügen, die Frau Hilde neben Deutsch auch in Geschichte zu haben). Der wiederum steht, wie sich später herausstellt, verzweifelt in einer Pizzeria und wartet auf seine Pizza, die nicht kommt.

Er wird fünfundzwanzig Minuten später beschämt reinschleichen, seinen Pizzakarton neben sich stellen und diesen so lange sehnsüchtig zu beäugen, bis ihm die Frau Hilde sagt, er möge doch bitte endlich seine Pizza essen und sich hernach wieder auf den Unterricht konzentrieren.

Ja, so war das, als die Frau Hilde mal eben spontan ihren Unterricht vergaß …

 

PS: Wenn Lehrer ferienreif sind:

DFH tappert durchs Lehrerzimmer.

C. (der Herr A. von London) schaut mit kleinen Augen hinter seiner HÜ hervor: „Egal, wo du hingehst, ich geh mit dir mit!!“

DFH: „Äh, ich geh aufs Klo?!“

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Über frauhilde

Chaostrampelndes Lehrerschusselchen
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12 Antworten zu Schnellchen L

  1. Corinna schreibt:

    *lach* Das gehört wohl in die Kategorie „Lehrer sind auch nur Menschen“.

  2. Gretel schreibt:

    Gut, daß sich Weihnachten gerade nähert, hoffentlich bringt der Weihnachtsmann der Frau Hilde eine neue Uhr! Nur, falls das der Nikolaus noch nicht getan hat 😉
    (irgendwie kommt mir das ganze ziemlich bekannt vor 🙂 )
    Lieben Gruß von der Kollegin Gretel, die oft der Frau Hilde ihren Blog sehr gerne liest 😉

  3. Hauptschulblues schreibt:

    Ich bin auch oft im Büro gesessen und nach einer Viertelstunde holten mich die Klassensprecher ab …
    @Sojalatte:
    Hä? Dafür holzen sie doch Quadratkilometerweise die Wälder in der Dritten Welt ab?

  4. Frau L schreibt:

    Ach, Frau Hilde, wie schön, dass es anderen auch so geht. 😀
    Vor ein paar Wochen: Kollegin mit weitem Schulweg hat um 19 Uhr Elternabend, also gehen wir nach der 10. im Nachbarort was essen, spazieren vorher ein wenig durch die Natur, genießen Auszeit und Aussicht. „Den schönen Spätnachmittag werden wir sicher nicht vergessen, sollte man öfter machen“ etc. Essen ist lecker, danach wird weiter gequasselt… bis ich auf die Uhr sehe. „In zwei Minuten beginnt dein Elternabend!“ War sicher ein Schauspiel, diese beiden zum Auto rennenden und giggelnden Lehrerinnen. 😉 Fußweg plus Autofahrt zurück zur Schule mehr als 15 Minuten…. Aber die Eltern (denen andere Beteiligte die Türen geöffnet hatten) hatten alle brav gewartet.
    Ja, so war das, als die Frau X mal eben spontan ihren Elternabend vergaß … Den Tag werden wir aber tatsächlich nicht vergessen.

    • frauhilde schreibt:

      Haha, super! 😀
      Und ja, es ist wirklich gut zu wissen, dass man mit seiner Schusseligkeit nicht so alleine auf der Welt ist!
      Übrigens Respekt, dass die Eltern brav gewartet haben. Ich kenn da einige Exemplare, die bestimmt Zeter und Mordio „gegrische“ hätten. 😉

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